Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (ursprünglich: englisch United Nations International Children’s Emergency Fund, seit 1953: United Nations Children’s Fund, UNICEF) ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen und fungiert als eine ihrer entwicklungspolitischen Organe. Sie wurde am 11. Dezember 1946 gegründet, zunächst um Kindern in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg zu helfen. Heute arbeitet die Organisation weltweit in über 190 Staaten und Territorien. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt in Entwicklungsländern und in den Krisengebieten der Erde. Dort unterstützt UNICEF Kinder und Mütter in den Bereichen Gesundheit, Familienplanung, Hygiene, Ernährung sowie Bildung und leistet humanitäre Hilfe in Notsituationen. Außerdem setzt sich UNICEF politisch für die Kinderrechte ein, so etwa im Einsatz gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten oder für den Schutz von geflüchteten Kindern. Die Organisation tritt weltweit für die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention und der Ziele für nachhaltige Entwicklung (Agenda 2030) ein. Hierzu werden auch in Industrieländern in geringerem Umfang Programme durchgeführt, zum Beispiel zum Schutz von geflüchteten Kindern.
Sitz der internationalen Organisation UNICEF wie auch der Mutterorganisation UNO ist New York.
2021 betrugen das Budget von UNICEF international rund 8,2 Milliarden US-Dollar. Derzeit hat UNICEF weltweit rund 13.000 Mitarbeiter in rund 190 Ländern und Territorien; die meisten davon sind nationale Kräfte in den Programmländern.
Als eigenständige Nichtregierungsorganisationen fungieren in den Industriestaaten nationale Komitees die Arbeit von UNICEF. Sie sind vertraglich an die UN-Organisation UNICEF gebunden und werden von den jeweiligen Regierungen anerkannt.
Ihre Hauptaufgabe besteht darin, Mittel für die weltweiten UNICEF-Projekte zu sammeln, über die Situation der Kinder auf dem Globus zu informieren und die Umsetzung der Konvention über die Rechte des Kindes zu begleiten. UNICEF finanziert seine Arbeit aus freiwilligen Beiträgen der Regierungen und privaten Spenden.
UNICEF wurde von der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 11. Dezember 1946 gegründet, um Notfallnahrung und Gesundheitsversorgung für Kinder in Ländern, die an den Folgen des Zweiten Weltkrieges litten, bereitzustellen. Ludwik Rajchman (1881–1965), ein polnischer Bakteriologe und Gründungsmitglied der UNRRA, gilt als Gründer von UNICEF und war von 1946 bis 1950 ihr erster Leiter, trat jedoch aus Protest gegen den Koreakrieg zurück. Erster Direktor wurde Maurice Pate. Im Jahr 1953 wurde UNICEF den Sonderorganisationen der Vereinten Nationen zugeordnet.
1965 erhielt die Organisation den Friedensnobelpreis.
1965–1979 Henry R. Labouisse (USA)
1980–1995 James P. Grant (USA)
2018–2022 Henrietta H. Fore (USA)
seit 2022 Catherine M. Russell (USA)
UNICEF arbeitet in allen Kriegs- und Krisengebieten der Erde. Jährlich werden über 300 Nothilfeeinsätze durchgeführt. Regelmäßig im Dezember veröffentlicht die Organisation eine Übersicht dieser Programme. Diese enthält für jedes Land Informationen zur Lage der Kinder, der geleisteten Hilfe und der aktuelle geplanten Maßnahmen sowie der benötigten finanziellen Mittel, um Kinder wirksam zu unterstützen – zum Beispiel in der Ukraine, in Syrien, im Jemen, in Afghanistan oder am Horn von Afrika. Um mit ihren Projekten und Programmen eine größere Wirkung zu erzielen, sucht die Organisation die Partnerschaft mit Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Regierungen. Beispiele für historische und laufende Projekte und Programme sind:
Die Operation Lifeline Sudan (kurz: OLS; deutsch: Aktion Überlebensbrücke Sudan) war eine humanitäre Operation der Vereinten Nationen im Sudan. Die OLS wurde im März 1989 angesichts einer sich ab Mitte der 1980er-Jahre abzeichnenden Hungersnot im Südsudan auf dem Höhepunkt des zweiten Sezessionskrieges beschlossen. Unter Führung der UNICEF wurden Hilfeleistungen verschiedener humanitärer Organisationen koordiniert.
UNICEF ist an umfassenden Kampagnen zur Bekämpfung gefährliche Infektionskrankheiten beteiligt oder führt diese durch, beispielsweise im Kampf zur Ausrottung der Kinderlähmung. Die Organisation arbeitet dabei unter anderem mit der Bill & Melinda Gates Foundation, der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dem US Centers for Disease Control and Prevention (CDC) und Gavi, der Impfallianz zusammen.
In Syrien und seinen Nachbarländern leitet UNICEF gemeinsam mit World Vision die Initiative No lost Generation. Sie wurde 2013 in Leben gerufen, um Millionen geflüchteten Kindern Zugang zu Bildung zu ermöglichen.
Im Jahr 2020 stellte UNICEF sein logistisches Netzwerk der internationalen COVAX-Initiative zur Beschaffung von COVID-19-Impfstoffen zur Verfügung, organisierte die Beschaffung und den Transport der Impfstoffe und unterstützte die Impfungen
Bis zum Sommer 2022 wurden über 1,5 Milliarden Dosen COVID-19-Impfstoffe an Entwicklungs- und Schwellenländern ausgeliefert.
UNICEF entwickelt und beschafft Hilfsgüter für internationale humanitäre Hilfe und Entwicklungsarbeit. Hierzu unterhält die Organisation an verschiedenen Orten Logistikzentren sowie Warenhäuser. Das zentrale Logistikzentrum ist im Freihafen von Kopenhagen (Dänemark).