Tucker Swanson McNear Carlson (* 16. Mai 1969 in San Francisco) ist ein US-amerikanischer Journalist, Fernsehmoderator und politischer Kommentator.
Nachdem er erst Gastgeber der CNN-Debattensendung Crossfire und der MSNBC-Show Tucker war, moderierte er von 2016 bis 2023 die reichweitenstarke abendliche politische Talkshow Tucker Carlson Tonight bei Fox News. Seit seiner Trennung von Fox News betreibt Carlson ein eigenständiges Format mit dem Titel The Tucker Carlson Show, das er über Soziale Medien, YouTube, Spotify und einen eigenen Streamingdienst verbreitet. Seine Sendung erreicht pro Folge plattformübergreifend 56,8 Millionen Aufrufe.
Während Carlson zu Beginn seiner Karriere öffentlich noch liberale Ansichten vertrat, wurde er mit der Zeit konservativer und verbreitet inzwischen Verschwörungstheorien über Themen wie Einwanderung, die Corona-Pandemie, Besuche von Außerirdischen, den Sturm auf das Kapitol sowie den Ukraine-Krieg, zu dem er Behauptungen der russischen Propaganda übernahm. Ihm wird die Verbreitung rechtsextremer Aussagen sowie antisemitischer Stereotype vorgeworfen.
Carlson wurde 1969 als älterer der beiden Söhne des Bankiers, Nachrichtenmoderators und Diplomaten Richard Warner Carlson (1940–2025) und seiner Ehefrau, der Künstlerin Lisa McNear (1945–2011), geboren. Sein Ururgroßvater Cesar Lombardi emigrierte 1860 aus der Schweiz nach New York.
Als Carlson sechs Jahre alt war, verließ seine Mutter die Familie. Eigenen Angaben zufolge sah er sie bis zu ihrem Tod im Jahr 2011 nie wieder. 1976 reichte sein Vater die Scheidung ein und beantragte unter Verweis auf die Alkohol-, Marihuana- und Kokainsucht der Mutter das alleinige Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder, das er auch erhielt.
1979, als Carlson zehn Jahre alt war, heiratete sein Vater Patricia Swanson (1945–2023), eine Nichte des Senators J. William Fulbright und Tochter des Industriellen Gilbert Swanson (1906–1968), der als Erfinder des TV-Dinners gilt. Patricia Swanson adoptierte Carlson und seinen Bruder Buckley nach der Eheschließung mit ihrem Vater offiziell. Infolgedessen nahm Carlson den Mädchennamen seiner Stief- und Adoptivmutter (Swanson) als zweiten Vornamen an.
Carlsons Stief-/Adoptivmutter brachte ein immenses Vermögen mit in ihre Ehe mit Carlsons Vater. Dieses war ihr als Miterbin des Swanson-Vermögens – ihre Familie war in den 1950er Jahren durch die Produktion von Lebensmitteln, die in den USA bis heute eine bekannte Marke sind (Swanson Frozen Foods), zumal von TV-Dinnern, zu großem Reichtum gelangt – zugefallen, nachdem ihr Vater seine Hauptfirma 1955 an die Campbell Soup Company für eine hohe Summe sowie ein großes Paket von Campbell-Aktien verkauft hatte. Da Patricia Swanson keine biologischen Kinder hatte, wird angenommen, dass sie ihren Teil des ererbten Swanson-Vermögens ihren beiden Stiefsöhnen vermacht hat. Campbell verwendet den Namen Swanson bis in die Gegenwart als Marke für viele Produkte, weshalb immer wieder irrtümlich in Medien berichtet wird, dass die Swanson-Produkte immer noch im Besitz der Familie Swanson seien und dass Carlson, weil Einnahmen der vermeintlich noch existierenden Swanson-Firma durch seine Adoptivmutter seiner Familie zufließen würden, vom Verkauf derselben finanziell profitieren würde. In den 2020er Jahren wurden sogar wiederholt Aufrufe gestartet, Swanson-Produkte zu boykottieren, um Carlson den Profit, der ihm vermeintlich durch den Verkauf derselben erwachsen würde, vorzuenthalten.
Nach dem Besuch der St. George’s School, einer unter der Ägide der Episkopalkirche stehenden Privatschule in Middletown, Rhode Island, studierte Carlson bis 1992 am Trinity College in Hartford, Connecticut, wo er mit einem B. A. in Geschichte abschloss. Nach Darstellung des Biografen Jason Zengerle hatte Carlson zuvor auch eine Aufnahme an einer Ivy-League-Universität angestrebt, letztlich jedoch das Trinity College besucht. Danach begann er, als freiberuflicher Journalist zu arbeiten.
Karriere als Journalist und Fernsehmoderator
Carlson begann seine journalistische Karriere als Faktenchecker beim Policy Review, einem konservativen Magazin, das von der Heritage Foundation herausgegeben wurde.
Später arbeitete er als Reporter bei der Arkansas Democrat-Gazette, und 1995 begann er für The Weekly Standard zu arbeiten. In dieser Zeit stellte Carlson nach Zengerles Darstellung die Rolle der Presse als grundlegende Voraussetzung demokratischer Ordnung heraus und warnte, ohne sie drohe ein rasches Abgleiten in einen „totalitären Polizeistaat“. Er war Kolumnist bei New York und Reader’s Digest. Zudem schrieb er auch für Esquire, The New Republic, The New York Times Magazine und The Daily Beast. Zengerle beschreibt den anschließenden Wechsel ins Kabelfernsehen als einen Schritt, bei dem Carlson zunehmend von Reichweite, Scheinwerferlicht und den ökonomischen Anreizen des Mediums angezogen worden sei.
Ab 2000 übernahm er die Moderation diverser Programmformate für den Nachrichten- und Informationskanal CNN, darunter mit Bill Press einige Jahre lang die Sendung The Spin Room und insbesondere die abendliche Live-Diskussions-Runde Crossfire. Darin traten Carlson und Robert Novak abwechselnd als Vertreter der politischen Rechten im Streitgespräch mit einem Co-Moderator (James Carville oder Paul Begala), der die politische Linke vertrat, auf, gemeinsam mit einem oder mehreren Gästen. Von 2004 bis 2005 moderierte er zeitgleich auch die Sendung Tucker Carlson: Unfiltered für den Sender PBS.
In der Ausgabe der von ihm co-moderierten Sendung Crossfire vom 15. Oktober 2004, während des damaligen US-Präsidentschaftswahlkampfes, kam es zu einem vielbeachteten Zusammenstoß von Carlson mit dem Gast dieser Ausgabe der Sendung, dem Komiker und Moderator Jon Stewart. Dieser warf Carlson eine Fragetechnik vor, die seinen Gästen überwiegend Selbstdarstellung ermögliche und vor allem zu überspitzter Polemik statt zum ernsthaften Austausch von Argumenten führe und so das Informationsbedürfnis der Zuschauer nicht erfülle; Carlson und sein Co-Moderator und politischer Widerpart Paul Begala veranstalteten „Theater“ anstatt Journalismus. Dies schade den USA. Carlson reagierte abwehrend und warf Stewart vor, er habe ihn sich lustiger vorgestellt. Sein Vertrag als Moderator dieser Sendung wurde im Januar 2005 nicht verlängert, und Crossfire wurde abgesetzt. Der Präsident von CNN, Jonathan Klein, begründete dies damit, dass Stewarts Kritik berechtigt gewesen sei. Carlson behauptete dagegen, er habe ohnehin bereits im April 2004 bei CNN gekündigt.
Der Medienforscher Jason Zengerle misst der Episode von Carlsons Zusammenstoß mit Stewart und den Folgen, die dieser hatte (Carlson öffentliche Desavouierung und seine Entlassung bei CNN), in seiner 2026 erschienenen Biografie Carlsons eine entscheidende Bedeutung für dessen weitere Entwicklung zu: Das Erlebnis sei ein „vernichtender Karriererückschlag“ (devastating career blow) gewesen und habe eine schwere psychologische Krise in Carlson ausgelöst, die den Prozess seines Abrückens vom journalistischen Mainstream, von dem er bis dahin ein Teil gewesen sei, zugunsten der Aneignung von Positionen, die traditionell in den USA eher am Rand des politischen Spektrums verortet seien, eingeleitet habe. In einem Interview über sein Buch summierte Zengerle die Bedeutung eines Schlüsselereignisses für Carlsons weitere Entwicklung, die der „Jon-Stewart-Episode“ nach seiner Überzeugung zukommt, mit der Formel, dass die Blamage, die Stewart ihm zufügte, dass der durch diese Blamage bewirkte vorläufige karrieremäßige Absturz, und dass der fehlende Rückhalt in der Washingtoner Journalistenelite (als der peer group, der er sich damals zugehörig gefühlt habe), den Carlson damals erfuhr, in ihm „gewissermaßen einen Keim von Bitterkeit eingepflanzt“ (planted a seed of resentment) hätten. Carlson habe damals begonnen, „zu fühlen, dass die Welt seine Talente nicht genügend wertschätze und sie nicht nutze, was seinen Groll noch verstärkt“ habe (He started to feel that the world did not sufficiently appreciate his talents and wasn'T taking advantage of them and that furthered the resentment.).