An diesem Tag

Triumphlied (Brahms)

Werk von Johannes Brahms

Anúncio

Das „Triumphlied“ op. 55 ist ein 1872 uraufgeführtes Werk für Baritonsolo, Chor und Orchester des deutschen Komponisten Johannes Brahms. Brahms komponierte das Werk anlässlich des deutschen Sieges im Krieg mit Frankreich 1870 und widmete es dem deutschen Kaiser Wilhelm I. Die Textgrundlage, der Offenbarung des Johannes entnommen, prophezeit den Untergang der Hure Babylon und wird hier bewusst in Umdeutung auf aktuelle Ereignisse eingesetzt. Patriotisch geprägt und zeitgebunden verschwand das „Triumphlied“ nach dem Ersten Weltkrieg trotz seiner musikalischen Qualitäten aus dem Repertoire. Es zählt heute zu den unbekanntesten Werken des Komponisten.

Entstehung und zeitgeschichtliche Einordnung

Brahms begann mit der Komposition des „Triumphliedes“ im Herbst 1870 unter dem Eindruck der deutschen Siege im Krieg mit Frankreich 1870, insbesondere bei der Schlacht von Sedan. Der erste Teil wurde nach der Kaiserproklamation gegen Ende Februar 1871 beendet. Die Sätze 2 und 3 komponierte Brahms in Lichtental bei Baden-Baden nach dem Friedensschluss im Sommer 1871. Der Erstdruck des „Triumphliedes“ erschien 1872 als Brahms’ op. 55 im Verlag N. Simrock in Berlin (damals von Fritz Simrock geleitet). Er trägt die Widmung „Seiner Majestät dem Deutschen Kaiser Wilhelm I. ehrfurchtsvoll zugeeignet vom Komponisten“. Ursprünglich hatte der Bismarck-Verehrer Brahms sogar geplant, das Werk Kaiser und Kanzler gemeinsam zu widmen. Die autographe Partitur ist im Besitz der Biblioteka Jagiellońska, Krakau. 1873 wurde – ebenfalls bei Simrock – ein Arrangement des Komponisten für Klavier vierhändig verlegt.

Das „Triumphlied“ von Johannes Brahms steht in der Musikgeschichte nicht isoliert. Auch andere namhafte zeitgenössische Komponisten schrieben aus Anlass des deutschen Sieges patriotische Werke, darunter Richard Wagner („Kaisermarsch“), Max Bruch („Das Lied vom deutschen Kaiser“ op. 37) oder August Klughardt („Die Grenzberichtigung“ für Männerchor op. 25). In diese Gruppe patriotischer Kompositionen der Gründerzeit zählen auch Werke wie Carl Reinthalers „Bismarckhymne“ op. 29 (1874), der „Verbrüderungsmarsch“ op. 287 von Johann Strauss (Sohn), der 1891 zum Geburtstag des Kaisers komponierte „Königs-Psalm“ op. 71 Heinrich von Herzogenbergs oder die 1893 entstandene Kantate „Helgoland“ von Anton Bruckner.

Besetzung und Aufführungsdauer

Das „Triumphlied“ ist für achtstimmigen Chor, Baritonsolo und Orchester gesetzt. Die Orchesterbesetzung umfasst 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, 1 Kontrafagott, 4 Hörner, 3 Trompeten, 3 Posaunen, Tuba, Pauken und Streicher. Ad libitum kann eine Orgel hinzutreten.

Die Aufführungsdauer beträgt etwa 22 bis 26 Minuten.

Den Text zum „Triumphlied“ hat Brahms dem 19. Kapitel aus der Offenbarung des Johannes entnommen. Dort wird der Triumph über die Zerstörung der Stadt „Babylon“ thematisiert, die hier als Sinnbild für Sündhaftigkeit und Feindschaft gegen Gott steht. Die Aussagen lassen sich jedoch unschwer im Sinne des deutschen Sieges über das Zweite Kaiserreich Frankreich umdeuten.

Das dreisätzige, monumental-feierlich angelegte Werk setzt den Typus der barocken Festkantate fort. Auf die barocke Praxis verweist auch der oft alternierend eingesetzte Doppelchor. Unverkennbar ist das Vorbild Händel, namentlich dessen von Brahms sehr geschätztes „Dettinger Te Deum“ (als Brahms 1872 die Leitung der Konzerte der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien übernahm, setzte er dieses Werk auf das Programm der ersten Veranstaltung). Den Hintergrund bilden aber auch Bach’sche Kantatenchöre, etwa dessen doppelchöriges Kantatenfragment „Nun ist das Heil und die Kraft“ BWV 50.

1. Satz (Lebhaft und feierlich)

Halleluja! Heil und Preis, Ehre und Kraft sei Gott unserm Herrn. Denn wahrhaftig und gerecht sind seine Gerichte. Halleluja!

Das Hauptthema des festlich-erregten Satzes, der in D-Dur mit einer kurzen Instrumentaleinleitung beginnt, ist eine motivische (und für den Hörer kaum unmittelbar erkennbare) Umspielung der Melodie „Heil dir im Siegerkranz“. Es wird in der Folge von Chor und Orchester polyphon durchgeführt, unterbrochen durch Halleluja-Einwürfe. Den wiederum in D-Dur stehenden Abschluss bildet ein mächtiges 8-stimmiges Halleluja. Brahms vertonte in diesem Satz zwar nur die ersten Worte von Vers 2 aus Kap. 19 der Offenbarung des Johannes (Offb 19,2 ) Denn wahrhaftig und gerecht sind seine Gerichte, die in diesem Kontext auf Paris umdeutbare drastische Fortsetzung des biblischen Textes daß er die große Hure verurteilet hat ist aber in einem Unisono-Instrumentalsatz (Takt 70/71) auskomponiert, was eine entsprechende handschriftliche Unterlegung im Brahms’schen Handexemplar der Partitur offenkundig macht.

Lobet unsern Gott, alle seine Knechte, und die ihn fürchten, beide, Kleine und Große. Halleluja! Denn der allmächtige Gott hat das Reich eingenommen. Laßt uns freuen und fröhlich sein, und ihm die Ehre geben. (Offb 19,5 – 7 )

Der zweite, in sich selbst dreiteilige Satz des „Triumphliedes“ beginnt in G-Dur. Der Chor wird hier überwiegend antiphonisch, also in Form zweier respondierender Chöre zu je 4 Stimmen, eingesetzt. Der zweite Teil ist in engem Fugato geführt. Im dritten, durch Triolen dominierten Teil erklingt in den Bläsern verschleiert der Cantus firmus des Chorals „Nun danket alle Gott“. Der Satz verklingt ruhig in G-Dur.

Und ich sahe den Himmel aufgetan. Und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf saß, hieß: Treu und Wahrhaftig, und richtet und streitet mit Gerechtigkeit. Und er tritt die Kelter des Weins des grimmigen Zorns des allmächtigen Gottes. Und hat einen Namen geschrieben auf seinem Kleide, und auf seiner Hüfte, also: Ein König aller Könige, und ein Herr aller Herrn. Halleluja. Amen! (Offb 19,11 + 15 + 16 )

Nach wenigen Fortissimo-Schlägen des Orchesters übernimmt der nur in diesem Teil eingesetzte Bariton-Solist mit Und ich sahe den Himmel aufgetan die vokale Eröffnung des wiederum dreigliedrigen Satzes. Den prunkvollen Schluss bildet ein umfangreicher, kontrapunktisch reicher Halleluja-Doppelchor. Der Satz beginnt in d-Moll und endet in D-Dur.

Die Uraufführung des 1. Teils erfolgte am 7. April 1871 anlässlich eines Karfreitagskonzerts „Zum Andenken an die im Kampfe Gefallenen“ im Bremer Dom unter Leitung des Komponisten im Anschluss an dessen „Deutsches Requiem“ (dirigiert von Carl Reinthaler). Die Weser-Zeitung bezeichnete danach den 1. Teil des „Triumphliedes“ als „echten Siegesgesang“, „eines großen Volkes würdig“.

Zur ersten vollständigen Aufführung kam das „Triumphlied“ am 5. Juni 1872 im Großherzoglichen Hoftheater Karlsruhe unter Leitung von Hermann Levi, zugleich dessen Abschiedskonzert. Den Beginn bildete Beethovens 8. Sinfonie, außerdem spielte Clara Schumann unter anderem das Klavierkonzert ihres Mannes. Am Schluss des Konzertes stand das „Triumphlied“, dirigiert aus dem Manuskript. Das Baritonsolo übernahm Julius Stockhausen.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Triumphlied (Brahms) | World in Stories