Trio war eine Band aus Norddeutschland, die Anfang der 1980er Jahre im Zuge der Neuen Deutschen Welle bekannt wurde. Prägnant war der musikalische Minimalismus: Trios Musik bestand nahezu nur aus E-Gitarre, Schlagzeug und Gesang. Der größte Hit der Band war Da Da Da ich lieb dich nicht du liebst mich nicht aha aha aha, der auch international erfolgreich wurde.
Stephan Remmler (* 1946) und Kralle Krawinkel (1947–2014) spielten Ende der 1960er Jahre in einer Band namens Just Us Beat- und Rockmusik. Sie coverten vornehmlich die Rolling Stones und wurden von den Medien als „Die Stones von der Wesermarsch“ betitelt. Der Erfolg der Band war auf Norddeutschland begrenzt. Nach diversen Umbesetzungen löste sich Just Us 1969 auf, worauf Remmler und Krawinkel als Solokünstler weiterhin aktiv waren. Krawinkel gründete die Band Cravinkel, während Remmler unter dem Pseudonym „Rex Carter“ zwei Singles mit Schlagern veröffentlichte. Peter Behrens (1947–2016) war Anfang der 1970er Jahre Schlagzeuger der Psychedelic-Band Silberbart. Keiner dieser musikalischen Weggänge war kommerziell erfolgreich.
Remmler und Krawinkel studierten gemeinsam und waren in den 1970er Jahren verbeamtete Lehrer, während Behrens sein Sportstudium abbrach, sich als Fotograf ausbilden ließ und die Mailänder Clownschule besuchte. Nur Krawinkel spielte weiterhin in einer Band namens Emsland Hillbillies. Ende Januar 1979 wurde ein Just-Us-Reunion-Konzert mit Remmler und Krawinkel veranstaltet, das auf positive Resonanz stieß. Die beiden entschlossen sich, gemeinsam mit verschiedenen befreundeten Musikern in einem zweiten Anlauf den Sprung ins Musikgeschäft zu wagen und kündigten ihre Stellungen als Lehrer. Im Juli 1979 gründeten Remmler und Krawinkel die Musikproduktionsfirma Just Us Music Productions GmbH, deren Geschäftsführer sie wurden. Geldgeber waren verschiedene befreundete Musiker, die darauf setzten, dass Remmler und Krawinkel in der Lage seien, profitable Musik zu erarbeiten.
Die beiden mieteten für 600 DM im Monat ein Einfamilienhaus im oldenburgischen Großenkneten, Ortsteil Regente, in dem sie fortan verschiedene Bandprojekte unter dem Namen Wind ausprobierten und auch in Form einer Wohngemeinschaft lebten. Die Bandprojekte waren zahlreich. Es sollen zeitweise bis zu 25 Musiker an dem Projekt mitgewirkt haben, wobei einige Positionen in der Band mehrfach besetzt waren, wie z. B. mehrere Bassisten. Im Repertoire befanden sich auch Lieder, die später als Trio mit deutlich reduzierter Instrumentierung dargeboten wurden (u. a. Nasty oder Energie).
Insbesondere Remmler nutzte seine Kontakte zu verschiedenen Schulen und spielte den Schülern die Arbeitsergebnisse der Band vor, um Meinungen einzuholen. Während dieser Zeit stieß der seinerzeit arbeitslose Behrens zur Band, als Remmler und Krawinkel über eine Zeitungsannonce nach Schlagzeugern suchten. Behrens war nun fast täglich in dem Haus in Großenkneten und probte allein mit Remmler und Krawinkel, da mit den anderen Musikern meist nur am Wochenende geprobt wurde.
Letztendlich entschlossen sich Remmler, Krawinkel und Behrens, nur noch zu dritt zu musizieren, da sie zu der Erkenntnis kamen, dass ihre Musik ohne Bass viel interessanter klänge. Sie arbeiteten zu dritt eine bis in das kleinste Detail durchgeplante Bühnenshow aus. Um ihre Konzentration auf das Wesentliche zu unterstreichen, benannten sie sich schlicht nach der Zahl ihrer Bandmitglieder: Trio. Zum 20. Dezember 1980 luden sie ihre Geldgeber und Freunde zu einem ersten Konzert im Großenkneter Gasthaus Kempermann ein. Im Anschluss an das Konzert referierte Remmler über das Bandkonzept.
Anfang 1981 produzierte die Band in Eigenregie eine 10″-Demo-Mini-LP mit drei Liedern, mit der sie sich bei Plattenfirmen um einen Plattenvertrag bewarb und 23 Absagen erhielt. Gleichzeitig tourte Trio durch Norddeutschland und erregte aufgrund seiner ungewöhnlichen Besetzung ein wenig Medienecho. Ein Exemplar der 10″-Demo-Mini-LP wurde dem Manager Louis Spillmann beim Hamburger Label Phonogram vorgelegt. Das Lied Sunday You Need Love Monday Be Alone erregte seine Aufmerksamkeit, und er besuchte ein Konzert von Trio in Meyenburg.
Insbesondere die professionelle Bühnenshow überzeugte ihn endgültig davon, die Band unter Vertrag zu nehmen. Der von Trio akzeptierte Vertrag belief sich auf eine fünfstellige Summe und hatte eine Laufzeit von drei Jahren. Als Produzent wurde Klaus Voormann (Intimus der Beatles und in den frühen 70er Jahren Bassist bei John Lennon) eingesetzt, der auf eigenes Drängen gleichzeitig als Vermittler zwischen der Band und dem Management fungierte.
Produktion und Veröffentlichung
Im Sommer 1981 fanden die Aufnahmen für Trios erste LP Trio im Didl-Dum-Dei-Studio der Band Lake – ein umgebauter Schweinestall bei Husum – statt. Voormann produzierte das Album wie auch alle späteren Aufnahmen. Die Produktionskosten betrugen rund 40.000 DM. Da einige der Lieder sich auf Schallplatte schlecht umsetzen ließen, weil ihr Mehrwert eher in der optischen Umsetzung auf der Bühne begründet war, wurden sie deutlich gekürzt oder verworfen. Das Album erschien im Oktober 1981 und zeigte auf dem weißen Cover formatfüllend den extrem vergrößerten Adressstempel von Trio, der den Bandnamen, das Bandlogo sowie Privatadresse und -telefonnummer enthielt. Auf der Rückseite hatte Remmler die Titelreihenfolge handschriftlich verfasst. Mehr Informationen über die Musik oder die Band waren dem minimalistischen Cover nicht zu entnehmen. Nur auf dem Plattensticker waren die Autoren Remmler und Krawinkel sowie als Produzent Voormann genannt. Behrens, der nicht an der Komposition der Lieder des Albums beteiligt war, wurde auf der Schallplatte gar nicht erwähnt.
Etwa zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Albums im Oktober 1981 trat Trio erstmals im Fernsehen auf. Die ZDF-Kultursendung aspekte zeigte ein kurzes Porträt der Band, und Trio selbst spielte in der Sendung den Titel Ja ja ja live im Studio.
Da Trio nicht in größeren Städten und größeren Clubs spielen wollte, schickte der Manager der Gruppe, Louis Spillmann, die drei auf eine Tournee durch Deutschlands Schallplattenläden, um das erste Album direkt vor Ort zu bewerben. Dies führte zu etwa 50 Kurz-Konzerten in Schallplattenläden und Kaufhäusern, während in der jeweiligen Stadt abends in Clubs gespielt wurde.
Voormann schenkte Remmler ein Spielzeug-Keyboard der Firma Casio, das Casio VL1, auf dem dieser ein Lied mit dem Titel Da Da Da ich lieb dich nicht du liebst mich nicht aha aha aha komponierte. Dieses neue Lied wurde in die Setlist der Konzerte und vom Publikum gut aufgenommen. Voormann entschloss sich daher, dieses Lied als Single zu produzieren.
Die Aufnahmen für Da da da fanden Anfang 1982 im Studio der befreundeten Band Yello in der Nähe von Zürich statt. Zum ersten Mal spielte auch Voormann selbst mit – und zwar einen sehr dezenten E-Bass. Annette Humpe von der ebenfalls befreundeten Band Ideal sang nachträglich im Berliner Studio im Refrain mit und übernahm die geflüsterte Sprechstelle „Ich lieb dich nicht, du liebst mich nicht“. Da da da erschien im Februar 1982 als Single und Maxi-Single.
Am 12. Februar 1982 spielte Trio im Rahmen des Rockpalastes eine 75-Minuten-Show, die einige Wochen später im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Erstmals wurde Da da da am 22. Februar im Fernsehen gezeigt. Trio spielte den Song in der Musiksendung Dr. Mambos Musikjournal beim Sender Freies Berlin live im Studio. Der kommerzielle Durchbruch von Da da da stellte sich ein, als das Lied am 23. März 1982 in der bundesweit ausgestrahlten Musiksendung Bananas gezeigt wurde.
Anfang Mai 1982 trat Trio mit Da da da in der ZDF-Hitparade auf. Es war der erste Auftritt in dieser Schlagersendung, der der Neuen Deutschen Welle zugerechnet wurde. Mit 7,9 % per Zuschauerabstimmung erzielte Da da da den vorletzten Platz der insgesamt sechs Neuvorstellungen in der Sendung. Da da da wurde „nicht wiedergewählt.“
Die Single Da da da erreichte Platz zwei der deutschen Singlecharts und verkaufte sich in Europa etwa drei Millionen Mal. Auf dem Debütalbum wurde das Lied nachträglich eingefügt, worauf Trio den dritten Platz der deutschen Albumcharts erreichte.