Gertraud „Traudl“ Junge (* 16. März 1920 in München als Gertraud Humps; † 11. Februar 2002 ebenda) war von 1942 bis 1945 neben Christa Schroeder, Johanna Wolf und Gerda Christian eine der vier Sekretärinnen Adolf Hitlers.
Mit der Journalistin Melissa Müller gab Junge im Jahr 2002 kurz vor ihrem Tod das schon 1947 abgefasste, aber damals nicht verlegte Buch Bis zur letzten Stunde – Hitlers Sekretärin erzählt ihr Leben heraus. Es diente als eine der Grundlagen für den Spielfilm Der Untergang (2004), in dem auch sie selbst als Sekretärin dargestellt wird. In Interviewform wurde bereits zuvor von André Heller und Othmar Schmiderer der Dokumentarfilm Im toten Winkel – Hitlers Sekretärin (2002) aufgezeichnet.
Traudl Humps wurde als erstes Kind ihrer Eltern geboren. Ihr Vater Max Humps (geb. 1893 in Niederbayern) war Bierbraumeister und Leutnant der Reserve; ihre drei Jahre jüngere Mutter Hildegard Humps (geb. Zottmann) die Tochter eines Generals. Ihre jüngere Schwester war Inge Kaye (geb. Humps, 1923–2008). Die Familie lebte in Schwabing und war evangelisch.
Max Humps wurde kurz nach Traudls Geburt arbeitslos und orientierungslos. Bald trat er dem Freikorps Oberland bei, einem politisch rechtsextremen Verband. Als die Alliierten 1921 von der Weimarer Republik die Auflösung der Freikorps erzwangen, gründeten Teile der Mitglieder sich als Bund Oberland neu; 1923 nahmen sie am Hitlerputsch in München teil; auch Max Humps, er wurde aber nicht verhaftet. Eine geregelte Arbeit fand er nicht, die Familie lebte in bitterer Armut. 1925 ging Humps nach Izmir in die Türkei, wo er eine Stelle als Braumeister erhielt; die Familie ließ er in Deutschland zurück. Zwar brachte Humps es in der Türkei zu Ansehen und wollte seine Familie nachholen, doch seine Frau beendete die Beziehung, reichte die Scheidung ein (die erst 1932 vollzogen wurde) und zog mit ihren beiden Kindern zurück zu ihren Eltern General Maximilian Zottmann (1852–1942) und Agathe Zottmann (1860–1928). Traudl Humps hatte eine sehr enge Beziehung zu ihrer Großmutter, deren Tod sie schwer traf. Ihr Großvater erwies sich als pedantisch, disziplin- und ordnungsliebend, wobei er geizig war und seine Tochter und die Kinder daher weiterhin in Armut lebten.
Ab 1926 besuchte Humps zunächst die Simultanschule in der Münchner Sophienstraße. Ab 1930 besuchte sie das Luisenlyzeum für Mädchen. Ihre Schulleistungen waren mittelmäßig; sie war eine lebhafte Schülerin. Junge beschreibt sich selbst rückblickend während ihrer Schulzeit nicht als bildungshungrig, aber harmoniebedürftig und angewiesen auf die sozialen Kontakte zu ihren Freunden.
1933, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, kehrte ihr Vater Max Humps aus der Türkei nach Deutschland zurück und erhielt eine Stelle in der Verwaltung der NSDAP. Zwar bemühte sich der Vater wieder um Kontakt zu seiner Tochter, doch ging diese darauf nicht ein.
1933 entdeckte Humps ihre Leidenschaft für das Tanzen. Sie begann, gemeinsam mit ihrer Schwester, von einer Karriere als Tänzerin zu träumen. Die wirtschaftliche Realität ihrer Familie verhinderte diese jedoch. 1936 beendete sie ihre Schule vorzeitig mit der Mittleren Reife. Widerwillig besuchte sie ein Jahr die Handelsschule mit der Aussicht auf eine Anstellung als Sekretärin. Es folgten verschiedene Beschäftigungen als Kontoristin, als Assistentin des Chefredakteurs einer Zeitschrift für das Schneiderhandwerk und als Sekretärin in einem Betrieb.
Hitlers persönliche Sekretärin
1942 zog Traudl Humps nach Berlin und bekam über ihre Schwester, die als Tänzerin „Inge Zohmann“ am Deutschen Theater Berlin engagiert war, mit Hilfe von Albert Bormann eine Anstellung in der Reichskanzlei Adolf Hitlers. Zuerst sortierte sie die Post des Diktators. Dann fand ein interner Sekretärinnen-Wettbewerb statt. Sie träumte immer noch davon, Tänzerin zu werden, und war an einer dauerhaften Stelle als Sekretärin nicht interessiert. Als der „Führer“ eine persönliche Sekretärin suchte als Ersatz für die erfahrene Gerda Christian, die für längere Zeit in Urlaub ging, war Humps nicht nervös und machte im Diktat die wenigsten Fehler. So wurde sie zusammen mit einer kleinen Gruppe anderer junger Kolleginnen per Zug in das Führerhauptquartier Wolfsschanze geschickt, wo sich Hitler zu diesem Zeitpunkt aufhielt, und erhielt nach einer Tauglichkeitsprüfung im Dezember 1942 die Stelle.
Humps lebte und arbeitete in Berlin, im Berghof in Berchtesgaden und in der Wolfsschanze in Ostpreußen. Mit Johanna Wolf, Christa Schroeder und Gerda Christian bildete sie das Quartett der sogenannten Führersekretärinnen. In den Kriegsjahren, als Hitlers Aversion gegen Militärs immer größer wurde, pflegte er nur noch mit den Sekretärinnen zu speisen, wodurch diese intime Einblicke in sein Privatleben, seine Gedankenwelt und seine Vergangenheit erhielten. Humps und die anderen mussten sich an Hitlers Tagesablauf gewöhnen: spät aufstehen, zu Mittag essen, ausruhen, Kaffee trinken, ausruhen, spätes Abendessen, Filmvorführungen, endlose nächtliche Teestunden, spät ins Bett gehen (ca. 5 Uhr morgens). Am 19. Juni 1943 heirateten Traudl Humps und Hitlers persönlicher Diener, Hans-Hermann Junge, Offizier der Waffen-SS aus Preetz in Holstein, in München. Er fiel am 13. August 1944 in der Normandie.
Anfang 1945 zog Traudl Junge mit den anderen Mitgliedern der persönlichen Adjutantur des Führers in den Führerbunker unter der Reichskanzlei, wo sie die letzten Wochen Hitlers aus nächster Nähe miterlebte. In der Nacht vom 20. auf den 21. April 1945 wollte Hitler die verbliebenen Frauen aus dem Bunker entfernen und zum Berghof nach Berchtesgaden bringen lassen, darunter auch die Sekretärinnen. Es erklärten sich jedoch nur Johanna Wolf und Christa Schroeder dazu bereit; Traudl Junge, Gerda Christian, Hitlers Diätköchin Constanze Manziarly, Bormanns Sekretärin Else Krüger und Eva Braun blieben. Am Abend des 28. April 1945 wohnte sie der Eheschließung Hitlers mit Eva Braun bei, unmittelbar danach diktierte ihr Hitler sein politisches und sein privates Testament. Als am 30. April 1945 gegen 15:30 Uhr der Schuss fiel, mit dem Adolf Hitler sich erschoss, saß Traudl Junge in einem Nebentrakt des Bunkers und aß mit den Goebbels-Kindern.
Gefangennahme nach dem Tod Hitlers
Nach dem Suizid Adolf Hitlers schloss sie sich einer von SS-Brigadeführer Wilhelm Mohnke geführten Gruppe aus ungefähr zwanzig Personen an, der es noch gelang, die Reichskanzlei in der Nacht vom 1. zum 2. Mai 1945 zu verlassen und in den Morgenstunden einen zum Bunker umfunktionierten Bierkeller zu erreichen, der jedoch von sowjetischen Soldaten umstellt war. Mit ihrer Kollegin Gerda Christian, Martin Bormanns Sekretärin Else Krüger und Constanze Manziarly erhielt sie von Mohnke den Auftrag, sich in ziviler Kleidung weiter durchzuschlagen und einen zuvor von Mohnke verfassten letzten Bericht Hitlers Nachfolger Karl Dönitz auszuhändigen. In der darauffolgenden Nacht wurde sie von ihren Begleiterinnen getrennt. An den folgenden Tagen verließ sie Berlin und flüchtete über Land in Richtung britische Zone. Die Nachricht vom offiziellen Kriegsende erreichte sie währenddessen nicht. Mit anderen Flüchtlingen zusammen erreichte sie schließlich Wittenberge, wo es ihr jedoch nicht gelang, die Elbe zu überqueren, um so die amerikanische Zone zu erreichen. Anfang Juni erreichte Traudl Junge nach einem weiteren Fußmarsch erneut Berlin. Derweil war die Regierung Dönitz im Sonderbereich Mürwik verhaftet worden. In Berlin lebte sie bis zu ihrer Verhaftung durch die Sowjets am 9. Juni 1945 bei einer Freundin unter dem Pseudonym Gerda Alt. Während dieser Zeit wurde sie von einem Armenier, der sich Arkadi nannte, geschützt. Sie wurde von den Alliierten – auch aufgrund ihres geringen Alters – als Mitläuferin eingestuft und ging daher straffrei aus.
1947 regte ein befreundeter Unternehmer an, Junge solle ihre Erlebnisse in Buchform niederlegen. Der Text wurde jedoch nicht veröffentlicht mit der Begründung, dass „die Leser an derartigen Geschichten kein Interesse hätten“.