Der TWA-Flug 847 war ein internationaler Flug mit einer Boeing 727 der Trans World Airlines, die am 14. Juni 1985 durch die terroristische Organisation für die Unterdrückten der Welt, eine Gruppe mit Verbindungen zur islamistischen Terrororganisation Hisbollah, auf dem Flug von Athen nach Rom entführt wurde. Für die Crew und die Passagiere begann daraufhin ein dreitägiger Irrflug durch die Mittelmeerregion, bei dem ein amerikanischer Passagier ermordet wurde. Einige Dutzend Passagiere wurden dann von der Terrororganisation noch zwei Wochen festgehalten.
Mit 153 Passagieren an Bord startete Flugkapitän John Testrake am 14. Juni 1985 um 10:10 Uhr Ortszeit eine von TWA im Jahr 1974 direkt von Boeing erworbene Boeing 727-200 mit dem Luftfahrzeugkennzeichen N64339 und Seriennummer 20844 vom Flughafen der griechischen Hauptstadt in Richtung Rom. Mit zur Crew gehörten Copilot Philip G. Maresca, Bordingenieur Benjamin C. Zimmerman sowie die Flugbegleiterin Uli Derickson.
Kurz nach dem Start forderten zwei Libanesen eine Kursänderung. Die beiden Männer hatten Pistolen und Granaten an den Sicherheitskontrollen vorbei geschmuggelt. Ein dritter Komplize mit dem Namen Ali Atwa war zuvor von der Passagierliste gestrichen worden und wurde später in Griechenland festgenommen.
Das Flugzeug wurde aus dem griechischen Luftraum in den Nahen Osten umgeleitet und machte seinen ersten Stopp in Beirut im Libanon, wo 19 Passagiere – 17 ältere Frauen und zwei Kinder – im Austausch für die Betankung des Flugzeuges freigelassen wurden. Zu der damaligen Zeit befand sich der Libanon im Bürgerkrieg und Beirut war in Sektoren aufgeteilt, die von verschiedenen Milizen kontrolliert wurden.
Am Nachmittag hob das Flugzeug dann in Richtung Algier, Algerien in Nordafrika ab, wo weitere 20 Passagiere während eines fünfstündigen Aufenthaltes freigelassen wurden, bevor die Maschine in der Nacht zum Samstag nach Beirut zurückkehrte.
Während dieses Aufenthaltes identifizierten die Entführer einen US-Navy-Taucher, Robert Stethem, zwischen den Passagieren. Sie folterten ihn, erschossen ihn und warfen seine Leiche aus dem Flugzeug auf die Start- und Landebahn. Seine Identifizierung war nur noch über die Fingerabdrücke möglich. Mehrere Passagiere mit jüdisch klingenden Namen wurden aus dem Flugzeug weggebracht, aber nicht freigelassen.
Der internationale Flughafen von Beirut ist von schiitischen Stadtvierteln umgeben, hat aber keinen Sicherheitszaun und die Anwohner konnten problemlos auf das Flugfeld gelangen. Fast ein Dutzend bewaffneter Männer begleitete die Luftpiraten, bevor das Flugzeug am Samstag, dem 15. Juni 1985 nach Algier zurückkehrte, wo weitere 65 Passagiere sowie die Flugbegleiterin Derickson freigelassen wurden. Am Sonntag, dem 16. Juni kehrte die Maschine erneut nach Beirut zurück, wo sie am Nachmittag landete und verblieb.
Die anfänglichen Forderungen der Entführer waren:
die Freilassungen aller Schiiten, die von Israel im Libanon festgehalten wurden,
die internationale Verurteilung der israelischen Militäraktionen im südlichen Libanon,
die Verurteilung der Aktionen der Vereinigten Staaten im Nahen Osten und
die Verurteilung des Beiruter Autobombenanschlags vom 8. März 1985. (Gerüchten zufolge war das Attentat, bei dem 80 Menschen getötet wurden, auf Veranlassen der Central Intelligence Agency begangen worden.)
Die griechische Regierung entließ Ali Atwa aus der Untersuchungshaft und im Gegenzug ließen die Entführer acht griechische Bürger frei, unter ihnen der griechische Sänger Demis Roussos.
Am Morgen des 17. Juni 1985 wurden die restlichen an Bord befindlichen Geiseln an einen Ort außerhalb des Flugzeugs gebracht, um eine Befreiung durch Kommandoeinheiten zu vermeiden. Diese Geiseln wurden unter die Gewalt von Nabih Berri gestellt, dem schiitischen Führer der Amal-Miliz. Berri war ein Mitglied der zersplitterten libanesischen Regierung. Eine der Geiseln wurde freigelassen, als Herzprobleme auftraten. Die übrigen 39 Geiseln – d. h. einschließlich der bereits nach der zweiten Landung in Beirut festgehaltenen Geiseln mit jüdisch klingenden Namen – blieben bis zum 30. Juni gefangen. An diesem Tag wurden sie nach Syrien gebracht und sodann an Bord einer Maschine der US Air Force nach Deutschland geflogen.
Innerhalb eines Monats nach der Entführung entließ Israel 31 der von den Entführern genannten inhaftierten schiitischen Häftlinge. Israel bestritt allerdings jeden Zusammenhang und sagte, dass die Entlassungen lange geplant gewesen seien.
Lob und Anerkennung für Flugbegleiterin Uli Derickson
Die wegen ihres besonnenen Verhaltens von Presse und Öffentlichkeit gelobte deutsch-amerikanische Flugbegleiterin Uli Derickson übte während der Entführung als vermittelnde Übersetzerin beruhigenden Einfluss auf die Entführer aus, womit sie das Leben vieler Passagiere rettete. So gelang es ihr, die Entführer nach der ersten Landung in Beirut erfolgreich zu überreden, die 17 älteren Frauen und zwei Kinder freizulassen. Da die Entführer kaum Englisch sprachen, jedoch einer von ihnen Deutsch beherrschte, war ihr Deutsch die einzige Möglichkeit einer hinreichend verständlichen Kommunikation mit den Entführern. Insbesondere als das auf dem Flughafen Algier für die Versorgung mit Treibstoff verantwortliche Bodenpersonal sich nach der zweiten dortigen Landung weigerte, das Flugzeug ohne Bezahlung aufzutanken, entspannte sie die kritischen Situationen, indem sie ihre eigene Kreditkarte zur Bezahlung von mehreren tausend Gallonen Flugbenzin für 11.000 USD zur Verfügung stellte.
1985 erhielt sie das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland sowie das „Silver Cross for Heroism“ (Silbernes Kreuz für Heldenmut) als erster weiblicher Empfänger dieser seit 1957 durch den US-amerikanischen Veteranenverband Legion of Valor vergebenen Auszeichnung.