Toulouse [tuluːz] (okzitanisch Tolosa [tuˈluzɔ]; deutsch veraltet: Tholosen) ist eine Stadt in Südfrankreich an der Garonne.
In der Kernstadt lebten (Stand: 1. Januar 2023) 514.819 Einwohner, im Gemeindeverband Toulouse Métropole 806.503 Einwohner, im Ballungsgebiet eine Million Einwohner und in der gesamten Metropolregion 1,5 Mio. Einwohner – damit ist Toulouse die viertgrößte Stadt Frankreichs.
Toulouse ist die Hauptstadt der Verwaltungsregion Okzitanien sowie Verwaltungssitz des Départements Haute-Garonne. Bis zur Französischen Revolution war die Stadt offizielle Hauptstadt der Provinz Languedoc. Im Mittelalter war sie Hauptstadt der Region Okzitanien.
Toulouse liegt auf einer Höhe von 146 m am Fluss Garonne, in den hier der Touch einmündet. Die Stadt ist durch Kanäle – den Canal du Midi und den Garonne-Seitenkanal – mit dem Mittelmeer und dem Atlantik verbunden. Toulouse ist (Luftlinie) 589 km von Paris entfernt.
Toulouse war unter dem Namen Tolose eine wichtige gallische Stadt, die sich damals acht Kilometer südlich bei Vieille-Toulouse befand. Hier trug sich 106 v. Chr. der Raub des Goldes von Tolosa durch Quintus Servilius Caepio zu. Toulouse wurde ab diesem Zeitpunkt eine wichtige Stadt des Römischen Reichs und Tolosa (lat.) genannt. Es war die Hauptstadt der Provinz Gallia Narbonensis zwischen Mittelmeer und Atlantik und hatte zwischen 20.000 und 50.000 Einwohner. Etwa im Jahr 8 v. Chr. wurden die Einwohner, vermutlich auf römischen Befehl, an die Stelle der heutigen Stadtmitte umgesiedelt. Ab dem 4. Jahrhundert war Toulouse Sitz des Erzbistums Toulouse. Zahlreiche Straßen in der Toulouser Innenstadt folgen noch dem Grundriss der römischen Siedlung.
413 wurde Toulouse Teil des Westgotenreichs. West- und Mittelteil des westgotischen Königspalastes wurden 1988 unter dem Hôpital Larrey zum Teil ausgegraben. Allein der Westflügel hatte eine Grundfläche von 90 × 30 m. Sidonius Apollinaris hat die Anlage beschrieben. 418 schlossen die Westgoten einen Pakt mit dem römischen Kaiser. 507 kam es nach der Niederlage der Westgoten gegen die Franken zum Ende des Toulouser Westgoten-Königreichs. 721 wurde die Stadt in der Schlacht von Toulouse mehrere Monate erfolglos von Arabern belagert. Zwischen 781 und 843 war Toulouse Sitz des Königreichs von Aquitanien, danach erfolgte die Gründung der selbständigen Grafschaft Toulouse. In dieser Zeit war die Stadt Zentrum der Languedoc-Kultur.
1208 rief Papst Innozenz III. nach der Ermordung seines Legaten Pierre de Castelnau zum Kreuzzug gegen die Albigenser auf, in dessen Verlauf die Stadt geplündert wurde. 1228 gab Graf Raimund VII. von Toulouse nach einem zermürbenden und zerstörerischen Krieg von fast 20 Jahren den Widerstand auf und unterschrieb den Vertrag von Paris (1229).
1271 kam die Grafschaft Toulouse unter die Herrschaft der französischen Krone, behielt jedoch einige Sonderrechte. Von 1444 bis 1790 war Toulouse Sitz des Parlement de Toulouse, das für den Großteil Südfrankreichs zuständig war und dort im Auftrag der Krone Legislative, Jurisdiktion und Exekutive ausübte. Insbesondere entschied es als Appellationsgericht in letzter Instanz alle Zivilprozesse (im schriftlichen Verfahren) und sämtliche Strafprozesse (im mündlichen Verfahren).
Zur Zeit der Renaissance (etwa 1450 bis 1550) zählte Toulouse zu den reichsten Städten Frankreichs. Färberwaid oder Pastel (Isatis tinctoria), eine Pflanze, die damals den einzigen beständigen blauen Farbstoff lieferte, gedieh auf den kalkhaltigen Böden des südöstlich der Stadt gelegenen Lauragais besonders gut. Bedeutende Profanbauten der Pastelgroßhändler im Renaissance-Stil, wie beispielsweise das Hôtel d’Assézat oder das Hôtel de Bernuy, entstanden in dieser Zeit. Die marktbeherrschende Stellung der Stadt endete allmählich nach 1550, als die Portugiesen damit begannen, aus ihren Kolonien das preisgünstigere Indigo zu importieren.
Obwohl zur Zeit der Reformation viele Protestanten in Toulouse lebten, stellte sich die Stadt in den Religionskriegen auf die römisch-katholische Seite. 1562 wurden ca. 4.000 Hugenotten ermordet.
Am 10. April 1812 ereignete sich bei Toulouse ein Meteoritenschauer. Auf den Feldern in der Umgebung der Stadt wurden etliche Fragmente eines H5-Chondriten gefunden. Der Meteorit wurde unter dem Namen Toulouse offiziell registriert.
In den Napoleonischen Kriegen kam es am 10. April 1814 zur Schlacht bei Toulouse, die in der Summe unentschieden blieb.
Im 19. Jahrhundert nahm Toulouse an der Industrialisierung Frankreichs kaum teil. 1856 erhielt es Anschluss an das französische Eisenbahnnetz. Die Stadt wuchs und veränderte sich mit dem Bau der großen Boulevards wie zum Beispiel rue Alsace-Lorraine und rue de Metz. Am 23. Juni 1875 erlebte Toulouse eine schwere Überschwemmung durch die Garonne, wobei rund 1000 Häuser zerstört wurden und rund 200 Menschen ums Leben kamen. Drei der vier Brücken der Stadt wurden weggeschwemmt.
Mit der Gründung der Flugzeugwerke von Pierre-Georges Latécoère 1917 wurde Toulouse zum wichtigen Standort der französischen Flugzeugindustrie. Toulouse hat heute einen Technologiepark und gilt als Flugzeug- und Weltraumhauptstadt Frankreichs.
Toulouse vor und im Zweiten Weltkrieg
Bereits während des Ersten Weltkriegs kamen viele Spanier nach Frankreich, um dort den Platz der französischen Bauern einzunehmen, die in den Krieg gezogen waren. Dieser Zuzug setzte sich in der Folge der Retirada fort, die Zehntausende Flüchtlinge aus dem Spanischen Bürgerkrieg nach Toulouse führte und die Stadt „zur Hauptstadt der spanischen Exilanten“ machte. Insgesamt kamen nach dem Sieg Francos mehr als 450.000 Flüchtlinge über die Grenze nach Frankreich; nach dem Zweiten Weltkrieg blieben etwa 170.000 übrig, davon 20.000 in Toulouse, was in etwa 10 % der damaligen Stadtbevölkerung entsprach.
Die Nähe zu Spanien machte Toulouse aber auch für viele schon in Frankreich lebende Emigranten attraktiv, die nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs vor der voranrückenden deutschen Wehrmacht in den Süden Frankreichs flüchteten und von hieraus versuchten, über Spanien in sichere Aufenthaltsländer zu flüchten. Diese Konzentration politischer Flüchtlinge in Toulouse und seiner Umgebung war eine wichtige Voraussetzung für das Entstehen eines politischen Widerstands – erst gegen das Vichy-Regime und dann gegen die deutsche Besatzungsmacht. Toulouse entwickelte sich zu einem Zentrum des Widerstands gegen beide.
Die Ideale vieler Toulouser Widerstandskämpfer, zum Beispiel die Gründung einer Bürgerarmee, wurden nach der Befreiung der Stadt am 19./20. August 1944 von Charles de Gaulle, der unter dem Vichy-Regime am 4. Juli 1940 in Toulouse in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden war, enttäuscht. De Gaulles seit Oktober 1944 in Toulouse herrschender Statthalter, Philibert Collet, arbeitete systematisch daran, konservative Vorstellungen von Ordnung und Gerechtigkeit durchzusetzen und den Einfluss der Widerstandskämpfer zurückzudrängen. Am 13. Mai 1945 gewann die sozialistische SFIO den zweiten Wahlgang für die Stadtregierung.