Totó la Momposina (bürgerlich Sonia Bazanta Vides; * 1940 in Talaigua Nuevo, Departamento de Bolívar; † 17. Mai 2026 in Celaya, Mexiko) war eine kolumbianische Sängerin, Tänzerin und Bewahrerin der Musik der kolumbianischen Karibik. Sie machte Cumbia, Porro, Bullerengue und Mapalé über die Grenzen ihres Landes bekannt und hob ihr afrokaribisches und indigenes Erbe hervor.
Sonia Bazanta Vides wuchs in einer karibischen Musikerfamilie auf; ihr Vater Daniel Bazanta war Perkussionist, ihre Mutter Livia Vides Sängerin und Tänzerin. Wegen der politischen Gewalt in Kolumbien zog die Familie zunächst nach Barrancabermeja und Villavicencio und später nach Bogotá, wo ihr Haus zu einem Treffpunkt für Studierende, Intellektuelle und Musiker von der Karibikküste wurde. Als Jugendliche trat sie mit ihrer Familie im Fernsehprogramm Acuarelas costeñas auf, in dem Cumbias, Bullerengues, Mapalés und bailes cantaos präsentiert wurden. Sie studierte in Paris an der Sorbonne Musikgeschichte, Choreografie, Rhythmus und Veranstaltungsorganisation und nutzte den Aufenthalt für internationale Auftritte. Im Jahr 1982 gehörte sie zur kolumbianischen Kulturdelegation, die Gabriel García Márquez zur Verleihung des Nobelpreises für Literatur in Stockholm begleitete. 2022 zog sie sich von der Bühne zurück; ihr letzter Auftritt fand am 24. September 2022 beim Festival Cordillera in Bogotá statt. Sie starb am 17. Mai 2026 in Celaya an einem Herzinfarkt; am 27. Mai wurde sie im Kapitol in Bogotá öffentlich geehrt.
Totó la Momposina verstand traditionelle Musik nicht als museales Erbe, sondern als lebendige Praxis, und sie setzte bewusst auf Tiple, die Gaita-Flöte, Tambora und andere Instrumente statt auf stärker kommerzialisierte Tanzmusik ihrer Generation. Ihr Repertoire baute auf afrikanische, indigene und spanische Traditionen der kolumbianischen Karibik auf und umfasste neben Cumbia und Porro auch Chandé, Fandango, Puya und Bullerengue. Den internationalen Durchbruch brachte ihr das 1993 veröffentlichte Album La Candela Viva, das bei Real World Records mit Verbindungen zu Peter Gabriels Umfeld entstand und später für zahlreiche Dance- und Hip-Hop-Produktionen gesampelt wurde. Besonders mit Stücken wie El Pescador, La Candela Viva, La Verdolaga und Prende la Vela wurde ihre Stimme in Kolumbien mit der Musik des Río Magdalena und der karibischen Küste verbunden. Ihre Musik wurde von Künstlern wie Timbaland, Jay-Z und Major Lazer aufgegriffen, und 2011 wirkte sie an Latinoamérica von Calle 13 mit. Für ihr Lebenswerk erhielt sie 2006 den WOMEX Lifetime Achievement Award, 2013 den Premio a la Excelencia Musical der Latin Recording Academy und 2016 den Chevalier des Arts et des Lettres.