William Anthony „Tony“ Parker Jr. (* 17. Mai 1982 in Brügge, Belgien) ist ein französischer Basketballfunktionär, -trainer und ehemaliger -spieler. Der 1,85 Meter große Parker spielte von 2001 bis 2018 bei den San Antonio Spurs, mit denen er viermal die NBA-Meisterschaft gewann. Als erster Europäer überhaupt wurde er 2007 als wertvollster Spieler einer NBA-Finalserie ausgezeichnet. Zum Schluss seiner Laufbahn lief er eine Saison lang für die Charlotte Hornets auf. Parker wurde mit der französischen Basketballnationalmannschaft 2013 Europameister und erreichte zwei Jahre zuvor das EM-Endspiel. Anlässlich seines Rücktritts im Juni 2019 wurde er als der beste Spieler in der Geschichte des französischen Basketballsports bezeichnet. 2023 wurde er als Spieler in die Naismith Memorial Basketball Hall of Fame aufgenommen.
Für die Mannschaft des französischen Leistungszentrums INSEP erzielte Parker während der Saison 1998/99 in der dritthöchsten Spielklasse des Landes (Nationale 1) im Durchschnitt 22,1 Punkte je Begegnung. Des Weiteren bereitete er pro Spiel statistisch 6,5 Korberfolge seiner Mitspieler unmittelbar vor.
Von 1999 bis 2001 spielte Parker für den französischen Erstligisten PSG Racing (ab 2000 Paris Basket Racing genannt). In der Saison 1999/2000 war er bei der von Trainer Didier Dobbels betreuten Hauptstadtmannschaft Ersatzmann von Laurent Sciarra. Im April 2000 nahm Parker in Indianapolis (US-Bundesstaat Indiana) am Hoop Summit teil. Bei der Veranstaltung trat er mit einer Auswahl von Talenten aus unterschiedlichen Ländern gegen eine Mannschaft einiger der besten US-Amerikaner desselben Alters an. Parker machte in dem Spiel mit 20 Punkten auf sich aufmerksam.
In der Saison 2000/01 war Parker nach Sciarras Abgang unter Paris’ neuem Trainer Ron Stewart die Nummer eins auf der Spielermacherposition. Parker kam auf Mittelwerte von 14,7 Punkten und 5,6 Korbvorlagen.
San Antonio Spurs (2001 bis 2018)
Im NBA-Draftverfahren 2001 wählten die San Antonio Spurs Parker an 28. Stelle aus. Der Franzose wurde mit seinen knapp 19 Jahren der bis dahin jüngste Spieler in der Vereinsgeschichte. In San Antonio traf Parker auf Tim Duncan, der bereits zu den besten Spielern der Liga zählte. Eigener Aussage nach war San Antonios Cheftrainer Gregg Popovich zunächst nicht von Parker überzeugt und warf ihm anfänglich fehlende Aggressivität und Härte vor.
Die Spurs gehörten mit Duncan zu den Favoriten auf den NBA-Titel. Er begann seine NBA-Karriere als Ersatzmann von Antonio Daniels, wurde jedoch nach fünf Spielen bereits in die Anfangsaufstellung befördert. Bei seinem Debüt gegen die Los Angeles Clippers am 30. November 2001 wurde er zum dritten französischen Basketballspieler, der je an einem NBA-Spiel teilgenommen hat. In seinem ersten Jahr verzeichnete er 9,2 Punkte, 4,3 Assists und 2,6 Rebounds pro Spiel. Er führte die Texaner in Korbvorlagen und Ballgewinnen an und wurde als erster nicht-amerikanischer Aufbauspieler in das NBA All-Rookie First Team 2002 gewählt. In seinem zweiten Jahr stand Parker in allen 82 Spielen der Saisonhauptrunde in der Anfangsaufstellung und steigerte sich merklich (15,5 Punkte, 5,3 Assists und 2,6 Rebounds pro Spiel). Er wurde als Sophomore zur Teilnahme an der Rookie Challenge eingeladen. Die Spurs erreichten in dieser Saison nicht nur die Playoffs, sondern gewannen auch die NBA-Meisterschaft 2003. Von der Sportzeitung L’Équipe wurde er daraufhin zu Frankreichs Sportler des Jahres („Champion des champions“) 2003 gekürt.
Obwohl die Spurs die Meisterschaft gewannen, gab es Zweifel über Parkers Zukunft bei den Texanern. Die Spurs spielten mit dem Gedanken, Jason Kidd von den New Jersey Nets zu verpflichten, entschieden sich aber dagegen. Die Spurs schafften es in der kommenden Saison erneut in die Playoffs, doch sie mussten sich in der zweiten Runde den Los Angeles Lakers geschlagen geben. Erst eine Saison später, 2004/05, bemerkte man bei Parker wieder eine deutliche Leistungssteigerung. 16,6 Punkte, 6,1 Assists und 3,7 Rebounds pro Spiel machten ihn zu einem der besten Spielmacher der Liga. Seine Bedeutung für San Antonio nahm in den Playoffs weiter zu, und er spielte eine wichtige Rolle in den Siegen über die Denver Nuggets, Seattle SuperSonics und die Phoenix Suns auf dem Weg in die Endspielserie. Dort standen die Spurs den titelverteidigenden Detroit Pistons gegenüber, die zu diesem Zeitpunkt über eine der besten Verteidigungen der NBA verfügten. Parker hatte sichtlich Probleme, sich gegen den besten Spieler der Finalserie des Vorjahres, Chauncey Billups, durchzusetzen und sein Zug zum Korb wurde durch den viermaligen Verteidiger des Jahres, Ben Wallace, erheblich erschwert. Dank der konstanten Leistungen seiner Mannschaftskameraden Tim Duncan und Manu Ginóbili schafften es die Spurs allerdings, die Finalserie 2005 nach sieben Spielen für sich zu entscheiden.
In der NBA-Saison 2005/06 wurde Parker dank seiner 18,9 Punkte pro Spiel und einer Trefferquote von 54,8 % aus dem Feld erstmals zum NBA All-Star gewählt. Die Spurs fuhren 63 Siege ein und qualifizierten sich für die Playoffs, in denen sie jedoch schon in der zweiten Runde an den Dallas Mavericks scheiterten. In der folgenden Saison wurde Parker erneut zum All-Star gewählt. In der zweiten Runde der Playoffs trafen die Spurs auf die Phoenix Suns rund um Steve Nash, der als bester Spieler der Hauptrunde ausgezeichnet worden war. Parker war seinem Gegenüber überlegen und spielte eine entscheidende Rolle im Vorankommen seiner Mannschaft. Nachdem sie die Utah Jazz in fünf Spielen hinter sich gelassen hatten, erkämpfte Parker San Antonio nach vier Spielen gegen die Cleveland Cavaliers den insgesamt vierten NBA-Meistertitel der Klubgeschichte. Wegen seiner überragenden Leistungen wurde Parker als bester Spieler der Finalserie ausgezeichnet und war somit der erste europäische Spieler, dem diese Ehre zuteilwurde.
In der NBA-Saison 2007/08 hielt Parker seinen Schnitt aus den vorhergehenden beiden Jahren. Die Spurs, die im Westen auf dem dritten Platz abschnitten, kämpften sich durch die ersten beiden Runden der Playoffs, mussten sich aber in der Finalserie der Western Conference den Los Angeles Lakers geschlagen geben. Die folgende Saison begann mit drei Niederlagen für die Texaner, doch im vierten Spiel sorgte Parker mit seiner Karrierebestleistung von 55 Punkten dafür, dass sich das Blatt wendete. Parker wurde erneut zum All-Star gewählt und seine Mannschaft schaffte es abermals in die Playoffs. Mit durchschnittlich 22,0 Punkten je Begegnung erreichte er den besten Wert seiner NBA-Zeit und führte die Spurs (vor Tim Duncan) als bester Korbschütze an. In den Playoffs musste sich die Mannschaft nach fünf Spielen aber bereits in der ersten Runde den Dallas Mavericks geschlagen geben. In der Saison 2009/10 musste Parker verletzungsbedingt fast 30 Spiele lang aussetzen. Die Spurs schafften es dennoch in die Playoffs, aber es war erneut verfrüht Schluss für die Texaner.
In der NBA-Saison 2010/11 wies San Antonio nach der Hauptrunde (61 Siege und 21 Niederlagen) die beste Siegquote aller Mannschaften in der Western Conference auf, schied jedoch bereits in der ersten Play-off-Runde gegen die Memphis Grizzlies aus. Nachdem es bis dahin zu keiner Einigung zwischen den Tarifparteien bezüglich eines neuen NBA-Tarifvertrags gekommen war, was zu Aussperrung der Spieler aus der Liga (sog. lockout) geführt hatte, unterschrieb Parker Anfang Oktober 2011 einen Vertrag beim französischen Verein ASVEL Lyon-Villeurbanne, dessen Mitbesitzer er ist. Ende 2011 kehrte er jedoch zu den Spurs zurück.
In seinem 826. NBA-Spiel am 10. Dezember 2012 gelang Parker erstmals ein Triple Double (27 Punkte/12 Rebounds/12 Vorlagen). Nur drei weitere Spieler, denen solches gelang, benötigten mehr als 800 Spiele: Karl Malone (860), Patrick Ewing (834) und Cedric Maxwell (824). Am Ende der Spielzeit 2012/13 erreichte er mit den Spurs die Finalserie, in der man den Miami Heat knapp unterlegen war. Auch im folgenden Jahr kam es zu dieser Finalpaarung, doch diesmal setzten sich die Spurs deutlich mit 4:1 durch. Parker gewann somit zum vierten Mal den NBA-Meistertitel.