An diesem Tag

Tony Benn

Britischer Politiker (1925–2014)

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Anthony „Tony“ Neil Wedgwood Benn, PC, früher 2. Viscount Stansgate (* 3. April 1925 in London; † 14. März 2014 ebenda), war ein britischer Politiker der Labour Party. Er gehörte dem House of Commons von 1950 bis 1960 an und erneut von 1963 bis 2000, also fast fünfzig Jahre lang, und war mehrmals Minister. In den 1970er und 1980er Jahren führte er den linken Parteiflügel und war bis zu seinem Tod im sozialistischen und pazifistischen Spektrum aktiv.

Tony Benns Vater William Wedgwood Benn war Mitglied des Parlaments für die Liberalen. Er trat zur Labour Party über und wurde 1942 zum Lord erhoben. Beide Großväter, John Williams Benn und Daniel Holmes, waren ebenfalls liberale Abgeordnete (der eine zunächst für den Wahlkreis Tower Hamlets, St George, dann für Devonport, der andere für Govan). Tony Benn ist ein Cousin der Schauspielerin Margaret Rutherford.

Seine Mutter Margaret, geb. Holmes, war eine Theologin und Feministin. Sie pflegte ihm die biblischen Geschichten zu erzählen, in denen die Propheten gegen den Machtmissbrauch der Könige und für Gerechtigkeit einstanden. Dies habe, so Tony Benn, seine politischen Werte lebenslang geprägt. Benn war lebenslang ein überzeugter Christ.

Jugend, Kriegsdienst und Studium

Benn wurde 1925 im Londoner Stadtviertel Marylebone geboren. Er besuchte die Westminster School, eine angesehene (und teure) Public School. Während des Zweiten Weltkrieges diente er vom Juli 1943 bis zum August 1945 in der Royal Air Force, zuletzt als Pilot. Ebenfalls Pilot der Royal Air Force war sein ihm eng verbundener älterer Bruder Michael Julius Wedgwood Benn, der Theologie studierte und Priester der Church of England werden wollte. Michael Benn kam 1944 beim Absturz seines Flugzeugs ums Leben.

Nach Kriegsende studierte Benn am New College der University of Oxford Philosophie, Politik und Wirtschaftswissenschaften. 1947 wurde er zum Vorsitzenden des renommierten studentischen Debattierclubs Oxford Union gewählt. Später, als Abgeordneter und Minister, ließ er die Westminster School und die University of Oxford aus seinen offiziellen Lebensläufen streichen. Zum Punkt „Education“ ließ er stattdessen eintragen: „in progress“ („Bildung: fortdauernd“). Nach dem Examen arbeitete er 1949/1950 kurzzeitig als Radioproduzent bei der BBC.

Anfänge der politischen Karriere

1950 ergab sich für Benn die Gelegenheit, in die Politik einzusteigen, als Stafford Cripps seinen Parlamentssitz niederlegte. Die Labour Party nominierte ihn für die fällige Nachwahl. Im Alter von 25 Jahren wurde Benn für den Wahlkreis Bristol South East in das Unterhaus gewählt. In der Labour Party galt er als Zentrist, weil er sich nicht den Linken um Aneurin Bevan anschloss.

Benn wusste, dass ihm als Abgeordneter nur dann eine Zukunft beschieden war, wenn es gelang, den Peerage Act zu ändern. Seinem Vater hatte Winston Churchill die erbliche Peerswürde mit dem Titel eines Viscount Stansgate verleihen lassen. Infolge des Todes von Michael Benn wurde sein jüngerer Bruder Tony Anwärter auf den Titel. Aufgrund des Act of Settlement würde er – beim Tode seines Vaters und dem Übergang des Titels auf den Sohn – von seinem Mandat im House of Commons zurücktreten und den ererbten Sitz im House of Lords einnehmen müssen. Die Mitgliedschaft in beiden Häusern ist ausgeschlossen. Deshalb trat Benn bereits in den frühen 1950er Jahren für eine Änderung des Gesetzes dahingehend ein, Adligen einen Rücktritt von ihren Titeln und die Beibehaltung ihres Parlamentssitzes im House of Commons zu gestatten.

Der Kampf um das Recht, als Adliger für das Unterhaus kandidieren zu dürfen

Als sein Vater im November 1960 starb, beharrte Benn darauf, seine ungewollte Peerswürde aufzugeben. Er bewarb sich bei der Nachwahl um seinen eigenen Parlamentssitz – und gewann den Wahlkreis Bristol South East erneut. Ein Wahlgericht entschied, dass Benn nach geltendem Recht nicht wählbar war und vergab den Sitz an den konservativen Mitbewerber Malcolm St Clair. Benn setzte seine Kampagne fort; die konservative Regierung machte schließlich den Weg zu einer Gesetzesänderung frei. Der Peerage Act von 1963 erlaubt die Niederlegung einer Peerswürde. Das Gesetz wurde am 31. Juli 1963 um 18 Uhr wirksam – bereits um 18.22 Uhr legte Benn seinen Titel nieder. St Clair nahm die Chiltern Hundreds (eine Formulierung, die einen Rückzug aus dem Parlament umschreibt), und Benn kehrte in das Unterhaus zurück, nachdem er die erneute Nachwahl am 20. August 1963 gewonnen hatte.

Minister in Labour-Regierungen

Von 1964 bis 1966 war Benn Postmaster General (Postminister), von 1966 bis 1970 Technologieminister, ein Amt, in dem er für die Entwicklung des franco-britischen Überschallflugzeugs Concorde verantwortlich wurde. (Im Oktober 2003 war er deshalb Gast beim letzten regulären Concorde-Flug von British Airways.) Zwischen 1974 und 1975 war er britischer Industrieminister, von 1975 bis 1979 Energieminister.

Führungs- und Richtungskämpfe in der Labour Party

Vom September 1971 bis zum September 1972 war Benn Vorsitzender der Labour Party (dieses Amt entspricht nicht dem eines Parteivorsitzenden in deutschen Parteien – das Äquivalent eines deutschen Parteivorsitzenden ist in Großbritannien der Party Leader/Parteiführer). Dabei trat er mehr und mehr für Positionen des linken Flügels ein. Er sprach sich entschieden für eine Arbeitsmarktpolitik aus, durch die der Staat die Beschäftigung nicht dem Spiel der Märkte überließ, und für die Verstaatlichung von Unternehmen bestimmter Größe in bestimmten Branchen.

Obwohl er sich zunächst für einen Beitritt Großbritanniens zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) eingesetzt hatte, schwenkte er auf die Linie der allermeisten britischen Gewerkschaften ein und warb für den Austritt Großbritanniens aus der EWG. In einem Referendum am 5. Juni 1975 stimmten die Wähler jedoch für einen Verbleib in der EWG.

Die Niederlage der Labour Party in den Parlamentswahlen von 1979 verschärfte die Richtungskämpfe innerhalb der Partei. Die Labour Party wählte den Parteilinken Michael Foot zum Parteiführer, während die gemäßigten Politiker Shirley Williams, Roy Jenkins, William Rodgers und David Owen die Partei verließen und 1981 die Social Democratic Party gründeten.

Infolge einer Satzungsänderung, die das Stimmgewicht des Gewerkschaftsblocks bei Abstimmungen auf Parteitagen einschränkte, und infolge ausbleibender Unterstützung durch einige Labour-Linke, darunter Neil Kinnock, verlor Benn 1981 die Wahl zum stellvertretenden Vorsitzenden gegen Denis Healey sehr knapp. Fortan hatte er in seiner Partei zwar noch viele Bewunderer, doch kaum noch Einfluss an entscheidenden Stellen.

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