Anton Engelbert „Toni“ Sailer (* 17. November 1935 in Kitzbühel, Tirol; † 24. August 2009 in Innsbruck) war ein österreichischer Skirennläufer, Schauspieler sowie Sänger.
Bei den Olympischen Winterspielen 1956 in Cortina d’Ampezzo gewann er drei Goldmedaillen im Slalom, im Riesenslalom und in der Abfahrt, die auch als Weltmeisterschaftsmedaillen zählten, sowie die Goldmedaille in der nichtolympischen alpinen Kombination. Bei den Weltmeisterschaften 1958 in Bad Gastein gewann Sailer Gold in Abfahrt, Riesenslalom und Kombination sowie Silber im Slalom. Mit seinen drei olympischen Goldmedaillen und sieben Weltmeistertiteln zählt er zu den erfolgreichsten Skirennläufern.
Toni Sailer bekam kurz vor seinem zweiten Geburtstag die ersten Skier und begann sehr früh mit dem Skisport. Bereits sein Vater Anton Sailer, der 1914 als Spenglermeister nach Kitzbühel kam, war ein begeisterter Skiläufer, seine älteren Schwestern Hilde und Rosi und sein jüngerer Bruder Rudi wurden ebenfalls Skirennläufer. Als Zehnjähriger nahm Sailer an ersten Rennen teil, und in den Schülerklassen feierte er rasch Erfolge. Ab 1947 war er Mitglied im Kitzbüheler Ski-Club, dessen Präsident er von 1967 bis 1976 war. In seiner Jugend war er auch als Skispringer aktiv, konzentrierte sich aber bald ausschließlich auf die alpinen Bewerbe. Sailer besuchte die Handelsschule in Schwaz und erlernte den Beruf des Glasers und Spenglers.
Im Winter 1952 feierte Sailer im Alter von 16 Jahren seine ersten bedeutenden Siege. Er gewann die Abfahrt und die Kombination von Megève sowie den Riesenslalom und die Kombination von Morzine. Bei einem schweren Trainingssturz in Zürs erlitt er einen Schien- und Wadenbeinbruch und musste die gesamte Saison 1952/53 pausieren. Im Winter 1954 gelang ihm noch nicht die Qualifikation für die Weltmeisterschaften in Åre, er siegte aber im Slalom und in der Kombination von Cortina d’Ampezzo sowie im Riesenslalom von Seefeld.
In der Saison 1954/55 feierte er seinen ersten von insgesamt fünf Siegen beim Lauberhornrennen in Wengen. In der Abfahrt hatte er dabei einen Vorsprung von fast vier Sekunden auf den zweitplatzierten Anderl Molterer, und mit Rang sieben im Slalom gewann er auch die Kombination. Weitere Saisonerfolge gelangen ihm in den Riesenslaloms von Morzine, bei den 3-Tre-Rennen in Canazei, beim Glocknerrennen sowie in den Abfahrten von Megève und auf der Tofana in Cortina.
Im Jänner 1956 gewann der „Schwarze Blitz aus Kitz“ erneut die Lauberhornabfahrt und siegte bei den Hahnenkammrennen in Kitzbühel in Abfahrt, Slalom und Kombination. Bei den Olympischen Winterspielen 1956 in Cortina d’Ampezzo schrieb der damals 20-jährige Tiroler Skisportgeschichte und gewann als erster Sportler alle alpinen Bewerbe bei Olympischen Spielen. Im Riesenslalom siegte er mit 6,2 Sekunden Vorsprung auf Molterer, den Slalom gewann er mit 4 Sekunden Vorsprung auf den Japaner Igaya, und in der Abfahrt kam er 3,5 Sekunden vor dem Schweizer Fellay ins Ziel. Damit wurde er dreifacher Olympiasieger und zugleich vierfacher Weltmeister, denn diese Wettbewerbe, und zusätzlich die nichtolympische Kombination, zählten auch als Weltmeisterschaften. Erst zwölf Jahre später gelang dies auch dem Franzosen Jean-Claude Killy, allerdings mit weitaus geringeren Vorsprüngen. Durch die Erfolge bei den Spielen wurde Sailer zu einem Nationalhelden, erhielt beim Olympia-Empfang in der Wiener Hofburg vom Bundespräsidenten Theodor Körner das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, wurde als Österreichs Sportler des Jahres ausgezeichnet und bekam zahlreiche Filmangebote.
Im Winter 1956/1957 gewann Sailer die Abfahrten in Wengen und in Kitzbühel und wurde österreichischer Meister im Slalom, im Riesenslalom und in der Kombination. Weitere Siege feierte er vor allem in den Nordamerikarennen. In Aspen gewann er zwei Riesenslaloms, einen Slalom und eine Abfahrt; in Stowe siegte er im Riesenslalom, in der Abfahrt und in der Kombination; beim Harriman Cup in Sun Valley gewann er Slalom, Abfahrt und Kombination, und in Squaw Valley war er in der Abfahrt und in der Kombination siegreich.
Der erste Film, an dem er im ersten Jahr mitwirkte, war Ein Stück vom Himmel. Da dieser Film nichts mit dem Skisport zu tun hatte, verstieß Sailers Auftritt nicht gegen die Amateurregeln. Beim zweiten Film Der schwarze Blitz kam er jedoch in Konflikt mit den strengen Amateurregeln der FIS. Diese ließ ihn aber weiterhin starten. Nicht festlegen wollte sich jedoch das Internationale Olympische Komitee bezüglich einer möglichen Teilnahme bei den Spielen 1960.
Im Jänner 1958 gewann Sailer zum vierten Mal die Lauberhornabfahrt und die Riesenslaloms von Kitzbühel und Saalfelden. Bei den Weltmeisterschaften 1958 in Bad Gastein war er erneut der große Star und gewann drei Goldmedaillen. Lediglich im ersten Wettbewerb, dem Slalom, wurde er von dem Österreicher Josef Rieder geschlagen und belegte den zweiten Platz. Beim Riesenslalom verwies er Rieder auf den zweiten Rang. In der Abfahrt siegte Sailer vor dem Schweizer Roger Staub und gewann damit auch die Kombination. Nach den Weltmeisterschaften beendete er vorzeitig die Saison, wurde aber am Jahresende zum dritten Mal als österreichischer Sportler des Jahres 1958 ausgezeichnet.
Es gab bereits im Sommer 1958 Meldungen über seinen Rücktritt, öffentlich machte Sailer ihn am 8. Juni 1959 in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk, in dem er erklärte, dass er nicht an den kommenden Olympischen Spielen teilnehmen werde, sich nun 100%ig seinen neuen Aufgaben widme, nicht auf zwei Hochzeiten tanzen könne und ihm auch das Training fehle; er werde nur mehr als Freizeitgestaltung und zur Erholung Ski fahren.
Cortina d’Ampezzo 1956: 1. Abfahrt, 1. Slalom, 1. Riesenslalom
Cortina d’Ampezzo 1956 : 1. Abfahrt, 1. Slalom, 1. Riesenslalom, 1. Kombination
Bad Gastein 1958: 1. Abfahrt, 1. Riesenslalom, 1. Kombination, 2. Slalom
Österreichische Meisterschaften
Österreichischer Jugendmeister in der Dreierkombination (1. Abfahrt, 1. Slalom, 5. Skispringen) 1952
Österreichischer Meister in Slalom, Riesenslalom und Kombination 1957
Sailer besuchte eine Berliner Schauspielschule und wirkte in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen wie König der silbernen Berge oder Der schwarze Blitz mit. Daneben betätigte er sich als Schlagersänger und machte 18 Schallplattenaufnahmen.
Auch im Motorsport war er aktiv: Von 1967 bis 1969 trat er zu Rennen in verschiedenen Fabrikaten von Formel-V-Fahrzeugen an.