Thomas Wade Landry (* 11. September 1924 in Mission, Texas; † 12. Februar 2000 in Dallas) war ein US-amerikanischer American-Football-Spieler und -Trainer. Er war ferner Pilot der United States Army Air Forces.
Landry wurde als Sohn des Automechanikers und Feuerwehrmanns Ray Landry geboren. Seine Mutter Ruth war Hausfrau. Landry stammte aus einfachen Verhältnissen und musste sich im Elternhaus ein Zimmer mit seinen älteren Brüdern, beide Zwillinge, teilen. Sein Bruder, Robert, fiel als Bomberpilot im Zweiten Weltkrieg. Als Kind war er in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt, wurde dabei lebensgefährlich verletzt und erholte sich nur schwer davon.
Landry spielte bereits auf der High School American Football. Seine ursprüngliche Position war die eines Quarterbacks. Im letzten Jahr auf der High School wurde er zum MVP seines Teams gewählt. Seine Mannschaft gewann die regionale Meisterschaft. Bereits auf der Schule wurde ihm von seinen Trainern vermittelt, dass Erfolg nur durch Leistung erzielt werden kann. Diesem Leitsatz blieb er während seiner gesamten Karriere treu.
Aufgrund seiner Leistungen auf der High School erhielt Landry ein Wirtschafts- und Football-Stipendium an der University of Texas in Austin, welches er auch mit einem Wirtschaftsdiplom abschließen konnte. Da seine ursprüngliche Position als Quarterback bei den Texas Longhorns bereits besetzt war, spielte er in der Regel als Fullback und im Defensive Backfield.
Nach einem Jahr brach er sein Studium ab, um sich den United States Army Air Forces anzuschließen. Er wurde zum Bomberpiloten ausgebildet, zum Leutnant befördert und nahm am Zweiten Weltkrieg teil, wo er insgesamt 30 Einsätze über Deutschland mit einer Boeing B-17 flog und eine Bruchlandung aufgrund von Benzinmangels seines Flugzeugs in Belgien überlebte. Im November 1945 wurde er aus dem Militärdienst als Oberleutnant entlassen und kehrte 1947 zu den Longhorns zurück. Mit Bobby Layne spielte bei den Longhorns ein späteres Mitglied in der Pro Football Hall of Fame als Quarterback, Landry wurde daher als Defensive Back und Running Back eingesetzt. Mit seiner Mannschaft gewann er 1948 den Sugar Bowl mit 27:7 gegen die University of Alabama und 1949 den Orange Bowl gegen die University of Georgia mit 41:28. Er erzielte dabei einen Raumgewinn von 117 Yards. In den Ferien 1948/1949 arbeitete er als Helfer und Ansprechpartner für Kinder auf einer Ferienranch in Kerrville, Texas. Die Förderung der Jugend war ihm bis zu seinem Tod ein Anliegen. Landry ehelichte am 28. Januar 1949 Alicia Wiggs, mit der er bis an sein Lebensende verheiratet blieb.
1949 wurde Landry von den New York Yankees einem Team der All-America Football Conference (AAFC) für ein Gehalt von 6000 Dollar und einem Handgeld von 500 Dollar verpflichtet. Zuvor war er in der 20. Runde an 184. Stelle des AAFC Drafts durch die Yankees gezogen worden. Für die Mannschaft aus New York spielte er auf verschiedenen Positionen. Er lief als Halfback, Cornerback und als Punt- und Kickoff-Returner auf, erhielt aber die meiste Einsatzzeit als Punter. Nachdem die AAFC nach der Saison 1949 aufgrund finanzieller Probleme ihre Pforten geschlossen hatte, wechselte der universell einsetzbare Landry, wie andere Spitzenspieler der Yankees, darunter Arnie Weinmeister und Otto Schnellbacher, zu den von Steve Owen trainierten New York Giants in die NFL und kam auch dort auf verschiedenen Positionen, aber überwiegend als Cornerback als Partner von Emlen Tunnell, zum Einsatz. Steve Owen wurde zu einem Förderer von Landry und ließ ihm die Freiheiten das Spiel der Giants Defense effektiv zu gestalten. 1955, nachdem er insgesamt 4 Touchdowns erzielt und 32 Interceptions gefangen hatte, beendete er seine Spielerlaufbahn.
Noch während seiner Spielerlaufbahn wurde Landry Verteidigungskoordinator der Giants. Im gleichen Trainerstab arbeitete auch Vince Lombardi, der für den Angriffsbereich zuständig war und dem er im Laufe seiner Karriere noch mehrfach begegnen sollte. Landry machte aus der Defense der Giants eine der besten Abwehrreihen der Liga. Er selbst verfügte über einen analytischen Verstand und war in der Lage seine Abwehr auf die gegnerischen Angriffsmannschaften exakt einzustellen. Landry entwickelte die 4-3 Defense, bei der vier Defensive-Line-Spieler und drei Linebacker aufgestellt werden. Die Besonderheit dabei war, dass dem gegnerischen Center in einem Abstand von zwei Meter anstatt einem Nose Tackle ein wesentlich beweglicherer Linebacker gegenübergestellt wurde. Diese Abwehrformation ist noch heute eine gängige Spielpraxis im Football.
1956 gewannen die Giants das NFL Championship Game gegen die Chicago Bears überlegen mit 47:7, mussten sich aber in den darauffolgenden beiden Jahren jeweils den Baltimore Colts mit ihrem Quarterback Johnny Unitas mit 32:17 und 31:16 geschlagen geben.
Der Nachfolger von Owen als Trainer bei den Giants Jim Lee Howell erkannte wie Owen selbst das Trainertalent seines Assistenten und bezeichnete ihn als den zur Zeit besten Footballtrainer in der Liga. Er sollte den Giants als Assistenztrainer aber nicht erhalten bleiben.
In Reaktion auf die Gründung der American Football League (AFL) fassten die Verantwortlichen der NFL 1959 den Entschluss zu expandieren. Im Januar 1960 erhielten zwei Geschäftsleute aus Dallas eine NFL-Franchise. Die Dallas Cowboys wurden neu gegründet und standen in direkter Konkurrenz zu den Dallas Texans, einer Mannschaft der AFL, die im Jahr 1963 nach Kansas City umzog. Landry, der ein Angebot von Wellington Mara die Giants zu trainieren nicht angenommen hatte, wurde 1960 der erste Head Coach der Cowboys und blieb es bis 1988. Verpflichtet wurde er von Tex Schramm, der kurze Zeit zuvor von den Besitzern der Cowboys als General Manager vertraglich an die Cowboys gebunden worden war. Die beiden Männer sollten bis zum Karriereende von Landry miteinander verbunden bleiben und gemeinsam die Geschicke der Mannschaft lenken.
Die Saison 1960 verlief für die Cowboys enttäuschend, kein Spiel wurde gewonnen. Erst in der folgenden Saison konnten die Cowboys ihr erstes Spiel gewinnen – die Pittsburgh Steelers mussten sich mit 27:24 geschlagen geben. Allerdings gingen auch in den nächsten vier Jahren mehr Spiele verloren, als gewonnen werden konnten. Landry wurde jedoch genug Zeit gegeben die Mannschaft weiterzuentwickeln. Die Geduld der Teambesitzer und des General Managers sollten sich auszahlen. 1964 wurde von Schramm der Vertrag von Landry um 10 Jahre verlängert. Landry und Schramm machten aus den Cowboys „Americas Team“, wobei ihnen der Umstand, dass ihr Quarterback Don Meredith es immer wieder verstand die Mannschaft zu Höchstleistungen zu führen, entgegenkam.
Im Jahr 1966 gelang Landry und Schramm eine weitere Verpflichtung, die sich für die Entwicklung der Cowboys als positiv erweisen sollte. Mit Ernie Stautner wurde ein ehemaliger Pro-Bowl-Spieler verpflichtet, der fortan die Betreuung der Defense der Mannschaft übernahm. Der aus Bayern stammende Stautner hatte sich als Spieler und Assistenztrainer bei den Pittsburgh Steelers einen Ruf gemacht und half die Abwehr der Cowboys zu festigen. Abwehrspieler wie Chuck Howley, Bob Lilly, Mel Renfro oder Lee Roy Jordan konnten mit der Hilfe von Stautner ihre volle Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. Die Abwehr der Cowboys wurde zu einem bei den gegnerischen Mannschaften gefürchteten Mannschaftsteil und erhielt den Beinamen: „Doomsday Defense“.
1966 konnte Landry sich zum ersten Mal für die Play-offs qualifizieren. Sowohl in diesem Jahr, als auch 1967 gelang der Einzug in das NFL Championship Game ein. Dort musste sich aber die Mannschaft von Landry jeweils mit 34:27 und mit 21:17 (im sogenannten Ice Bowl) den Green Bay Packers mit Quarterback Bart Starr geschlagen geben. Die von dem ehemaligen Weggefährten Landrys Vince Lombardi geführten Packers konnten von den Cowboys einfach nicht bezwungen werden. Im Gegensatz zu Lombardi, der als Choleriker verschrien war, war Landry keine Lichtgestalt und deshalb wesentlich weniger populär. Landry war Analytiker, Statistiker und zugleich pedantisch und perfektionistisch veranlagt, was seinen Quarterback Meredith zum Ausspruch: „Wenn er mit Raquel Welch verheiratet wäre, ginge er davon aus, dass sie ihm Essen kocht“ verleitete.