Thomas Wingett „Tom“ Corbett, Jr. (* 17. Juni 1949 in Philadelphia, Pennsylvania) ist ein US-amerikanischer Politiker der Republikanischen Partei. Vom 18. Januar 2011 bis zum 20. Januar 2015 war er Gouverneur des Bundesstaates Pennsylvania.
Corbett ist Jurist und begann seine Laufbahn im Jahr 1976 als Assistent eines Bezirksstaatsanwalts in Pennsylvania. Danach war er unterschiedlich lange abwechselnd als Jurist in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst tätig. Nachdem Corbett von 1989 bis 1993 United States Attorney für den westlichen Distrikt von Pennsylvania gewesen war, bekleidete er von Oktober 1995 bis Januar 1997 – übergangsweise vom Gouverneur ernannt – den Posten des Attorney General des Bundesstaats Pennsylvania. Nach acht weiteren Jahren als Anwalt in der Privatwirtschaft kandidierte er 2004 erneut als Attorney General. Anfang des Jahres 2005 kehrte er daher auf seinen alten Posten zurück und wurde 2008 wiedergewählt. Von den Republikanern 2010 zum Kandidaten für das Amt des Gouverneurs nominiert, gewann Corbett die Wahl am 2. November 2010 und trat das Amt als Regierungschef seines Bundesstaates am 18. Januar 2011 an. Obwohl es ihm als Gouverneur unter anderem gelang, den Staatshaushalt auszugleichen, die Arbeitslosigkeit zu senken und ein überparteiliches Modernisierungsprogramm für die Infrastruktur durchzusetzen, schnitt er bei Meinungsumfragen aufgrund von zahlreichen Kontroversen in Bildungs- und Gesellschaftspolitik zunehmend schlechter ab und wurde im November 2014 nicht für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Am 20. Januar 2015 löste ihn der Demokrat Tom Wolf ab. Nach dem Ende seiner Amtszeit zog sich Corbett zeitweise ins Privatleben zurück. Seit Herbst 2015 ist er Dozent für Recht und Politik.
Frühere Jahre und politischer Aufstieg
Ausbildung und juristische Laufbahn
Tom Corbetts Vater Thomas Corbett Sen. (1905–1995), ein Anwalt, amtierte von 1965 bis 1970 als stellvertretender Attorney General von Pennsylvania. Seine Mutter Mary starb 56-jährig im März 1967 an einer Krebserkrankung, als Corbett 17 Jahre alt war.
Corbett schloss 1971 ein Studium der Pädagogik am Lebanon Valley College ab. Nach einem Jahr als Lehrer begann er 1972 ein Studium der Rechtswissenschaft an der St. Mary’s University Law School, das er 1975 abschloss. Von 1971 bis 1984 diente er in der 28. Infanteriedivision der Pennsylvania Army National Guard, in der er bis zum Captain aufstieg. Seine juristische Laufbahn im öffentlichen Dienst begann er im Jahr 1976 als Assistent des Distriktstaatsanwalts. In dieser Funktion lag sein Schwerpunkt auf Vergewaltigungsdelikten. Vier Jahre später erhielt er eine Beförderung zum Assistenten des Bundesstaatsanwalts. Ab 1983 war Corbett für mehrere Jahre in der Privatwirtschaft als Rechtsanwalt tätig. 1988 wurde er damit beauftragt, die gerichtliche Kontrolle des Gefängnisses des Allegheny County zu betreuen. Kurz darauf, im Mai 1989, wurde er von US-Präsident George Bush zum Bundesstaatsanwalt für den westlichen Distrikt von Pennsylvania ernannt, mit knapp 40 Jahren zu dem Zeitpunkt der jüngste seines Bundesstaats. Dieses Amt hatte er bis Mai 1993 inne, als er vom neuen demokratischen Präsidenten Bill Clinton in dieser Funktion ersetzt wurde. Danach arbeitete Corbett erneut als Rechtsanwalt in der Privatwirtschaft.
Übergangsweise Attorney General von Pennsylvania (1995–1997)
Im Oktober 1995 trat der bisherige Attorney General Pennsylvanias, Ernie Preate, nach Korruptionsvorwürfen zurück. Gouverneur Tom Ridge ernannte Corbett daraufhin zu dessen Nachfolger. Obwohl der Attorney General des Bundesstaats für vier Jahre durch die Bürger gewählt wird, hatte der Gouverneur für den Rest der Amtszeit einen neuen Mandatsträger zu ernennen, weil die Verfassung des Bundesstaates keine gesonderte Nachwahl vorsieht. Seine Ernennung musste allerdings auch von der State Legislature bestätigt werden. Dabei knüpften die Demokraten ihre Zustimmung an die Bedingung, dass sich Corbett nach Ablauf der Amtsperiode nicht zur Wiederwahl stellen würde, was in Pennsylvania eine gängige Praxis für ernannte Amtsträger in Wahlämtern ist. Im November 1996, als die nächste turnusgemäße Wahl des Attorney Generals anstand, trat Corbett deshalb nicht an und schied im Januar 1997 nach einer Amtszeit ohne nennenswerte Vorkommnisse aus der Regierung aus. Sein Nachfolger wurde Mike Fisher.
Rückkehr in die Privatwirtschaft (1997–2005)
Rund acht Jahre, von 1997 bis 2005, war Corbett als privater Anwalt tätig. Zunächst fungierte er als juristischer Berater der Firma Thorp, Reed & Armstrong, ab 1998 bei Waste Management. Im März 2002 eröffnete er seine eigene Kanzlei Thomas Corbett and Associates, in der er bis zu seiner Kandidatur als Attorney General von Pennsylvania arbeitete.
Erneut Attorney General (2005–2011)
Im November 2004 kandidierte er für das Amt des Attorney Generals, gewann diese Wahl gegen den Demokraten Jim Eisenhower mit 50,4 Prozent der Stimmen knapp und kehrte im Januar 2005 in das Amt zurück. Am 4. November 2008 wurde er mit 52,3 Prozent gegen John Morganelli wiedergewählt. Corbetts Sieg war von hohem medialen Interesse begleitet: Er hatte in Pennsylvania das mit Abstand beste Ergebnis eines Republikaners eingefahren, an einem Tag, der von eher ungünstigen Verhältnissen für seine Partei geprägt war: Parallel fand die Präsidentschaftswahl 2008 statt, bei der Barack Obama auch in Pennsylvania eine deutliche Mehrheit der Stimmen auf sich vereinte. Auch die anderen Wahlen an diesem Tag gingen landesweit zu Gunsten der Demokraten aus. Im Januar 2009 begann seine zweite Amtszeit als Attorney General.
Im Januar 2011 legte Corbett nach seiner Wahl zum Gouverneur den Posten als Attorney General nieder. Als Gouverneur ernannte er William H. Ryan junior vorübergehend zu seinem Nachfolger auf diesem Posten.
Rolle im Penn-State Missbrauchsskandal
In Corbetts Dienstzeit als Generalstaatsanwalt von Pennsylvania fiel ein aufsehenerregender Missbrauchsskandal an der Pennsylvania State University, der auch international medial rezipiert wurde. Dabei wurde dem Football-Trainer Jerry Sandusky sexueller Missbrauch von Kindern vorgeworfen. Im Jahr 2009 berief Corbett in seiner Funktion als Attorney General eine Grand Jury ein, die im Jahr 2012 (als Corbett bereits Gouverneur war) Sandusky zu mehreren Jahrzehnten Freiheitsstrafe verurteilte. Corbett wurde in den Medien dafür kritisiert, dass der Urteilsspruch gegen Sandusky erst drei Jahre nach der Einberufung der Grand Jury erfolgte. Kritisiert wurde auch die Bewilligung von drei Millionen US-Dollar durch den Stab von Gouverneur Corbett an die Organisation The Second Mile. Diese Non-Profit-Organisation war von Sandusky selbst gegründet worden, um sexuell missbrauchten Kindern zu helfen, und spielte eine Rolle bei der Aufdeckung der Vorwürfe. Sandusky verließ The Second Mile jedoch bereits im Jahr 2010. Einige US-Medien bezeichneten die Freigabe der Gelder an die Organisation als absurd. Der frühere FBI-Direktor Louis Freeh sah jedoch auf sachlicher Ebene keine Vorwerfbarkeit in Corbetts Verhalten bei der Handhabung des Skandals.
Klage gegen die Gesundheitsreform „Obamacare“
Obwohl Corbett während seiner Amtszeit als Gouverneur einer Ausweitung der von Präsident Obama initiierten Gesundheitsreform zustimmte, schloss er sich im März 2010 einer Klage 17 republikanischer Kollegen vor dem Obersten Gerichtshof gegen die Reform an. Die republikanischen Attorney Generals argumentierten, das wenige Tage vorher vom Kongress verabschiedete und vom Präsidenten unterzeichnete Gesetz sei verfassungswidrig, da es US-Bürger zum Abschluss einer Krankenversicherung zwinge. Angestrebt wurde die Aufhebung der Reform durch das Gericht. Im Sommer 2012, nachdem sich weitere zehn weitere Bundesstaaten der Klage angeschlossen hatten, erklärten die Richter das Gesetz jedoch für verfassungskonform.
Bekannt wurde Corbett als Attorney General auch durch sein Vorgehen gegen Korruption im Staatsdienst. Davon betroffen waren Mitglieder der State Legislature sowie deren Angestellte. Zwischen 2008 und 2010 leitete das von Corbett geführte Büro des Attorney Generals gegen mehrere Staatssenatoren und Abgeordnete Ermittlungsverfahren wegen Korruption ein. In den meisten Fällen ging es um die Veruntreuung von Staatsgeldern zur Wahlkampffinanzierung. Drei Abgeordnete wurden zu Haftstrafen verurteilt, zwei weitere wurden freigesprochen. Zu den Verurteilten gehörte auch Mike Veon, der im Repräsentantenhaus einst der demokratischen Fraktion vorsaß. Insgesamt klagte er als Attorney General 25 Personen, davon Abgeordnete und deren Mitarbeiter, an. Durch sein Vorgehen gegen Korruption im Staatsdienst erwarb sich Corbett überparteiliches Ansehen.