Tomáš Rosický [ˈtɔmaːʃ ˈrɔsitskiː] (* 4. Oktober 1980 in Prag) ist ein ehemaliger tschechischer Fußballprofi und heutiger Sportdirektor von Sparta Prag. Der offensive Mittelfeldspieler war unter anderem für Sparta Prag, Borussia Dortmund und den FC Arsenal aktiv. Für die tschechische Nationalmannschaft bestritt er 105 Länderspiele und gilt als einer der talentiersten Fußballer seines Heimatlandes.
Tomáš Rosický stammt aus einer Sportlerfamilie und wuchs im Prager Stadtteil Prosek auf. Sein Vater Jiří Rosický (* 1948) war langjähriger Verteidiger des Rekordmeisters Sparta Prag, Mutter Eva spielte Erstliga-Tischtennis. Als Sechsjähriger begann er zusammen mit seinem älteren Bruder Jiří (* 1977) beim ČKD Kompresory mit dem organisierten Jugendfußball. 1988 verpflichtete Sparta Prag seinen Bruder, wobei es zu der kuriosen Situation kam, dass der Vater dem Wechsel nur zustimmte, wenn auch Tomáš in die Nachwuchsabteilung aufgenommen würde. Obwohl die Verantwortlichen von Jiřís Talent weit mehr überzeugt waren als vom schüchternen und schmächtigen Tomáš, bildeten sie auch ihn fußballerisch aus. Trotz aller Vorbehalte wegen seiner Statur, galt Rosický als „Wunderkind“ und durchlief ab 1995 sämtliche Junioren-Nationalmannschaften. Vor allem seine Mutter trieb die Karriere voran und schon als Jugendspieler betreute ihn Pavel Paska, der bekannteste Spielerberater des Landes.
Mit 18 Jahren rückte Rosický in den Profikader auf und debütierte am 14. April 1999 im Pokal-Viertelfinale gegen den FC Boby Brünn (1:0). Anschließend wurde er an den letzten drei Spieltagen der Gambrinus-Liga 1998/99 eingesetzt und gewann am Saisonende seine erste Meisterschaft.
Bereits in der Folgesaison 1999/2000 setzte sich Rosickýs rasante sportliche Entwicklung fort. Trotz seiner grazilen, fast schon zerbrechlich wirkenden Körperstatur, etablierte er sich als Schlüsselspieler. Dabei war seine Spielweise selten spektakulär. Vielmehr überzeugte der leichtfüßige Edeltechniker durch Kreativität, Passgenauigkeit und eine elegante Ballbehandlung. Während Rosický auf dem Spielfeld unbekümmert auftrat, verhielt er sich daneben zurückhaltend. Mit Sparta gelang ihm die erfolgreiche Titelverteidigung und auch in der UEFA-Champions League ließ der Klub durch das Erreichen der Zwischenrunde aufhorchen. Rosický kam in allen zwölf Partien der Königsklasse zum Einsatz und traf zweimal. Insbesondere sein Tor beim 5:2-Sieg über Spartak Moskau beeindruckte die Fachwelt. Mittlerweile galt der Spielgestalter als eines der größten Nachwuchstalente Europas und erhielt 1999 die Auszeichnung „Tschechiens Talent des Jahres.“ Nach seiner Teilnahme an der Europameisterschaft 2000 absolvierte Rosický noch die Hinrunde 2000/01 für Sparta, bevor die Vereinsführung des hoch verschuldeten Klubs den Verkauf ihres wertvollsten Akteurs vorantrieb.
Am 9. Januar 2001 wechselte Rosický zu Borussia Dortmund. Er unterschrieb einen Vertrag bis 2006 und die Ablösesumme von 25 Millionen D-Mark machte ihn zum teuersten Transfer der Bundesliga-Geschichte. Damit stieß die Borussia in neue Dimensionen vor, denn auch Bayern München hatte um den 20-jährigen Tschechen geworben, war jedoch wegen steigender Ablöseforderungen aus dem wochenlangen Transferpoker ausgestiegen.
Als weitere Interessenten wurden Lazio Rom, der FC Liverpool sowie der FC Arsenal gehandelt. Das Medieninteresse bei Rosickýs erstem öffentlichen Auftritt während des DFB-Hallenpokals in der Westfalenhalle war enorm und sogar der BVB-Aktienkurs stieg kurzzeitig an.
Rosický erhielt die prestigeträchtige Rückennummer 10 und sollte nach den Vorstellungen von Trainer Matthias Sammer das „Vakuum im kreativen Mittelfeld“ beheben. Seine erste Bundesliga-Partie bestritt er am 2. Februar 2001 (0:1 gegen den TSV 1860 München) als Einwechselspieler für Christian Nerlinger. Die anfängliche Skepsis, der Rekordtransfer sei mit 65 Kilogramm Körpergewicht zu schmächtig für die Bundesliga und die ihm den Spitznamen „Schnitzel“ eingebracht hatte, verflog nach wenigen Auftritten. Der Neuzugang belebte die Spielkultur seiner Mannschaft spürbar und deutete seine individuelle Klasse an (15 Einsätze, 6 Vorlagen). Nach dem vielversprechenden Start erfüllte Rosicky in seiner ersten vollen Saison (2001/02) die hohen Erwartungen und avancierte zum Dreh- und Angelpunkt des Dortmunder Offensivspiels. Kein anderer Bundesligaspieler bereitete mehr Torschüsse und -chancen vor, niemand leitete mehr Konterangriffe ein als der neue Publikumsliebling des Westfalenstadions. In Anlehnung an seine Fähigkeiten, das Spiel regelrecht zu dirigieren und Spielzüge einzuleiten, nannte man ihn „kleiner Mozart.“ Dabei verknüpfte er seine ästhetische Spielweise mit einem für Schöngeister untypischen Kampfgeist und Behauptungswillen. Sammer bot ihn als klassischen Spielmacher hinter der Sturmreihe auf, die mit Jan Koller und Márcio Amoroso prominent verstärkt worden war. Rosický entwickelte auch selbst Torgefahr und erzielte am 3. Spieltag beim 4:0-Heimsieg über den VfL Wolfsburg seinen Premierentreffer. Insgesamt kam er in 30 Einsätzen auf 14 Scorerpunkte (5 Tore, 9 Vorlagen). Nach einem dramatischen Saisonendspurt übernahm Dortmund am vorletzten Spieltag die Tabellenführung von Bayer 04 Leverkusen und wurde mit einem Punkt Vorsprung deutscher Meister. Daneben erreichte der BVB das Endspiel des UEFA-Pokals, das jedoch am 8. Mai 2002 mit 2:3 gegen Feyenoord Rotterdam verloren ging.
2001 und 2002 wurde Rosický in Tschechien als Fußballer des Jahres ausgezeichnet.
2002/03 untermauerte Rosický seinen Status als einer der kreativsten Mittelfeldspieler der Bundesliga. Im Verlauf der Spielzeit kamen wiederholt Spekulationen über das Interesse ausländischer Topklubs wie Inter Mailand oder dem FC Barcelona auf, denen er öffentlich widersprach. Am Saisonende verpasste die Borussia mit Rang drei und 17 Punkten Rückstand auf den FC Bayern die Titelverteidigung deutlich und war nach der Champions League-Zwischenrunde ausgeschieden. Trotz anhaltender Transfergerüchte verlängerte Rosický im Juli 2003 seinen Vertrag zu verbesserten Konditionen bis 2008. In den folgenden Jahren war die sportliche Entwicklung rückläufig, wodurch Borussia Dortmund den Anschluss an die Bundesliga-Spitze verlor und auch Rosický hatte mit Formschwankungen zu kämpfen. 2003 scheiterten sie in der Qualifikation zur wirtschaftlich wichtigen Champions League am FC Brügge und infolge des verpassten Einzugs in die Gruppenphase verschlechterte sich die finanzielle Situation des Vereins erheblich. Zur Deckung drohender Defizite wurde während der Winterpause 2003/04 ein vorzeitiger Transfer Rosickýs zum FC Chelsea erwogen, der jedoch aufgrund der Ablehnung durch die Vereinsführung nicht zu Stande kam. Wegen eines komplizierten Armbruchs verpasste er einen Großteil der Rückrunde, und der BVB schloss die Saison auf dem sechsten Tabellenplatz ab und verfehlte die Teilnahme am internationalen Geschäft. Der umworbene Spielgestalter blieb zwar beim BVB, machte jedoch selbst deutlich, dass er seine Zukunft inzwischen bei einem internationalen Spitzenklub sah. Obwohl Rosický die Leichtigkeit der Anfangszeit fehlte und seine Auftritte bisweilen lustlos wirkten, war er aufgrund seiner sportlichen Bedeutung als auch aus wirtschaftlicher Sicht weiterhin ein zentraler Spieler für die Schwarzgelben.
Unter dem neuen Trainer Bert van Marwijk verbesserte sich die sportliche Situation in den folgenden Spielzeiten 2004/05 und 2005/06 nur unwesentlich. Borussia Dortmund verharrte als Siebter jeweils im Tabellenmittelfeld und verpasste durch das frühzeitige Ausscheiden aus dem UI-Cup 2004 und 2005 das internationale Geschäft vollständig. Zudem überschattete eine mittlerweile existenzbedrohende Finanzlage den Verein. Nach dramatischen Wochen konnte im März 2005 eine drohende Insolvenz in letzter Minute abgewendet werden und auch die Vereinsführung wurde ausgetauscht. Rosický, der befürchtete, dass er bei einem Verbleib im sportlichen Niemandsland zu versinken drohe, zeigte sich während der Rückrunde 2005/06 verbessert und war mit 5 Toren in 13 Einsätzen ungewohnt torgefährlich. Beim 1:1 gegen Eintracht Frankfurt am 33. Spieltag (2. Mai 2006) bestritt er sein letztes Pflichtspiel für den BVB.