An diesem Tag

Tino Chrupalla

Deutscher Politiker (AfD), Ko-Parteivorsitzender, MdB

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Tino Chrupalla [kʁʊˈpala] (* 14. April 1975 in Weißwasser) ist ein rechtsextremer deutscher Politiker (AfD). Er wurde 2017 als Direktkandidat des Wahlkreises Görlitz in den Deutschen Bundestag und im November 2019 neben Jörg Meuthen zu einem der beiden AfD-Bundessprecher (Parteivorsitzenden) gewählt. Gemeinsam mit Alice Weidel ist Chrupalla seit September 2021 Vorsitzender der AfD-Bundestagsfraktion.

Tino Chrupalla wurde als Sohn eines Mechanikers geboren und wuchs in Krauschwitz (Kreis Weißwasser) in der Deutschen Demokratischen Republik auf. Nach der Mittleren Reife im Jahr 1991 absolvierte Chrupalla bis 1994 eine Berufsausbildung zum Maler und Lackierer. Danach leistete er seinen Zivildienst in Weißwasser ab. Von 2000 bis 2003 besuchte er die Meisterschule in Görlitz und Dresden. Im Jahr 2003 legte er dort vor der Handwerkskammer die Meisterprüfung ab und gründete ein eigenes Unternehmen im Maler- und Lackiererhandwerk.

Am 1. März 2020 steckten Unbekannte sein Auto in Brand. Die Tat wurde von Spitzenpolitikern verschiedener Parteien verurteilt.

Parteiintern wird Chrupalla in Anspielung auf seinen gelernten Beruf „Pinsel“ genannt. Seinen weiteren Spitznamen „Tiny Tino“ erhielt er wegen des Vorwurfs mangelnder Führungsstärke.

Chrupalla ist verheiratet und hat drei Kinder.

Chrupalla war von 1990 bis 1992 Mitglied der Jungen Union und nach eigenen Angaben viele Jahre CDU-Wähler. Infolge der Eurokrise, der Flüchtlingsdebatte und der steigenden Bürokratie für Selbstständige trat er 2015 in die zwei Jahre zuvor gegründete AfD ein. Zuvor hatte er bereits an Pegida-Demonstrationen teilgenommen. Im März 2016 übernahm Chrupalla die Leitung der AfD-Regionalgruppe im Altkreis Weißwasser. Im April 2016 wurde er in den Kreisvorstand Görlitz gewählt und zum Mitglied des AfD-Mittelstandsforums Sachsen. Im Februar 2017 übernahm Chrupalla den Vorsitz im Kreisverband Görlitz.

Im November 2016 wurde er zum Direktkandidaten der AfD im Bundestagswahlkreis Görlitz gewählt. Außerdem wurde er von seiner Partei auf Platz 5 der Landesliste nominiert. Bei der Bundestagswahl 2017 gewann Chrupalla mit 32,4 % das Direktmandat seines Wahlkreises und setzte sich damit gegen den späteren sächsischen CDU-Ministerpräsidenten Michael Kretschmer durch. Die Sächsische Zeitung kürte ihn daraufhin als „Der Eroberer“ neben Kretschmer zu einem von 15 „Menschen des Jahres 2017“.

Im Bundestag ist Chrupalla ordentliches Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie. Zudem gehört er als stellvertretendes Mitglied dem Auswärtigem Ausschuss sowie dem Ausschuss für Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen an.

Am 5. Oktober 2017 wurde er zu einem von fünf stellvertretenden Vorsitzenden der AfD-Bundestagsfraktion gewählt.

Auf dem Bundesparteitag der AfD 2019 in Braunschweig wurde Chrupalla neben Jörg Meuthen am 30. November zum Parteivorsitzenden gewählt. In einer Abstimmung setzte er sich mit 44,37 % gegen Gottfried Curio (33,1 %) und Dana Guth (22,01 %) durch, in der Stichwahl mit 54,51 % gegen Curio (41,23 %).

Im Sommer 2020 wurde bekannt, dass der sächsische Verfassungsschutz Daten über Chrupalla sammelte.

Im Mai 2021 verkündete Chrupalla, gemeinsam mit Alice Weidel als Spitzenteam für die Bundestagswahl 2021 antreten zu wollen. Auf Vorwürfe der AfD-Bundestagsabgeordneten Joana Cotar, mit der er ursprünglich Gespräche über eine Zusammenarbeit als Spitzenteam geführt hatte, Chrupalla und Weidel repräsentierten den rechtsextremen Flügel der Partei, äußerte Chrupalla, dass er und Weidel sowohl die Ost- als auch die Westverbände der Partei vertreten würden. Auf die Aussage Cotars, er habe ihre Anfragen auf eine Zusammenarbeit ignoriert, äußerte sich Chrupalla mit den Worten: „‚Keine Antwort‘ und ‚nicht sprechen‘ ist ja etwas anderes. Frau Cotar hat relativ zeitig oder vor mir im Prinzip bekannt gegeben, mit wem sie antritt. Und damit war für mich folgerichtig, dass ich mit Frau Weidel dann antrete.“ Ende des gleichen Monats wurde das Team Weidel und Chrupalla schließlich mit 71 % der Stimmen zum Spitzenteam für die Bundestagswahl gewählt und konnte sich damit gegen das Team Cotar und Wundrak, die nur 27 % erreicht hatten, durchsetzen. Bei der Bundestagswahl im September 2021 gewann Chrupalla mit 35,8 % der Erststimmen erneut das Direktmandat für seinen Wahlkreis und zog somit in den 20. Deutschen Bundestag ein. Gemeinsam mit Alice Weidel wurde er am 30. September 2021 zum Fraktionsvorsitzenden der AfD-Fraktion im Bundestag gewählt und löste somit Alexander Gauland ab, der im Rahmen der Neubestimmung des Amtes als Ehrenvorsitzender verblieb.

Im Juni 2022 wurde Tino Chrupalla auf dem 13. Bundesparteitag der AfD mit rund 53 % der Stimmen als Bundesvorsitzender wiedergewählt. Zuvor hatten namhafte AfD-Politiker wie Cotar, Wolf und Hansel öffentlich seine Ablösung gefordert. Auf dem Bundesparteitag in Essen im Juni 2024 wurde er mit 82,7 % der Stimmen für weitere zwei Jahre im Amt bestätigt. Bei der Wahl 2026 sank sein Stimmanteil, er wurde mit gut 70 % wiedergewählt.

Verwendung rechtsextremen Vokabulars

In einem ZDF-Interview nach seiner Wahl zu einem der beiden Bundesvorsitzenden Ende 2019 wurde Chrupalla wegen eines durch ihn getätigten Aufrufs zu gemäßigter Sprache zu eigenen Aussagen befragt. Im Gespräch bestritt Chrupalla, den Begriff „Umvolkung“ verwendet zu haben, obwohl Videoaufzeichnungen davon vorlagen. Chrupalla erwiderte, er halte den Begriff nicht für rechtsextrem und er habe ihn „nicht bewusst gesetzt“. Auch Ausführungen eines Teilnehmers derselben Veranstaltung, der Migration mit einem Genozid, bei dem die Deutschen durch ein „Mischvolk“ ersetzt würden, verglichen und verurteilte Kriegsverbrecher des Zweiten Weltkriegs als „Jungs, die am Galgen in Nürnberg geendet sind“, bezeichnet hatte, gab Chrupalla damals laut Videoaufnahmen „zum Teil recht“, was er im Interview dann bestritt; stattdessen behauptete er, dem Mann widersprochen zu haben. Das Deutsche Institut für Menschenrechte hielt in einem Gutachten fest, dass Chrupalla auch auf Nachfrage auf dem Begriff Umvolkung beharrt habe, der konzeptionell und sprachlich im Nationalsozialismus verankert ist. Laut Gutachten „propagiert [Chrupalla] mit diesen Äußerungen, in denen er seine Vorstellung zum Ausdruck bringt, dass Menschen in ihrer Wertigkeit zu unterscheiden seien, unverhohlen national völkisches Gedankengut“.

Im Oktober 2022 schrieb der Spiegel, Chrupalla rede „wie ein Reichsbürger“, wenn er sage, „dass Deutschland kein ‚souveränes Land‘ sei, solange US-amerikanische Truppen in der Bundesrepublik stationiert seien“, er rede „wie ein Rechtsextremist“, wenn er sage, „dass alle anderen Parteien ‚derselbe Sumpf‘ seien und nur die AfD die Lösung sei“, und „wie ein Verschwörungsideologe“, wenn er sage, dass es gerade einen „von Habeck angezettelten Wirtschaftskrieg“ gebe.

Im August 2021 stimmte Chrupalla im Bundesvorstand der AfD gegen einen Beschluss für ein Parteiausschlussverfahren gegen Matthias Helferich, welcher sich in Chatnachrichten positiv auf den Nationalsozialismus bezogen hatte.

Im Oktober 2021 nahm Chrupalla als Gast an der sogenannten „5. Düsseldorfer Runde“ teil. Bei diesem Treffen wurde unter anderem ein Plan zum Aufbau eines digitalen Radio- und Fernsehsenders namens Nice TV vorgestellt, welcher als möglichst rechtssichere Plattform für rechtsextreme Influencer und Medienschaffende geplant war. Eingeladen hatte der frühere Zahnarzt und ehemalige Bundesführer der 2009 verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend Gernot Mörig, welcher später in dieser Veranstaltungsreihe auch das als Treffen von Rechtsextremisten in Potsdam 2023 bekannt gewordene „Düsseldorfer Forum“ organisierte.

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