Klementina „Tina“ Maze (* 2. Mai 1983 in Slovenj Gradec, SFR Jugoslawien) ist eine ehemalige slowenische Skirennläuferin. Die Allrounderin fuhr in allen Disziplinen, war aber im Riesenslalom besonders erfolgreich. Ihre größten Erfolge sind der Gewinn des Gesamtweltcups in der Saison 2012/13, mit dem sie mit 2414 Punkten geschlechterübergreifend den Rekord für die meisten Weltcuppunkte in einer Saison hält, zwei olympische Goldmedaillen sowie vier Weltmeistertitel in vier verschiedenen Disziplinen (Riesenslalom 2011, Super-G 2013, Abfahrt und Alpine Kombination 2015). Hinzu kommen die Siege in drei Weltcupwertungen der Saison 2012/13 und sieben Silbermedaillen (fünf bei Weltmeisterschaften und zwei bei Olympischen Spielen). Maze gehört dem kleinen Kreis jener Läuferinnen an, die in allen fünf Disziplinen Weltcuprennen gewinnen konnten.
Juniorenzeit und erste Jahre im Weltcup
Maze wuchs in Črna na Koroškem auf, wo sie im Alter von drei Jahren das Skifahren erlernte. In ihrer Jugend trainierte sie auch Volleyball, das Gymnasium absolvierte sie in Ravne na Koroškem. Erste internationale Erfolge feierte sie im Whistler Cup. 1996 und 1998 gewann sie in ihrer Altersklasse alle Wettbewerbe. Im November 1998 nahm sie erstmals an FIS-Rennen teil und feierte bereits in ihrem vierten Rennen in Val Thorens den ersten Sieg. Ihr Debüt im Weltcup hatte sie am 2. Januar 1999 beim Riesenslalom von Maribor. Im Dezember 1999 und Januar 2000 gewann sie je einen Europacup-Riesenslalom, was ihr den zweiten Platz in der Disziplinenwertung einbrachte.
Mit Platz 24 im Riesenslalom von Sölden holte Maze am 28. Oktober 2000 ihre ersten Weltcuppunkte. Das beste Ergebnis in der Saison 2000/01 war ein zehnter Platz in Maribor. Am selben Ort erreichte Maze am 4. Januar 2002 als Zweite des Riesenslaloms erstmals einen Podestplatz in einem Weltcuprennen. Zum Auftakt der Saison 2002/03 gewann sie am 26. Oktober 2002 den Riesenslalom von Sölden, wobei sie diesen Sieg mit Nicole Hosp und Andrine Flemmen teilen musste (alle zeitgleich). Im weiteren Verlauf des Winters schied sie oft aus. Das beste Ergebnis war noch der fünfte Platz im Riesenslalom bei den Skiweltmeisterschaften 2003 in St. Moritz.
In der Saison 2003/04 versuchte Maze in den schnellen Disziplinen Abfahrt und Super-G Fuß zu fassen, was vorerst jedoch nicht gelang. Dagegen etablierte sie sich in der Saison 2004/05 im Riesenslalom endgültig an der Weltspitze. Sie gewann die Rennen in St. Moritz, Santa Caterina und in Maribor. Hinzu kam am 11. Dezember in Zauchensee die erste Podestplatzierung (Rang 3) in einem Super-G, wobei sie mit Startnummer 64 unterwegs war und schnellere Zwischenzeiten aufwies als Siegerin Meissnitzer. Das beste Ergebnis bei den Weltmeisterschaften 2005 in Santa Caterina war der sechste Platz im Super-G. Wenig konstant waren Mazes Leistungen in der Saison 2005/06. Sie gewann zum zweiten Mal das Eröffnungsrennen in Sölden und erzielte zwei weitere Podestplätze, dem gegenüber standen jedoch zahlreiche Ausfälle und Platzierungen im Mittelfeld. Bei ihrer Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin, klassierte sie sich wie vier Jahre zuvor als Zwölfte im Riesenslalom.
Maze hatte in der Saison 2006/07 Mühe, ihr Leistungsniveau zu halten. Zwei fünfte Plätze in Weltcup-Super-Gs blieben das beste Ergebnis, ansonsten resultierten überwiegend Ergebnisse im Mittelfeld. Ähnlich enttäuschend verlief auch die Saison 2007/08 – mit einer Ausnahme: Völlig überraschend gewann Maze am 2. Februar 2008 in St. Moritz die Abfahrt, wobei sie von immer besser (schneller) werdenden Pistenverhältnissen profitierte. Ihre Startnummer 47 ist die höchste, mit der je eine Weltcupabfahrt der Damen gewonnen wurde. Im Sommer 2008 löste sich Maze vollständig von den Strukturen des slowenischen Skiverbandes und stellte ein eigenes Team mit Cheftrainer Livio Magoni zusammen, von dem sie seither betreut wurde. Darüber hinaus vollzog sie beim Skimaterial einen Markenwechsel von Rossignol zu Stöckli.
Die weitreichenden Veränderungen im Umfeld zahlten sich aus. In der Saison 2008/09 siegte Maze in den Weltcup-Riesenslaloms von Maribor und Åre. Zudem konnte sie mit dem Gewinn der Silbermedaille im Riesenslalom der Weltmeisterschaften 2009 in Val-d’Isère ihren ersten Erfolg bei einem Großanlass feiern. Maze siegte in der Weltcupsaison 2009/10 zwar erst im letzten Riesenslalom des Winters. Ansonsten war sie aber so konstant geworden, dass sie in der Weltcupgesamtwertung den vierten Platz belegte. Besonders markant war die Leistungssteigerung in der bisher von ihr vernachlässigten Disziplin Slalom, in der ihr die erste Podestplatzierung gelang. Bei den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver gewann sie sowohl im Super-G als auch im Riesenslalom jeweils die Silbermedaille. Bei der Eröffnungsfeier trat sie als Fahnenträgerin der slowenischen Olympiamannschaft in Erscheinung. Zum zweiten Mal nach 2005 wurde sie als Sloweniens Sportlerin des Jahres geehrt.
In der Saison 2010/11 stand Maze im Weltcup achtmal auf dem Podest, Anfang März in Tarvis nach fast einem Jahr ohne Sieg auch wieder ganz oben – mit ihrem zehnten Weltcupsieg, dem ersten in einer Super-Kombination. Bei den Weltmeisterschaften 2011 in Garmisch-Partenkirchen gewann sie in der Super-Kombination eine weitere Silbermedaille. Am 17. Februar 2011 realisierte sie mit dem Weltmeistertitel im Riesenslalom den bis dahin größten Erfolg ihrer Karriere. Einen Monat später gewann sie beim Weltcupfinale in Lenzerheide erstmals einen Slalom und beendete die Weltcupsaison auf dem dritten Platz in der Gesamtwertung.
In der Saison 2011/12 erreichte Maze hinter Lindsey Vonn den zweiten Platz in der Weltcup-Gesamtwertung. Dabei stand sie in allen fünf Disziplinen mindestens einmal auf dem Podest, insgesamt zehnmal. Allerdings konnte sie kein Rennen für sich entscheiden. Für Medienpräsenz sorgten eher ihre Fotos von selbst entworfenem Silberschmuck und eine Diskussion um angeblich nicht regelkonforme Unterwäsche beim Rennen von Bad Kleinkirchheim. Im Jahr 2011 gab sie zudem bekannt, für das italienische Modelabel Giorgio Armani zu arbeiten.
Bereits im ersten Rennen des Winters 2012/13 in Sölden setzte sich Maze mit einem Sieg an die Spitze der Weltcup-Gesamtwertung und gab diesen Platz bis zum Ende der Saison nicht mehr ab. Maze siegte in den ersten vier Riesenslaloms (Sölden, Aspen, St. Moritz und Courchevel) und gewann auch die Super-Kombination von St. Moritz. Hinzu kamen bis Jahresende sechs weitere Podestplätze. Per Ende Dezember hatte sie in jedem der 16 bis dahin ausgetragenen Weltcuprennen der laufenden Saison gepunktet, stand elf Mal auf dem Podest (davon fünfmal zuoberst), und hatte neue Rekordmarken für die meisten Weltcuppunkte pro Kalenderjahr (2180) und die meisten Podien pro Kalenderjahr (19) aufgestellt.
Nach einem zweiten Platz beim Parallelrennen von München zu Jahresbeginn gewann sie am 13. Januar 2013 in St. Anton ihren ersten Super-G. Sie gehört damit zu den wenigen Läuferinnen, die im Laufe ihrer Karriere in allen fünf Disziplinen Weltcuprennen gewonnen haben. Sechs Tage später bewies sie mit ihrem zweiten Platz in der Abfahrt von Cortina, dass sie auch in dieser Saison (wie schon im Jahr davor) in allen fünf Disziplinen Podestplätze erreichen kann; den Super-G von Cortina beendete sie als Dritte ebenfalls auf dem Podest. Am 26. Januar 2013 sicherte sie sich mit Platz zwei hinter Lindsey Vonn im Riesenslalom von Maribor bereits vorzeitig die Riesenslalom-Disziplinenwertung. Damit ging der Riesenslalom-Weltcup erstmals an eine Läuferin aus Slowenien. Tags darauf gewann sie den Slalom von Maribor. Ende Januar hatte Maze in der Gesamtwertung bereits mehr als doppelt so viele Punkte wie die zweitplatzierte Maria Höfl-Riesch.
Bei den Weltmeisterschaften 2013 in Schladming gewann Maze den Weltmeistertitel im Super-G. Hinzu kamen je eine Silbermedaille in der Super-Kombination und im Riesenslalom. Am 24. Februar 2013 siegte sie in der Super-Kombination von Méribel und stellte damit bereits neun Rennen vor Saisonende den Sieg in der Gesamtwertung sicher. Es war dies der 18. Podestplatz der Saison, womit sie mit den Rekordhalterinnen Hanni Wenzel und Pernilla Wiberg gleichzog. Bereits im darauf folgenden Rennen, dem Super-G von Garmisch-Partenkirchen, wurde sie mit ihrem 19. Podestplatz der Saison alleinige Rekordhalterin. Am 2. März übertraf Maze mit dem Sieg in der Abfahrt von Garmisch-Partenkirchen den in der Saison 1999/2000 durch Hermann Maier aufgestellten Rekord von 2000 Punkten. Außerdem gehört sie seither zu den wenigen, die in einer Saison Siege in allen Disziplinen feiern konnten; dies war zuvor nur Janica Kostelić, Petra Kronberger und Marc Girardelli gelungen.