Timati (* 15. August 1983 in Moskau; bürgerlicher Name Timur Ildarowitsch Junussow, kyrillisch: Тимур Ильдарович Юнусов) ist ein russischer Rapper und Sänger, Musikproduzent, Schauspieler und Unternehmer tatarischer Abstammung. Angefangen als Tänzer und Background-Sänger machte er sich 2004 durch seine Teilnahme an der Casting-Show Fabriki swesd 4 erstmals in Russland einen Namen. 2006 veröffentlichte Timati sein Debüt-Soloalbum Black Star. 2009 erreichte er mit der Single Groove On, die er mit Snoop Dogg veröffentlichte, erstmals auch in West- und Mitteleuropa die Single-Charts. 2011 gelang Timati mit dem Song Welcome to St. Tropez, der mit DJ Antoine und Kalenna Harper entstand, ein Top-10-Hit in mehreren europäischen Ländern.
Aus seinem gemeinsam mit Pawel Kurjanows und Walter Lerousses 2006 gegründeten Musiklabel Black Star entwickelte sich eine Holding, die heute unter anderem Bekleidungsgeschäfte, Burgerrestaurants, Friseurläden und Fitnessstudios umfasst. 2020 verließ er das Unternehmen. Im Jahr 2022 übernahmen Timati und der Gastronom Anton Pinskij alle Starbucks- und 2023 alle Domino’s-Filialen in Russland, nachdem sich die Unternehmen wegen des Russischen Überfalls auf die Ukraine aus Russland zurückgezogen hatten und betrieben sie als Stars Coffee und Domиno weiter.
Seit 2011 unterstützt Timati den russischen Präsidenten Putin und steht seit 2018 auf dessen Liste seiner Vertrauten. Des Weiteren pflegt er eine Freundschaft zum tschetschenischen Machthaber Ramsan Kadyrow.
Timati stammt aus einem wohlhabenden Elternhaus. Sein Vater Ildar Junussow ist ein ethnischer Tatare, war im Finanzwesen tätig und hat familiäre Verbindungen zu Diplomaten und Beamten des russischen Ministeriums für Außenwirtschaftsbeziehungen. Seine Mutter Simona Junussowa (geborene Tschernomorskaja) hat jüdische Wurzeln und stammt aus einer musikalischen Familie. Er hat einen jüngeren Bruder Artem (* 1987), der seit 2006 als DJ Temniy in Moskau auflegt.
Timati besuchte bereits als Jugendlicher die Musikschule und lernte Violine und Klavier. 1995 ging er nach Los Angeles, wo er erstmals mit Hip-Hop- und R’n’B-Musik in Berührung kam was seine spätere musikalische Ausrichtung prägte. Drei Jahre später kehrte er nach Moskau zurück, um an der Wirtschaftshochschule Moskau zu studieren, brach das Studium jedoch zugunsten seiner Musikkarriere ab. Beim Skateboarden lernte Timati Pawel Kurjanow, der unter dem Pseudonym Pascha aktiv ist, kennen, mit dem er bis 2020 eng zusammenarbeitete. Gemeinsam gründeten sie 1998 das Hip-Hop-Projekt VIP 77, mit der sie in der Clubszene erste Bekanntheit erlangten.
Bis 2003: Erste Erfolge in der Moskauer Musikszene
Im Jahr 1999 lernte Timati in einer Breakdance-Schule den russischen Musiker Kirill Tolmatsky kennen, der als Decl in Moskau bereits große Konzerte spielte. Timati begleitete ihn bei seinen immer größeren Auftritten als Background-Sänger und spielte in seinen Videos mit. Dadurch war er auch erstmals im Fernsehen zu sehen, bevor es Anfang der 2000er Jahre zu Konflikten zwischen den Musikern kam und sich das Duo trennte.
Timati organisierte daraufhin gemeinsam mit Pascha Partys in den Moskauer Diskotheken und eröffneten 2004 mit dem B-Club einen ersten eigenen Club, in dem neben lokalen Rappern und DJs auch Künstler aus dem Westen auftraten.
2004 bis 2007: Nationale Bekanntheit durch Musik und Film
2004 nahm er an der vierten Staffel der Casting-Show Fabriki swesd (Фабрики звезд) teil und gründete im Anschluss mit drei weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Gruppe Banda. Obwohl keines der Mitglieder gewann, wurde die Gruppe vom russischen Musikproduzenten und Leiter der Staffel Igor Krutoi unter Vertrag genommen. Ihr Debütalbum Novye Ljudi (Ноvыэ Люди) gehörte 2005 zu den erfolgreichsten Alben in Russland. Während der Show lernte er die russisch-israelische TV-Moderatorin und spätere Oppositionsaktivistin Ksenia Sobchak kennen, mit der er 2007 die gemeinsame Single Potanzuj so mnoj (Потанцуй со мной) veröffentlichte. Im Zuge der Werbekampagne zum gemeinsamen Song wurde vorab ein angebliches Sex-Tape geleakt, in dem die beiden Musiker zu sehen waren und das für Schlagzeilen sorgte. Sobchak bezeichnete es später als eine Parodie auf das geleakte Sex-Tape von Paris Hilton und Rick Salomon.
Parallel zur Gründung der Marke Black Star Inc. im Jahr 2006 veröffentlichte Timati sein gleichnamiges Debüt-Studioalbum Black Star. Zwei Lieder des Albums waren im Film Die Hitze, in dem er sich selbst spielte, zu hören. Für den Song Sombi (Зомби) wurde ihn die Anfertigung eines Plagiats vorgeworfen, da es dem Lied Mr. Me Too der US-amerikanischen Rap-Gruppe Clipse sehr ähnelt. Die Single-Auskopplung W klube (В клубе), die in Zusammenarbeit mit dem Produzenten DJ Dlee entstand, feierte 2007 erste Erfolge. Im selben Jahr übernahm er die Rolle des 50 Bundesschillingov in der Filmkomödie Hitler geht kaputt, für den er gemeinsam mit Anna Semenowitsch, die ebenfalls im Film zu sehen ist, sowie dem Duo Tom’n’Jerry den Song Ljubow’’I Mir (Любовь И Мир) aufnahm. Außerdem war er als Synchronsprecher in der russischsprachigen Version der Animationsfilme Arthur und die Minimoys und Könige der Wellen zu hören.
2008 bis 2010: Erfolgreiche Zusammenarbeit mit amerikanischen Rappern
2008 kam es zu einem Vorfall während eines Konzerts der kanadischen Sängerin Nelly Furtado in Moskau. So sollte sie ein Duett mit dem russischen Sänger Dima Bilan singen, welches durch die Verspätung ihres Fliegers und eines dadurch fehlenden Soundchecks ausfiel. Stattdessen schlug Timati der Sängerin vor, sie als Rapper zu unterstützen, was Bilans Managerin mithilfe des tschetschenischen Senators Umar Dschabrailow, der ebenfalls vor Ort war, zu verhindern versuchte. Nachdem Timati sich dessen widersetzte, kam es zu Handgreiflichkeiten mit Furtados und Dschabrailows Security, woraufhin Timati des Geländes verwiesen wurde. Um weiteren Konsequenzen zu entgehen, nahm er über eine mehrere Ecken Kontakt mit dem tschetschenischen Machthaber Ramsan Kadyrow auf, mit dem er daraufhin eine enge Freundschaft einging.
Außerdem war Timati 2008 in einer Gesangs-Version des Liedes Moja Moskwa (Moscow Never Sleeps) (Моя Москва (Moscow Never Sleeps)) vom russischen Musiker DJ Smash und der russischen Solistengruppe Fast Food zu hören. Im selben Jahr war er in der Fernsehserie Papas Töchter zu sehen und produzierte das Buch Mawr, das vom russischen Autor Arkadija Prachowa geschrieben wurde. Der Thriller basiert auf dem Schauspiel Othello, der Mohr von Venedig von William Shakespeare und sollte ursprünglich das Drehbuch eines Films mit Timati in der Hauptrolle sein.
2009 veröffentlichte Timati das Studioalbum The Boss, das neben Liedern in russischer Sprache auch eine ganze Reihe von Songs in englischer Sprache enthielt. Mit dabei waren Kollaborationen mit Snoop Dogg, Mario Winans, Xzibit und Busta Rhymes. Diese gingen auf eine Einladung von Timati zu einem Konzert von Sean Combs und Snoop Dogg in Paris im Jahr 2007 zurück. Combs plante zu jener Zeit, sich mit seinem Label Bad Boy Entertainment, auf dem Winans und Busta Rhymes aktiv waren, in Moskau niederzulassen und wollte daher Kontakte in die Szene knüpfen. Der Song Groove On mit Snoop Dogg wurde im September 2009 als Single ausgekoppelt und erreichte in mehreren europäischen Ländern, darunter in Deutschland und Belgien die offiziellen Single-Charts. Die Lieder Forever mit Mario Winans und Love You mit Busta Rhymes und Stukalow Maria Alexandrowna wurden ebenfalls als Singles veröffentlicht.
In den Jahren 2008 und 2009 wurde er bei den MTV Europe Music Awards als bester russischer Act nominiert.
2011 bis 2013: Erster kommerzieller Erfolg in Europa
Nachdem sich 2010 der russischsprachige Song Welcome to St. Tropez nach seiner Single-Auskopplung aus dem Album The Boss, in Russland zu einem Erfolg entwickelte, nahm Timati 2011 mit der US-amerikanischen Sängerin Kalenna Harper von Diddy Dirty Money eine englischsprachige Version auf, die auf seinem kommenden Album enthalte sein sollte. Zu jener Zeit stand er im Kontakt zu dem Schweizer DJ und Produzenten DJ Antoine, der 2009 einen Remix zu Groove On beisteuerte und ihn bat, ihm die A cappella der englischen Version zu schicken, um diese in einem Dance-Song aufzubereiten. Timati kam der Bitte nach und überließ ihm die Möglichkeit, das Endresultat auf seinem Album zu präsentieren. DJ Antoine veröffentlichte im November 2010 sein Studioalbum Wow mitsamt seinem Remix zu Welcome to St. Tropez, der daraufhin auf YouTube viral ging und ohne Single-Veröffentlichung in die Schweizer Single-Charts einstieg. DJ Antoine und Timati entschlossen sich daraufhin, den Remix als gemeinsame Single zu veröffentlichen und ließen ihn vom Hamburger Dance-Label Kontor Records lizenzieren. Nach seiner Veröffentlichung im Februar 2011 entwickelte sich der Song zu einem Sommerhit im gesamten deutschsprachigen Raum, stieg unter anderem in die Verkaufscharts von Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich ein und erreichte dort teils Top-10-Platzierungen sowie Gold- und Platin-Status. Auf dem 2011 von DJ Antoine veröffentlichten Studioalbum 2011/Welcome To DJ Antoine wirkte Timati an den Liedern Happy Birthday, Amanama (Money) und I’m on You mit. Letzteres stellt ebenfalls eine Remixversion des gleichnamigen Liedes von Timati und Diddy Dirty Money, das im Vorjahr erschien, dar. Die Neuveröffentlichung erreichte in mehreren Ländern die Single-Charts.