Tim Wiese (* 17. Dezember 1981 in Bergisch Gladbach) ist ein ehemaliger deutscher Fußballtorhüter.
Mit seinem langjährigen Verein Werder Bremen, für den er zwischen 2005 und 2012 spielte, gewann er 2009 den DFB-Pokal und stand im selben Jahr im Finale des UEFA-Pokals. 2013 endete seine Profikarriere bei der TSG 1899 Hoffenheim, bei der er nach weniger als einem Jahr freigestellt wurde. Mit der Nationalmannschaft nahm Wiese an der Weltmeisterschaft 2010 und an der Europameisterschaft 2012 teil.
Nach dem Ende seiner Profifußball-Laufbahn durch Freistellung lief Wieses Vertragsverhältnis mit der TSG 1899 Hoffenheim rein formal noch bis 2016. Er befasste sich zwischenzeitlich mit Bodybuilding und trat unter anderem im November 2016 unter dem Kampfnamen The Machine im Rahmen einer WWE-Deutschland-Tour in einem Schaukampf auf.
Zu Beginn seiner fußballerischen Laufbahn in der E-Jugend des DJK Dürscheid war Tim Wiese noch Stürmer. Er wechselte 1989 in die Jugendabteilung von Bayer 04 Leverkusen, wo er von seinem Trainer aufgrund von Achillessehnenproblemen allerdings ins Tor beordert wurde. In der Folge durchlief er auf dieser Position alle Jugendmannschaften.
Anschließend wechselte Wiese im Sommer 1999 in die Regionalliga Nord zu Fortuna Köln, seiner ersten Mannschaft im Herrenbereich. Dort fiel er Gerry Ehrmann, dem Torwarttrainer des 1. FC Kaiserslautern, auf. Wiese wechselte zur Winterpause der Saison 2001/02 auf den Betzenberg und verdrängte den Stammtorwart Georg Koch. In der Saison 2004/05 zog sich Wiese am Ende der Hinrunde allerdings einen Kreuzbandriss im linken Knie zu und fiel den Rest der Saison aus.
Zur Saison 2005/06 wechselte Wiese zu Werder Bremen, wo er zunächst einen Vertrag bis 2008 unterschrieb. In einem Vorbereitungsspiel auf die neue Saison riss das Kreuzband erneut. Dadurch fiel er wiederum mehrere Monate aus und absolvierte über 15 Monate – außer ein Halbfinale im Ligapokal im Juli 2005 für Bremen – kein Pflichtspiel. Sein Debüt gab er am 8. Februar 2006 im Spiel gegen den VfB Stuttgart, als er in der 81. Spielminute für den damaligen Stammtorwart Andreas Reinke eingewechselt wurde.
Nachdem er durch eine Verletzung von Reinke einen Stammplatz im Bremer Tor erhalten hatte, unterlief ihm am Abend des 7. März 2006 im Champions-League-Rückspiel gegen Juventus Turin kurz vor Schluss ein Fehler – er ließ eine gefangene Flanke wieder aus der Hand fallen –, der zum Ausscheiden seiner Mannschaft im Achtelfinale führte. Nach einem 3:2 im Hinspiel in Bremen verlor Werder das Rückspiel mit 1:2. Am 19. Oktober 2007 verlängerte Wiese seine Vertragslaufzeit vorzeitig bis 2012.
Im Februar 2008 hielt Wiese binnen drei Spieltagen drei Foulelfmeter. Im Halbfinale des DFB-Pokals 2008/09 gegen den Hamburger SV hielt er im Elfmeterschießen drei Schüsse.
Im Nordderby gegen den Hamburger SV am 7. Mai 2008 trat Wiese den Hamburger Stürmer Ivica Olić in der 42. Minute mit dem Fuß ins Gesicht. Schiedsrichter Lutz Wagner zeigte ihm dafür die gelbe Karte. Franz Beckenbauer bewertete Wieses Foul in einem Kommentar als „Mordversuch“. Wiese sagte im ARD-Interview zu dieser Szene, dass er den Ball getroffen habe und Olić dann in ihn hineingelaufen sei, entschuldigte sich jedoch später für die Aktion bei Olić per SMS. Eine unbekannte Person in Hamburg stellte Strafanzeige gegen Wiese; das Verfahren wurde vier Monate später eingestellt. Olić erlitt eine Prellung im Hals- und Schulterbereich.
Im Spiel gegen Bayern München Ende Januar 2011 foulte Tim Wiese Thomas Müller auf ähnlich kuriose Weise, indem er ihn in der letzten Spielminute mittels einer Beinschere zu Boden streckte und hierfür die rote Karte sah.
Ende der Profikarriere in Hoffenheim
Wiese verlängerte seinen zum Saisonende 2011/12 auslaufenden Vertrag mit Werder nicht und wurde für die Folgesaison von der TSG 1899 Hoffenheim für vier Jahre bis zum 30. Juni 2016 verpflichtet. Bei Hoffenheim wurde er zum Ende der Vorbereitung von Trainer Markus Babbel zum Kapitän der Mannschaft ernannt. Noch in der gleichen Saison musste Wiese die Kapitänsbinde aufgrund von anhaltenden schwächeren Leistungen wieder abgeben. Später war er unter dem neuen Trainer Marco Kurz nach der Verpflichtung von Heurelho Gomes nur noch die Nummer drei unter den Torhütern der Kraichgauer und zwischenzeitlich aus disziplinarischen Gründen gänzlich aus dem Profikader gestrichen. Auch als sich Gomes am 28. Spieltag verletzte und bis zum Saisonende ausfiel, wurde Wiese unter dem neuen Trainer Markus Gisdol weiterhin nicht berücksichtigt und ihm die Ersatztorhüter Koen Casteels und Jens Grahl vorgezogen. Sein letztes von zehn Bundesligaspielen für die TSG 1899 Hoffenheim absolvierte Wiese unter Marco Kurz am 26. Januar 2013 bei einer 1:2-Niederlage bei Eintracht Frankfurt.
In der Vorbereitung auf die Saison 2013/14 wurden Wiese und weitere nicht mehr zum Profikader gehörende Spieler in die von Vereinsseite betitelte „Trainingsgruppe 2“ versetzt, die unabhängig vom übrigen Profikader trainierte. Die „umstrittene“ Gruppe, die am Ende noch aus Wiese, Tobias Weis, Edson Braafheid, Matthieu Delpierre und Matthias Jaissle bestand, wurde Ende September 2013 wieder aufgelöst, um die Spieler ins Training der zweiten Mannschaft zu integrieren. Der „Trainingsgruppe 2“ haftet seither ein „legendärer“ Ruf an. Während die übrigen Spieler der „Trainingsgruppe 2“ in das Training der zweiten Mannschaft integriert wurden, bekam Wiese auf eigenen Wunsch Einzeltraining mit dem ehemaligen Torhüter Lutz Pfannenstiel, der als Scout im Verein beschäftigt war.
Am 21. Januar 2014 gab die TSG 1899 Hoffenheim die Trennung von Wiese bekannt. Angeblich habe er eine Abfindung in Höhe von sechs Millionen Euro erhalten. Rund einen Monat später wurde publik, dass Wiese lediglich eine Abstandszahlung erhalten habe und sein Grundgehalt reduziert worden sei. Der Vertrag von Wiese, der weiterhin vom Spiel- und Trainingsbetrieb freigestellt war, hatte noch Gültigkeit über seine ursprüngliche Laufzeit bis zum 30. Juni 2016. Der Verein wollte sich damit Optionen – wie die Transferrechte – erhalten. Im November 2014 erklärte Wiese, dass er mit dem Fußball „nichts mehr am Hut“ habe.
Im November 2016 beantragte Wiese beim Bayerischen Fußballverband eine Spielerlaubnis für die in der achtklassigen Kreisliga Nord Schwaben spielende SSV Dillingen, für die er seit dem 1. Januar 2017 spielberechtigt war. Der Kontakt zum Verein kam über den ersten Vorsitzenden Christoph Nowak zustande, mit dem Wiese befreundet ist. Ob er tatsächlich für den Verein auflaufen werde, ließ Nowak zunächst offen. Wiese kündigte jedoch an, eine Partie für den „guten Zweck“ zu absolvieren, was Anfang März 2017 bestätigt wurde. Er wolle sich mit der Aktion für den Amateurfußball einsetzen, da dieser laut seiner Aussage immer mehr in den Hintergrund gerate. Am 1. April 2017 kam Wiese schließlich im Ligaspiel gegen den TSV Haunsheim zum Einsatz. Die 1:2-Niederlage der SSV Dillingen vor circa 2.200 Zuschauern wurde live auf der Facebook-Seite des Bayerischen Fußballverbandes übertragen.
Wiese absolvierte insgesamt 14 Spiele für die deutsche U-21-Nationalmannschaft. Er erhoffte sich eine Berufung in die A-Nationalmannschaft, die allerdings zunächst ausblieb. Im September 2007 kritisierte er Bundestrainer Joachim Löw dafür öffentlich.
Am 14. August 2008 wurde Wiese nachträglich erstmals für ein A-Länderspiel – Deutschland gegen Belgien am 20. August – für den verletzten René Adler nominiert. Allerdings saß er nur auf der Reservebank, da Robert Enke von Beginn an spielte.
Am 2. September 2008 hatte Wiese sein inoffizielles Nationalmannschaftsdebüt beim Abschiedsspiel von Oliver Kahn, bei dem er nach der Halbzeitpause für Robert Enke eingewechselt wurde. Elf Wochen später, am 19. November 2008, lief er zum ersten Mal bei einem offiziellen Länderspiel auf: Zu Beginn der zweiten Halbzeit im Freundschaftsspiel gegen England wurde Wiese für Adler eingewechselt; die Partie endete 2:1 für England.