An diesem Tag

Tilman Riemenschneider

Deutscher Bildhauer und Bildschnitzer (um 1460–1531)

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Tilman Riemenschneider (* um 1460 in Heiligenstadt; † 7. Juli 1531 in Würzburg) war ein deutscher Bildschnitzer und Bildhauer sowie Bürgermeister und Freiheitskämpfer. Er zählt zu den bedeutendsten Künstlern am Übergang von der Spätgotik zur Renaissance um 1500. Neben Michel Erhart, Veit Stoß und Michael Pacher prägte er den Stil der spezifisch süddeutschen Lindenholzaltäre. Diese stehen im Übergang zur Reformationszeit und blieben zunächst aus finanziellen Gründen, später wegen des Wegbruchs des Stiftermarktes zum überwiegenden Teil ungefasst.

Tilman Riemenschneider wurde zwischen 1459 und 1462 in Heiligenstadt im Eichsfeld geboren. Als er etwa fünf Jahre alt war, musste sein Vater wegen früherer Verwicklungen in die Mainzer Stiftsfehde Heiligenstadt verlassen und verlor außerdem seinen Besitz. Die Familie zog nach Osterode um, wo sich der Vater als Münzmeister niederließ und Tilman seine Kinder- und Jugendjahre verbrachte.

Aufgrund der schlechten Quellenlage ist zu Riemenschneiders Ausbildungszeit in den 1470er Jahren nichts belegbar. Über allein stilistische Analysen wird allgemein davon ausgegangen, dass seine Lehre wahrscheinlich in Straßburg, bei Nachfolgern des stilprägenden Niclas Gerhaert van Leyden, und Ulm, möglicherweise bei Michel Erhart, erfolgte. Die Maria der Verkündigung im Louvre etwa weist mit ihrer raumgreifenden Energie auf Gerhaert, während die aus der Marienkapelle in Würzburg stammende Verkündigungsmaria aus der gleichen Zeit um 1495 Einflüsse Erharts zeigt. Riemenschneider kam in seinen Lehrjahren vermutlich auch bereits mit der Kunst Martin Schongauers in Berührung, durch den er mittelbar auch die flämische Kunst eines Rogier van der Weyden kennenlernte. Kupferstiche Schongauers dienten ihm später als Vorlagen.

Für seinen Weg nach Würzburg ist vermutlich sein Onkel Nikolaus verantwortlich, ein Rechtsgelehrter in hohen Ämtern und Beziehungen zum Fürstbischof Rudolf II. von Scherenberg. Dieser mag ihm eine Anstellung im Würzburger Kollegiatstift Haug verschafft haben, die Riemenschneider nach dem Tod des Onkels 1478 verließ. Der Name Tilman Riemenschneider war allerdings nicht einzigartig, so dass die Identität mit dem Angestellten im Stift offen bleibt. Sicher ist, dass Riemenschneider am 7. Dezember 1483 als „Malerknecht“ in die Sankt-Lucas-Gilde der Maler, Bildhauer und Glaser aufgenommen wurde.

Nachdem er am 28. Februar 1485 Anna Schmidt, die Witwe eines Goldschmiedemeisters, geheiratet hatte, endete sein Gesellendasein. Ihm wurden die Würzburger Bürgerrechte verliehen und er kam zu Meisterehren. Dieser Weg des gesellschaftlichen Aufstiegs war im Spätmittelalter üblich. Die starre Zunftordnung ließ Ortsfremden oft gar keine andere Möglichkeit, in die Reihen der einheimischen Handwerksmeister aufgenommen zu werden. Außer Status und Vermögen, darunter der „Hof zum Wolfmannszichlein“ in der Franziskanergasse, brachte Tilman Riemenschneiders erste Ehefrau drei Söhne in die Ehe mit. Sie starb nach fast zehn Ehejahren und hinterließ ihm eine gemeinsame Tochter.

1497 heiratete Tilman Riemenschneider zum zweiten Mal. Mit Anna Rappolt hatte er drei Söhne: Georg (auch Jörg), der später die Werkstatt des Vaters übernahm, Hans (um 1500–1582), der als Bildschnitzer nach Nürnberg ging, und den Südtiroler Maler Bartlmä (Bartholemäus) Dill Riemenschneider. Ihre Mutter starb um 1506/1507 im neunten Ehejahr. Ein Jahr nach ihrem Tod heiratete Tilman Riemenschneider 1507 zum dritten Mal, Margarete Wurzbach. Nachdem auch sie verstorben war, heiratete er um 1520 Margarete, Witwe des Kilian Thurner, Tochter des Viertelmeisters Hans Schirmer, die ihn überlebte. Während die Ehefrauen den großen Meisterhaushalt führten, in dem auch die Lehrlinge lebten, betrieb Riemenschneider selbst sein Gewerbe mit viel Geschäftssinn und Kunstfertigkeit. Um 1500 hatte er als Künstler einen hervorragenden Ruf; er war zum wohlhabenden Bürger und Vorsteher seiner Zunft geworden. Er besaß in Würzburg mehrere Häuser, reichlich Grundbesitz mit eigenen Weinbergen und eine florierende Werkstatt, in der er viele teils sehr begabte Gesellen beschäftigte.

Würzburg wurde seit dem 13. Jahrhundert von dem Bischof, dem Domkapitel und dem Unteren Rat und dem Oberen Rat regiert. Im November 1504 wurde Tilman Riemenschneider in den Unteren Rat der Stadt Würzburg berufen, dem er danach über 20 Jahre angehörte. Er bekleidete in dieser Funktion die Ämter eines Baumeisters und Fischereimeisters sowie eines Pflegers und Vermögensverwalters der Würzburger Marienkapelle.

Viermal wurde Riemenschneider in den übergeordneten Oberrat entsandt. Hier vertrat er gegenüber dem Bischof und den Domherren die Interessen der Stadt.

Durch die öffentlichen Ämter und Privilegien als Ratsherr mehrte er nicht nur sein gesellschaftliches Ansehen, sondern erlangte auch viele große, lukrative Aufträge. 1520/1521 wurde er zum Bürgermeister gewählt. Dieses Amt übte er bis 1524 aus. Danach war er weiter Mitglied des Rats der Stadt. Zu dieser Zeit wehte schon der Geist der Reformation durchs Land und nahm auch viele Würzburger Bürger für sich ein.

Der Rat der Stadt führte seit längerem politische Auseinandersetzungen mit dem damaligen mächtigen Fürstbischof Konrad II. von Thüngen, der als Landesherr in der Festung Marienberg direkt oberhalb der Stadt residierte. Der Streit eskalierte 1525 während des Deutschen Bauernkriegs, als sich aufständische Bauern vor der Stadt sammelten und die Würzburger Bürger sich mit ihnen gegen den Bischof verbündeten. Die Festung Marienberg hielt der Belagerung und den Angriffen aus der Stadt stand. Der Bischof drohte der Stadt mit Zerstörung, was die Bürger in ihrem Kampfeswillen demoralisierte. Zur entscheidenden Schlacht kam es am 4. Juni 1525 außerhalb der Stadt, wo die anrückenden Landsknechte des Georg Truchsess von Waldburg-Zeil das Bauernheer vernichteten. Da die Bauern am Vortag von ihrem militärischen Führer Götz von Berlichingen verlassen worden waren, mussten sie führerlos in den Kampf und hatten keine Chance. Innerhalb von zwei Stunden wurden 8000 Bauern getötet. Als die gut ausgerüsteten und kampferprobten Truppen des Bischofs zum Angriff auf die Stadt übergingen, endete auch der Aufstand der Bürger in ihrer Niederlage und Unterwerfung.

Die Anführer des Aufstands – unter ihnen alle Würzburger Ratsherren – wurden in den Verliesen der Festung Marienberg eingekerkert, gefoltert und zum Teil grausam bestraft. Auch Tilman Riemenschneider war zwei Monate in Kerkerhaft, in der er „vom hencker hart gewogen und gemartert“ wurde. „Riemenschneider war kein Aufrührer, Verschwörer und Rebell, aber … ein unerschrockener Anwalt der Stadt gegen die Übergriffe von Adel und Geistlichkeit.“ Lange hielt sich die Legende, dass dem Künstler, der sich in die Politik verstrickt hatte, im Kerker die Hände gebrochen wurden und er danach nie mehr arbeiten konnte. Aber dafür gibt es keine Beweise. Gegen Zahlung der Hälfte seines Vermögens wurde er freigelassen. Die nachtragende Obrigkeit sorgte dafür, dass Tilman Riemenschneider seine politischen Ämter und seine Arbeit verlor und bald in Vergessenheit geriet. Nach seiner Freilassung erhielt er nie mehr einen größeren Auftrag. Nur eine Ausbesserungsarbeit an einer Retabel in Kitzingen ist für 1527 belegt.

Riemenschneider führte mit seiner vierten Ehefrau nach der Haftentlassung in Würzburg ein zurückgezogenes Leben. Er wohnte und arbeitete im von seiner ersten Frau mit in die Ehe eingebrachten Hof zum Wolfmannszichlein, Franziskanergasse 1 und starb dort am 7. Juli 1531. Er wurde auf dem Friedhof zwischen dem Würzburger Dom und dem Kollegiatstift Neumünster beigesetzt. Als Nachfolger Tilmans übernahm sein Sohn aus zweiter Ehe Georg Riemenschneider, auch als Jörg bekannt, die Werkstatt.

1822 fand man bei Straßenarbeiten die in Vergessenheit geratene Grabplatte Riemenschneiders wieder, die sein Sohn Jörg angefertigt haben soll. Ein Abguss ist heute in der Nähe des Fundorts an der Außenmauer des Würzburger Doms gegenüber dem Eingang zum Dom-Museum befestigt. Das Original befindet sich im Museum für Franken auf der Festung Marienberg. Danach setzte die Forschung über sein Leben und Werk ein und etablierte ihn bald als einen der herausragendsten Bildschnitzer in Deutschland um 1500.

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