An diesem Tag

Thomas Nast

Deutsch-amerikanischer Karikaturist (1840-1902)

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Thomas Nast (* 27. September 1840 in Landau in der Pfalz, Königreich Bayern; † 7. Dezember 1902 in Guayaquil, Ecuador) war ein deutschamerikanischer Karikaturist. Er wird als Vater des politischen amerikanischen Cartoons angesehen. Seine bekanntesten Werke sind das noch heute weltbekannte Aussehen des Santa Claus, Uncle Sam und des Dollarzeichens.

Nast wurde in einer Kaserne in Landau in der Pfalz geboren, er war der Sohn eines Musikers in der Kapelle des 9. bayrischen Infanterie-Regiments. Seine Mutter, Appolinia Abriss, wanderte mit ihm und seiner Schwester 1846 nach New York City aus, um den ärmlichen Verhältnissen in der Heimat zu entfliehen. Sein Vater kam vier Jahre später nach, um seiner Einberufung zu entgehen.

Thomas Nast hatte große Schwierigkeiten mit der Eingewöhnung. Zum Nicht-Beherrschen der englischen Sprache gesellte sich als Folge, dass er die Schule nicht mochte. Dies setzte sich über viele Jahre hindurch fort. Ein Nachbar war Kerzenmacher und stellte auch Wachsmalkreide her. Er gab Thomas ausgemusterte Malkreide, und dieser beschäftigte sich stundenlang mit Malen. Der Lehrer überzeugte die Eltern davon, den 12-jährigen Thomas aus der Schule zu nehmen und in eine Malschule zu schicken, die er auch lange besuchte. Es war äußerst schwierig, für Thomas eine Stelle zu finden, da er weder richtig schreiben noch lesen konnte. Hinzu kam, dass er klein und dick und deshalb für körperliche Arbeit ungeeignet war. Seine einzige Fähigkeit war, dass er zeichnen konnte, was er sah. Er hatte etwa ein halbes Jahr lang Zeichenunterricht bei Theodore Kaufmann. Anschließend kopierte er Bilder in der Thomas Jefferson Bryan Gallery of Christian Art in New York.

Er nahm all seinen Mut zusammen und ging in die Geschäftsräume von Frank Leslie’s Illustrated Newspaper und fragte nach einem Job als Illustrator. Als er abgelehnt wurde, war er nicht enttäuscht. Er war entschlossen, einen Job zu erhalten und so wurde er hartnäckig. Eines Tages gelang es ihm, am Empfang vorbeizukommen, geradewegs zu Frank Leslie. Dieser hielt Nasts Ansinnen für aussichtslos, beauftragte ihn aber dennoch, die Fähre in Manhattan zu zeichnen, während Massen von Menschen im Berufsverkehr an Bord gingen. Am nächsten Morgen erschien Nast mit seiner Zeichnung, und Frank Leslie war so beeindruckt, dass er Nast sofort anstellte.

Von 1855 bis 1858 arbeitete Thomas Nast für Frank Leslie’s Illustrated Newspaper und lernte hier alles über die Kunst des Holzschnitts. Frank Leslie hatte die revolutionäre Idee entwickelt, große Holzschnitte durch viele kleinere auszutauschen, die dann zum Schluss durch einen Master Engraver wieder zusammengefügt wurden. Damit konnte man sehr viel Zeit einsparen, und eine Arbeit, die sonst einen Monat gedauert hätte, konnte an einem Tag erledigt werden. 1858 geriet Leslie’s in eine finanzielle Notlage und musste mehrere Mitarbeiter entlassen – Nast eingeschlossen. Für ein Jahr fand er Arbeit in einem Kunststudio.

1859 wechselte er zur New York Illustrated News. Diese Zeitung schickte ihn 1860 nach England, um über die erste Boxweltmeisterschaft zwischen US-Champion John Heenan und dem englischen Meister Tom Sayers in Farnborough bei London zu berichten. Es wurde ein „Jahrhundertkampf“: In der 40. Runde stürmten die Zuschauer den Ring, und der Kampf wurde unentschieden abgebrochen. Über das Atlantik-Kabel konnte sein Bericht nach New York telegrafiert werden. Da er nun schon in Europa war, sollte er auch nach Italien reisen und über den Freiheitskämpfer Giuseppe Garibaldi berichten. Mit diesem zog er in Neapel ein. Seine Berichte wurden landesweit verbreitet.

Nach seiner Rückkehr heiratete er im Herbst 1861 Sarah „Sallie“ Edwards, eine Cousine von James Parton, mit dem er befreundet war und der Einfluss auf seine politischen Ansichten hatte. Mit Sarah hatte Nast fünf Kinder, Julia, Thomas, Jr., Edith, Mabel und Cyril. Sarah half ihm manchmal bei der Arbeit, wenn es darum ging, pointierte Überschriften zu seinen Karikaturen zu finden.

Anfangs arbeitete er als freier Mitarbeiter bei Harper’s Weekly, populär simplifiziert Harpweek. Nast arbeitete zunächst als grafischer Kriegskorrespondent und besuchte im August die Schlachtfelder des Amerikanischen Bürgerkriegs. Seine Berichte wurden in der Wochenzeitung gedruckt und seine Zeichnungen in Holzschnitte umgewandelt, die oftmals über zwei Seiten reichten. Nasts Bildkampagnen, mit denen das Blatt während des Bürgerkriegs für die Sache der Union eintrat, wurden zu einem durchschlagenden Erfolg und die Auflage erhöhte sich drastisch.

Die trostlose militärische Lage stärkte den „Friedensflügel“ („Copperheads“) der Demokratischen Partei, angeführt vom Kongressabgeordneten Clement Vallandigham aus Ohio und Fernando Wood aus New York. Ihr Vorschlag für Waffenruhe und Verhandlungen mit den Konföderierten wurde von den Delegierten angenommen bei nur vier Gegenstimmen. Mit seiner Zeichnung des „Chicago Parteitag“ der Demokraten im August 1864 („Dedicated to the Chicago Convention“) wandte sich der 24-jährige Nast gegen diesen Beschluss. Er sah diesen als Betrug all dessen, wofür die Soldaten der Union kämpfen, sowie der Afroamerikaner. Links steht ein geschlagener und amputierter Soldat der Union, sein Gesicht vor Scham verborgen, der seine Hand dem triumphierenden Jefferson Davis, Präsident der Konföderierten, reicht. Davis steht mit einem Stiefel respektlos auf dem Grab eines anderen Soldaten, an dessen Grab die kniende Columbia weint und auf dessen Grabstein steht: Helden der Union in einem nutzlosen Krieg („Union Heroes in a Useless War“). Oben in der linken Ecke ist die amerikanische Flagge als Zeichen des Notstands umgekehrt aufgehängt. Nasts Botschaft ist klar: Wenn Verhandlungen mit den Konföderierten weiter verfolgt werden, dann haben die Soldaten der Union ihre Glieder und ihr Leben vergebens geopfert und die Afroamerikaner kehren zurück in die Sklaverei.

Seine erste ernsthafte Karikatur war der Cartoon „Peace in 1862“, der gegen diejenigen aus dem Norden gerichtet war, die gegen die Fortsetzung des Amerikanischen Bürgerkriegs protestierten. Dieser und ein weiterer Cartoon wurden während des Bürgerkriegs in Harper’s Weekly veröffentlicht. Nast war bekannt dafür, Schlachtfelder aus den sogenannten border states und den Südstaaten zu zeichnen. Diese erregten große Aufmerksamkeit, weshalb Nast von Präsident Abraham Lincoln als best recruiting sergeant (besten Rekrutierungsoffizier) bezeichnet wurde.

1867 schuf Nast 33 große Gemälde in Tempera (8 Fuß × 12 Fuß; entspricht 2,44 m × 3,66 m), die eine Allegorie auf die kürzliche Geschichte der Nation darstellten. Die Ausstellung wurde am 4. Dezember 1867 in New York eröffnet und wurde ab dem 30. März in Boston gezeigt. Die enormen Bilder wurden über die Bühne gerollt, begleitet von Klaviermusik und einem satirischen Kommentar, den ein Schauspieler vortrug. Sein Grand Caricaturama war ein Erfolg bei den Kritikern, aber ein finanzieller Reinfall.

In New York hatte William Tweed es so weit gebracht, dass seine Leute bei jeder Stadtratswahl die Stimmen selbst auszählen konnten, und im September 1869 stand er dank eines gelenkten Stadtratbeschlusses dem Rechnungsprüfungsausschuss vor, der alle städtischen Ausgaben zu überwachen hatte. Neben Tweed saßen in dem vierköpfigen Gremium noch drei seiner Getreuen – die Stadtkasse war endgültig zur Plünderung freigegeben. Nasts Karikaturen über die Korruption der Tammany Hall und deren „Parteimaschine“ unter Tweed führten maßgeblich zur Absetzung und Verurteilung von Tweed. Nast beherrschte die Kunst, schwierige Sachverhalte leicht verständlich darzustellen. So soll Tweed einmal gesagt haben: „Es ist mir gleichgültig, was die Zeitungen über mich veröffentlichen, da meine Schäfchen ohnehin nicht lesen können. Aber sie verstehen diese Zeichnungen.“ Nast fuhr mit seiner Arbeit gegen Tweed trotz Morddrohungen und Bestechungsversuchen fort.

Es waren auch die Karikaturen von Nast, die als Grundlage für die Steckbriefe gegen Tweed genutzt wurden. Nachdem Tweed 1874 schließlich wegen Korruption verurteilt wurde und eine Kaution nicht zahlen konnte, floh er 1875 nach Kuba. Auf seiner weiteren Flucht in die galicische Hafenstadt Vigo in Spanien erkannten Beamte Tweed auf Grund der Karikaturen von Nast, verhafteten ihn und lieferten ihn 1876 an die USA aus.

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