Thomas Mowbray, 1. Duke of Norfolk KG (auch Thomas Mowbray I oder Thomas Mowbray, 1. Earl of Nottingham) (* 22. März 1366; † 22. September 1399 in Venedig) war ein englischer Magnat, Diplomat und Militär. Während der politisch unruhigen Herrschaft von Richard II. hatte er eine wechselhafte Karriere, doch es gelang ihm bis 1397, auf der Seite der jeweiligen Machthaber zu stehen. Dann wurde er jedoch gestürzt und starb im Exil.
Herkunft und Aufstieg zum Earl of Nottingham
Thomas Mowbray entstammte der englischen Familie Mowbray. Er war der zweite Sohn von John Mowbray, 4. Baron Mowbray und von dessen Frau Elizabeth Seagrave. Seine Mutter war eine Enkelin von Thomas of Brotherton, 1. Earl of Norfolk, einem jüngeren Sohn von König Eduard I. Vielfach wird angegeben, dass Mowbray am 22. März 1366 geboren wurde, doch da sein älterer Bruder John vermutlich im August 1365 geboren wurde, muss Thomas später als im März geboren worden sein. Vermutlich wurde er nach dem von seiner Mutter besonders verehrten Thomas Becket benannt. Seine Mutter starb spätestens 1368, und auch sein Vater starb 1368. Schließlich wurde die Vormundschaft für Thomas und seinen Bruder John 1372 ihrer Großtante Blanche Wake zugesprochen. Anlässlich der Krönung von Richard II. wurde John Mowbray am 16. Juli 1377 zum Earl of Nottingham erhoben. Thomas Mowbray war ein enger Freund von Richard II. geworden, der ihn zum Ritter seines Haushalts ernannte und ihm 1382 das Recht zur Jagd in den königlichen Forsten gewährte. Dazu erwarb der König für etwa £ 1000 für Mowbray das Recht, Elizabeth Lestrange, die etwa neunjährige Tochter und Erbin des verstorbenen John Lestrange, 5. Baron Strange of Blackmere und von dessen Frau Isabel de Beauchamp zu heiraten. Mowbray heiratete sie 1383, doch Elisabeth starb wenige Monate später. Sein Bruder John war bereits am 10. Februar 1383 kinderlos gestorben. Thomas Mowbray wurde zwei Tage nach dem Tod seines Bruders zum Earl of Nottingham erhoben und erhielt, obwohl er noch minderjährig war, das Erbe seines Bruders zugesprochen. Im selben Jahr wurde er in den Hosenbandorden aufgenommen.
Vom Günstling zum Gegner des Königs
Mowbray als Günstling von Richard II.
In den nächsten Jahren stand Mowbray weiter hoch in der Gunst des Königs. Er besaß eigene Räume in den königlichen Palästen Eltham und Kings Langley. Der mächtige John of Gaunt, ein Onkel des jungen Königs, soll ihn allerdings zu den Freunden des Königs gezählt haben, die auf diesen einen schlechten Einfluss hatten. Vermutlich war Mowbray für das fehlgeschlagene Attentat auf Gaunt im Februar 1385 verantwortlich, doch dieser verzieh ihm im weiteren Verlauf des Jahres. Während des Feldzugs des Königs nach Schottland im Sommer 1385 verlieh Richard II Mowbray am 30. Juni lebenslang das Amt des Marshals of England, das zuvor bereits sein Urgroßvater Thomas of Brotherton innegehabt hatte. Am 12. Januar 1386 wandelte der König das Amt in ein Erbamt um und erhöhte es dazu zum Amt des Earl Marshal. Mowbray ließ vermutlich die Abhandlung verfassen, die die Rechte und Pflichten des Marshals verfasste. Das Amt blieb Mowbrays bevorzugter Titel, bis er 1397 zum Duke of Norfolk erhoben wurde.
Zunehmende Entfremdung zwischen Mowbray und Richard II.
Ab dieser Zeit verschlechterte sich bereits Mowbrays Verhältnis zum König. Nach dem Tod seiner ersten Frau hatte Mowbray im Juli 1384 Elizabeth FitzAlan, eine Tochter von Richard FitzAlan, 11. Earl of Arundel geheiratet. Zwar nahmen sowohl der König wie auch Königin Anne an den eine Woche andauernden Hochzeitsfeierlichkeiten in Arundel Castle teil, doch die Ehe war ohne offizielle Erlaubnis des Königs geschlossen worden. Deshalb ordnete der König die Beschlagnahmung von Mowbrays Grundbesitz an, und Mowbray musste dem König eine Entschädigung zahlen, um seine Besitzungen zurückzuerhalten. Es gilt als unsicher, ob der König überhaupt die Heirat seines Günstlings mit einer Tochter Arundels gebilligt hätte, denn er war zu dieser Zeit bereits mehrfach erbittert mit Arundel in Streit geraten. Richard II. argwöhnte vermutlich, dass Arundel starken Einfluss auf seinen Schwiegersohn Mowbray hatte. Tatsächlich wurde Mowbray 1386 zunehmend verärgert, als der König seine Gunst nun anderen Baronen schenkte, allen voran Robert de Vere, 9. Earl of Oxford. Ende 1386 hatte Mowbray enge Kontakte zu einer Gruppe Magnaten, die unter Führung von Arundel und dem Duke of Gloucester im Oktober 1386 während des Wundervollen Parlaments die Politik des Königs abgelehnt hatten. 1387 nahm Mowbray unter dem Kommando Arundels an einer Seeexpedition teil. Dabei griffen die englischen Schiffe am 24. März 1387 vor Margate eine französisch-flämische Flotte an, die eine große Menge Wein transportierte. Der erbeutete Wein konnte in England gewinnbringend verkauft werden, doch der Sieg brachte Arundel und Mowbray nur den Neid ihrer Gegner ein, und auch der König verhielt sich sehr zurückhaltend und belohnte Mowbray für diesen Erfolg im Krieg mit Frankreich nicht.
Im Sommer und Herbst 1387 entfremdeten sich Mowbray und der König zunehmend. Im November 1387 musste die Regierungskommission, die im Vorjahr vom Wundervollen Parlament für ein Jahr mit der Herrschaft betraut worden war, den Großteil ihrer Macht abgeben. Als deren Mitglieder Gloucester, Arundel und der mit ihnen verbündete Earl of Warwick erkannten, dass ihr Leben in Gefahr war, sammelten sie ihre bewaffneten Vasallen bei Hornsey. Sie beschuldigten fünf der wichtigsten Günstlinge des Königs, darunter den zum Duke of Ireland erhobenen Robert de Vere, des Verrats an, weshalb sie später als Lords Appellant bezeichnet wurden. Vor dem 12. Dezember schlossen sich ihnen Mowbray und Henry Bolingbroke, 3. Earl of Derby an. Der König erklärte, dass die Anklage während des nächsten Parlaments angehört würde, doch zuvor schickte er de Vere nach Chester, um dort eine Armee aufzustellen. Die vereinigten Truppen der fünf Lords Appellant schlugen das von de Vere geführte Heer am 20. Dezember in der Schlacht von Radcot Bridge. Angeblich soll Mowbray zu spät den Schlachtort erreicht haben und nahm nicht mehr an den Kämpfen teil, was jedoch ungeklärt ist. Während de Vere ins Ausland flüchtete, besetzten die Lords Appellant London, traten am 28. Dezember dem König bewaffnet im Tower of London gegenüber und sicherten sich die Regierungsgewalt. Während des nächsten Parlaments, das am 3. Februar 1388 zusammentrat, erreichten sie die Verurteilung und Hinrichtung von acht Freunden des Königs. Dieses sogenannte Gnadenlose Parlament demütigte den König und seine Günstlinge am Hof, doch kam es dabei zu Spannungen unter den Lords Appellant. Während Gloucester, Arundel und Warwick anstrebten, den Einfluss der Günstlinge auf den König zu beseitigen, waren Mowbray und Bolingbroke nicht so entschlossen. Zum Bruch kam es über das Schicksal des Höflings Sir Simon Burley, dem früheren Lehrer des Königs. Richard II. versuchte alles, um Burley zu retten. Mowbray und Bolingbroke sprachen sich bis zuletzt gegen die Hinrichtung aus, und auch der Duke of York unterstützte das Gnadengesuch des Königs. Gloucester, Arundel und Warwick zeigten sich dagegen unerbittlich und ließen Burley am 5. Mai hinrichten. Dies vergab ihnen der König nie.
Erneuter Dienst für Richard II.
Dienst in den Scottish Marches und Rivalität mit dem Earl of Northumberland
Nachdem das Gnadenlose Parlament am 4. Juni geendet hatte, traten die unterschiedlichen Meinungen der Lords Appellant bald wieder offen zu Tage. Besonders Mowbray söhnte sich rasch wieder mit dem König aus. Anfang 1389 billigte der König nachträglich seine Heirat mit Elizabeth FitzAlan. Am 8. März 1389 beauftragte ihn der Kronrat mit der Verteidigung der östlichen Scottish Marches. Im Mai erhielt er dazu die Verwaltung von Berwick und Roxburgh Castle. Für sein Amt sollte er £ 12.000 pro Jahr erhalten. Im Gegenzug wollte Mowbray im Juni und Juli 1389 ein Heer von 400 men-at-arms und 800 Bogenschützen aufstellen. Mowbrays neues Amt machte ihn zum Gegner von Henry Percy, 1. Earl of Northumberland, der die östlichen Scottish Marches als eine Einflusssphäre betrachtete. Als Folge davon verweigerte er Mowbray militärische Unterstützung, als Ende Juni eine schottische Armee in Nordengland einfiel. Dieser Kompetenzstreit führte dazu, dass die Schotten die nordenglischen Grafschaften widerstandslos plündern konnten. In der Zwischenzeit hatte Richard II. im Mai 1389 den Rat, den das Gnadenlose Parlament zu seiner Kontrolle eingesetzt hatte, entmachtet und die Herrschaft zurückgewonnen. Am 15. Oktober 1389 setzte sich der König während einer Sitzung des Kronrats offen zugunsten von Mowbray ein und verlangte, dass er mehr Soldaten erhalten solle. Dies wurde jedoch von der Mehrheit des Kronrats abgelehnt. Der Kronrat bot Mowbray nur eine Verlängerung seines Amtes als Verteidiger der Scottish Marches für fünf Jahre zu den bisherigen Bedingungen an, was er annahm. Northumberland erhielt als Entschädigung wenig später das Amt des Kommandanten von Calais. Dieses Amt tauschte er 1391 mit Mowbray, der dazu 1394 lebenslang zum obersten Richter von Chester, Flintshire und den weiteren königlichen Besitzungen in Nordwales ernannt wurde.