An diesem Tag

Thomas Morus

Humanist und Lordkanzler von England (1478–1535)

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Thomas Morus (englisch Sir Thomas More; * wahrscheinlich 7. Februar 1478 in London; † 6. Juli 1535 ebenda) war ein englischer Staatsmann (Lordkanzler unter König Heinrich VIII. 1529–1532) und humanistischer Autor der Renaissance. Da er sich weigerte, den geforderten Eid auf die königliche Oberherrschaft über die Kirche abzulegen, ließ ihn der König 1535 als Hochverräter hinrichten. 1935 bestimmte ihn Papst Pius XI. zum Heiligen und Märtyrer der römisch-katholischen Kirche (Gedenktag 22. Juni), in der er als Patron der Regierenden und Politiker gilt, und seit 1980 auch der anglikanischen Kirche (Gedenktag am 6. Juli). Sein als philosophischer Dialog aufgebauter Roman Utopia begründete das Genre des utopischen Romans.

Thomas Morus war der Sohn des Anwalts und Richters John More (um 1450–1530) und dessen Frau Agnes (um 1455–1499), der Tochter eines Stadtrates und Händlers aus Calais, des Alderman and Merchant of the Staple of Calais Thomas Graunger. Thomas Morus besuchte eine Lateinschule und leistete als Zwölfjähriger Pagendienste am Hof des Lordkanzlers Erzbischof John Morton von Canterbury. Dieser schickte ihn auf zwei Jahre mit einem Stipendium nach Oxford, wo Morus Logik, Latein und Griechisch studierte – ein damals noch umstrittenes Lehrfach, das sein Vater nicht gerne sah – und ab 1496 eine juristische Ausbildung in der Rechtsschule Lincoln’s Inn durchlief. 1501 schloss er sein juristisches Examen ab und begann selbst zu lehren. Indessen war Morus im Zweifel, ob er seine Bestimmung nicht eher in der Kirche als in der Jurisprudenz finden sollte.

Erste Stationen und Familiengründung (1504–1505)

Thomas Morus wurde bald ein erfolgreicher Rechtsanwalt und Unterhändler. 1504 wurde er Parlamentsmitglied. Sein Widerspruch gegen die Steuererhöhungen König Heinrichs VII. erregte Aufsehen. Eine Zeit lang lebte er als Postulant bei den Kartäusern in London. Später war er Oblate der Benediktinerabtei vom hl. Augustinus in Canterbury.

1505 heiratete er Joan Colt (1488–1511). Dieser Ehe entstammten drei Töchter (Margaret, Elisabeth, Cecily) und ein Sohn (John). Als Joan Colt nach sechsjähriger Ehe (wahrscheinlich im Kindbett) starb, ging Thomas Morus bald darauf mit der des Lautenspiels kundigen Witwe Alice Middleton (1474–1546 oder 1551) eine zweite Ehe ein, die kinderlos blieb. Alice Middleton brachte allerdings eine Tochter aus erster Ehe mit.

Anwalt des Bürgermeisters, Diplomat im Dienst Heinrichs VIII. und Parlamentssprecher (1510–1523)

Vom 3. September 1510 bis zum 23. Juli 1518 war er einer von zwei sogenannten Undersheriffs von London. In dieser Position beriet er die Bürgermeister von London und vertrat sie als Rechtsanwalt in allen Fällen, in denen sie der Gerichtsbarkeit unterlagen. Daneben lehrte er am Lincoln’s Inn Recht.

Am 1. Mai 1517 brachen in London die Evil-May-Day-Unruhen aus. Die Handwerker Londons, darunter besonders die Lehrlinge, hatten Aufstände angezettelt, die sich gegen ausländische Konkurrenten richteten. Ein Mob von Lehrlingen zog durch London »um alle Fremden in Stücke zu schneiden«. Thomas More konnte die Aufständischen davon überzeugen, ihre Forderungen in friedlicher Form vorzutragen.

König Heinrich VIII. wurde auf Morus aufmerksam und schickte ihn auf diplomatische Missionen. 1516 verfasste Morus das erste Buch der Utopia und redigierte das ganze Werk, das im Dezember erschien.

1517, mit 39 Jahren, trat er ganz in den Dienst des Königs von England, der ihn bald zum Mitglied des Privy Council machte. Am 28. Mai 1523 ließ der König ihn in Irland als Knight Bachelor („Sir“) zum Ritter schlagen und im selben Jahr wurde er Parlamentssprecher.

Er war ein entschiedener Gegner Luthers und half Heinrich VIII., eine Arbeit über diesen zu schreiben, die dem englischen König den päpstlichen Ehrentitel Verteidiger des Glaubens eintrug. Morus’ eigene Arbeit über Luther wurde europaweit gelesen.

Im Privatleben engagierte sich Morus sehr für die Erziehung seiner Töchter, denen er die gleiche Bildung zukommen ließ wie seinem Sohn. Seine älteste Tochter Margaret Roper galt als eine der gelehrtesten Frauen ihrer Zeit.

Er war auch sehr freigiebig, ernährte während einer Hungersnot Hunderte aus seiner eigenen Tasche und entließ seine Landarbeiter auch dann nicht, wenn Mangel an Arbeit herrschte.

Lordkanzler (1529–1532) und Suprematsanspruch Heinrichs VIII.

1529 musste Kardinal Thomas Wolsey, der Erzbischof von York, von seinem Amt als Lordkanzler zurücktreten, weil er den Papst nicht dazu bewegen konnte, die Ehe Heinrichs VIII. mit Katharina von Aragón zu annullieren. Daraufhin wurde Morus zum Lordkanzler ernannt, der in der Auseinandersetzung mit dem Protestantismus die Innenpolitik seines Königs unterstützt hatte. Eine Scheidung war nach geltendem Kirchenrecht unmöglich, und Morus vertrat die Ansicht, dass über die Annullierung der Ehe des Königs nur der Papst entscheiden durfte. Heinrich VIII. war deshalb von Morus als Lordkanzler enttäuscht.

Als Katholik setzte Morus sich konsequent für die Autorität des Heiligen Stuhls ein. Seiner humanistischen Einstellung zum Trotz ließ er Anhänger der Reformation verfolgen und verbrennen. Diese Strafe traf „Wiederholungstäter“, die sich nach einem Widerruf erneut mit protestantischen Schriften beschäftigt hatten.

Papst Clemens VII. hätte einer Aufhebung der Ehe Heinrichs mit Katharina eventuell zugestimmt, wenn ihn nicht Katharinas Neffe, Kaiser Karl V., nach dem Sacco di Roma in der Hand gehabt hätte. Als der Papst ablehnte, erklärte Heinrich sich selbst zum Oberhaupt der Kirche von England. Die Geistlichkeit musste den Suprematseid schwören und damit den König – als weltlichem und geistlichem Herrscher – als Oberhaupt der nunmehr anglikanischen Kirche anerkennen. Als Laie brauchte Morus diesen Eid allerdings nicht abzulegen, doch aus Treue zur römischen Kirche trat er am 16. Mai 1532 vom Amt des Lordkanzlers zurück, um nicht einem dem Heiligen Stuhl ungehorsamen König dienen zu müssen. Möglicherweise standen auch gesundheitliche Beschwerden hinter seinem Rücktrittsgesuch.

Durch seinen Rücktritt konnte Morus sich zunächst einer Verdächtigung wegen Hochverrats entziehen. Doch als das Parlament 1534 den Act of Succession verabschiedete, der die Legitimität aller Kinder, die Heinrich VIII. und seiner Frau Anne Boleyn geboren werden würden, feststellte und außerdem jedwede fremde Autorität (also auch des Papstes) über geistliche Belange einschließlich der Verfügungsgewalt über Kirchen, Klöster und Abteien zurückwies, wurde von Inhabern öffentlicher Ämter und von Personen, die im Verdacht standen, Heinrich nicht zu unterstützen, ein Eid auf dieses Gesetz verlangt.

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