Thomas Jürgen „Icke“ Häßler (* 30. Mai 1966 in West-Berlin) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler. Der offensive Mittelfeldspieler absolvierte 101 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft, mit der er 1990 Welt- und 1996 Europameister wurde. Auf Vereinsebene spielte er unter anderem für den 1. FC Köln, Juventus Turin, die AS Rom, den Karlsruher SC, Borussia Dortmund und TSV 1860 München. Häßler wurde zweimal zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt.
Thomas Häßler begann seine fußballerische Laufbahn in der Jugend des BFC Meteor 06 und der Reinickendorfer Füchse in West-Berlin. Nachdem er während eines Sichtungsturniers aufgefallen war, wechselte er 1984 im Alter von 18 Jahren zum 1. FC Köln in die Bundesliga. Die Ablösesumme betrug 30.000 D-Mark. In Köln erhielt Häßler von seinem Mitspieler Pierre Littbarski den Spitznamen „Icke“, der auf seine häufige Verwendung des gleichnamigen Berliner Dialektwortes für „ich“ zurückging. Sein Profidebüt gab er am 29. September 1984 beim 6:1-Heimsieg gegen Borussia Dortmund als Einwechselspieler, der sportliche Durchbruch ließ allerdings noch auf sich warten. 1986 stand Häßler mit dem Verein im Finale des UEFA-Pokals, das gegen den spanischen Spitzenklub Real Madrid verloren ging (1:5, 2:0). Häßler kam auf 19 Minuten Einsatzzeit. Nach einer schwierigen Anfangszeit etablierte er sich in den folgenden Jahren als Stammspieler und entwickelte sich zu einem der wichtigsten Akteure im offensiven Mittelfeld der Kölner. Unter Trainer Christoph Daum zählte der 1. FC Köln Ende der 1980er Jahre zu den stärksten Mannschaften der Bundesliga und galt als wichtigster Konkurrent des FC Bayern München. In den Spielzeiten 1988/89 und 1989/90 wurden sie jeweils Vizemeister. Häßler spielte dabei eine zentrale Rolle und überzeugte durch Technik, Spielübersicht und Kreativität. Für seine Leistungen wurde er 1989 als Deutschlands Fußballer des Jahres ausgezeichnet. Das Fachmagazin Kicker führte ihn zudem in seiner Rangliste des deutschen Fußballs in der Kategorie „Weltklasse.“
Nach der WM 1990 wechselte Häßler für die damalige deutsche Rekordablöse von 15,5 Millionen Mark zu Juventus Turin. Die italienische Serie A galt als die stärkste Liga der Welt und beherbergte zahlreiche internationale Stars. Die Erwartungen an den technisch versierten Offensivspieler waren entsprechend hoch. Juve hatte mit Roberto Baggio gleichzeitig den teuersten Transfer der Vereinsgeschichte getätigt und wollte an frühere Erfolge anknüpfen. Häßler tat sich jedoch schwer, sich an die taktisch geprägte und stark defensive Spielweise anzupassen, weshalb der als sensibel geltende Spielmacher die Erwartungen nur teilweise erfüllte. Zwar gehörte er regelmäßig zur Mannschaft und war mit neun Torvorlagen einer der besten Vorbereiter des Teams, doch sein Einfluss auf das Offensivspiel blieb hinter den Hoffnungen der Vereinsführung und der Medien zurück. Auch sportlich verlief die Saison 1990/91 enttäuschend, denn die Alte Dame belegte lediglich den siebten Tabellenplatz und verpasste die Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb.
Im Sommer 1991 wechselte Häßler von Juventus Turin zur AS Rom, die eine Ablösesumme von 14 Millionen D-Mark zahlten. Nach einem enttäuschenden Jahr fand Häßler in der italienischen Hauptstadt deutlich bessere Bedingungen vor und entwickelte sich schnell zu einem Leistungsträger. Bei der Roma spielte Häßler zunächst an der Seite von Rudi Völler, der unter den Anhängern Kultstatus genoss. Gemeinsam mit Kapitän Giuseppe Giannini bildete Häßler die kreative Schaltzentrale im Mittelfeld: Während Giannini als Identifikationsfigur des Vereins das Spiel lenkte, brachte Häßler seine Dynamik, Technik und Übersicht ein. Besonders geschätzt wurde er für seine präzisen Standardsituationen und er galt in dieser Zeit als einer der besten Freistoßschützen der Serie A. Seine Freistöße und Eckbälle gehörten zu den wichtigsten Offensivwaffen der Römer. Sportlich zählte die AS Rom während dieser Phase nicht zur absoluten Spitze des italienischen Fußballs, etablierte sich jedoch regelmäßig im oberen Tabellenbereich. 1993 verlor Häßler mit seiner Mannschaft das Finale der Coppa Italia gegen Torino Calcio (2:5, 3:0).
Nach vier Jahren in Italien kehrte Häßler im Sommer 1994 in die Bundesliga zurück und wechselte zum Karlsruher SC. Der Verein zahlte rund sieben Millionen D-Mark Ablöse und stattete ihn mit einem für Karlsruher Verhältnisse außergewöhnlich hohen Jahresgehalt von geschätzt 1,5 Millionen D-Mark aus. Im vergleichsweise beschaulichen Umfeld der badischen Residenzstadt fühlte sich Häßler schnell wohl. Trainer Winfried Schäfer räumte seinem Mittelfeldregisseur weitgehende spielerische Freiheiten ein und machte ihn zum Zentrum des Offensivspiels. Besondere Anerkennung erhielt er für seine Standardsituationen und Häßler bestätigte seinen Ruf als einer der besten Freistoßschützen der Bundesliga. Mit seinen Vorlagen, Eckbällen und Distanzschüssen war er eine ständige Gefahr für gegnerische Mannschaften. Daneben übernahm Häßler die Rolle als Führungsspieler und prägte die erfolgreichste Phase des Vereins, der regelmäßig um die internationalen Plätze kämpfte und im UEFA-Pokal vertreten war. Ein Höhepunkt seiner Karlsruher Zeit war der Einzug in das DFB-Pokalfinale 1996, das jedoch gegen den 1. FC Kaiserslautern mit 0:1 verloren ging. Für den mittlerweile 30-jährigen Häßler bedeutete die Niederlage das erneute Verpassen eines nationalen Titelgewinns auf Vereinsebene. Zu den weiteren Höhepunkten zählte die Saison 1996/97, in der sich der KSC über den Gewinn des UEFA Intertoto Cups für den UEFA-Pokal qualifizierte und dort bis ins Achtelfinale vorstieß. Häßler verpasste jedoch nach einem Beinbruch einen Großteil der Rückrunde. 1997/98 geriet der KSC in eine sportliche Krise und Trainer Schäfer wurde nach zwölf Jahren entlassen. Obwohl Häßler mit zwölf Bundesliga-Toren seinen persönlichen Bestwert erreichte, konnte er den drohenden Abstieg nicht verhindern. Nach einer 2:4-Niederlage beim FC Hansa Rostock rutschte die Mannschaft am 34. Spieltag auf einen Abstiegsplatz und musste in die 2. Bundesliga absteigen.
Nach 118 Spielen und 28 Toren für den KSC wechselte Häßler zu Borussia Dortmund. Dort blieb für ihn meist nur ein Platz auf der Ersatzbank, da seine Position bereits mit Andreas Möller besetzt war und er sich mit dem damaligen Dortmunder Trainer Michael Skibbe überwarf.
Ab 1999 spielte er für den TSV 1860 München. Mit Häßler belegten die Münchner in der Bundesligasaison 1999/2000 den vierten Platz, scheiterten aber anschließend in der Qualifikation zur Champions League. In 115 Ligaspielen für 1860 München erzielte Häßler 21 Tore und bereitete 32 weitere vor. 2003 wurde sein Vertrag aus Kostengründen nicht verlängert.
Im August 2003 unterschrieb Häßler einen Vertrag beim SV Austria Salzburg in Österreich. Er beendete seine Karriere als aktiver Fußballer am 22. August 2005 mit einem Abschiedsspiel in Köln. In einem All-Star-Team spielten unter anderem Toni Schumacher, Jürgen Kohler, Hans-Peter Lehnhoff, Lothar Matthäus, Thomas Berthold und Birgit Prinz. In seiner Bundesligazeit brachte es Häßler auf 400 Einsätze und erzielte dabei 68 Tore.
1987 nahm er mit der Bundeswehr-Nationalmannschaft an der Militär-WM in Italien teil und belegte den zweiten Rang. In der deutschen Nationalmannschaft spielte Häßler zwischen August 1988 und Juni 2000 101-mal und erzielte dabei elf Tore.
Sein wohl wichtigstes Tor erzielte er am 15. November 1989 in der Qualifikation zur WM 1990 zum 2:1 gegen Wales im Müngersdorfer Stadion. Dieses Tor ebnete den Weg zur Teilnahme an der WM und ermöglichte der Nationalmannschaft so den Weltmeistertitel; auch im Finale in Rom kam er über die volle Spielzeit zum Einsatz.
Wegen seiner Leistungen bei der EM 1992 wurde Häßler zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt. 1996 kam er beim EM-Triumph Deutschlands in allen sechs Spielen zum Einsatz.
Auch bei der WM 1994 kam Thomas Häßler zum Einsatz. Für Aufsehen sorgte dort vor allem eine Szene im Viertelfinale, als Häßler gegen den bulgarischen Offensivspieler Yordan Letchkov ein Flugkopfballduell verlor, was zum 2:1-Siegtreffer für Bulgarien führte und das Turnieraus der Deutschen bedeutete. Das Foto dieser Szene hat heute, nicht zuletzt aufgrund des deutlichen Größenunterschiedes der beiden Spieler, bisweilen Kultstatus.