An diesem Tag

Thilo von Trotha (Bischof)

Bischof von Merseburg, Rektor der Universität Leipzig

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Thilo von Trotha (* 1434 oder 1435 vermutlich in Trotha, heute ein Stadtteil von Halle (Saale); † 5. März 1514 in Merseburg) war Bischof von Merseburg und als solcher zugleich Kanzler der Universität Leipzig. Er ließ das Schloss Merseburg neu errichten und den Merseburger Dom zu einer spätgotischen Hallenkirche umbauen. Thilo von Trotha gilt als bedeutender deutscher Bischof des Spätmittelalters, der im Verhältnis zwischen den wettinischen Landesherren, dem Erzbischof von Magdeburg sowie dem Kaiser eine wichtige Rolle einnahm.

Abstammung, Ausbildung und erste Spuren

Thilo von Trotha war der zweite Sohn Thilo von Trothas des Älteren, der ab 1424 Marschall und ab 1459 Obermarschall des Erzstifts Magdeburg war. Die aus dem Saalkreis stammende Adelsfamilie von Trotha hatte im 14. Jahrhundert einen Wohnhof im Dorf Trotha bei Halle, verließ diesen aber nach 1450. Thilos Vater verfügte seit den 1430er Jahren über Besitzungen am Petersberg, war seit 1439 zusammen mit seinem Bruder Hermann im Besitz der Burg Wettin und spätestens seit 1451 auch der Burg Krosigk. Als Geburtsort Thilos von Trotha kommt daher am ehesten das Dorf Trotha oder ein Ort am Petersberg in Frage. Thilo von Trotha hatte 5 Brüder: Nikolaus († 1497), der Älteste, erwarb 1477 die Burg Schkopau und ist Stammvater der Älteren Schkopauer Linie der Trothas; Friedrich († 1503), als Dritter geboren, begründete die Wettiner Linie der Trothas, folgte seinem Vater als Oberhofmarschall in Magdeburg nach, 1476 begleitete er Herzog Albrecht den Beherzten auf der Pilgerreise ins Heilige Land.

Der Viertgeborene Hans von Trotha wurde im südwestdeutschen Wasgau als Marschall der Kurfürsten von der Pfalz bekannt und ist heute als „Hans Trapp“ Gegenstand regionaler Sagen. Die beiden jüngsten Brüder Kurt († vor 1515) und Hermann († vor 1472) treten nicht weiter hervor.

Wie im Adel üblich, war für Thilo von Trotha als Zweitgeborenen die Laufbahn eines Geistlichen vorgesehen. Erstmals als Person fassbar wird er im Wintersemester 1448 durch seine Immatrikulation als „Thylemannus de Trota“ an der Universität Leipzig, wo er im Sommersemester 1453 den Grad eines Baccalarius erlangte. Anschließend ging er mit anderen deutschen Studenten, darunter der spätere Magdeburger Domherr Ernst Nicolaus von Ammendorf, nach Italien, wo er 1455 und 1456 an der Universität Perugia und anschließend Kirchenrecht in Siena studierte. Thilo ist dort sehr wahrscheinlich mit der humanistischen Bildungsbewegung in Berührung gekommen. In dieser Zeit weilte Thilo längere Zeit in Rom und bemühte sich um Anwartschaften auf Pfründen in seiner Heimat, die von der Kurie vergeben wurden und vor Ort in Deutschland gegen andere Mitbewerber durchgesetzt werden mussten.

Bereits 1455 erhielt er die Anwartschaft für Kanonikate an den Domen von Magdeburg und Halberstadt. Dass er diese Provision als Motu proprio erhielt, zeigt seine besondere Nähe zum Papst und zur Kurie.

1458 bekam er in Merseburg eine Domherrenstelle mit kleiner Pfründe, gleichzeitig scheint er auch eine Domherrenstelle in Magdeburg und Halberstadt innegehabt zu haben. 1459 war er vermutlich als Rechtsvertreter des Magdeburger Domkapitels in Rom tätig und wurde dort 1460 zum Subdiakon geweiht. Dank kurialer Unterstützung erhielt er 1463 das Amt des Magdeburger Dompropstes, das einträglichste Amt des Magdeburger Domkapitels, und wurde am 15. Februar 1464 vereidigt. „Innerhalb kürzester Zeit konnte sich Thilo von Trotha einträgliche Pfründen erlangen. Stets wurde ihm der Weg in höhere Ämter geebnet und durch seine Beziehungen zur päpstlichen Kurie unterstützt. … Die Beziehungen nach Rom und die Vernetzungen vor Ort garantierten ihm eine rasche Karriere.“

Am 21. Juli 1466 wurde Thilo vom Domkapitel mehrheitlich zum 41. Bischof von Merseburg gewählt. Für die päpstliche Bestätigung der Bischofswahl reiste er selbst nach Rom; am 26. September 1466 erhielt er die Bestätigung und zwei Tage darauf die päpstliche Erlaubnis zur Bischofsweihe. Bei diesem Rombesuch, dem letzten bis 1480, wurde er auch Mitglied der Animabruderschaft. Die Bischofsweihe zelebrierte Erzbischof Johann von Magdeburg am 8. März 1467 in Merseburg. Der lange Zeitraum zwischen Wahl und Weihe lässt vermuten, dass es Widerstände gegen Thilos Wahl gab.

Zum Empfang der Regalien des Hochstifts Merseburg war Thilo zum Reichstag 1471 in Regensburg geladen. Er ließ sich durch einen „ehrbaren Botschafter“ vertreten. Kaiser Friedrich III. stellte am 13. August 1471 in Regensburg die Lehnsurkunde für Thilo aus und verband sie mit der Verpflichtung, den Lehnseid im kaiserlichen Namen in die Hände des Kurfürsten Ernst von Sachsen zu leisten; dazu reiste Thilo im September nach Dresden. Auf der Rückseite der betreffenden Urkunde vermerkte er eigenhändig, dass der Belehnungsakt zw Dreßeden in der ratsstuben am 12. September 1471 erfolgt sei. Dass diese Belehnung ohne Feierlichkeit und ohne repräsentative Öffentlichkeit stattfand, muss als eine arge Zurücksetzung des Bischofs gewertet werden.„Dies wirft ein bezeichnendes Licht auf die immer wieder betonte Reichsunmittelbarkeit des Hochstifts Merseburg.“

1495 beantragte Thilo von Trotha beim neuen Reichsoberhaupt Maximilian I. die erneute Belehnung, die neue Urkunde wurde am 29. Mai 1495 ausgestellt, den Eid durfte diesmal der Vertreter Thilos leisten.

Thilo von Trotha als geistlicher Oberhirte

Zu Thilos kirchlichen Pflichten gehörten die Ordination der Geistlichen, die Weihe von Kirchen und Altären, die kirchliche Gerichtsbarkeit, die Aufsicht über Vermögen, Personal und Einrichtungen der Kirchen seines Bistums, die Entscheidung über Stiftungen, Schenkungen und Verkäufe sowie die Bewilligung von Ablässen. Die bischöfliche Verwaltung hatte nur wenige Mitarbeiter. In der geistlichen Gerichtsbarkeit wurde Thilo von den fünf Archidiakonen unterstützt, die den Amtsbezirken vorstanden. Die bischöfliche Kanzlei führte Bücher über die Verwaltung der Pfründen, und der Bischof überwachte sehr genau seine Rechte bei der Besteuerung des Klerus. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts entfaltete sich in den Orten des Bistums Merseburg ein regelrechter Kirchenbauboom, die Weihe der Kirchen nahm Bischof Thilo meist selbst vor. 1496 weihte Thilo die seit 1482 wieder aufgebaute Thomaskirche in Leipzig.

Priesterbildung und Lehrautorität: Über die Verleihung der Weihen an Geistliche ließ Bischof Thilo ein Weihebuch führen, um die Weihevoraussetzungen genau zu prüfen und Missbrauch zu verhindern. Das Weiheexamen vor einer Personenweihe führte Thilo meist selbst durch und nutzte es als Mittel zur Überprüfung der Klerikerbildung. 1493 weihte Thilo den Leipziger Dominikaner Johann Tetzel zum Priester. Als Ablassprediger gab Tetzel später den Anstoß zum Thesenanschlag Martin Luthers an der Schlosskirche zu Wittenberg.

Es sind nur wenige Fälle bekannt, in denen sich Thilo unter Berufung auf seine Lehrautorität an der Disziplinierung von Häretikern beteiligte. Eine heftige Debatte über die politische Instrumentalisierung kirchlicher Gnaden hatte sich 1490 an antihussitischen Begründungen von Fastendispensen entzündet. Thilo beteiligte sich am Vorgehen Herzog Georgs gegen den Wortführer dieser Debatte, den Leipziger Professor und Merseburger Domherren Johann von Breitenbach, und unterwarf dessen Schriften der Zensur.

Wettinisches Kirchenregiment: Gegenüber dem wettinischen Kirchenregiment zeigte sich Thilo kooperationsbereit und konnte daher in kritischen Fällen auch auf die Unterstützung der Landesherren zählen. Der Einfluss der Wettiner war in Merseburg geringer als in Meißen. Das Merseburger Domkapitel rekrutierte sich überwiegend durch Kooptation aus dem Adel des Stiftsgebietes. Das Verhältnis Thilos zu seinem Domkapitel war nicht konfliktfrei, aber stabil. Im bischöflichen Rat waren seine Brüder Nikolaus und Friedrich vertreten, Nikolaus war zugleich Amtmann in Lauchstädt. Thilo folgte in seinem Handeln einem gewissen Pragmatismus, d. h. er suchte Aufwand und Nutzen in einem ausgewogenen Verhältnis zu halten.

Kirchliche Reformen: Wie die Reichsbischöfe des 15. Jahrhunderts allgemein, so agierte auch Thilo in einem Feld mehr oder weniger umfassender Reformversuche, die das Konzil von Basel (1431–1449) beschlossen hatte. Dazu gehörten die synodale Gesetzgebung auf jährlich abzuhaltenden Diözesansynoden und regelmäßige Klostervisitationen. Während der langen Amtszeit Thilos verstärkte sich der Einfluss des Magdeburger Erzbischofs Ernst von Sachsen, der als der wohl aktivste Reformer unter den mitteldeutschen Bischöfen seiner Zeit galt und der starken Einfluss auf den mit ihm befreundeten Merseburger Bischof ausübte. Diözesansynoden, die der Umsetzung päpstlichen Rechts und der Disziplinierung des Klerus dienten und Statuten für das Bistum erließen, sind in Merseburg nicht belegt. Bischof Thilo arbeitete zunächst mit den Statuten des Erzbistums Magdeburg und erließ 1482 und 1500 weltliche Ordnungen für sein Bistum nach dem Muster der wettinischen Landesordnung.

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