Theodore Gilmore Bilbo (* 13. Oktober 1877 in Juniper Grove, Pearl River County, Mississippi; † 21. August 1947 in New Orleans, Louisiana) war ein US-amerikanischer Politiker der Demokratischen Partei. Zweimal (von 1916 bis 1920, von 1928 bis 1932) war er Gouverneur und von 1935 bis 1947 Senator des Bundesstaates Mississippi.
„The Man“ – wie er von seinen Anhängern genannt wurde – war Anhänger der White Supremacy (der „Überlegenheit der weißen Rasse“), der seine eindeutig rassistischen Ansichten in Reden, Gesetzesanträgen, auch literarischen Erzeugnissen, zum Ausdruck brachte.
Theodore Bilbo wurde 1877 als Sohn von James Oliver Bilbo und dessen Frau Beedy (geb. Wallace) auf einer kleinen Farm in Juniper Grove, einem Dörfchen nahe Poplarville, geboren. Bilbo wuchs mit sieben Geschwistern in den allerärmsten Verhältnissen auf. Um den Collegebesuch und später sein Studium zu finanzieren, nahm er alle möglichen Jobs an, arbeitete in Wäschereien, Mühlen, als Zeitungsverkäufer. Nach dem Besuch von öffentlichen Schulen ging er zum Peabody College in Nashville (Tennessee) und studierte die Rechtswissenschaften an der Law School der Vanderbilt University in Nashville. Beide Institutionen verließ er jedoch ohne Abschluss und arbeitete zunächst als Schullehrer, unterrichtete unter anderem an der Aaron Academy der Nicholson High School, dann an Schulen in Bayou Encent, Anner, Kiln und Wiggins. 1908 wurde er in Tennessee als Anwalt zugelassen und eröffnete eine Anwaltskanzlei in seiner Heimatstadt Poplarville. Dann beschloss er sich der Politik zuzuwenden.
Seinen ersten politischen Erfolg verzeichnete Bilbo, als er im Jahre 1908 in den Senat von Mississippi gewählt wurde. Er behielt dieses Mandat bis 1912.
1912 wurde er zum Vizegouverneur von Mississippi gewählt. Dieses Amt bekleidete er bis 1916. 1915 wurde Bilbo zum Gouverneur von Mississippi gewählt und hatte dieses Amt von 1916 bis 1920 inne. Da die Amtszeit der Gouverneure von Mississippi zur damaligen Zeit auf eine Amtsperiode beschränkt war, war es ihm nicht möglich, sich im Jahre 1919 erneut zur Wahl zu stellen. Aus diesem Grund trat er im Jahre 1920 bei den Wahlen für das Repräsentantenhaus von Mississippi an. Es gelang ihm jedoch nicht, einen Sitz zu erringen, und so arbeitete er wieder als Rechtsanwalt.
1927 bewarb er sich erneut um das Amt des Gouverneurs von Mississippi. Während dieses Wahlkampfs rief der noch amtierende Gouverneur Dennis Murphree, um den Lynchmord an einem Schwarzen zu verhindern, die Nationalgarde zu Hilfe. Bilbo schlachtete diesen Vorfall zu seinem Vorteil aus, indem er in seinen Reden immer wieder darauf hinwies, dass er sich – wäre er bereits im Amt gewesen – mit Sicherheit anders entschieden hätte. Dieses Appellieren an den Rassismus half Bilbo die Gouverneurswahlen zu gewinnen. So wurde er der erste Gouverneur in Mississippi seit 1890, der dieses Amt für zwei Amtszeiten bekleidete. Im Jahre 1932 musste Bilbo dann erneut den Gouverneursposten niederlegen, weil – wie schon zuvor – die in Mississippi geltende Vorschrift zum Tragen kam, die einem Gouverneur keine zwei unmittelbar aufeinander folgende Amtszeiten erlaubte.
Doch schon bei den im Jahre 1934 anstehenden Wahlen zum US-Senat gelang ihm ein erneutes politisches Comeback, als er den damaligen Amtsinhaber Hubert D. Stephens schlagen konnte. Wie schon bei den Gouverneurswahlen im Jahre 1927 rekrutierte sich das Gros seiner Wähler aus den armen/verarmten weißen Bevölkerungsschichten Mississippis. Die New York Times beschrieb in einem Artikel vom 30. September 1934 den damaligen Wahlkämpfer Bilbo:
„Hypnotic in his power, a master of invective, and making astute use of his familiarity with the Bible, he swayed the white tenants, small planters and the bankrupt with his assaults on Wall Street. […] Like Huey Long of Louisiana, his stronghold is the rural sections. There he is hailed as a courageous and unfailing defender, and his public appearances have the flavor of revival meetings.“
(„Durch seine Energie geradezu hypnotisierend, und ein Meister der Beschimpfung [des politischen Gegners], macht er scharfsinnig Gebrauch von seinen genauen Bibel-Kenntnissen, um die weißen Landpächter, die kleinen oder [schon] bankrotten Pflanzer durch seine Angriffe auf die Wall Street mitzureißen. […] Wie bei Huey Long in Louisiana, kommt auch Bilbos Anhängerschaft aus den ländlichen Gebieten [Mississippis]. Dort wird er enthusiastisch gefeiert als mutiger und verlässlicher Verteidiger [ihrer Interessen] und seine öffentlichen Auftritte vermitteln den Eindruck von Massenevangelisation.“)
In den ersten Jahren seiner Zeit im Senat war Bilbo dann jedoch eher ein unauffälliger „Hinterbänkler“ und unterstützte die New-Deal-Politik Roosevelts, da die Südstaaten von ihr profitierten.
Gegner des „Anti-lynching-Bill“
Bilbos Bekanntheitsgrad steigerte sich aber im Januar des Jahres 1938, als er zusammen mit den anderen den Südstaaten entstammenden Senatoren Front gegen einen Anti-Lynch Gesetzentwurf machte.
Der Wahlsieg Roosevelts im Jahre 1932 hatte bei der schwarzen Bevölkerung die Hoffnung aufkommen lassen, dass nun entscheidende Schritte unternommen würden gegen die beständig ansteigende Zahl der Lynchmorde von Weißen an Schwarzen. Mary McLeod Bethune und Walter Francis White, Generalsekretär der NAACP, zwei entschiedene Gegner der Lynchmorde, hatten die Wahlkampagne Roosevelts mitgetragen und man hoffte, dass sie ihren Einfluss geltend machen könnten. Am 3. Januar 1935 wurde auch tatsächlich ein Anti-Lynch-Gesetz, die so genannte Costigan-Wagner Bill – benannt nach seinen beiden Hauptinitiatoren, den Demokraten Robert F. Wagner (New York) und Edward P. Costigan (Colorado) – im US-Senat eingebracht. Das Gesetz sollte Lynchen an sich, darüber hinaus Polizeibeamte, die solche Straftaten tolerierten, daran mitwirkten bzw. nicht verfolgten, mit Strafe bedrohen. Vor allem aber sollten die Strafverfahren aus der Zuständigkeit der einzelnen Bundesstaaten auf gesamtstaatliche Ebene (Federal Trials) gezogen werden. Im Rahmen der Diskussion um den Gesetzentwurf vertrat Smith die Meinung, dass das Lynchen einfach notwendig sei „to protect the sanctity of our woman-hood“ („um die Heiligkeit der Frauen zu verteidigen“). Trotz der Eingabe tausender Petitionen der schwarzen Bevölkerung und Bürgerrechtlern scheiterte das Gesetz am Widerstand der demokratischen Senatoren der Südstaaten, zumal Präsident Roosevelt sich weigerte, seinen Einfluss geltend zu machen, da er befürchtete, im Kongress die Unterstützung der Südstaaten-Demokraten für sein New-Deal-Programm und bei den im Jahre 1936 anstehenden Wahlen zu verlieren.
Ein erneuter Anlauf, das Lynchen per Gesetz unter Strafe zu stellen, wurde 1937/38 unternommen. Ein neuer Gesetzentwurf wurde von Joseph A. Gavagan, einem Kongressabgeordneten aus New York, und Senator Frederick Van Nuys aus Indiana eingebracht. Bilbo und die anderen Senatoren der Südstaaten wollten auch diesen Gesetzentwurf auf keinen Fall passieren lassen und begannen einen der längsten Filibuster in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Die „Dauerreden“ begannen am 6. Januar 1938 und endeten erst am 27. Januar 1938. Bilbo deckte diejenigen, die den Gesetzentwurf befürworteten und unterstützten, mit Schimpfworten wie „Mulattoes, Octoroons, Quadroons“ ein (s. Stichworte in der engl. wiki), nannte Walter Francis White – in offensichtlicher Anspielung auf dessen schwarze Vorfahren – einen „Ethiopian“ („Äthiopier“), und erläuterte (im Hinblick auf White) seine (realen oder auch nur vorgetäuschten) Ängste:
“When once the flat-nosed Ethiopian, like the camel, gets his proboscis under the tent, he will overthrow the established order of our Saxon civilization.”
(„Wenn es diesem plattnasigen Äthiopier jemals gelingen sollte, wie einst dem Kamel, seinen Rüssel unter dem Zeltrand durchzustrecken, wird er die bestehende Ordnung unserer angelsächsischen Zivilisation umstürzen.“)
“If you succeed in the passage of this bill, you will open the floodgates of hell in the South. Raping, mobbing, lynching, race riots, and crime will be increased a thousandfold; and upon your garments and the garments of those who are responsible for the passage of the measure will be the blood of the raped and outraged daughters of Dixie, as well as the blood of the perpetrators of these crimes that the red-blooded Anglo-Saxon white Southern men will not tolerate.”