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Theodor von Cramer-Klett

Deutscher Kaufmann und Industrieller

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Theodor Cramer, ab 1847 Cramer-Klett, ab 1855 von Cramer-Klett, ab 1876 Freiherr von Cramer-Klett, (* 27. September 1817 in Nürnberg; † 5. April 1884 in Aschau im Chiemgau) war ein deutscher Kaufmann und Industrieller. Neben Joseph von Baader (1763–1835) und Joseph Anton von Maffei (1790–1870) gilt Cramer-Klett, in seiner Eigenschaft als Eigentümer der Maschinenbau Aktiengesellschaft Nürnberg, als einer der drei wichtigen Wegbereiter der Eisenbahn in Bayern. Als bedeutender Finanzier war er Gründer der Süddeutschen Bodencreditbank AG sowie Mitbegründer der Privatbank Merck, Christian & Co. (der späteren Merck Finck & Co) und der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft.

Herkunft, Ausbildung und berufliche Anfänge

Theodor Cramers Urgroßvater Johann Friedrich Cramer (1719–1763) war Pastor der luth. Gemeinde Werden an der Ruhr, heute ein Stadtteil von Essen. Pastor Cramer heiratete im Jahr 1750 Catharina Elisabeth Godefridi. Ein Sohn dieses Paares war Albert Johann Cramer (1751–1820), der nach Amsterdam auswanderte. Gemeinsam mit seinen in Nürnberg ansässig gewordenen Brüdern Arnold Friedrich Cramer (1753–1815) und Wilhelm Cramer (1762–1848) betrieb er einen Handel mit Kolonial- und Textilwaren. Ab Februar 1794 war Valentin Pfeifer, der aus Sommerau im Spessart stammte, Teilhaber der Firma Albert Johann Cramer in Amsterdam. Ab 1. Juli 1798 übernahm Valentin Pfeifer das Geschäft und führte es nun unter seinem Namen weiter. Das Verhältnis von Albert Johann Cramer zu Valentin Pfeifer war sehr persönlich. So wurde Cramer der Pate des Sohnes von Valentin und Maria Agnes Pfeifer, Albert Johann Pfeifer (* 18. Oktober 1802 in Amsterdam).

Theodor Cramers Großvater Arnold Friedrich Cramer (1753–1815) heiratete die Nürnberger Pfarrerstochter Juliana Degen (1759–1799). Kinder dieser Ehe waren Albert Johann Cramer (1784–1844), der Vater von Theodor, und Elise Cramer (1790–1862), die mit dem Nürnberger Marktvorsteher und Initiator der Ludwigseisenbahn, Georg Zacharias Platner (1781–1862), verheiratet war.

Theodor Cramer war der Sohn von Albert Johann Cramer (1784–1844) und Christina Falke (1787–1842). Vater Albert Johann Cramer war im familiären Handelsgeschäft tätig und kaufte 1831 ein Gelände am Schmausenbuck (Erhöhung am östlichen Rand von Nürnberg), um es in einen romantischen Vergnügungspark umzugestalten. Die Unternehmung scheiterte und verschuldet ging Albert Johann Cramer mit seiner Familie nach Wien. Dort beteiligte er sich an einer Seifenfabrik.

Theodor Cramer erwarb zunächst kaufmännische Kenntnisse im Geschäft des Vaters. 1837/38 absolvierte er ein Ausbildungsjahr im großen Prager Handels- und Bankhaus Lämel und besuchte dann ein Jahr lang in München Vorlesungen in Philosophie (Friedrich Wilhelm Joseph Schelling) und Naturwissenschaften (Justus Liebig).

Ende 1839 musste er nach Wien zurückkehren, um den kränkelnden Vater in der Seifenfabrik zu unterstützen. Doch schon 1840 übersiedelte er nach Genf, wo er in einem Bankhaus seine Kenntnisse des Finanzwesens vertiefte. In der Schweiz sowie auf Reisen nach Frankreich und Italien kam er in intensiven Kontakt mit liberal-demokratischen und auch frühsozialistischen Ideen.

1843 beschloss er, sich mit dem in Genf erworbenen kleinen Vermögen selbstständig zu machen, indem er die Verlagsbuchhandlung Bäumler erwarb. Dieser gliederte er 1844 den Friedens- und Kriegskurier an, den späteren Fränkischen Kurier, in dem er auch selbst politische Artikel publizierte. Erst 1849 gab er das Verlagsunternehmen auf Druck aus dem Stadtmagistrat ab.

Übernahme der Nürnberger Maschinenfabrik und Eisengießerei J. F. Klett

Die entscheidende Wendung in seinem Leben trat 1847 durch seine Verheiratung mit Emilie Klett, der Tochter Johann Friedrich Kletts, ein. Johann Friedrich Klett war der Begründer einer Maschinenfabrik, die seit 1838 (zunächst mit Hilfe englischer Techniker) Eisenbahnmaterial, besonders Dampfmaschinen und Kessel, herstellte.

Theodor Cramer übernahm nach Kletts Tod 1847 die Maschinenfabrik und Eisengießerei J. F. Klett, die er 1865 in die Offene Handelsgesellschaft Maschinenbau-Gesellschaft Nürnberg Klett & Co. und 1873 schließlich in die Maschinenbau-Actiengesellschaft Nürnberg umwandelte. Mit dem hervorragenden Eisenbahnfachmann und genialen Erfinder Johann Ludwig Werder, den Cramer-Klett 1848 von der Konkurrenz abwarb und zum technischen Leiter machte, baute er das Unternehmen rasch zu einer der führenden Maschinenfabriken Deutschlands aus. Neben der Eisengießerei und der Produktion von Eisenbahnmaterial, Eisenbahnwaggons sowie Gewehren – alles möglichst in Massenfertigung – waren die Hauptarbeitsgebiete der Bau von Dampfmaschinen und Brücken (u. a. Isar-Hochbrücke bei Großhesselohe 1857; Rheinbrücke von Mainz nach Gustavsburg 1860–1862, die sogenannte Mainzer Südbrücke).

Darüber hinaus erwarb sich Cramer-Klett früh große Anerkennung durch Hochbauten in Glas und Eisen wie die Schrannenhalle in München 1851/52, den Wintergarten an der königlichen Residenz in München 1853 und die Würzburger Bahnhofshalle 1856. In Anerkennung der besonderen Leistung bei der nur 100 Tage beanspruchenden Errichtung des Glaspalastes für die Allgemeine Münchener Gewerbeausstellung 1854 (nach dem Vorbild des Londoner Kristallpalastes) wurde er im selben Jahr in den persönlichen Adelsstand erhoben.

Finanzierungen und Bankengründungen

Cramer-Kletts große Fähigkeiten in den Bereichen Organisation und Menschenführung wurden ergänzt durch eine Leidenschaft für Finanzgeschäfte. So beteiligte er sich seit Mitte der 1850er Jahre an zahlreichen Eisenbahngesellschaften, indem er in deren Verwaltungsrat eintrat, beglich aber die Kapitaleinlagen nicht in bar, sondern durch Materiallieferungen seiner Unternehmen und sicherte sich auf diese Weise Aufträge und zugleich Liquidität. Die Handelsgesellschaft Klett & Co., über die er seine Finanzgeschäfte abwickelte, machte er nach und nach zu einer Holding, die „vollkommen die Merkmale einer Handels- und Industriebank aufwies“.

Bei seinen Finanztransaktionen kooperierte er, vor allem in den 1860er und 1870er Jahren, fast immer mit der ersten privaten Bank für Industriefinanzierungen auf Aktienbasis in Deutschland, der 1853 von rheinischen Industriellen und Bankiers, an der Spitze Gustav von Mevissen, gegründeten Bank für Handel und Industrie, wegen ihres Standorts auch Darmstädter Bank genannt. Gemeinsam mit der Darmstädter Bank gründete Cramer-Klett unter anderem Privatbanken in der Form von Kommanditen in Wien (1867), Stuttgart (1869), München (1870), Kassel (1873) und Mailand (1873) sowie 1871 die Süddeutsche Bodencreditbank AG in München. Für die Gründung der Kommandite in München entsandte er seinen Rechtsbeistand Heinrich Merck, dessen Position in Nürnberg er dem jungen Advokaten Hermann Pemsel übertrug, seit 1872 mit Generalvollmacht ausgestattet. Die Münchener Kommandite Merck, Christian & Co. entwickelte sich unter dem überaus fähigen Prokuristen Wilhelm Finck bald zu einer der führenden deutschen Privatbanken. Die Kommanditen in Kassel und Mailand überstanden dagegen die Wirtschaftskrise der 1870er Jahre nicht.

Gründung der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft

Seine bedeutendste finanzielle Initiative war zweifellos die Gründung der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft im Jahre 1880. Der umtriebige Generalagent der Versicherungsgesellschaft Thuringia, Carl Thieme, hatte 1879 die Idee zur Gründung einer Hagelversicherung an Cramer-Klett herangetragen, die dieser allerdings verwarf. Das im Winter 1879/80 nachgereichte Projekt einer Rückversicherung überzeugte ihn und seine Berater dann jedoch, weil der Versicherungsbedarf deutscher Erstversicherer damals, wie Thieme belegen konnte, fast ausschließlich durch englische, französische und Schweizer Unternehmen abgedeckt wurde.

Schon kurze Zeit später hatte Hermann Pemsel die Statuten des zu gründenden Unternehmens ausgearbeitet und beantragte am 6. März 1880 zusammen mit Wilhelm Finck die Konzessionierung durch die bayerische Regierung. Das Gründungskapital von 3 Mio. Mark, zu 40 % sofort eingezahlt, brachten die mit Cramer-Klett seit langem liierten Banken (Bank für Handel und Industrie sowie Merck, Finck & Co), die Finanzholding Klett & Co., die persönlichen Vertrauten (Wilhelm Finck, Philipp Schmidt-Polex, Friedrich von Schauss, Hermann Pemsel) und der künftige Vorstand Carl Thieme auf. Wilhelm Finck und Hermann Pemsel als sein Vertreter übernahmen den Vorsitz des Aufsichtsrats, der sich von Beginn an intensiv auch im Tagesgeschäft engagierte.

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