Theodor August Scheinpflug, lettisch Teodors Augusts Šeinpflugs (* 6. Maijul. / 18. Mai 1862greg. in Pernau, Gouvernement Livland, Russisches Kaiserreich; † 14. März 1919 im Bickernschen Wald bei Riga, Lettland) in seinem persönlichen Umfeld meist von seiner Studienzeit an der Universität Dorpat her Tutti genannt, war ein deutsch-baltischer Pastor. Er gilt als evangelischer Märtyrer und ist auf dem Rigaer Märtyrerstein verzeichnet.
Theodor Scheinpflug war das älteste Kind des Pastor-Diakonus der St. Nikolai-Gemeinde zu Pernau, Friedrich August Scheinpflug (* 11. November 1832 in Riga; † 24. Februar 1902 in Pernau). Dessen Frau war Luise Amalie Scheinpflug, geborene Häussler (* 31. Juli 1842 in Ascheraden; † 6. Dezember 1916 in Pernau). Theodor Scheinpflug hatte zahlreiche Geschwister. Schwestern von ihm waren Magdalena Agnes Scheinpflug, verheiratete Schilling-Frankhaenel (* 24. Mai 1876 in Pernau; † 13. Februar 1949 in Wetzlar) und Gertrud Beate Scheinpflug, verheiratete Frankhaenel (* 28. Januar 1878 in Pernau; † 18. März 1917 in Simferopol). Magdalena Agnes Scheinpflug heiratete den Pastor Karl Schilling, der während der Russischen Revolution von 1905 getötet wurde.
Theodor Scheinpflug war ab dem 30. Oktoberjul. / 11. November 1891greg. verheiratet mit Elisabeth (Lisbeth) Wilhelmine, geb. Guleke (* 1. Juni 1866; † 9. März 1939), einer Tochter des Propstes Rudolf Guleke in Alt-Pebalg in Livland. Das Ehepaar hatte 7 Kinder, die alle in Pernigel geboren wurden (Geburtsdaten nach gregorianischem Kalender):
Harold August Rudolph (* 27. Februar 1892; † 16. Januar 1967), der 1922 sein Medizinstudium in Jena abschloss,
Lisbeth Louise, verheiratete Lauezzari (* 8. April 1895; † 4. Juli 1964),
Helmut Heinrich (* 20. November 1896; † 7. Januar 1960),
Eva Gertrude (* 22. Juni 1898; † 23. Juli 1917),
Erika Mary, verheiratete Berkholz (* 18. Dezember 1899; † 10. März 1978 in Hannover),
Hans Albert (* 5. Juli 1901; † 22. November 1926),
Ilse Alma (* 4. Mai 1903; † 21. Oktober 1990 in Springe), verheiratet mit Wolfgang Bernewitz, Sohn des Pastors Theodor Friedrich Bernewitz (* 24. August 1868 in Gr. Blieden; † 26. Oktober 1940 in Posen). Theodor Bernewitz ist ein Vetter des späteren ersten Bischofs der ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig Alexander Bernewitz und war dessen Nachfolger als Pastor in Neuenburg. Damit war er wie dieser Nachfolger seines Großvaters. Von 1806 bis 1920 waren in Neuenburg (lettisch Jaunpils) in 3 Generationen 4 Pastore Bernewitz. Ein Bruder von Theodor Bernewitz war der Bildhauer Carl Hans Bernewitz.
Die Datumsangaben in diesem Kapitel richten sich, wenn nicht anders angegeben, für den Zeitraum vor 1918 nach dem julianischen Kalender.
Theodor Scheinpflug wurde nachgesagt, er habe sich sein Leben lang eine kindhafte Gutmütigkeit bewahrt. Niemals soll er eine unanständige Ausdrucksweise benutzt haben. Er ging zur Neumannschen Elementarschule und zum Gymnasium in Pernau, das er 1881 mit dem Abitur abschloss.
Während seines von 1881 bis 1888 betriebenen Theologiestudiums an der Kaiserlichen Universität Dorpat kämpfte er mit sich selbst, bis er seinen eigenen Zugang zum Glauben an Christus fand. Vom 31. August 1883 bis 1887 war er Mitglied des Theologischen Vereins Dorpat. Ferner gehörte er der Fraternitas Rigensis an. 1886 arbeitete er als Hauslehrer in Puderküll in Livland.
Nach bestandenem Examen vor dem livländischen evangelisch-lutherischen Konsistorium im Oktober 1888 verbrachte Theodor Scheinpflug von 1888 bis 1889 sein Probejahr bei Propst Kaehlbrand in Neu-Pebalg und bei Pastor Keussler in Schwanenburg in Livland.
Am 19. November 1889 wurde er in Riga vom emeritierten Propst Schilling zum Pastor-Adjunkt für Erlaa in Livland ordiniert. In Erlaa blieb er bis 1891. Danach, ebenfalls 1891, war er Pastor-Vikar des Sprengels Wenden und diente als solcher in Schujen in Livland. Er war davon begeistert, predigen zu dürfen.
Amtseinführung in Pernigel und theologische Positionen
Am 8. September 1891 wurde Theodor Scheinpflug schließlich in sein Amt als Pastor im abgeschieden an der livländischen Küste gelegenen Pernigel eingeführt. Der deutsch-baltische Kirchenpatron hatte ihn dafür ausersehen.
In Pernigel veranlasste er den Theologiestudenten Alexander Burchard (siehe Kapitel „Literatur“), der später der letzte Propst der deutschen Gemeinde von Riga wurde, seine erste Predigt vor der kleinen deutschen Gemeinde zu halten, die nur im Sommer vorhanden war.