An diesem Tag

Theodor Oberländer

Deutscher Politiker (NSDAP, GB/BHE, FDP, CDU), MdL, MdB

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Theodor Erich Ernst Emil Otto Oberländer (* 1. Mai 1905 in Meiningen; † 4. Mai 1998 in Bonn) war ein deutscher Agrarwissenschaftler, Politiker und Industrieberater. Während der Zeit des Nationalsozialismus betrieb Oberländer für die NSDAP „Ostforschung“. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er Politiker (GB/BHE, CDU) und von 1953 bis 1960 Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte. Von 1953 bis 1961 sowie 1963 bis 1965 war er Mitglied des Deutschen Bundestages.

Seinem Rücktritt am 4. Mai 1960 lag eine seit 1959 geführte Auseinandersetzung über Oberländers Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus zugrunde. Nicht zuletzt spielten juristisch wie geheimdienstliche Aktionen der DDR-Administration dabei eine Rolle; Denn Oberländer war „Politoffizier“ des Bataillons Nachtigall während des Massakers von Lemberg an der jüdischen Bevölkerung am 30. Juni 1941 gewesen.

Theodor Erich Oberländer wurde 1905 in Meiningen (damals Residenzstadt des kleinen Herzogtums Sachsen-Meiningen im heutigen Thüringen) als Sohn des höheren Regierungsbeamten (Geheimer Regierungsrat) Oskar Oberländer und seiner Frau Klara Oberländer, geborene Müller, geboren. Er war evangelischer Konfession. Bereits 1920 trat er der völkischen Jugendorganisation Adler und Falken bei. 1923 erlangte er das Abitur auf dem humanistischen Bernhardinum in Meiningen.

Von 1923 bis 1927 studierte er Agrarwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München, der Universität Hamburg und der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. Er wurde 1923 in München Mitglied der Studentenverbindung Greif in der Deutschen Gildenschaft, einer aus der Jugendbewegung hervorgegangenen Studentenverbindung. Zudem war er zeitweilig Mitglied der rechtsextremen paramilitärischen Vereinigung Bund Oberland und des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes. Im Rahmen einer Wehrsportübung in Forstenried nahmen er und weitere Mitglieder der Gilde Greif am 9. November 1923 am Hitlerputsch in München teil, nach eigenem Bekunden „eher zufällig“. Für die Teilnahme am Hitlerputsch saß er vier Tage in Haft. Nach dem Studienortwechsel nach Königsberg war Oberländer dort in der Gilde Skuld aktiv.

Nach dem Studienabschluss als Diplomlandwirt folgte 1928 ein halbjähriger Aufenthalt in der Sowjetunion als Mitarbeiter der DRUSAG (Deutsch-russische Saatbau AG). Am 2. März 1929 wurde er in Berlin zum Dr. agr. promoviert (Dissertation: Die Grundlagen der Landwirtschaft in Litauen, summa cum laude). Oberländer ging danach als Volontär an das Institut für Ostdeutsche Wirtschaft, das Adolf Tortilowicz von Batocki-Friebe an der Albertus-Universität Königsberg gegründet hatte. Dort wurde er am 8. Februar 1930 auch zum Doktor der Staats- und Wirtschaftswissenschaften (Dr. rer. pol.) promoviert. 1930 bis 1931 folgte ein eineinhalbjähriger landwirtschaftlicher Aufenthalt in der Sowjetunion, in der Republik China, in Kanada und in den Vereinigten Staaten, wo er bei Ford arbeitete.

Anfang Oktober 1931 kehrte er als Assistent an das Institut für Ostdeutsche Wirtschaft in Königsberg zurück. Nachdem er 1932 erfolglos zum Reichsleiter der Deutschen Gildenschaft kandidiert hatte, spaltete er (bis zum April 1933) die eigene Hohnsteiner Arbeitsgemeinschaft Deutscher Hochschuldgilden (HAG) ab, als deren „Beauftragter“ er fungierte. 1958 trat er der wiedergegründeten Deutschen Gildenschaft wieder bei.

In Königsberg machte er schnell akademische Karriere bis zum Zerwürfnis mit NSDAP-Gauleiter Erich Koch im Jahr 1937. Am 1. März 1933 wurde er Direktor des Instituts für Osteuropäische Wirtschaft. Am 17. Dezember 1933 folgte die Habilitation, am 1. April 1937 erhielt er die Professur für osteuropäische Wirtschaft in der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät in Königsberg. 1933 bis 1934 hielt er auch agrarwissenschaftliche Vorlesungen an der Technischen Hochschule Danzig.

Im September 1937 musste Oberländer auf Betreiben der ostpreußischen Gauleitung die Königsberger Universität verlassen, wogegen er ohne Erfolg gerichtlich vorging. In einem Schreiben vom 22. Dezember 1937 meldete das Reichserziehungsministerium an Rudolf Heß, Oberländers Professur in Königsberg habe „in weitgehendem Umfange“ lediglich politischen statt wissenschaftlichen Charakter gehabt und man habe ihn an die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald versetzt, wo er in Zukunft mit Ostforschung nichts mehr zu tun haben werde.

Durch Ministererlass vom 12. November 1937 wechselte Oberländer bis 1940 an die Universität Greifswald, wo er Mitdirektor des Staatswissenschaftlichen Seminars wurde.

Zum 1. Oktober 1940 wechselte Oberländer als ordentlicher Professor an die deutschsprachige Karl-Ferdinands-Universität in Prag, das als Teil des „Protektorats Böhmen und Mähren“ unter Besetzung NS-Deutschlands stand. Am 15. Januar 1941 wurde er zum Dekan der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät ernannt. Am 29. Mai 1941 übernahm er zusätzlich als Kommissar die Juristische Fakultät der von den Deutschen geschlossenen Karls-Universität Prag. Er hatte dafür zu sorgen, dass von den tschechischen Angestellten „die Wiederaufnahme der Arbeiten nicht zur Durchführung eines versteckten Lehrbetriebes mißbraucht wird.“ Während das Dekanat bereits zum Frühjahr 1942 endete, wurde er von seiner Kommissartätigkeit erst ab dem 8. Juni 1943 entbunden. Denn bereits seit dem 8. Mai 1941 befand er sich im Einsatz beim Bataillon „Nachtigall“. Im Juni 1942 wurde er dann endgültig zum Honorarprofessor herabgestuft. Denn tatsächlich befand er sich bis April 1945 im militärischen Einsatz und leitete u. a. bis Frühjahr 1945 ein Schulungslager für die von der SS zusammengestellten Führungskräfte der Wlassow-Armee in Dabendorf bei Zossen. Hier ging es um die weltanschauliche Ausrichtung der, in Kriegsgefangenenlagern angeworben, Führungskräfte entsprechend der NS-Ideologie.

Oberländer widmete sich vor dem Hintergrund seiner agrarwissenschaftlichen Tätigkeit vor allem der Ostforschung, die sich zum Ziel gesetzt hatte, den deutschen Herrschaftsanspruch über den osteuropäischen Raum wissenschaftlich zu untermauern. Zu diesem Zweck gründeten sich 1931 in der Deutschen Forschungsgemeinschaft die Volksdeutschen Forschungsgemeinschaften (VFG; siehe Volks- und Kulturbodenforschung). Oberländer wurde am 19. Dezember 1933 zunächst Geschäftsführer, am 27. März 1934 aber durch Emil Meynen abgelöst. Oberländer blieb jedoch Vorstandsmitglied in der ebenfalls am 19. Dezember 1933 gegründeten Unterorganisation Nordostdeutsche Forschungsgemeinschaft (NODFG) in Berlin.

In seinen Publikationen behauptete Oberländer, dass „für ganz Europa […] das Anschwellen der gesamtslawischen Bevölkerung zu einer ernsten Gefahr werden“ könne. Eine weitere Gefahr stelle das Judentum dar, das in Osteuropa den Kommunismus verbreite. Vor allem sein wissenschaftlicher Mitarbeiter Peter Heinz Seraphim veröffentlichte dazu mehrere antisemitische Schriften, von denen einige unter Oberländers Mitwirkung herausgegeben wurden. Beide Akteure verband eine rassisch geprägte Weltanschauung, die Befürwortung der vom NS-Regime vorangetriebenen Eroberungsstrategie in Richtung Osten und die mit vermeintlichen „Forschungsansätzen“ begründete Notwendigkeit zur Ausrottung der slawischen Völker. Insofern bedienten sie sich der in diesen Ländern angesiedelten deutschen Minderheiten und instrumentalisierten sie zur Kriegsvorbereitung.

Nach dem Überfall auf Polen setzte er sich für die kompromisslose ethnische Säuberung des von Deutschland annektierten Westpolens ein. Er hielt sie für „eine absolute Notwendigkeit, wenn die Reinerhaltung der Rasse gewährleistet sein soll.“ Am 27. Juni 1940 begann im besetzten Polen die erste Arbeitstagung des Instituts für Deutsche Ostarbeit Krakau, die von Generalgouverneur Hans Frank persönlich eröffnet wurde und bei der NODFG-Vorstandsmitglied Oberländer als einer von elf geladenen NS-Hochschuldozenten referierte. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges bis 1945 verband Oberländer die von ihm organisierte „Volkstumsarbeit“ mit nachrichtendienstlichen Aktivitäten, die Diversion und Anwerbung von Informanten unter den deutschen Minderheiten sowie später unter den von der SS rekrutierten Kriegsgefangenen einschloss.

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