An diesem Tag

Theodor Nöldeke

Deutscher Orientalist

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Theodor Nöldeke (* 2. März 1836 in Harburg, heute Hamburg; † 25. Dezember 1930 in Karlsruhe) war ein bedeutender deutscher Orientalist.

Theodor Nöldeke war der Sohn des Philologen und Pädagogen Carl Nöldeke (1800–1866), der Prorektor in Harburg und später Direktor des Gymnasiums im emsländischen Lingen war. Diese Schulen besuchte auch der Sohn, in Lingen legte er 1853 sein Abitur ab. Anschließend studierte er klassischen Philologie und Orientalistik an der Universität Göttingen, namentlich bei Heinrich August Ewald und Friedrich Wieseler. Mit einer Arbeit über Ursprung und Anordnung der Suren des Koran wurde er 1856 zum Dr. phil. promoviert. Anschließend unternahm er Handschriftenstudien in den Bibliotheken von Wien, Leiden, Gotha und Berlin. An der Königlichen Bibliothek zu Berlin wurde er als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter eingestellt und katalogisierte türkische Handschriften.

Ein Jahr nach der Veröffentlichung seiner Geschichte des Qorâns habilitierte sich Nöldeke 1861 in Göttingen für semitische Philologie. 1864 ging er als außerplanmäßiger Professor an die Universität Kiel, wo er 1868 zum ordentlichen Professor berufen wurde. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg folgte er 1872 dem Ruf an die neuerrichtete Kaiser-Wilhelm-Universität Straßburg, wo er bis zu seiner Emeritierung 1906 lehrte. Nöldeke reiste nur selten ins Ausland, den Orient kannte er nur aus der Literatur, nicht aus eigener Anschauung. Als Emeritus blieb er bis 1920 in Straßburg, nach dem Ersten Weltkrieg und der Abtretung des Elsass an Frankreich zog er dann nach Karlsruhe, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte.

Er verfasste zahlreiche Studien (unter anderem über den Koran) und schrieb Beiträge für die Encyclopædia Britannica. Er beschäftigte sich auch mit der alttestamentlichen Forschung, den semitischen Sprachen und der arabischen, persischen und syrischen Literatur. Nöldeke war an der grundlegenden Tabari-Edition Michael Jan de Goejes beteiligt (mit dem er seit seinem Studienaufenthalt in Leiden befreundet war) und besorgte eine Übersetzung jener Abschnitte der Universalgeschichte Tabaris, die die Zeit der Sassaniden behandelten. Die Übersetzung ist noch heute von großem Wert, zumal er zahlreiche Anmerkungen hinzufügte.

Nöldeke, der wichtige Werke der orientalischen Literatur übersetzte, galt schon zu Lebzeiten als ein sehr bedeutender Orientalist. Zu seinen zahlreichen Schülern zählten unter anderem Hartwig Hirschfeld und Friedrich Schwally, den er mit der Fortführung seines Standardwerks Geschichte des Qorans betraute. Nöldekes Einfluss auf die Orientalistik ist bis heute bedeutend, und nicht wenige seiner Arbeiten werden weiterhin regelmäßig zitiert.

Sein Nachlass befindet sich in der Universitätsbibliothek Tübingen.

Nöldeke war Träger des Ordens Pour le mérite für Wissenschaften und Künste (ab 1888) und seit 1878 korrespondierendes Mitglied der Preußischen sowie seit 1879 auswärtiges Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Die Königlich Niederländische Akademie der Wissenschaften nahm ihn 1878 als auswärtiges Mitglied auf. 1885 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften gewählt; 1926 wurde er Ehrenmitglied dieser Akademie. Im Jahr 1892 verlieh ihm die Universität Edinburgh die Ehrendoktorwürde. 1893 wurde er zum auswärtigen Mitglied der Accademia Nazionale dei Lincei in Rom ernannt. Die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen nahm ihn 1910 als korrespondierendes Mitglied auf. Der Heidelberger Akademie der Wissenschaften gehörte er seit 1920 als außerordentliches Mitglied an. 1926 wurde er Ehrenbürger der damaligen Stadt Harburg (heute Teil von Hamburg), seit 1927 erinnert die Nöldekestraße im Hamburger Stadtteil Wilstorf an ihn.

Theodor Nöldeke war evangelischer Konfession. Er heiratete 1864 in Northeim Sophia Harries (1844–1916), Tochter eines evangelischen Theologen und Superintendenten. Das Paar bekam zehn Kinder, doch starben sechs davon noch vor dem Vater. Sein ältester Sohn Arnold Nöldeke (1865–1945) wurde Richter und war in der Weimarer Zeit Hamburger Senator. Seine Enkelin Elsa (1894–1983) heiratete den Orientalisten Enno Littmann, der bei Nöldeke studiert hatte.

De origine et compositione surarum qoranicarum ipsiusque Qorani. Commentatio in concertatione civium academiae Georgiae Augustae. Ab amplissimo philosophorum ordine praemio regio ornata. Göttingen 1856.

Eine französische Übersetzung von Georges Henri Bousquet erschien unter dem Titel »Remarques critiques sur le style et la syntaxe du Coran« in Paris: Maisonneuve 1953.

Über das Kitâb Jamînî des Abû Naṣr Muḥammad Ibn ʿAbd al Ǵabbâr Al ʿUtbi, Wien 1857 (in MENAdoc).

Volksthümliche Geschichte Süleimâns des Ersten. In: Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, Band 12. 1858. S. 220–238 (Digitalisat).

Hatte Muhammad christliche Lehrer? In: Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, Band 12. 1858. S. 699–708 (Digitalisat).

Auszüge aus Nesrî's Geschichte des osmânischen Hauses. In: Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, Band 13. 1859. S. 176–218 (Digitalisat).

Geschichte des Qorâns. Eine von der Académie des inscriptions et belles-lettres gekrönte Preisschrift. Erster Teil: Über den Ursprung des Qorâns. Verlag der Dieterichschen Buchhandlung, Göttingen 1860 (in MENAdoc, zweite Auflage Leipzig 1909, in MENAdoc). Zweite Auflage, bearbeitet bzw. völlig umgearbeitet von Friedrich Schwally, Gotthelf Bergsträsser und Otto Pretzl. Drei Bände. Leipzig 1909, 1919, 1938. Neuauflage Hildesheim 2013, ISBN 3-487-30149-0 (in MENAdoc).

Eine arabische Übersetzung mit einer Einleitung und erweiterten Registern versehen von Georges Tamer erschien unter dem Titel »Tâ’rîh al-Qur’ân« in Beirut: Konrad-Adenauer-Stiftung 2004. (Nachdruck in Köln: Al-Kamel 2008.)

Eine englische Übersetzung von Wolfgang Behn erschien unter dem Titel »The history of the Qur’ân« in Leiden: Brill 2013.

Über die Mundart der Mandäer. Dieterich, Göttingen 1862. (Digitalisat)

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