Theodor Lewald (* 18. August 1860 in Berlin; † 15. April 1947 ebenda) war ein hochrangiger Verwaltungsbeamter des Deutschen Reiches, Sprecher für die Reichsregierung im Deutschen Reichstag, Mitglied im Exekutivkomitee des Internationalen Olympischen Komitees, deutscher Sportfunktionär und Vorsitzender des Organisationskomitees der Olympischen Spiele 1936.
Theodor Lewald war jüngster Sohn des königlichen Justizrates und Rechtsanwaltes Otto Lewald und Caroline Elisabeth Lewald, geborene Althaus. Seine väterlichen Vorfahren waren Juden aus dem Raum Königsberg. Die Familie Lewald konvertierte zum Protestantismus. Seine Mutter stammte aus einer protestantischen Pfarrersfamilie.
Er besuchte das königliche Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Berlin. Während seiner Schulzeit 1873 starb sein Vater.
Sein Jurastudium begann er 1878 an der Universität zu Berlin, um anschließend auch in Heidelberg und Leipzig zu studieren. In Heidelberg wurde Lewald Mitglied der Verbindung Rupertia. Während seines Studiums wurde er von den Lehren Treitschkes beeinflusst. Sein Examen machte er in Berlin und diente anschließend 1883/84 als Einjährig-Freiwilliger beim Militär. 1886 wurde er zum Leutnant der Reserve ernannt.
So durchlief er alle Karrierestationen, die als Voraussetzung für den höheren Staatsdienst galten, und die durch die Berliner Gesellschaft als standesgemäß betrachtet wurden. Im Sommer 1885 trat er in die preußische Verwaltung ein und arbeitete im Bezirk Kassel, Homberg, Kirchhain und Hanau. 1888 legte er die Assessorprüfung ab, woraufhin er in das Oberpräsidium der Provinz Brandenburg nach Potsdam berufen wurde. In dieser eher kleinen Behörde unterstand er direkt dem ehemaligen preußischen Minister für öffentliche Arbeiten Heinrich von Achenbach. Zudem machte Lewald in der Berliner Gesellschaft wichtige Bekanntschaften. Hilfreich war der Umstand, dass seine Tante Fanny Lewald einen Salon in Berlin unterhielt.
Im Oktober 1891 wechselte Lewald vorläufig aus dem preußischen Verwaltungsamt in das Reichsverwaltungsamt, wo er endgültig am 2. Juni 1894 in den Regierungsrat im Reichsamt des Inneren übernommen wurde. Dort wurde er mit einer Vielzahl an verschiedenen Verwaltungsaufgaben betraut.
Durch seine Sprachkenntnisse (Englisch, Französisch, Italienisch) war er 1893 dem Reichskommissariat für die Weltausstellung in Chicago zugeteilt. Vor Ort betreute und löste er den deutschen Stand auf. Während dieser Zeit knüpfte er wichtige Kontakte in Politik und Wirtschaft, die ihm bei den weiteren Ausstellungen 1900 in Paris und 1904 in St. Louis von Nutzen waren. Der 1897 zum Geheimen Regierungsrat und Vortragenden Rat Beförderte betreute 1900 als stellvertretender Kommissar ein Jahr lang den deutschen Pavillon. In Paris kam er zum ersten Mal in Kontakt mit den Olympischen Spielen, die wie auch 1904 Teil der Weltausstellung waren. In St. Louis ließ er als Reichskommissar, in dessen Bereich Kultur und Sport fielen, eine deutsche Olympiamannschaft vom Deutschen Reich mitfinanzieren, und förderte auch in der Folgezeit Technik, Wissenschaft, Kultur und Sport. Unter anderem kaufte er das erste Luftschiff für das Reich und wendete den Konkurs der Zeppelinwerft ab. Erst 1910 jedoch kam es zur Beförderung zum Ministerialdirektor und gleichzeitig wurde er Bevollmächtigter beim Bundesrat. Dort musste er sich vermehrt mit der Tagespolitik auseinandersetzen. Er stand dem Parlamentarismus jedoch eher fremd gegenüber und konnte sich mit seiner neuen Stellung nicht so recht identifizieren.
Nach dem Kriegsbeginn 1914 war Lewald in der obersten ministeriellen Verwaltung der eroberten Gebiete in Belgien und im polnischen Teil des Zarenreichs. Gerade in dieser Zeit zeigte sich sein breit gestreutes politisches Engagement. Zu seinem Bekanntenkreis gehörten unter anderem Walther Rathenau (später DDP) und Philipp Scheidemann (SPD). Er war jedoch auch im kaisertreuen und konservativen Kaiserlichen Automobilklub (KAC, später AvD) Mitglied. 1917 kam es zur Beförderung zum Unterstaatssekretär. Er übernahm die Verhandlungen mit Österreich über Polen und hatte dabei eine entscheidende Rolle inne.
Im Juli 1918 erreichte Lewald seinen persönlichen Karrierehöhepunkt im deutschen Kaiserreich, als er zum „Wirklich Geheimen Rat mit Prädikat Exzellenz“ befördert wurde und in dieser Eigenschaft den innenpolitischen Teil der Abdankungsrede, welche von Prinz Max von Baden vorgelesen wurde, formulierte.
Tätigkeiten in der Weimarer Republik ab 1918
Nach dem Ende der Kaiserzeit setzte Lewald seine politische Karriere fort. Es zeigte sich in den Folgejahren, dass er kaum politischen Einfluss verlor. In den Anfangsjahren der Weimarer Republik konnte er mit seiner Erfahrung die politische Führung unterstützen. Er blieb zunächst Chef der Zivilverwaltung Polens und versuchte die Neuordnung des Reiches mitzugestalten. Entgegen seinem bisherigen Verhalten musste er sich nun zu einer politischen Richtung bekennen und schloss sich der rechtsliberalen Deutschen Volkspartei (DVP) an. Die erste Bewährungsprobe wurde der Kapp-Putsch am 13. März 1920. Die Verweigerung der Beamten zur Kooperation mit den Putschisten half den Staatsstreich zu verhindern. Theodor Lewald leitete als Dienstältester die Verhandlungen mit den putschenden Generälen. Auch beim unmittelbar folgenden Ruhraufstand übernahm Lewald eine zentrale Rolle innerhalb der Reichsverwaltung und war mitverantwortlich für dessen Niederschlagung. Im Jahr 1921 wurde er Staatssekretär im Reichsministerium des Innern.
Trotz seiner Verdienste kam es am 11. November 1921 zum Ausscheiden aus dem Amt. Seine politische Haltung und das Generationsproblem führten zu dieser Trennung, zumal er Mitglied der DVP geworden war. Nach seiner Beamtenkarriere konnte sich Lewald auf seine vielen Ehrenämter konzentrieren. Im Jahr 1931 wurde er zum Präsidenten des Deutschen Akademischen Austauschdienstes ernannt.
Theodor Lewald hatte nie selber aktiv Sport getrieben, jedoch kam er im Rahmen seiner Tätigkeit als Beamter mit diesem in Verbindung. Bereits bei seiner Beschäftigung bei den Weltausstellungen setzte er sich für eine Entsendung und Finanzierung einer deutschen Olympiamannschaft ein. Für ihn war Sport eher ein kultureller Gegenstand mit besonderen Normen und Werten, mit denen er das Reich repräsentieren wollte. Sein Engagement für die Ausrichtung und Finanzierung der Olympischen Spiele in Berlin 1916 unter staatlicher Führung, diente seiner Meinung nach dem Zweck, ein international anerkanntes Ereignis nach Deutschland zu holen. Sport sollte im ersten Sinne dem Staat dienen.
1919 übernahm er politisch motiviert den Vorsitz des deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen von Victor von Podbielski. Seiner Auffassung nach zerstörten die Auswirkungen des Versailler Vertrages und die damit einhergehende Aufhebung der allgemeinen Wehrpflicht die im Heer verankerte „Schule der körperlichen Erkräftigung, Gewöhnung an Sauberkeit, Ordnung und Disziplin“. Ab 1924 vertrat Lewald die Weimarer Republik im Internationalen Olympischen Komitee. Zwei Jahre zuvor, 1922, hatte er mit Carl Diem die Deutsche Hochschule für Leibesübungen gegründet. Da das Reich keine Kompetenzen im Hochschulwesen hatte, wählte Lewald eine Konstruktion analog der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, sodass die Forschung auf dem Gebiete der Theorie der Leibesübungen konstitutiver Bestandteil wurde. Um Diem als Leiter der Hochschule zu etablieren, gewann er den sportinteressierten Mediziner August Bier als Rektor, der sich im Gegenzug für Carl Diem mit einem Dr. h. c. med. der Berliner Universität erkenntlich zeigte. Es sollte in der Hochschule nicht nur für den Spitzensport, sondern auch für Sport zur Steigerung der Produktivität im Arbeitsprozess geforscht werden. Der Sport sollte die durch die fehlende Wehrpflicht entstandene Lücke schließen. Daher setzte sich Lewald für die Aufwertung der Leibesübungen ein. Es wurde mit der Hochschule für Leibesübungen eine Ausbildungsstätte für Sportlehrer geschaffen. Mit dem Bau des Deutschen Stadions und des umliegenden Sportforums entstanden neue Wettkampfstätten.