An diesem Tag

Theodor Fontane

Deutscher Schriftsteller

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Heinrich Theodor Fontane (* 30. Dezember 1819 in Neuruppin als Henri Théodore Fontane; † 20. September 1898 in Berlin) war ein deutscher Schriftsteller, Journalist und Theaterkritiker. Sein im fortgeschrittenen Lebensalter einsetzendes umfangreiches Romanschaffen (darunter Frau Jenny Treibel, Effi Briest und Der Stechlin) begründete Fontanes epochale Bedeutung als Vertreter des zeitgenössischen Realismus.

Mitgeprägt durch die familiären Wurzeln bei den Hugenotten in Berlin, nahm Fontane nach einer Kindheit in Neuruppin und Swinemünde zunächst Kurs auf den Beruf seines Vaters und durchlief eine vollständige Ausbildung zum Apotheker. Parallel dazu entwickelte er früh schon Ambitionen als Dichter und Schriftsteller, schloss sich Literaturvereinen an und machte als Balladendichter auf sich aufmerksam. Da es zum Erwerb einer eigenen Apotheke nicht kam, näherte sich der in der Märzrevolution 1848 in Berlin noch auf Seiten der Barrikadenkämpfer engagierte Fontane danach den wiedererstarkten konservativen Kräften an, nicht zuletzt, um den Unterhalt für seine junge Familie zu sichern. Als Pressereferent der Regierung und Redaktionsmitglied der Kreuzzeitung wusste er sich aber auch Freiräume zu schaffen, die es ihm ermöglichten, an den Wanderungen durch die Mark Brandenburg zu arbeiten und – im höheren Auftrag – die deutschen Einigungskriege der Jahre 1864 bis 1871 jeweils in umfangreichen Buchpublikationen zu behandeln.

Bei Recherchen vor Ort in Frankreich zu Ende des Deutsch-Französischen Kriegs wurde Fontane unter dem Verdacht der Spionage verhaftet und musste um sein Leben fürchten. Nach der Freilassung übte er für 20 Jahre die Tätigkeit als Theaterkritiker für die Vossische Zeitung aus und begann nun auch sein Romanwerk. Zu seiner Hinterlassenschaft gehört die außerordentlich umfängliche Briefkorrespondenz, die er mit Familie und Bekannten unterhielt. Anders als in seinem öffentlichen Schreiben und Auftreten hat er dabei auch teils antijüdische Akzente gesetzt, die im Widerspruch stehen zu seinen oft sehr guten persönlichen Beziehungen zu Juden. Fontanes Nachlass ist weit verstreut; große Anteile davon besitzen das Potsdamer Theodor-Fontane-Archiv und die Staatsbibliothek zu Berlin.

Theodor Fontane gehörte zu den Nachfahren der ersten Generation von Hugenotten, die sich im 17. Jahrhundert aufgrund des Edikts von Potsdam (1689) in Brandenburg und speziell in Berlin niedergelassen hatten. Sie standen traditionell dem Hohenzollern-Hof nahe und bekleideten dort teils auch Ämter. Einer der Großväter Fontanes, der Maler und Musiklehrer Pierre Barthélemy Fontane (1757–1826), war unter Friedrich Wilhelm II. Prinzenerzieher, später Kabinettssekretär und Zeichenlehrer von Königin Luise. Der Großvater mütterlicherseits war Inhaber eines Seidenwaren-Großhandels und als Stadtverordneter zugleich Stellvertreter des Berliner Oberbürgermeisters.

Theodors Vater Louis Henri Fontane (1796–1867), der im Januar 1819 seine Gesellenjahre mit dem Apothekerexamen „Zweiter Klasse“ abgeschlossen hatte (was ihn für Großstädte wie Berlin disqualifizierte), heiratete am 24. März 1819 in der Französischen Kirche Berlin Emilie Louise Labry, deren hugenottische Vorfahren, wie Fontane in Meine Kinderjahre berichtet, ebenfalls aus dem Gebiet unweit der Rhonemündung, etwa zwischen Toulouse und Montpellier stammten. Beide Eltern repräsentierten laut Fontane im Gesellschaftsleben den überkommenen Kolonisten-Stolz der hugenottischen Refugiés.

Mit einem Hochzeitsgeschenk seines Vaters zur Existenzgründung ausgestattet, kaufte Louis Henri sogleich die Löwen-Apotheke in Neuruppin, in deren Obergeschoss der am 30. Dezember 1819 zur Welt gekommene Theodor seine ersten Jahre verbrachte. 1826 aber hatte Louis Henri bereits so beträchtliche Spielschulden angehäuft, dass er die Apotheke wieder verkaufen musste, zu seinem Glück mit beträchtlichem Gewinn. Die Familie bezog eine Mietwohnung, während der Vater auf der Suche nach einer neuen günstigen Apotheken-Kaufgelegenheit durch die Lande reiste.

Nach dem Erwerb der Adler-Apotheke in Swinemünde nahm Louis Henri Fontane seinen Sohn Theodor mit in das neue Domizil, während seine Frau auf die turbulenten Entwicklungen mit einer Nervenkrise reagierte, sich in Behandlung begab und dem neuen Wohnort fürs Erste fernblieb. Es sind hauptsächlich Beobachtungen und Erlebnisse der Zeit in Swinemünde, die Fontane in Meine Kinderjahre zum Thema machte, nachdem er in einer mentalen Krise im 73. Lebensjahr von seinem Arzt dazu angeregt worden war, Lebenserinnerungen zu verfassen. Als sich die Familie in Swinemünde einfand, war die Stadt gerade dabei, sich als Seebad nach dem Vorbild Brightons zu etablieren, mit Stegen von den Dünen zum Wasser, mit Badehütten und einem Warmbad sowie einem Spielcasino.

Die von den Dampfschiffen mitgebrachten Zeitungen im elterlichen Haushalt beschäftigen auch den zehnjährigen Theodor bereits stark. Gespannt verfolgte er u. a. die Julirevolution von 1830 in Frankreich und legte mit solcher Lektüre die Anfänge seiner politischen und zeitgeschichtlichen Bildung. Beim Schwimmen, Rudern und Steuern im Wasser kam er nach eigenem Bekunden auf keinen grünen Zweig, anders als bei seiner Paradedisziplin, dem Stelzenlaufen. Mit der erhaltenen Erziehung erklärte sich der alte Fontane vollauf zufrieden: „Legt man den Akzent auf die Menge, versteht man unter Erziehung ein fortgesetztes Aufpassen, Ermahnen und Verbessern, ein mit der Gerechtigkeitswaage beständig abgewogenes Lohnen und Strafen, so wurden wir gar nicht erzogen; versteht man aber unter Erziehung nichts weiter, als ‚in guter Sitte ein gutes Beispiel geben‘ und im übrigen das Bestreben, einen jungen Baum, bei kaum fühlbarer Anfestigung an einen Stab, in reiner Luft, fröhlich und frei aufwachsen zu lassen, so wurden wir ganz wundervoll erzogen.“

Mit dem regulären Schulunterricht hatte der kleine Theodor in Swinemünde nur kurzzeitig zu tun. Denn als die Mutter hinzukam, hielt sie den Sohn unter dem Einfluss der Schulkameraden für leicht verwahrlost und meldete ihn umgehend ab. Fortan gaben erst die Eltern und danach aushäusige Privatlehrer in „besseren Kreisen“ Theodor Unterricht. Von dem seines Vaters, der für Latein- und Französischvokabeln sowie für Geographie und Geschichte zuständig war, schwärmte der alte Fontane im Rückblick, dass er bei aller fehlenden Systematik mehr dabei gelernt habe, „als bei manchem berühmten Lehrer.“ Doch gefiel ihm anschließend auch jener Hauslehrer Dr. Lau, der ihn gemeinsam mit einigen anderen Honoratiorenkindern im Hause des Kommerzienrats Krause unterrichtete. „Dieser verstand es auch, einem allerlei kleine Geschichten, woran eine Kinderseele hängt, zu vermitteln, aber weil er zugleich ein geschulter Mann war, so tat er alles in Ordnung und Zusammenhang und das bißchen Rückgrat, was mein Wissen hat, verdank’ ich ihm.“

Noch zwei weitere Hauslehrer, denen er nichts abgewann, unterrichteten Fontane in Swinemünde, bevor er als unterdessen 12-Jähriger mit seiner Mutter auf die Reise zurück nach Neuruppin ging, um dort das Friedrich-Wilhelms-Gymnasium zu besuchen, zu dessen Schülern auch Karl Friedrich Schinkel gehört hatte. Nach der mit Leichtigkeit bestandenen Leseprobe beim Schuldirektor wurde Fontane in die Jahrgangsstufe Quarta aufgenommen.

Nach Neuruppin hinein bestanden seitens der Fontanes weiterhin familiäre Beziehungen und Patenschaftsverhältnisse, so auch zur reformierten Pastorenfamilie Bientz. Superintendent Bientz hatte alle Fontane-Kinder getauft; Theodor kam dort in Pension und lernte damit die Pastorenwelt, die in seinen Romanen vielfach vorkommen sollte, von innen kennen.

Nur anderthalb Jahre dauerte Fontanes Gymnasialzeit in seiner Geburtsstadt, deren bekannten Söhnen – neben Schinkel der Reitergeneral Hans Joachim von Zieten und der sehr erfolgreiche Unternehmer Johann Christian Gentz – in den Wanderungen durch die Mark Brandenburg ein besonderes Augenmerk gilt. Später klagte Fontane gelegentlich, dass ihm der Verbleib am Gymnasium und das Abitur vom Vater verstellt worden seien; ob und wie sehr er selbst sich während dieser Schulzeit darum bemüht hat, steht allerdings dahin. Fontanes Verhältnis zu Neuruppin blieb zeitlebens ambivalent.

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