Das Theater in der Josefstadt im 8. Wiener Gemeindebezirk, Josefstadt, ist das älteste bestehende Theater Wiens. Es wird mit Zuschüssen der öffentlichen Hand von einem privaten Rechtsträger geführt.
Das Theater wurde Ende Oktober 1788 vom Schauspieler Karl Mayer im Hinterhof einer Gastwirtschaft in der Kaiserstraße 93 gegründet und ist das älteste noch bespielte Theater in Wien. Es gehörte neben dem Theater in der Leopoldstadt und dem Theater auf der Wieden zu den Wiener Vorstadttheatern. Umgangssprachlich wird es auch nur als die Josefstadt bezeichnet. (Die gleichnamige Vorstadt wurde 1850 nach Wien eingemeindet.)
Die Geschichte des Theaters ist mit großen Namen verbunden: Ludwig van Beethoven und Richard Wagner dirigierten hier, Johann Nestroy und Ferdinand Raimund waren „der Josefstadt“ als Schauspieler und Dichter des Alt-Wiener Volkstheaters verbunden, Johann Strauss (Vater) spielte in den Sträußelsälen des Hauses auf. 1814 gab Ferdinand Raimund am Theater in der Josefstadt sein Wien-Debüt als Franz Moor in Friedrich Schillers Drama Die Räuber.
1822 wurde nach Abriss des zu klein gewordenen Theaters und komplettem Neubau durch Joseph Kornhäusel das Haus mit der Ouvertüre Die Weihe des Hauses, komponiert von Ludwig van Beethoven, unter dessen Leitung wieder eröffnet. Der junge Wilhelm Reuling wirkte von 1828 bis 1829 als Kapellmeister am Theater und brachte hier seine ersten Musiktheaterwerke zur Uraufführung. 1829 debütierte Johann Nestroy (nach Engagements an der Hofoper, in Amsterdam und in Graz) hier als Schauspieler und Bühnenautor mit Die Verbannung aus dem Zauberreich oder Dreyßig Jahre aus dem Leben eines Lumpen. In den Jahren von 1820 bis 1840 wurde in der Josefstadt eine Reihe von italienischen und französischen Opern (u. a. von Meyerbeer, Gaetano Donizetti und Vincenzo Bellini) für Wien erstaufgeführt und trat das Haus zeitweise in Konkurrenz mit der Hofoper am Kärntnertor. Am 13. Jänner 1834 wurde die romantische Oper Das Nachtlager in Granada von Conradin Kreutzer uraufgeführt, der von 1833 bis 1836 Kapellmeister des Theaters war. Am 20. Februar 1834 wurde Ferdinand Raimunds Stück Der Verschwender mit dem Dichter in der Rolle des Valentin (und mit der Bühnenmusik von Conradin Kreutzer) uraufgeführt. Kreutzers „romantische Zauberoper“ Melusina nach einem Libretto von Franz Grillparzer (uraufgeführt 1833 in Berlin) wurde 1835 in „der Josefstadt“ zum ersten Mal in Wien gespielt. Im selben Jahr erlebte auch Eduard von Bauernfelds einziger Beitrag zum Volkstheater, Fortunat, hier seine Uraufführung. Von November 1834 bis März 1835 war Karl von Holtei am k.k. priv. Theater in der Josephsstadt, wo seine Werke Der wandernde Sänger und Lorbeerbaum und Bettelstab aufgeführt wurden.
Am 14. Jänner 1847 wurden von Ludwig Döbler im Theater zum ersten Mal in Wien bewegliche Bilder mit Hilfe der sog. Laterna magica vorgeführt, einer Erfindung des Tiroler Mathematikers und Naturforschers Simon Stampfer. Von ca. 1840 bis 1860 traten die berühmten Tänzerinnen Fanny Elssler und Pepita de Oliva, eine Spanierin, im Theater auf. Am 17. Dezember 1907 wurde die Operette Die Försterchristl von Georg Jarno, Bruder des damaligen Theaterdirektors Josef Jarno, mit dessen Ehefrau Johanna Niese in der Hauptrolle glanzvoll uraufgeführt. Die deutschsprachige Erstaufführung von Franz Molnars Vorstadtlegende Liliom mit Josef Jarno in der Titelrolle am 28. Februar 1913 war die Grundlage zum Welterfolg des heute immer wieder gespielten Stückes.
1923 finanzierte Camillo Castiglioni den Erwerb und den Umbau des Theaters in der Josefstadt (Sträußelsäle, samt dem daneben liegenden Hotel) durch den letzten Wiener k.u.k. Hofbaumeister Gustav Orglmeister für Max Reinhardt, der den Zuschauerraum nach dem Vorbild des Teatro La Fenice in Venedig umgestalten ließ. Die Eröffnung des Hauses in der Direktion Reinhardt fand am 1. April 1924 statt. Reinhardt war treibende Kraft bei den Salzburger Festspielen und leitete gleichzeitig ein Theater in Berlin. Er setzte daher in der „Josefstadt“ bald Sub-Direktoren ein, darunter Otto Preminger. Nach Hitlers Machtantritt in Deutschland 1933 konzentrierte er sich zwei Jahre auf seine Aktivitäten in Österreich, bereitete aber ab 1935 seine 1937 effektuierte Übersiedlung in die USA vor.
Im Zweiten Weltkrieg wurden die Wiener Theater im August 1944 gesperrt. Im April 1945 legte die sowjetische Besatzungsmacht großen Wert darauf, die Kulturszene sehr rasch wieder in Gang zu bringen. Kulturstadtrat Viktor Matejka trug wesentlich dazu bei, dass vier Wiener Bühnen am 1. Mai 1945 ihren Betrieb wieder aufnehmen konnten, eine davon das Theater in der Josefstadt. Hier wurde das Stück Der Hofrat Geiger von Martin Costa wiederaufgenommen, erstmals unter Anführung des richtigen Autors, der in der NS-Zeit Berufsverbot hatte.
In den Jahren 1948 und 1949 wurden in einem eigens eingerichteten Filmstudio zwei Spielfilme hergestellt. So inszenierte Rudolf Steinboeck 1948 Das andere Leben und 1949 Liebe Freundin. In beiden Filmen waren aktuelle Stars des Theaters wie etwa Vilma Degischer zu sehen.
In den Jahren 1946 bis 1950 nutzte das Ensemble das „Kleine Haus“ in der Liliengasse als Studiobühne.
1949 wurden die Kammerspiele als Boulevardbühne des Theaters eröffnet. In den 1950er und 1960er Jahren beteiligte sich das Theater (mit anderen namhaften Wiener Theatern) am sogenannten Brecht-Boykott. 1990 bis Ende 2000 wurde als zweite Nebenbühne das Rabenhof Theater verwendet. Am 1. September 2016 fand im Theater unter der Regie von Herbert Föttinger die Uraufführung des im gleichen Jahr aufgefundenen Frühwerks von Ödön von Horváth, Niemand, statt. In der Sommerpause 2017 wurde der hölzerne Bühnenboden (samt Drehscheibe) erneuert. Die Schwarzkiefern dafür stammen aus dem Bundesforste-Revier Hinterbrühl.
Im Herbst 2024 wurden zahlreiche Vorwürfe von Angestellten der Josefstadt gegen Herbert Föttinger publik. In mehreren Fällen habe der Intendant demnach Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beleidigt, angebrüllt, sexuell belästigt und sei übergriffig geworden. Wutausbrüche und Einschüchterungen gehörten laut Ensemble Mitgliedern zum Alltag. Mit der Aufarbeitung dieser Fälle wurde eine Anwaltskanzlei beauftragt, deren Arbeit als intransparent und nicht unabhängig kritisiert wurde. Betroffene wendeten sich an einen unabhängigen Anwalt, der Berichte von 18 Mitarbeitern sammelte. Ein darauf folgendes Gutachten einer Arbeitsrechtsexpertin sah die Verantwortung nicht nur bei der Direktion, sondern auch dem Aufsichts- und Stiftungsrat. In keinem Bereich kam es zu personellen Konsequenzen, auch nicht für Föttinger.
In der Saison 2014/15 gehörten folgende Schauspielerinnen zum Ensemble des Theaters in der Josefstadt:
Ruth Brauer-Kvam, Sandra Cervik, Hilde Dalik, Gerti Drassl, Katrin Eberl, Martina Ebm, Alma Hasun, Andrea Jonasson, Elisabeth Kofler, Maria Köstlinger, Alexandra Krismer, Marika Lichter, Therese Lohner, Sona MacDonald, Pauline Knof, Ann Mandrella, Eva Mayer, Silvia Meisterle, Marianne Nentwich, Michaela Schausberger, Elfriede Schüsseleder, Julia Stemberger, Aglaia Szyszkowitz, Isabel Weicken, Susanna Wiegand.
In der Saison 2015/16 gehörten folgende Schauspielerinnen zum Ensemble des Theaters in der Josefstadt:
Sarah Baum, Ruth Brauer-Kvam, Bea Brocks, Sandra Cervik, Hilde Dalik, Gerti Drassl, Martina Ebm, Alma Hasun, Andrea Jonasson, Pauline Knof, Maria Köstlinger, Alexandra Krismer, Karoline Kucera, Therese Lohner, Sona MacDonald, Eva Mayer, Silvia Meisterle, Susa Meyer, Marianne Nentwich, Elfriede Schüsseleder, Marina Senckel, Martina Stilp, Katharina Straßer, Aglaia Szyszkowitz, Salka Weber, Susanna Wiegand.
In der Saison 2016/17 gehörten folgende Schauspielerinnen zum Ensemble des Theaters in der Josefstadt:
Sarah Baum, Josephine Bloéb, Ruth Brauer-Kvam, Sandra Cervik, Hilde Dalik, Gerti Drassl, Martina Ebm, Julia Edtmeier, Michou Friesz, Swintha Gersthofer, Daniela Golpashin, Nicola Gravante, Alma Hasun, Bettina Hauenschild, Andrea Jonasson, Antonia Jung, Michaela Kaspar, Pauline Knof, Maria Köstlinger, Fanny Krausz, Alexandra Krismer, Karoline Kucera, Therese Lohner, Sona MacDonald, Ulli Maier, Erni Mangold, Eva Mayer, Silvia Meisterle, Susa Meyer, Marianne Nentwich, Ida Ouhé-Schmidt, Sophie Resch, Elfriede Schüsseleder, Martina Stilp, Katharina Straßer, Maria Urban, Salka Weber, Susanna Wiegand.