The Sun ist eine täglich erscheinende britische Boulevardzeitung. Ähnlich wie die Bild in Deutschland oder der Blick in der Schweiz zählt sie zu den einflussreichsten Blättern und ist eine der auflagenstärksten Zeitungen des Landes. Wie für eine Boulevardzeitung üblich, bestehen die Artikel zumeist aus prägnanten und durch Wortspiele geprägten Schlagzeilen, plakativen Fotos und Fotomontagen und reißerisch formulierten Texten, wofür die Sun teils heftig kritisiert wurde. Das Blatt ist für seine rechtskonservative, antieuropäische und zeitweise antideutsche Linie bekannt.
Herausgeber der Zeitung sind die News Group Newspapers der News International, ein Tochterunternehmen der News Corporation des Medienunternehmers Rupert Murdoch. Die Zeitung erscheint im kompakten Tabloid-Zeitungsformat (30 cm × 36,5 cm). The Sun erwirtschaftet schätzungsweise 100 Millionen Pfund jährlich. Im Jahre 2021 wurde der Bilanzwert mit Null angegeben.
Seit dem 26. Februar 2012 erscheint außerdem wöchentlich eine Sonntagsausgabe.
Im Jahre 1911 wurde der „Daily Herald“ als Gewerkschaftsblatt der Londoner Drucker veröffentlicht, ein Jahr später als sozialistische Tageszeitung vertrieben und 1922 vom Gewerkschaftsverband TUC (Trades Union Congress) übernommen. 1933 war der Daily Herald mit einer Auflage von 2 Millionen Exemplaren die am häufigsten verkaufte Tageszeitung der Welt. Nachdem die Auflage jedoch in der Nachkriegszeit zurückging, übernahm 1964 die Mirror Group of Newspapers den herausgebenden Verlag Odhams Press von TUC. Nach der Übernahme von Odham Press, George Newes und Amalgamated Press (später Fleetway Publications) änderte die Mirror Group of newspapers ihren Namen in International Publishing Corporation (IPC).
Im Jahre 1964 wurde The Sun von IPC als Ersatz für den Daily Herald auf den Markt gebracht. Die Sun sollte nach Meinung von Marktforschern als Zeitung für die Arbeiterklasse, die kulturinteressiert und aufstrebend sei, eine neue Leserschaft bedienen. Das Motto der Zeitung lautete: „A paper born of the age we live in“ (englisch für „geboren in dem Zeitalter, in dem wir leben“). Diese Leserschaft existierte jedoch nicht und die Auflage halbierte sich innerhalb von fünf Jahren auf 850.000. Die neuen Besitzverhältnisse brachten keine Verbesserung der Auflage, auch da IPC kein Konkurrenzblatt zum erfolgreichen hauseigenen Daily Mirror auf den Markt bringen wollte, so dass die Zeitung 1969 für 800.000 Pfund Sterling an Rupert Murdoch weiterverkauft wurde. Murdoch änderte das Zeitungsformat (Tabloid) und führte die Zeitung erneut ein, diesmal als freches, kompromissloses Boulevardblatt (Sex, Sport, Sensationen). Als eigentliche Geburtsstunde der Sun in ihrer heutigen Form wird das Jahr 1969 angesehen. Die Zeitung wurde von da an wochentags auf den Druckerpressen der Sonntagszeitung News of the World gedruckt, die Murdoch ein Jahr zuvor erworben hatte.
Die Auflage stieg 1970 innerhalb eines Jahres um 40 % auf 2,1 Millionen Ausgaben, insbesondere seitdem das Foto des Page Three girls zum Jahrestag 1970 kein Glamour-Girl, sondern ein Pin-up-Girl zeigte. Das erste Pin-up-Girl auf der dritten Seite war 1970 die zwanzigjährige Britin Stephanie Marrian, die zu diesem Zeitpunkt noch nach ihrem indischen Vater Stefanie Khan hieß. Aufgrund der fehlerhaften Übertragung vonseiten eines Redakteurs wurde sie in der Ausgabe „Stephanie Rahn“ genannt, was verschiedentlich zu der Annahme geführt hat, sie sei Deutsche. Samantha Fox präsentierte sich 1984 sechzehnjährig und ist bis heute das bekannteste „Page Three girl“. Die „Dritte Seite“ war ursprünglich keine Rubrik der Zeitung. 1978 übertraf die Auflage der Sun die ihres ehemaligen Schwesterblattes The Daily Mirror bei der International Publishing Corporation (IPC), nicht zuletzt durch eine aggressive Werbekampagne des Schauspielers Christopher Timothy auf der Fernsehstation ITV. Seit 1981 nutzt The Sun Bingo als Vermarktungsinstrument, um die Auflage weiter zu erhöhen.
Trotz der Arbeitsverhältnisse in den 1970er Jahren, den sogenannten Spanish Practices (dt. etwa: sich eingebürgerte laxe und inoffizielle Arbeitsmethoden) der Verlagsgewerkschaften, war die Sun sehr profitabel, was Murdoch ab 1973 ermöglichte, in die Vereinigten Staaten zu expandieren. 1986 schloss Murdoch die Betriebsgebäude der Sun und News of the World in der Londoner Bouverie Street (einer Seitenstraße der Fleet Street), entließ etwa 5000 streikende Drucker und zog auf ein neues Betriebsgelände im Wapping Komplex, Teil des Londoner Stadtbezirks Tower Hamlets in den Docklands. In den neuen Produktionsstätten wurden die Zeitungen im Offsetdruck statt wie vorher mit Linotypen gedruckt, was für die große Anzahl von Entlassungen entscheidend war. Die beiden Zeitungen wurden kurze Zeit von einer Rumpfbelegschaft produziert. Der wirtschaftliche Erfolg der zwei Zeitungen ermöglichte es Murdoch, die British Sky Broadcasting Satellitenfernsehkanäle in Betrieb zu nehmen und ab 1993 einen Preiskampf (Räuberische Preissetzung) der seit 1981 hauseigenen The Times vor allem mit dem Konkurrenzblatt The Independent zu starten.
Am Wochenende vom 11. bis 12. Februar 2012 wurden fünf führende Redakteure der Sun wegen des Verdachts der Bestechung von Polizisten und Beamten festgenommen. Unter anderem betroffen sind der Bildredakteur, der Chef-Auslandskorrespondent und der Chefreporter des Blattes. Rupert Murdoch gab eine Garantieerklärung für das weitere Bestehen der Zeitung ab.
Im Jahre 2014 fiel die Auflage erstmals seit 1971 unter die Marke von zwei Millionen. Im Jahr 2015 änderte das Blatt seine Internetstrategie radikal und beseitigte seine Paywall. Alle Inhalte sind seitdem kostenfrei zugänglich.
Die anfangs loyal zur Labour Party stehende ehemalige Gewerkschaftszeitung gehört mit etwa vier Millionen Lesern täglich zu den einflussreichsten Zeitungen des Landes. In den 1970er Jahren fand die Zeitung die „skilled working class“ (Social grade C2, Facharbeiter und Arbeiter) als neue Zielgruppe und bediente diese mit populistischen und sensationslüsternen Artikeln.
Als die Labour-Regierung in den 1970er Jahren politische Schwächen offenbarte und an Popularität verlor, änderte die Zeitung ihre politische Haltung und sympathisierte mit den Konservativen. In den beiden britischen Unterhauswahlen des Jahres 1974 war die Einstellung des Blattes zur Labour Party „skeptisch“ (Roy Greenslade in Press Gang, 2003). Larry Lamb, Editorial Director der Sun und News of the Week war Labour zugeneigt, der Chefredakteur Anthony Shrimsley der Conservative Party, Murdoch entschied die Konservativen zu unterstützen.
Bei den Unterhauswahlen im Jahr 1979 bat die konservative Spitzenkandidatin der Opposition Margaret Thatcher die Sun um Unterstützung. Nach dem Sieg der Konservativen erhob Thatcher den damaligen Chefredakteur Larry Lamb in den Adelsstand.
Im Vorfeld der Unterhauswahlen 1992 warnte die Sun vor der Wahl des Labour-Kandidaten Neil Kinnock mit der Schlagzeile “If Kinnocks wins today will the last person to leave Britain please turn off the lights?” („Wenn Kinnock heute gewinnt, macht der letzte, der Großbritannien verlässt, bitte das Licht aus!“) Die Zeitung bildete Neil Kinnocks Kopf in einer leuchtenden Glühbirne ab. Nachdem der konservative Kandidat John Major die Wahl gegen Kinnock gewann, prahlte die Zeitung mit der Schlagzeile “It’s The Sun wot won it.” („Es war die Sun, die die Wahl gewann” (wot: eine Slang-Form von what)).
1997 unterstützte die Sun überraschend Tony Blair und New Labour (siehe Labour Party) bei den Wahlen ("The Sun backs Blair!"). Auch 2001 und 2005 sprach sich die Zeitung pro Blair aus.
In Folge rückte die Sun wieder deutlich in den rechts-konservativen Bereich des politischen Spektrums und bezog eine klar ablehnende Haltung gegenüber der EU.
Im Frühjahr 2016 führte das Reuters Institute for the Study of Journalism an der University of Oxford eine Studie durch, in welcher die Positionierungen der wichtigsten britischen Tageszeitung zum bevorstehenden Brexit-Referendum untersucht wurden. Die Studie gelangte zu dem Ergebnis, dass die Sun hinter der Daily Mail, dem Daily Express und dem Daily Star die meisten "pro-Leave" Artikel veröffentlicht hatte. Zudem behauptete das Blatt, Königin Elisabeth II. würde den Brexit unterstützen, was von Seiten des Königshauses dementiert wurde. Nachdem die "pro-Leave" Kampagne das Referendum im Juni 2016 knapp gewann, feierte die Zeitung den Erfolg mit der Schlagzeile "See EU later!" ("See you later!" steht im Englischen für "bis bald!", wobei das you in diesem Falle durch das phonetisch ähnliche "EU" ersetzt wurde).