Die Rocky Horror Show ist ein Musical von Richard O’Brien. Es hatte 1973 in der Studiobühne des Royal Court Theatre in London Premiere. 1975 wurde die Verfilmung The Rocky Horror Picture Show in die Kinos gebracht. 2016 folgte eine Neuverfilmung The Rocky Horror Picture Show: Let’s Do the Time Warp Again.
Als arbeitsloser Schauspieler in London in den frühen 1970er Jahren schrieb Richard O’Brien die Rocky Horror Show, um sich an Winterabenden zu beschäftigen. Seit seiner Jugend hatte er eine Leidenschaft für Science-Fiction- und B-Horrorfilme entwickelt; er wollte Elemente des unfreiwilligen Humors der B-Horrorfilme, der schwermütigen Dialoge des Schlock-Horrors, der Steve-Reeves-Muskelfilme und des Rock ’n’ Roll der 50er Jahre in The Rocky Horror Show vereinen. Ein Hauptthema, das sich durch das gesamte Musical zieht, ist der Transvestitismus, der laut O’Brien ursprünglich nicht so stark im Vordergrund stehen sollte, wie er es schließlich tat. Er konzipierte und schrieb das Stück vor dem Hintergrund der Glam-Rock-Ära, die sich in den frühen 1970er Jahren in der gesamten britischen Populärkultur manifestiert hatte; er erklärte: „Glam Rock erlaubte mir, mehr ich selbst zu sein“, wodurch sein Konzept verwirklicht werden konnte.
O’Brien brachte einen kleinen Teil seines unvollendeten Rocky Horror zum australischen Regisseur Jim Sharman, der beschloss, es in dem kleinen experimentellen Raum Upstairs at the Royal Court Theatre am Sloane Square in Chelsea, London, zu inszenieren, der als Projektraum für neue Arbeiten genutzt wurde. Sharman hatte als Regisseur der australischen Originalproduktionen von Hair und Jesus Christ Superstar beträchtlichen lokalen Erfolg erzielt. Er ging nach London, um bei der ersten britischen Inszenierung von Superstar Regie zu führen, und lernte dabei O’Brien kennen, der den König Herodes nur für eine Aufführung gespielt hatte. Sharman holte seine australischen Kollegen Nell Campbell und seinen langjährigen US-amerikanischen Partner Brian Thomson als Bühnenbildner in die Produktion.
In einer regnerischen Nacht sucht das frischverlobte Paar Brad Majors und Janet Weiss nach einer Reifenpanne Hilfe bei den Bewohnern eines nahegelegenen Schlosses. Der Butler Riff Raff öffnet und führt die beiden, begleitet vom Hausmädchen Magenta, in den Festsaal, wo sich eine skurrile Gesellschaft amüsiert und tanzt (Song: Time Warp).
Doch statt der erhofften Gelegenheit zum Telefonieren begegnet ihnen hier reichlich Unerwartetes: Der exzentrische außerirdische Wissenschaftler Dr. Frank N. Furter vom Planeten Transsexual aus der Galaxie Transylvania, stellt sich als „süßer Transvestit aus Transsexual, Transylvania“ (Song: Sweet Transvestite) vor und lädt Brad und Janet in sein Labor ein. Er präsentiert seinen Mitbewohnern in dieser Nacht seine neueste und bisher größte Schöpfung, das blonde und muskelbepackte Retortenwesen Rocky (Song: I Can Make You a Man), das er in erster Linie zu seinem – auch sexuellen – Vergnügen erschaffen hat. Brad und Janet werden unfreiwillig Zeugen dieser Enthüllung.
Auf der Suche nach seinem Neffen Eddie kommt Dr. Scott, der Lehrer von Janet und Brad, im Schloss an. Im Esszimmer wird den Anwesenden ohne deren Wissen der zerteilte Eddie serviert.
Im Verlauf der Handlung wird Rocky geboren, verliert seine sexuelle Unschuld, erleidet durch Untreue seines Schöpfers Eifersuchtsqualen und stirbt. Währenddessen werden die rigiden Wertvorstellungen des Liebespaares durch den bisexuellen Transvestiten Frank N. Furter, der meistens in Mieder, Strapsen und hochhackigen Schuhen auftritt, herausgefordert, der beide täuscht und verführt.
Janet sucht im Labor nach Brad, findet aber Rocky, der sich versteckt; sie sieht auf einem Monitor Brad mit Frank im Bett und verführt Rocky (Song: Touch-a, Touch-a, Touch Me). Der Rest der Gruppe sucht über die verschiedenen Monitore nach Rocky und entdeckt Janet bei ihm, was Brad sehr verletzt (Song: Once in a While).
Plötzlich erscheinen Riff Raff und Magenta und geben sich und Frank als Außerirdische vom Planeten Transsexual zu erkennen. Sie meutern und erklären Frank für abgesetzt (Song: I’m Going Home), da er den Zweck seiner Mission auf der Erde verfehlt und sich stattdessen weltlichen Genüssen hingegeben habe.
Schließlich führt Frank N. Furters Unmäßigkeit (zur Erschaffung von Rocky scheute er zum Beispiel auch nicht vor dem Mord an seinem Ex-Geliebten Eddie zurück) zu seiner Entmachtung und Tötung. Die übrigen Aliens kehren auf ihren Heimatplaneten zurück, und Dr. Scott, Brad und Janet werden gerettet.
Science Fiction Double Feature
I Can Make You a Man (Reprise)
Touch-a, Touch-a, Touch-a, Touch Me
Science Fiction Double Feature (Reprise)
Die englische Uraufführung fand am 16. Juni 1973 im The Royal Court Theatre Upstairs, der Studiobühne für 63 Zuschauer des Royal Court Theatres in London unter Regie des Australiers Jim Sharman statt. Tim Curry spielte Frank N. Furter und Richard O’Brien war in der Rolle des Riff-Raff zu sehen. Das Stück zog mehrfach in größere Säle um und eroberte schließlich Londons Theaterbezirk im West End. Dort stand es sieben Jahre auf dem Spielplan.
Die deutschsprachige Uraufführung fand in der Übersetzung von Horst Königstein am 20. Januar 1980 im Grillo-Theater in Essen unter der Regie von Walter Bockmayer statt. Frank N. Furter wurde vom US-amerikanischen Gaststar Decoven C. Washington verkörpert, der die Figur als erster Schwarzer spielte und als einziger des Ensembles gute Kritiken bekam. Die Ensemblemitglieder spielten die übrigen Rollen: Fritz Briesemeister agierte als Riff-Raff und Jutta Bryde verkörperte Magenta.
Bei der Kritik fiel die Inszenierung durch: „Das Produkt schmeckt wie solide Plastikware, garantiert keimfrei“ schrieb die FAZ. Von der Premiere gibt es eine Plattenaufnahme von Ariola, die 2002 als CD erschien.
Die DDR-Uraufführung fand am 17. Juni 1990 im Opernhaus Halle unter der Regie von Edmund Gleede statt.