An diesem Tag

Thérèse Brenet

Französische Komponistin und Musikpädagogin

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Thérèse Jeanne Marie Brenet (* 22. Oktober 1935 in Paris; † 5. September 2026 in Paris) war eine französische Komponistin und Musikpädagogin.

Brenet stammte aus einer Familie, die seit dem 18. Jahrhundert begabte Musikerinnen und Musiker hervorgebracht hat. Ihre Schwester Antoinette (1933–2016) wurde Professorin für Klassische Philologie. Als Kind hatte Thérèse Brenet Klavierunterricht bei Marguerite Long und Unterricht in Solfège bei Germaine Hugueniot. Am Konservatorium von Reims studierte sie Klavier bei Simone Glotz, bevor sie 1954 in das Conservatoire de Paris eintrat. Zu ihren Lehrern dort zählten Maurice Duruflé, Noël Gallon, Darius Milhaud und Jean Rivier.

1965 gewann Thérèse Brenet am Konservatorium nicht nur die höchsten Preise in den Fächern Harmonielehre, Kontrapunkt, Fuge, Orchestrierung und Komposition, sondern auch den Premier Grand Prix de Rome mit der Kantate Les Visions prophétiques de Cassandre auf einen Text von Robert Brasillach nach Aischylos. Diesen bedeutendsten Kompositionspreis der Welt erhielt sie in diesem Jahr gemeinsam mit Lucie Robert-Diessel, die ihn nachträglich für das Jahr 1964, in dem kein Preis vergeben wurde, erhielt. Dass 1965 gleich vier Frauen ausgezeichnet wurden (Monique Cecconi-Botella gewann den Premier Second Prix und Édith Lejet den Deuxième Second Prix), löste in der französischen Musikpresse heftige Diskussionen aus, gilt aber bis heute als Meilenstein in der Geschichte des Prix de Rome.

Thérèse Brenet wirkte anschließend von 1966 bis 1969 als Fellow der Villa Medici. Zuvor hatte sie bereits den Halphen-Preis für Fuge und Komposition sowie ein Stipendium der Coplay Foundation Chicago gewonnen und war zum Ehrenmitglied der Académie national in Reims ernannt worden.

Trotz ihrer immensen Begabung beschloss Thérèse Brenet nach ihrem Studium, Busfahrerin zu werden und ihren Führerschein für Lastkraftwagen und Busse zu machen, dessen Prüfung sie mit Bravour bestand. Ihr Ziel war nicht das Lehrerinnen-Dasein am Konservatorium, sondern mit einem Reisebus Europa entdecken zu können. Aus diesem Wunsch entstand allerdings ein Streit mit ihrem Vater, der darauf bestand, dass sie eine ihr angebotene Stelle am Pariser Konservatorium auch annahm, um Solfège zu unterrichten.

Nach ihrer Rückkehr von dem mit dem Preis verbundenen Aufenthaltsstipendium in der Villa Medici in Rom unterrichtete Brenet dann tatsächlich als Nachfolgerin von Pierre Lantier am Conservatoire de Paris Solfège und „musikalische Bildung“, war häufig in Prüfungsgremien für Musiktheorie, Komposition und elektroakustische Musik tätig und unternahm zahlreiche Studienreisen ins Ausland und besonders nach Polen, wo sie bei Witold Lutosławski weiterstudierte und von ihm stark beeinflusst wurde. 1971 erhielt sie den Stéphane-Chapelier-Clergue-Gabriel-Marie-Preis der SACEM und 1973 die Silbermedaille der Stadt Paris.

Zu ihren Schülerinnen und Schülern zählten unter anderem die Pianistin Marie-Laure Gallier, der Bratscher Alain Tresallet, die Geiger Luc Héry und Denis Clavier, der Perkussionist Dominique Probst, die Saxophonisten Jacques Charles und Paul Wehage, der Gitarrist Nicolas Courtin, die Harfenistin Serika Nakano und der Komponist und Pianist Mark Robson.

Neben ihrer Lehrtätigkeit entstand ein umfangreiches kompositorisches Werk, das Kammer- und Vokalmusik ebenso umfasst wie Stücke in sinfonischer Besetzung. Im Jahr 2000 trat Thérèse Brenet nach umfassender Lehrtätigkeit am Pariser Konservatorium in den Ruhestand und widmete sich dann ganz dem Komponieren. Keine der beiden Schwestern Brenet heiratete; sie verbrachten ihr ganzes Leben in ihrem Elternhaus im 16. Arrondissement in Paris. Nach Aussagen von Thérèse Brenets Schüler und späterem Herausgeber Paul Wehage war der Schaffensprozess beider Schwestern so eng miteinander verbunden, dass Thérèse nach dem Tod ihrer Schwester Antoinette 2016 keine einzige Note mehr geschrieben hatte.

Brenets Musik ist mit ihren deutlichen Anklängen an Claude Debussy zwar fest verwurzelt in der französischen Tradition und greift sowohl auf tonale als auch auf atonale Ausdrucksmittel zurück, ist aber gleichzeitig von einer starken Originalität geprägt, die sie in einem höchst eigenen persönlichen Stil einsetzte. Ihr Werk ist stark von Literatur, Malerei und Wissenschaft geprägt – insbesondere von der Astronomie, die einer ganzen Reihe ihrer Kompositionen Titel und strukturelle Ideen geliefert hatte. Brenet war der Überzeugung, dass ein Komponist oder eine Komponistin alle zeitgenössischen technischen Mittel beherrschen sollte, um sie sich anzueignen, anstatt sich von ihnen beherrschen zu lassen. Viele ihrer Texte wurden von Werken lateinisch-römischer, griechischer und arabischer Mystiker aus dem Schaffen ihrer Schwester Antoinette inspiriert.

Ihr erster Auftrag des französischen Rundfunks – Clamavit für Sprecher, Chor und Orchester (1965; Uraufführung durch das Orchestre Lyrique de l’O.R.T.F. unter Leitung von André Girard mit Michel Bouquet als Sprecher) – wurde ausgewählt, um Frankreich beim UNESCO-Komponistenforum zu vertreten. Dieses Werk wurde anschließend in vielen Ländern aufgeführt, darunter in der Schweiz, in England, Deutschland, Belgien, Irland, im ehemaligen Jugoslawien, in Italien, Portugal, den Niederlanden, Libyen, Kanada, Uruguay, Japan und den Vereinigten Staaten.

Brenet arbeitete mit vielen namhaften Künstlerinnen und Künstlern wie Dense Mégevan (Harfenist) und Christian Schneider (Mandolinist) zusammen, was dazu führte, dass sich deren Instrumente in der französischen Musikszene etablieren konnten.

Fantasio für zwei Klaviere, 1961

La Nuit de Maldoror für Sopran, Cello und Klavier, 1962

Clamavit für Sprecher, Solosopran, Chor und Orchester, 1965

Sept poèmes chinois für Bariton und Kammerorchester, 1966

Aube morte für Bariton und Orchester, 1966

Six Pièces brèves für Orchester, 1966

Concerto pour un poème inconnu für Klavier und Streichorchester, 1966

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