An diesem Tag

Tertullian

Frühchristlicher Theologe

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Quintus Septimius Florens Tertullianus oder kurz Tertullian (* nach 150 in Karthago, heute in Tunesien; † nach 220) war ein frühchristlicher Theologe, der apologetische, dogmatische und aszetische Werke verfasste. Als wohlhabender Laie widmete er sich in Karthago der Schriftstellerei. Dabei kam ihm die sehr gute rhetorische Ausbildung zustatten, die er vor seinem Übertritt zum Christentum genossen hatte. Für sein Christsein hatten ethische Forderungen und Verhaltensregeln einen hohen Stellenwert, deshalb sprach ihn die Neue Prophetie (Montanismus) an, mit der er sich seit etwa 207/208 identifizierte. Seine späten Werke zeigen montanistischen Einfluss. Er blieb aber, soweit erkennbar, in seiner Ortskirche in Karthago und brach nicht mit ihr.

Tertullians Schriften kreisen um die Themen Auferstehung, Seele und Buße. Auch die Ehe und das äußere Erscheinungsbild der Christen (Kleidung, Kosmetik usw.) werden immer wieder thematisiert. Tertullian prägte Begriffe und Konzepte, die später in der christlichen Theologie große Bedeutung erhalten sollten. Beispielsweise verwendete er erstmals den Begriff Trinität, um das Konzept der Dreieinigkeit Gottes auszudrücken, und setzte Impulse bei der Erklärung des Verhältnisses von menschlicher und göttlicher Natur in Christus.

In Tertullians montanistischer Phase entstand die Streitschrift Adversus Praxean. Sie wurde in der Alten Kirche viel gelesen. Ihre Rezeption lässt sich im Kontext der Konzilien von Nicäa (325) und Chalcedon (451) aufzeigen.

Am Ende seiner Schrift De virginibus velandis teilte Tertullian seinen Gentilnamen mit: er nannte sich Septimius Tertullianus. Die nordafrikanischen Septimii waren mit Ausnahme jener in Leptis Magna (zu denen Kaiser Septimius Severus gehörte) im 2. Jahrhundert meist bescheidenen Standes. Der volle Name Q. Septimius Florens Tertullianus begegnet erst in mittelalterlichen Manuskripten, er wird aber nicht in Zweifel gezogen. Timothy D. Barnes zufolge ist dieser Name „farblos“ – Tertulliani gab es überall im Römischen Reich, Personen namens Florens sind zwar selten bezeugt, aber nach dem gleichen Muster gebildete Namen wie Valens und Crescens waren gängig und deuten eher auf niedrigen sozialen Status. Welche Position Tertullian in der karthagischen Gesellschaft innehatte, ist seinem Namen ebenso wenig zu entnehmen wie eine punische oder römische Abstammung.

Als Quellen für die Biografie Tertullians dienen vor allem seine 31 erhaltenen Schriften. Spätantike Autoren bieten weitere biografische Informationen; es ist aber sehr wahrscheinlich, dass diese aus Tertullians Schriften herauskombiniert wurden:

Eusebius von Caesarea († 339 oder 340) zeigte sich in seiner Kirchengeschichte generell wenig interessiert an der Christenheit des lateinischen Westens, soweit dortige Entwicklungen keine Konsequenzen für den Osten des Reichs hatten. Bei Tertullian war seine einzige Quelle eine schlechte Übersetzung von dessen Hauptwerk, dem Apologeticum, ins Griechische, die er auf biografische Informationen durchsah.

Hieronymus († 420) widmete Tertullian ein Kapitel in seinem kirchlichen Schriftstellerkatalog (De viris illustribus), doch konnte Barnes zeigen, dass die dort gebotenen Informationen, teils vermittelt über Eusebius, aus Tertullians Schriften entnommen wurden; die einzige Ausnahme ist eine Geschichte über Bischof Cyprians Hochschätzung von Tertullians Schriften, die Hieronymus aus der mündlichen Überlieferung kannte.

Den größten Teil seines Lebens verbrachte Tertullian, soweit bekannt, in seiner Heimatstadt Karthago. Die römische Provinz Africa nahm zu Tertullians Lebzeiten einen wirtschaftlichen Aufschwung, zu dem neben Landwirtschaft, Bevölkerungswachstum und Urbanisierung auch die Übernahme der römischen Munizipialverfassung beitrug. Das reiche Karthago nahm unter den aufblühenden Städten Africas eine führende Rolle ein. Tertullian verstand sich betont als Karthager mit afrikanischer Identität. Sein Name deutet darauf hin, dass er das römische Bürgerrecht besaß.

Tertullians eigenen Angaben zufolge waren seine Eltern Heiden. Hieronymus behauptete, dass Tertullians Vater ein römischer Offizier im Rang eines centurio proconsularis gewesen sei. Doch Barnes argumentiert, dass diese Information aus Tertullians Apologeticum herausgesponnen wurde und das Amt zu Tertullians Zeit noch nicht existiert habe. In der Tat ist Hieronymus hier abhängig vom Apologeticum. Die Entscheidung ist aber dadurch erschwert, dass die Handschriften bei der fraglichen Textstelle nicht übereinstimmen: Tertullian erwähnte, dass in Nordafrika das Kinderopfer üblich gewesen sei, bis der Prokonsul Tiberius die Praxis unterbinden und die Priester hinrichten ließ; „Zeuge ist die Miliz meines Vaters (teste militia patris nostri)“ – so die Lesart des meist höher bewerteten Codex Fuldensis; der Mehrheitstext (sogenannte Vulgata) bietet dagegen: teste militiae patriae nostrae, führt also allgemein eine Miliz aus Tertullians afrikanischer Heimat als Zeugen an. Da die Lesart des Fuldensis sinnvoller ist, hält Tobias Georges gegen Barnes fest: „Tertullians Vater war daher vermutlich in der Tat Centurio.“ Henrike Maria Zilling weist zusätzlich darauf hin, dass Tertullians Schriften oft den Eindruck vermitteln, er sei „von einem soldatischen Hintergrund geprägt“ worden. Als Sohn eines Centurio war Tertullian mit den kultischen Aspekten des Militärdienstes vertraut.

Tertullian gehörte zu der kleinen Minderheit der Karthager, denen eine gründliche Bildung zuteilwurde. Das deutet auf einen gewissen Wohlstand der Herkunftsfamilie. Seine Schriften lassen erkennen, dass er Rhetorikunterricht erhalten hatte. Er konnte seine Traktate sowohl in geschliffenem Latein als auch auf Griechisch verfassen und zeigt souveräne Kenntnis der klassischen Literatur. Besonders vertraut war er nach Einschätzung Peter Habermehls mit Sueton, Plinius, Tacitus und vor allem Juvenal. Frédéric Chapot nennt dagegen Cicero, Varro und Seneca als die Prosaautoren, die Tertullian besonders prägten; lateinische Elegiker, Dramatiker und Satiriker hinterließen demnach in Tertullians Schriften nur schwache Spuren. Griechische Literatur kannte Tertullian aus seiner Schulzeit, und er zog vor allem die Werke der Historiker heran.

Sowohl in der Schrift De baptismo als auch in De virginibus velandis erwähnte Tertullian, er habe ein Vorgängerwerk in der damaligen Bildungssprache Griechisch verfasst; bei De spectaculis schrieb er die lateinische Version zuerst, die griechische später. Diese griechischen Schriften Tertullians sind nicht erhalten geblieben. Die griechische Übersetzung des Apologeticums stammt nicht von Tertullian.

Ob Tertullian Jurist war oder nicht, ist in der Forschung umstritten. Auch Rhetoriker wie Cicero und Quintilian konnten auf juristische Formulierungen und Argumentationsmuster zurückgreifen. Konrad Vössing gibt zu bedenken, dass im Westen des Römischen Reichs keine formalisierte Ausbildung (Rechtsstudium) zwischen dem Rhetorikunterricht und dem Beginn einer Anwaltstätigkeit lag. „Die erfolgreichen Absolventen der Rhetorikschule waren offenbar durchaus qualifiziert für das Plädieren vor Gericht […] Der Ehrgeiz der Advokaten bezog sich ebenso wie die Erwartung der Klienten in erster Linie auf die rhetorisch-literarische Ebene.“

In der Forschungsdiskussion überlagern sich zwei Fragestellungen: a) Ist der Christ Tertullian identisch mit dem römischen Juristen Tertullian? b) Zeigt der Christ Tertullian in seinen Schriften gehobene fachjuristische Kenntnisse? Letzteres ist vorauszusetzen, wenn die Identität mit dem Juristen Tertullian bejaht wird, aber auch nicht ausgeschlossen, wenn diese Identität als unwahrscheinlich beurteilt wird.

Einen Romaufenthalt erwähnte Tertullian in De cultu feminarum. Frédéric Chapot zufolge sollte diese beiläufige Bemerkung für die Biografie Tertullians aber nicht überbewertet werden. Der Rombesuch könnte kurz gewesen sein. Alexander Beck hielt für sehr wahrscheinlich, dass Karthago eine Rechtsschule besaß, an der Tertullian als Lehrer hätte wirken können. Einerseits wurde auch Provinzialjuristen das Ius respondendi verliehen, andererseits wurden Responsen auch von bekannten Juristen eingeholt, die dieses Privileg nicht besaßen. Die Kontakte zwischen Karthago und Rom waren eng. Der Christ Tertullian konnte also in Rom als Jurist bekannt gewesen sein, auch wenn er seine Heimatstadt kaum verlassen haben sollte.

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