Die Terroranschläge in Paris am Freitag, dem 13. November 2015, waren koordinierte, islamistisch motivierte Attentate an fünf verschiedenen Orten im 10. und 11. Pariser Arrondissement sowie in der Umgebung des Stade de France im Vorort Saint-Denis. Nach Angaben der französischen Regierung wurden 130 Menschen getötet und 683 verletzt, darunter mindestens 97 schwer. Außerdem starben sieben der Attentäter in unmittelbarem Zusammenhang mit ihren Attacken; der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge, Abdelhamid Abaaoud, starb wenige Tage später bei einer Razzia im Pariser Vorort Saint-Denis.
Zu den Anschlägen bekannte sich die terroristische Vereinigung „Islamischer Staat“ (IS).
Die Angriffsserie am Freitagabend richtete sich gegen die Zuschauer eines Fußballspiels, gegen die Besucher eines Rockkonzerts im Bataclan-Theater sowie gegen die Gäste zahlreicher Bars, Cafés und Restaurants. Es handelte sich um mehrere Schusswaffenattentate, ein Massaker mit Geiselnahme sowie sechs Detonationen, die von Selbstmordattentätern mit Sprengstoffwesten ausgelöst wurden.
Nach den Attentaten verhängte die Regierung Valls den Ausnahmezustand und rief eine dreitägige Staatstrauer aus. Präsident François Hollande sprach von einem kriegerischen Akt und kündigte einen entschiedenen Kampf gegen den Terror an. Am 17. November 2015 beantragte Frankreich als erstes Land in der Geschichte der Europäischen Union den Beistand der anderen EU-Staaten im Rahmen der Regelungen der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (Art. 42 Abs. 7 des EU-Vertrags).
1994 brachte eine Gruppierung der GIA den Air-France-Flug 8969 in ihre Gewalt. Geplant war, das Flugzeug über Paris abstürzen zu lassen. 1995 kam es zu einer Anschlagsserie in Paris mit Attentaten in Zügen der Pariser Métro und dem RER, ebenfalls durch die GIA. Im Dezember 1996 folgte der Anschlag im Pariser Bahnhof Port-Royal. In der Region Paris galt ab Juli 2005, dem Tag der Terroranschläge in London, die höchste Terrorwarnstufe des Plan Vigipirate. Ende September 2014 wurden in der Presse Warnungen des Iraks zu geplanten Terroranschlägen auf die Metro in Paris bekannt.
Die Terroranschläge am 13. November 2015 bildeten die zweite größere Terrorattacke in Frankreich in elf Monaten – nach dem Angriff auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo und der Geiselnahme an der Porte de Vincennes im Januar 2015. Der Terroranschlag von Saint-Quentin-Fallavier am 26. Juni 2015 wurde von einem Einzelgänger begangen, eine Reihe weiterer Attentate konnten im Vorfeld verhindert werden.
Beim versuchten Anschlag im Thalys-Zug 9364 am 21. August 2015 konnte ein mit einem Sturmgewehr bewaffneter Attentäter durch zufällig anwesende amerikanische Soldaten überwältigt und ein mögliches Blutbad verhindert werden.
Anschläge im unmittelbaren zeitlichen Umfeld
Am 29. Oktober 2015 hatte der französische Geheimdienst einen Anschlag des „Islamischen Staates“ auf Soldaten der französischen Marine am Marinestützpunkt in Toulon vereitelt, erklärte der französische Innenminister Bernard Cazeneuve am 10. November 2015. Ein 25-Jähriger war verhaftet und am 3. November wegen der Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung und Terrorismus angeklagt worden. Einen Tag vor dem Anschlag in Paris verübte der „Islamische Staat“ einen Terroranschlag in der libanesischen Hauptstadt Beirut im Feierabendverkehr vor einer Bäckerei und einer Moschee. Neben den zwei Selbstmordattentätern starben weitere 47 Menschen und über 230 wurden verletzt. Ein Flugzeugabsturz (Kogalymavia-Flug 9268) am 31. Oktober 2015 auf der Sinai-Halbinsel war vom IS für sich in Anspruch genommen, aber zum Zeitpunkt des Anschlags noch nicht eindeutig zugeordnet worden. Am Tag der Anschläge von Paris war in Istanbul ein ebenfalls großer Anschlag verhindert worden, teilten türkische Behörden mit. Am 13. November 2015 waren fünf Verdächtige festgenommen worden, darunter ein enger Vertrauter des britischen IS-Kämpfers Mohammed Emwazi („Jihadi John“), teilte die türkische Regierung mit, die davon ausging, dass der Anschlag in Istanbul am selben Tag wie die Anschläge in Paris geplant gewesen sei.
Nach Angaben von Ermittlern hatten die Terroristen am 13. November 2015 möglicherweise einen parallelen Anschlag auf den Flughafen Amsterdam Schiphol geplant. Dafür spreche ein Organigramm der eingesetzten Terror-Teams, das auf einem Laptop der Attentäter der späteren Terroranschläge in Brüssel gefunden worden sei. Zwei Verdächtige, die inzwischen in Belgien inhaftiert sind, seien am 13. November 2015 per Fernbus nach Amsterdam gefahren und hätten mit falschen Identitäten ein Hotelzimmer unmittelbar vor dem Flughafen Schiphol genommen. Warum sie kein Attentat verübt hätten, sei unklar.
Marc Trévidic, einer der französischen Untersuchungsrichter für Terrorstraftaten, äußerte sich Wochen vor der Anschlagserie mit Aussagen in einem Interview mit der Zeitschrift Paris Match, wonach Frankreich eines der Hauptziele eines terroristischen Überbietungswettbewerbes sei. Einige Terrororganisationen seien bestrebt, eine Art „Prix Goncourt des Terrorismus“ zu gewinnen, indem sie das Ausmaß des 11. September 2001 übertreffen wollten. Dies solle seitens des Anführers des sogenannten Islamischen Staates (IS) Abū Bakr al-Baghdādīs bevorzugt in Frankreich geschehen. Frankreich sei für die Terroristen näher und leichter erreichbar und wegen seiner militärischen Präsenz, etwa in Mali, Syrien und Irak, sowie wegen der militärischen Unterstützung Israels und der Golfstaaten mittlerweile zu einem bevorzugten Anschlagsziel geworden. Die Justiz sei deutlich überfordert.
Am 15. November 2015 betonte ein Vertreter des irakischen Geheimdienstes, dass die französischen Behörden entsprechende reichlich vage Warnungen am Tag vor den Anschlägen aus dem Irak bekommen haben. Die Anschläge vom 13. November in Paris sollen vom Führer des Islamischen Staates, Abū Bakr al-Baghdādī, selbst befohlen und in der IS-Hochburg Raqqa in Syrien geplant und koordiniert worden sein. Nach den irakischen Geheimdienstinformationen sollen angeblich mindestens 24 Menschen, darunter 19 Angreifer, an den Anschlägen beteiligt gewesen sein.
Chronologischer Verlauf laut Staatsanwaltschaft
21:20 Uhr * – Die erste Detonation am Stade de France während eines Freundschaftsspiels zwischen der französischen und der deutschen Fußballnationalmannschaft.
21:25 Uhr – In der Rue Alibert fallen Schüsse in der Bar Le Carillon und im Restaurant Le Petit Cambodge, bei denen 15 Menschen getötet werden.
21:30 Uhr * – Die zweite Detonation am Stade de France.
21:32 Uhr – In der Rue du Faubourg-du-Temple und der Rue de la Fontaine-au-Roi werden Schüsse abgefeuert, durch die auf den Terrassen des Café Bonne Bière und der Pizzeria La Casa Nostra fünf Menschen sterben.
21:36 Uhr – In der Rue de Charonne in der Bar La Belle Équipe fallen minutenlang Schüsse, bei denen 19 Menschen getötet werden.