Terézia Mora [ ˈtɛreːziɒ ˈmorɒ] (* 5. Februar 1971 in Sopron (Ödenburg), Ungarn) ist eine deutsch-ungarische Schriftstellerin, Drehbuchautorin und Übersetzerin.
Terézia Mora wuchs in einer Familie, die zur deutschen Minderheit gehört, zweisprachig ungarisch und deutsch auf. Nach der politischen Wende in Ungarn ging sie 1990 zum Studium der Hungarologie und Theaterwissenschaft an die Humboldt-Universität nach Berlin. Seitdem lebt sie im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. An der Deutschen Film- und Fernsehakademie (dffb) wurde sie zur Drehbuchautorin ausgebildet. Seit 1998 arbeitet sie hauptberuflich als freie Schriftstellerin und Übersetzerin. Mora verfasst ihre Werke auf Deutsch, nachträglich werden sie von der Übersetzerin Lidia Nádori ins Ungarische übertragen.
Mora arbeitete rund zehn Jahre an einer Trilogie um den IT-Spezialisten Darius Kopp: Der einzige Mann auf dem Kontinent von 2009, Das Ungeheuer von 2013 und Auf dem Seil von 2019. Für Das Ungeheuer, in dem ihr Romanheld Kopp versucht, den Selbstmord seiner Frau zu verarbeiten und droht, daran zu zerbrechen, wurde Mora 2013 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Im letzten Teil der Trilogie lässt Mora ihren Protagonisten nach einem Burn-out und Verlust seines Jobs in ein prekäres Leben in Berlin versinken.
2021 erschien Moras Tage- und Arbeitsbuch Fleckenverlauf, in dem sie ihr eigenes Leben und den gesellschaftlichen Alltag genau über fünfeinhalb Jahre beobachtet.
2023 wurde auch ihr Roman Muna oder Die Hälfte des Lebens, in dem die Ich-Erzählerin Muna Abbelius mit seelischer und physischer Gewalt in ihrer Beziehung konfrontiert wird, für den Deutschen Buchpreis nominiert und schaffte es als Finalist auf die Shortlist. Der Roman thematisiert eine gesellschaftlich internalisierte Misogynie.
Mora ist Mitglied des Deutschen PEN-Zentrums und Gründungsmitglied des PEN Berlin. 2015 wählte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung sie zum Mitglied. Sie ist verheiratet und hat eine Tochter.
1997: Würth-Literaturpreis für ihr Drehbuch Die Wege des Wassers in Erzincan sowie den Open-Mike-Literaturpreis der Berliner LiteraturWERKstatt für die Erzählung Durst
1999: Ingeborg-Bachmann-Preis für die Erzählung Der Fall Ophelia, enthalten in ihrem ersten Erzählband Seltsame Materie
2000: Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis
2002: Jane Scatcherd-Preis der Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Stiftung für ihre Übersetzung von Péter Esterházys Harmonia Caelestis
2004: Mara-Cassens-Preis, Förderpreis zum Kunstpreis der Akademie der Künste (Berlin), Preis der Leipziger Buchmesse für ihren Roman Alle Tage (Kategorie: Belletristik)
2005: Preis der LiteraTour Nord
2005: London-Stipendium des Deutschen Literaturfonds: Writer in Residence an der Queen Mary University of London
2006: Villa Massimo-Stipendium
2006/2007: Tübinger Poetik-Dozentur zusammen mit Péter Esterházy
2010: Adelbert-von-Chamisso-Preis, Erich-Fried-Preis
2011: Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW für ihre Übersetzung von Péter Esterházys Ein Produktionsroman (Zwei Produktionsromane) aus dem Ungarischen und zugleich für ihr Lebenswerk
2011: „Grenzgänger-Stipendium“ der Robert Bosch Stiftung für Recherchen zu Das Ungeheuer