Temistocle ist ein Opern-Libretto in drei Akten von Pietro Metastasio. Erstmals aufgeführt wurde es in der Vertonung von Antonio Caldara am 4. November 1736 zur Feier des Namenstags Karls VI. in Wien. Mit ungefähr 25 Vertonungen erreichte es eine durchschnittliche Beliebtheit unter Metastasios Libretti.
Eine deutsche Übersetzung des Librettos von Johann Anton Koch erschien 1772 unter dem Namen Themistocles im vierten Band seiner unvollendet gebliebenen Gesamtausgabe Des Herrn Abt Peter Metastasio Kayserl. Königl. Hofpoetens Dramatische Gedichte.
Das Libretto handelt vom ehemaligen griechischen Feldherrn Temistocle, der im feindlichen Persien bei seinem Gegner Serse (Xerxes I.) Asyl sucht und dort in einen Gewissenskonflikt gerät.
Die folgende Inhaltsangabe basiert auf dem 1747 in Braunschweig herausgegebenen Libretto der Vertonung von Giovanni Verocai.
Der griechische Feldherr Temistocle hatte die Perser unter König Serse besiegt. Dennoch wurde er von seinem eigenen Volk angeklagt und suchte schließlich zusammen mit seinem Sohn Neocle Asyl in Persien. Seine Tochter Aspasia war zur Sicherheit nach Argos geschickt worden, kam dort aber nie an und wurde schließlich für tot gehalten. Auch sie konnte sich nach Persien retten und wurde zur Vertrauten der Prinzessin Rossane in der Hauptstadt Susa.
Ein angenehmer Ort im Palast Serses
Temistocle und sein Sohn Neocle befinden sich unerkannt im persischen Exil. Neocle fühlt sich von den Göttern ungerecht behandelt, weil sie trotz ihrer Heldentaten ins Unglück gestürzt wurden. Temistocle mahnt ihn jedoch zur Geduld. Als er jemanden kommen hört, schickt er ihn fort.
Bei den Ankömmlingen handelt es sich um Temistocles von ihm für tot gehaltene Tochter Aspasia und den persischen Fürsten Sebaste. Sebaste teilt Aspasia mit, dass Serse ein Kopfgeld auf Temistocle ausgesetzt habe und entfernt sich. Temistocle und Aspasia sind zunächst freudig überrascht, sich wiederzusehen. Aber dann warnt Aspasia ihn vor Serses Absichten. Zudem sei gerade ein griechischer Gesandter eingetroffen, der ihn erkennen könnte. Temistocle beschließt, sich Serse zu offenbaren, um der Gefahr entgegenzutreten.
Die mit Serse liierte Prinzessin Rossane fühlt sich von ihm vernachlässigt und wirft Aspasia vor, ihn ihr entfremdet zu haben. Aspasia streitet das ab. Sebaste meldet Rossane die Ankunft des griechischen Gesandten Lisimaco, der auf der Suche nach Temistocle sei. Lisimaco ist Aspasias früherer Geliebter, und sie fürchtet, dass er sich von ihr abgewandt habe und ihrem Vater schaden wolle.
Öffentlicher Audienz-Platz mit einem Thron an der Seite; in der Ferne die Stadt
Temistocle und Neocle haben sich unter das Volk gemengt. Serse und Sebaste treten mit Gefolge auf, um den Botschafter zu empfangen. Lisimaco erscheint mit seinen Leuten und verlangt von Serse die Auslieferung Temistocles. Serse weist darauf hin, dass das Schicksal Griechenlands trotz des Sieges ungewiss sei und der Weg nach Athen offen stehe. Er verweigert jede Auskunft über Temistocle. Lisimaco geht. Nun tritt Temistocle hervor. Er gibt sich Serse zu erkennen und bittet ihn um Asyl. Serse ist beeindruckt von seinem Verhalten und bietet ihn seine Freundschaft an.
Aspasia teilt Rossane mit, dass sie Temistocles Tochter ist und bittet sie um ihren Beistand. Sebaste meldet, dass Serse Aspasia sehen wolle, weil sein neuer Freund Temistocle ihm von ihr erzählt habe. Rossanes Eifersucht wird geschürt. Aspasia dagegen kann diesen Umschwung in Serses Verhalten kaum glauben. Sie geht. Sebaste hat Rossanes Eifersucht erkannt und macht sich selbst Hoffnung auf sie. Er bestärkt ihr Misstrauen, indem er ihr von Serses Liebe zu Aspasia erzählt. Insgeheim plant er, durch seine Intrigen schließlich den Thron zu erobern.
Reich möbliertes Zimmer, das Temistocle von Serse als Wohnung zugewiesen wurde
An den Seiten stehen Tische mit Gefäßen voller Gold und Juwelen.
Temistocle warnt seinen Sohn Neocle davor, sich allzu sehr auf das Glück zu verlassen. Neocle geht, und Serse kommt ins Zimmer. Als Zeichen seines Wohlwollens übergibt er Temistocle die Städte Lampsacus (Lampsakos) und Miunte (Myus) und ernennt ihn zum Oberbefehlshaber über die persische Armee. Temistocle geht.
Serse genießt für eine Weile sein tugendhaftes Verhalten. Als Rossane kommt, will er ihr erklären, dass er nicht mehr an einer Beziehung mit ihr interessiert ist. Er wird jedoch von Sebaste unterbrochen, der meldet, dass Lisimaco ein weiteres Gespräch über die Auslieferung Temistocles wünsche. Nach einigem Zögern erklärt er sein Einverständnis und entfernt sich. Aspasia kommt und fragt Rossane, ob sie ihre Eifersucht endlich aufgegeben habe. Sie schweigt darüber, bewundert aber Aspasias Schönheit, die einiges entschuldigen könne.
Lisimaco kommt zu Aspasia und erkennt in ihr seine totgeglaubte Geliebte. Er erklärt ihr, dass er keineswegs Temistocles Feind sei, sondern lediglich dem Befehl des Vaterlands gehorchen müsse. Der König habe inzwischen entschieden, Temistocle an Griechenland auszuliefern. Aspasia bittet ihn, seine Liebe zu beweisen, indem er ihnen bei der Flucht hilft. Nach einigem Zögern stimmt er zu. Zunächst will sich Aspasia jedoch direkt an Serse wenden, um ihren Vater zu retten.
Vornehmes, offenes, mit Kriegssymbolen versehenes Zelt mit einem Thron auf der rechten Seite