An diesem Tag

Telegrafie

Nachrichtenübertragung über große Entfernungen mittels vereinbarter Zeichen

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Telegrafie (veraltend geschrieben auch: Telegraphie von altgriechisch τῆλε tēle, deutsch ‚fern‘ und γράφειν gráphein‚ einritzen, schreiben‘, siehe auch -graphie, deutsch wörtlich: „Fernschreiben“; jedoch nicht zu verwechseln mit dem etwas moderneren Fernschreiben) ist die Übermittlung von Nachrichten über eine geografische Distanz, bei der keine materiellen Objekte, wie Briefe, zwischen Sende- und Empfangsort bewegt werden.

Die Bestandteile eines zu übermittelnden Textes (wie Buchstaben, Ziffern, Satz- und ähnliche Zeichen) werden unter Benutzung eines geeigneten Codes zumeist als einzelne Zeichen übertragen. Im Gegensatz zum Sprechfunk und der Telefonie wird bei der Telegrafie nicht gesprochen, sondern die Zeichen werden durch Telegrafisten oder Maschinen, wie das Wheatstone-System, in codierter Form übertragen, zumeist im Morsecode.

Die Anfänge der Telegrafie können bis in die Antike zurückverfolgt werden. Später hieß eine übertragene Nachricht auch „telegraphische Depesche“ und ab 1852 auch Telegramm. Im Jahr 1898 wurde das erste bezahlte Funktelegramm drahtlos übermittelt.

Es bestehen verschiedene Formen der Telegrafie. Die älteste ist die optische, bei der die Codes von Menschen noch manuell erzeugt und ausgewertet wurden, etwa Leuchtfeuer, Rauchzeichen oder Flaggensignale. Besondere Telegrafen waren früher neben dem optischen Telegrafen mit Zeigern (auch Semaphor genannt) die Feuer-, Feld-, Eisenbahn-, Haus- und Schiffstelegrafen. Schallsignale kommen bei Glocken, Böllern, Sirenen, Nebelhörnern zum Einsatz. Bei der jüngeren, der elektrischen bzw. elektromagnetischen Telegrafie, bei der die Zeichen bereits in Form von Morsezeichen übertragen wurden (dementsprechend auch Morsetelegrafie genannt), war es ebenfalls noch notwendig, diese manuell zu erzeugen. Erst mit dem Zeigertelegrafen und später dem Fernschreiber wurde die Buchstabenkodierung automatisch durchgeführt.

Je nach technischem Entwicklungsstand der verwendeten Geräte wuchsen die überbrückbaren Entfernungen, besonders mit den Erfindungen Unterseekabel und Funkentelegrafie im Ausgang des 19. Jahrhunderts. Spätestens um das Jahr 2000 endete aber die Verwendung von Telegrafietechnik in fast allen Bereichen wie kommerziellen Anwendungen und im Verkehrswesen, wie im maritimen Bereich beispielsweise im Seefunk oder im Flugverkehr beispielsweise bei ungerichteten Funkfeuern (NDB). Im Amateurfunkdienst und teilweise zur militärischen Nachrichtenübermittlung wird die Telegrafie bis in die Gegenwart genutzt.

Im griechischen Drama Agamemnon aus dem Jahre 458 v. Chr. wird eine Form von Telegrafie mit optischer Übertragung erwähnt. In der Neuzeit wurden ebenfalls Geräte entwickelt, die einen optischen Übertragungsweg benutzten, allerdings nicht mehr in der historischen Form per Feuer- oder Rauchsignalen.

In Europa begann das Zeitalter dieser moderneren optischen Telegrafie im späten 18. Jahrhundert. Sehr erfolgreich wurde das Turmsystem von Claude Chappe. In Frankreich gab es beispielsweise über 500 Stationen. Die Übertragung einer Nachricht über eine Strecke von 20 Stationen dauerte lediglich etwa 2 Minuten. Das Chappe-System arbeitete mit Zahlencodes und Wörterbüchern. Es wurden also normalerweise keine einzelnen Buchstaben, sondern Seite, Position in einem Signalbuch übertragen. Oft bestand eine Kodierung aus einem gesamten Satz. Aber auch einzelne Buchstaben konnten mit dem System übertragen werden. Das französische System hatte 92 verschiedene Kodierungsmöglichkeiten. Damit konnten also 92 × 92 Kodierungen erfasst werden. Das System war extrem teuer in der Installierung und im Betrieb. Allein bei der Linie Paris – Bayonne waren 250 Personen beschäftigt. Auf der Linie wurden zwischen 1823 und 1846 insgesamt 6900 Depeschen versendet, also im Schnitt 355 pro Jahr. Das System war nur bei gutem Wetter einsetzbar, obwohl es Bemühungen gab, die Telegrafen zu beleuchten. Das System war störanfällig und nicht abhörsicher. Ein ausgefallener Telegrafen­mitarbeiter konnte eine gesamte Strecke lahmlegen. Auch Preußen betrieb von 1832 bis 1849 eine Linie zwischen Berlin und Koblenz. 145 Telegrafisten bemannten 62 Stationen. Dabei handelte es sich ausschließlich um Militärangehörige. Die Errichtung der Linie kostete 200.000 Taler, der jährliche Betrieb zirka 53.000 Taler. Das System konnte im Sommer 6 Stunden, im Winter 3 Stunden pro Tag genutzt werden. Der Wartungsaufwand war enorm. Die aufkommenden Techniken der elektrischen bzw. Funkentelegrafie im 19. Jahrhundert lösten die optische Telegrafie ab.

Dennoch gibt es bis in die Gegenwart verschiedene Verfahren, bei denen der optische Übertragungsweg noch immer Anwendung findet, beispielsweise mit Lichtsignalen insbesondere unter Marineschiffen.

Entwicklung der elektrischen Telegrafie

Die kabelgebundene elektrische Telegrafie konnte sich erst nach 1730 durch die Erkenntnis, dass sich Elektrizität entlang eines Leiters bewegt, entwickeln. Elektrolyt-Telegrafen waren erst nach der Erfindung der Voltaschen Säule durch Alessandro Volta im Jahr 1800 möglich.

1774 entwickelte und präsentierte Georges-Louis Le Sage in Berlin die weltweit erste Form der elektrischen Telegrafie, wobei er 24 parallel verlaufende Drähte benutzte, einen für jeden Buchstaben des Alphabets. Dieser Telegraf verband zwei Räume miteinander. Es war ein elektrostatischer Telegraf, der durch elektrische Leitung Goldblättchen bewegte.

Einer der ersten Pioniere auf dem Gebiet der elektrischen Telegrafie war der aus Barcelona stammende Arzt, Meteorologe und Physiker Francesc Salvà i Campillo. Salvà führte sein System 1795 der Reial Acadèmia de Ciències i Arts de Barcelona vor. Salvà meinte damals schon, es würde eines Tages möglich sein, elektrische Impulse auch drahtlos zu übertragen.

1804 baut Francesc Salvà i Campillo in Spanien einen Elektrolyt-Telegrafen mit 26 Leitungen, an deren Enden sich Glasröhrchen befinden, in denen sich Flüssigkeit bei einem Stromstoß zersetzt.

Der Anatom Samuel Thomas von Soemmerring konstruierte 1809 in München einen elektrischen Telegrafen, bei dem jedes Zeichen durch einen eigenen Leiter übertragen und durch elektrochemische Zersetzung des Wassers signalisiert wurde. Das Original befand sich bis 1905 im Besitz des Physikalischen Vereins in Frankfurt am Main. Es steht heute im Deutschen Museum in München, das Museum für Kommunikation Frankfurt besitzt ein Modell seiner Konstruktion.

Nach den Forschungsarbeiten Michael Faradays zur elektromagnetischen Induktion im Jahre 1832 führten Wilhelm Weber und Carl Friedrich Gauß 1833 Versuche mit einem elektromagnetischen Telegrafen durch (siehe auch: Gauß-Weber-Telegraf). Im selben Jahr gelang ihnen die erste telegrafische Nachrichtenübertragung vom damaligen Physikalische Kabinett (heute Papendiek 14, Gebäude der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen) bei der Paulinerkirche in der Göttinger Innenstadt zur Göttinger Sternwarte. Zur Nachrichtenübertragung dienten positive und negative Spannungspulse, die durch gezieltes Umpolen und Auf- und Abbewegen einer Induktionsspule erzeugt wurden. Die Spule wurde hierzu über ein Bündel magnetisierter Stahlschienen geschoben. Ein Nachbau, den Weber für die Weltausstellung 1873 in Wien in Auftrag gab, wird in der historischen Sammlung des Ersten Physikalischen Instituts der Universität Göttingen aufbewahrt. Ein weiterer Nachbau befindet sich in der Telekommunikationsabteilung des Deutschen Museums in München.

1835 entwickelte Paul Schilling von Canstadt in St. Petersburg einen Nadeltelegrafen, der durch die Ausschläge einer kompassähnlich gelagerten Magnetnadel die Ziffern 1 bis 10 angab. Diesen sah der Engländer William Fothergill Cooke 1836 in Heidelberg. Zusammen mit Charles Wheatstone schuf dieser daraufhin 1837 die erste betriebssichere Signalleitung für eine Eisenbahnstrecke in England. Die Eisenbahngesellschaften trieben die Entwicklung maßgeblich voran, um Informationen schneller als die Züge selbst zu übertragen. Dieses System wurde dann auch für die ersten öffentlich genutzten elektrischen Telegrafiestrecken verwendet, in Deutschland zum Beispiel auf der ersten längeren europäischen Telegrafenlinie Bremen–Bremerhaven. Der unterirdische Ausbau des Telegrafienetzes des Deutschen Reiches begann 1876 auf der Versuchsstrecke Berlin-Halle an der Saale-Leipzig. Ab 1881 bestanden über 30.000 km Netz zwischen Königsberg (Preußen) und Köln, sowie in Nord-Süd-Richtung zwischen Kiel und Kehl.

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