Die Telefunken Gesellschaft für drahtlose Telegraphie m.b.H. (ab 1955 Telefunken GmbH) war ein deutsches Unternehmen der Funk- bzw. Nachrichtentechnik. Telefunken und seine Nachfolgeunternehmen bauten Sende- und Empfangsgeräte für die Funktelegrafie, den Rundfunk sowie die drahtlose und kabelgebundene Übertragungstechnik. Das 1903 von den beiden Elektrokonzernen Siemens & Halske (S & H) und AEG (Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft) gemeinsam gegründete Unternehmen hielt über 20.000 Patente, war führend an der Entwicklung der Radartechnik beteiligt und Erfinder des Farbfernsehens nach dem PAL-System.
Ab 1941 war Telefunken ein hundertprozentiges AEG-Tochterunternehmen. Nach der Umwandlung zur Telefunken AG im Jahr 1963 entstand durch die Fusion mit der Muttergesellschaft Anfang 1967 die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft AEG-Telefunken. Die Firma wurde 1979 in AEG-Telefunken Aktiengesellschaft geändert. Nach der Übernahme durch Daimler-Benz im Jahre 1985 änderte sich deren Name in AEG Aktiengesellschaft. Die restlichen Telefunken-Geschäftsbereiche wurden diversen neuen Gesellschaften übertragen. Die AEG AG ist seit 1996, dem Jahr der Löschung im Handelsregister von Frankfurt am Main, nicht mehr existent.
Bis ca. 2005 waren noch ehemalige AEG-Telefunken-Unternehmensbereiche, die in der Tradition der früheren Telefunken-Gesellschaft standen, mit diesem Namen als Teil der Firma am Markt vertreten. Heute liegen die Markenrechte bei der Telefunken Licenses GmbH, welche Lizenzen an produzierende Unternehmen zur Verwendung der Marke „Telefunken“ erteilt.
Mittlerweile werden unter der Marke „Telefunken“ diverse Elektroartikel fast aller Kategorien angeboten, darunter Radiowecker, Autoradios, Fernseher, Ladegeräte, Smartphones, Waschmaschinen, Mikrofone, Kopfhörer, Lautsprecher, Elektrofahrräder, aber auch automatisierte externe Defibrillatoren (AED).
Um 1900 unterhielten die beiden führenden Elektrokonzerne des Deutschen Reiches jeweils eigene Labors für die Erforschung der Funken-Telegrafie zur drahtlosen Nachrichtenübermittlung. Die eine Gruppe um Adolf Slaby und Georg Graf von Arco entwickelte bei der AEG für die Kaiserliche Marine, die andere unter Karl Ferdinand Braun bei Siemens & Halske für das Deutsche Heer. In internationaler Konkurrenz standen sie dabei zu verschiedenen Unternehmen um Guglielmo Marconi.
Als die beiden Großkonzerne begannen, sich um die Patente zu streiten, schlichtete Kaiser Wilhelm II.: Auf sein Drängen gründeten am 27. Mai 1903 in Berlin Siemens & Halske und die AEG als Gemeinschaftsunternehmen zu gleichen Teilen die Gesellschaft für drahtlose Telegraphie m.b.H., System Telefunken mit einem Stammkapital von 300.000 Mark. Erster Technischer Direktor war Georg Graf von Arco. Telefunken, die Telegrammadresse der Gesellschaft, wurde als Warenzeichen am 11. November 1903 beim Kaiserlichen Patentamt eingetragen. Mit der Unternehmensgründung legten am Beginn des Zeitalters der Funk- und Nachrichtentechnik die Unternehmen S & H und AEG ihre Kenntnisse und Aktivitäten zusammen, um für die zivile Schifffahrt, das Militär und die interkontinentale Nachrichtenübermittlung Funk- und Empfangsanlagen zu entwickeln und zu vermarkten. Dabei stand Telefunken in Konkurrenz zur Berliner C. Lorenz AG und im Bereich der Handelsschifffahrt auch zur Compagnie de Télégraphie sans Fil (Gesellschaft für drahtlose Telegraphie) in Brüssel, einem im Jahr 1900 von der britischen Marconi Company gegründeten Unternehmen, das Handelsschiffe fast aller europäischer Staaten ausrüstete. Funkstationen auf britischen Schiffen wurden dagegen von der ebenfalls 1900 geschaffenen Marconi-Tochtergesellschaft Marconi International Marine Communication Company betrieben.
Für den Seefunkverkehr gründeten im Jahr 1911 Siemens, AEG und Telefunken zusammen mit der Brüsseler Marconi-Tochter Compagnie de Télégraphie sans Fil die Deutsche Betriebsgesellschaft für drahtlose Telegraphie m.b.H. (DEBEG), die weltweit die Funkstationen der vier beteiligten Unternehmen nutzen konnte. Durch die von Telefunken 1908 eingeführten Löschfunkensender (Tonfunkensender) mit einer dreimal höheren Reichweite als die alten Knallfunkensender nahm das Unternehmen zusammen mit Marconi bald eine führende Rolle im Betrieb der Seefunkstationen ein. Die Wichtigkeit des Seefunks wurde nach dem Untergang der Titanic im Jahr 1912 besonders deutlich: Die DEBEG und damit auch Telefunken hatten einen spürbaren Umsatzanstieg zu verzeichnen.
Im April 1923 wurde die Firma in Telefunken Gesellschaft für drahtlose Telegraphie m.b.H. geändert und über 30 Jahre bis 1955 beibehalten. Ab 1923 baute Telefunken Rundfunksender bzw. -empfänger. Mit dem Aufkommen des Rundfunks waren die Jahre von 1924 bis zur Weltwirtschaftskrise 1929 besonders umsatzstark.
Auf der 5. Großen Deutschen Funkausstellung in Berlin 1928 stellte das Unternehmen nach dem Projektionsverfahren arbeitende Fernsehgeräte aus. 1930 erfand der Telefunken-Mitarbeiter Fritz Schröter das Zeilensprungverfahren für flimmerfreie Bilder. Ab 1932 wurden gemeinsam mit der Reichspost Fernseh-Versuchssendungen durchgeführt. Mit dem 1932 gegründeten Tochterunternehmen Telefunken-Platte G.m.b.H. (ab 1950 Teldec bis zu dessen Verkauf im Jahre 1987 an den Time-Warner-Konzern) war Telefunken auch eines der größten deutschen Unternehmen der Schallplattenindustrie. Ab 1933 produzierte das Unternehmen in Zusammenarbeit mit Oskar Sala das Trautonium, ein elektronisches Musikinstrument. Es wurde zur Hausmusik beworben, setzte sich aber nicht durch. Mit dem jungen Jazzer Heinz Wehner baute die Plattengesellschaft ab 1935 einen internationalen Star auf und leistete sich, unabhängig von den Maßregelungen der Reichsmusikkammer, mit Wehners „Telefunken-Swing-Orchester“ eine Big Band amerikanischer Prägung.
Die von Telefunken ab 1934 entwickelten „Zielfluggeräte“ gelten zusammen mit dem gleichzeitig eingeführten Lorenz-Landesystem der Berliner C. Lorenz AG als Vorläufer der heutigen Instrumentenlandesysteme (ILS).
Der mit einer neuartigen Rechteck-Bildröhre von Telefunken bestückte deutsche Einheits-Fernseh-Empfänger wurde gemeinsam mit anderen Unternehmen der Rundfunkindustrie entwickelt und 1939 auf der 16. Großen Deutschen Funk- und Fernseh-Ausstellung in Berlin präsentiert. Im selben Jahr übernahm das Unternehmen das Osram-Werk A (wie AEG; das frühere Werk für Glühlampen der AEG) in der Sickingenstraße 71 (Berlin-Moabit), um die Produktion der technologisch wichtigen Elektronenröhren in eigener Regie weiterzuführen. Dort hatte seit 1920 Osram die Röhren für Telefunken hergestellt. Allein in dieser größten Röhrenfabrik Europas waren einschließlich Nebenbetrieben im Jahr 1939 ca. 8000 Mitarbeiter beschäftigt, die jährlich bis zu 12 Millionen Elektronenröhren herstellten, was drei Viertel des deutschen Bedarfs darstellte.
Ende der 1930er Jahre betrug die Gesamtbelegschaft 23.500 Mitarbeiter und stieg im Verlauf des Zweiten Weltkriegs auf 40.000 an; darunter wie in fast allen deutschen Großbetrieben auch viele Zwangs- und „Ostarbeiter“. 1941 übernahm die AEG die Telefunken-Anteile von S & H (Siemens & Halske) und führte das Unternehmen als 100-prozentige Tochtergesellschaft weiter. S & H bekam die Erlaubnis, bis Kriegsende die Telefunken-Patente weiter zu nutzen.
Vor und während des Krieges war die Telefunken-Gesellschaft das führende deutsche Unternehmen auf dem Gebiet der elektronischen Kriegsführung, speziell der Funkmesstechnik, wie die Wehrmacht die neu eingeführten Radargeräte zur Tarnung nannte. Für die Luftwaffe wurden neben diversen Peilgeräten zur Zielfindung das Leitstrahl-System „Knickebein“ und zur allgemeinen Flugnavigation die „Bernhard“-Drehfunkfeuer entwickelt. Telefunken stellte ortsfeste Radargeräte („Würzburg“ und „Würzburg-Riese“), Dezimeter-Richtfunkanlagen („Michael“-Gerät) und das erste Passivradar „Klein Heidelberg“ her. Das Unternehmen entwickelte für die Nachtjagd das erste deutsche Flugzeug-Bordradar „Lichtenstein“. Um die U-Boote der Kriegsmarine vor den mit Zentimeterwellenradar (H2S) ausgerüsteten U-Boot-Jagdflugzeugen der Alliierten zu warnen, lieferte Telefunken das Funkmessbeobachtungsgerät „Naxos“. Das Kurzsignalverfahren „Kurier“ machte das Anpeilen von Funksendestellen, die Meldungen absetzten, für den Gegner so gut wie unmöglich.