Rafael Edward „Ted“ Cruz (* 22. Dezember 1970 in Calgary, Alberta, Kanada) ist ein US-amerikanischer Politiker der Republikanischen Partei. Seit 2013 gehört Cruz dem Senat der Vereinigten Staaten für den Bundesstaat Texas an. Für die Präsidentschaftswahl 2016 bewarb er sich um die Nominierung seiner Partei.
Jugend, Studium und berufliche Laufbahn
Ted Cruz wurde als Sohn eines Exilkubaners und einer US-Bürgerin geboren. Sein Vater war politischer Gefangener unter Fulgencio Batista und floh 1957 in die Vereinigten Staaten, wo er sich in Texas niederließ. Cruz’ Eltern hatten in Kanada ein kleines Unternehmen gegründet, das sich auf reflexionsseismische Messungen für die Erkundung von Erdöllagerstätten spezialisiert hatte. Als Ted Cruz drei Jahre alt war, trennten sich seine Eltern. Bald darauf kehrten sie in die Vereinigten Staaten zurück und ließen sich jeweils in Houston, Texas nieder. Sein ursprünglich katholischer Vater wurde 1975 ein born-again Christian, war als Wanderprediger aktiv, ist heute Pfarrer an einer Baptistenkirche in Dallas und unterstützte 2016 die Präsidentschaftskandidatur seines Sohns. Auch Cruz gehört den Southern Baptists an.
Cruz besuchte die Faith West Academy in Katy, Texas, sowie die Second Baptist High School in Houston. Nach seinem Abschluss an letzterer studierte er an der Woodrow Wilson School of Public and International Affairs der Princeton University, wo er 1992 einen Bachelor of Arts cum laude erhielt. Anschließend studierte er an der Law School der Harvard University und erhielt dort 1995 seinen Juris Doctor magna cum laude. Während seines Studiums dort war Cruz einer der Herausgeber des Harvard Law Review.
Nach dem Studium arbeitete er als juristischer Assistent (law clerk) 1995 für Bundesrichter J. Michael Luttig und 1996 für den Obersten Richter am Supreme Court, William H. Rehnquist. Später arbeitete er als Rechtsanwalt. Zum Zeitpunkt seiner Wahl in den Senat der Vereinigten Staaten 2012 war er Partner in der Anwaltskanzlei Morgan, Lewis & Bockius in Houston.
Von 2001 bis 2003 war Cruz Direktor des Office of Policy Planning der Federal Trade Commission. Von 2003 bis 2008 war er Generalstaatsanwalt (Solicitor General) für Texas. Als solcher war er der erste hispanicstämmige Generalstaatsanwalt von Texas sowie zum Zeitpunkt seiner Ernennung der jüngste Generalstaatsanwalt in einem US-Bundesstaat. In dieser Funktion erwirkte er im Fall Medellín v. Texas das Recht auf die Hinrichtung eines zum Tode Verurteilten mexikanischen Staatsbürgers auch gegen einen Urteilsspruch des Internationalen Gerichtshofs. Des Weiteren war er von 2004 bis 2009 Adjunct Professor an der Law School der University of Texas.
Cruz steht der Tea-Party-Bewegung nahe und wurde von ihr bei der Senatswahl 2012 unterstützt. Nachdem die bisherige republikanische Senatorin Kay Bailey Hutchison im Januar 2011 bekanntgegeben hatte, auf eine Wiederwahl zu verzichten, erklärte Cruz seine Kandidatur. Dabei setzte er sich in der parteiinternen Vorwahl gegen den texanischen Vizegouverneur David Dewhurst durch und siegte bei der Senatswahl am 6. November 2012 gegen den demokratischen Herausforderer Paul Sadler mit 56,6 Prozent. Er ist der erste Hispanic, der den Bundesstaat Texas im Senat der Vereinigten Staaten vertritt.
Im Frühjahr 2013 erfuhr er durch Zeitungsrecherchen, dass er entgegen der Annahme seiner Eltern durch seine Geburt in Kanada neben der amerikanischen auch die Staatsbürgerschaft Kanadas besaß. Auf diese verzichtete er, da er der Meinung war: „Nothing against Canada, but I’m an American by birth and as a U.S. senator, I believe I should be only an American“ – „Nichts gegen Kanada, aber ich bin Amerikaner von Geburt, und als US-Senator glaube ich, ich sollte nur Amerikaner sein“. Sein Verzicht auf die kanadische Staatsbürgerschaft wurde im Mai 2014 rechtskräftig.
Bei der Senatswahl 2018 trat der Demokrat Beto O’Rourke gegen Cruz an. Cruz galt als Favorit im strukturell republikanisch dominierten Texas und gewann die Wahl mit 50,9 zu 48,3 Prozent der Stimmen.
US-Präsidentschaftskandidatur 2016
Am 23. März 2015 gab Ted Cruz bekannt, dass er für die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2016 als Kandidat der Republikaner antreten wolle. Nach George W. Romney, der 1968 Richard Nixon den Vortritt als republikanischer Bewerber für das Präsidentenamt ließ, ist er erst der zweite Kandidat für die Präsidentschaft, der eindeutig außerhalb der USA geboren wurde. Eines der Erfordernisse für die Wählbarkeit zum Präsidenten ist die Eigenschaft, ein natural born citizen (geborener Staatsbürger) zu sein. Dies legen sogenannte birthers so aus, dass der Kandidat in den USA geboren sein muss. Dagegen reicht es nach herrschender Meinung, durch die Staatsangehörigkeit der Mutter von Geburt an US-Bürger zu sein. Da bisher keine Entscheidung des Obersten Gerichtshofes in dieser Sache vorliegt, bleibt eine gewisse Unsicherheit.
Seit November 2015 stiegen die Umfragewerte für Cruz um die republikanische Spitzenkandidatur stetig an. Als ein Grund galten Zustimmungsverluste von Ben Carson aus dem rechtskonservativen Lager der Partei. Cruz nutzte eine an der Parteibasis stark verbreitete Grundstimmung gegen die Parteiführung, die er verächtlich als „Washingtoner Establishment“ kritisierte, die nur „big government“, also mehr Zentralgewalt wolle. Bei den ersten Caucus-Vorwahlen in Iowa am 1. Februar 2016 siegte er überraschend mit 27,7 % vor dem in Umfragen zuvor führenden Immobilienmilliardär Donald Trump, der mit 24,3 % Zweiter wurde, und dem als „moderater Konservativer“ geltenden Senator aus Florida, Marco Rubio, der mit 23,1 % den dritten Platz belegte. Im Gegensatz zu den meisten anderen Kandidaten äußerte sich der texanische Senator positiv zu Trumps sehr umstrittenen
Forderungen nach Abschiebung aller illegalen Einwanderer. Wie der Milliardär forderte Cruz, den Bau der Befestigungsanlagen an der Grenze zu Mexiko voranzutreiben.
Am 31. Januar 2016 kündigte die Sprecherin der konservativen Graswurzelbewegung Tea Party Patriots Citizens Fund, Jenny Beth Martin, an, dass ihre Organisation die Kandidatur von Ted Cruz zum Präsidenten der USA unterstütze („We seek a candidate who shares our values: personal freedom, economic freedom, and a debt-free future. […] On behalf of Tea Party Patriots Citizens Fund and our supporters, I am proud to announce our endorsement for President of the United States: Senator Ted Cruz!“).
Bis zum April 2016 konnte sich Cruz in elf Bundesstaaten durchsetzen. Er erhielt nach Donald Trump die zweitmeisten Stimmen. Dieser verbuchte bis dahin in 22 Staaten Siege. Nach der Vorwahl in New York am 19. April, bei der Cruz nur den dritten Platz nach Trump und John Kasich belegte, baute der Milliardär den Vorsprung an Delegierten so weit aus, dass nur noch er die absolute Mehrheit der Delegierten vor dem Parteitag auf sich vereinen konnte. Die Nominierung von Cruz wäre nur noch möglich gewesen, wenn auch Trump die absolute Mehrheit an Delegierten verfehlte. Dafür wäre auf dem Parteitag ein zweiter Wahlgang nötig gewesen, in dem die meisten Delegierten nicht mehr an das Vorwahlergebnis gebunden gewesen wären. Cruz hat auch unter Republikanern, die keine direkten Unterstützer Donald Trumps sind, wenig Befürworter – jedoch zahlreiche prominente Gegner. So sprachen sich der ehemalige Speaker des Repräsentantenhauses John Boehner, Ex-Präsidentschaftskandidat John McCain, Senator Lindsey Graham und Ex-Senator Bob Dole öffentlich deutlich gegen ihn als Präsidentschaftskandidat aus. Boehner, der 2015 auf Druck der Tea Party zurückgetreten war, nannte Cruz einen „leibhaftigen Luzifer“ („Lucifer in the flesh“).
In den ersten Monaten der Vorwahlen äußerte sich Cruz wiederholt positiv über Donald Trump und nannte diesen einen aufrechten Mann und Freund. Als dieser seine Attacken auf „Lügented“ („Lying Ted“) verschärfte und eine Verwicklung von Cruz’ Vater in die Ermordung von John F. Kennedy andeutete, wandte sich Cruz vor der entscheidenden Vorwahl in Indiana gegen Trump, den er nun einen „Schürzenjäger“ und „krankhaften Lügner“ nannte. Nach deutlichen Niederlagen gegen Trump bei Vorwahlen im Nordosten der USA und in Indiana gab Cruz am 3. Mai 2016 seine Kandidatur auf.