Die Technische Universität Berlin (kurz TU Berlin) in Berlin-Charlottenburg ist mit ihren knapp 34.000 Studierenden und über 100 Studiengängen eine der 20 größten Hochschulen in Deutschland. Sie steht in der Tradition der 1879 gegründeten Königlich Technischen Hochschule zu Berlin.
Die am Großen Tiergarten gelegene TU Berlin gehört zu den führenden deutschen Technischen Hochschulen (TU9). Zentrale Forschungsbereiche der Universität liegen in den Ingenieur- und Naturwissenschaften. Als eine der aktivsten Gründeruniversitäten in Deutschland bringt sie jährlich eine hohe Anzahl an Jungfirmen im Bereich der Spitzentechnologie hervor. Insbesondere in den Fachbereichen Mathematik und Informatik zählt sie zu den forschungsstärksten Institutionen in Europa.
2019 wurde die Technische Universität Berlin als Einrichtung der Berlin University Alliance (zusammen mit der Humboldt-Universität zu Berlin, der Freien Universität Berlin und der Charité) erfolgreich in die Reihe der Exzellenzuniversitäten aufgenommen. Laut DAAD-Studie zählt die TU Berlin bei internationalen Studenten zu den bevorzugten Studienorten in Deutschland.
In der selbstständigen Stadt Charlottenburg entstand am 1. April 1879 durch die Zusammenlegung der 1799 begründeten Berliner Bauakademie und der Königlichen Gewerbeakademie die Königlich Technische Hochschule zu Berlin. Am 2. November 1884 wurden die an der damaligen Berliner Straße (heute Straße des 17. Juni) in Charlottenburg errichteten Neubauten der Hochschule feierlich eingeweiht.
Auf Betreiben von Adolf Slaby erhielt die Hochschule anlässlich der Hundertjahrfeier der Berliner Bauakademie am 19. Oktober 1899 auf „Allerhöchste[n] Erlaß“ (Kabinettsorder) von Wilhelm II., des Königs von Preußen, das Promotionsrecht zugesprochen. Neben dem zeitgleich eingeführten akademischen Grad Diplom-Ingenieur als Abschluss für Studierende der Ingenieurwissenschaften an den Technischen Hochschulen Preußens durfte sie damit wie die anderen Technischen Hochschulen in Preußen als erste Technische Hochschulen Deutschlands den Grad eines Doktor-Ingenieurs (Dr.-Ing.) verleihen.
Die Bergakademie Berlin wurde am 1. Oktober 1916 als Abteilung für Bergbau der Technischen Hochschule angegliedert. Nach der Eingemeindung der Stadt Charlottenburg durch das Gesetz über die Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlin (Groß-Berlin-Gesetz) erhielt die Hochschule 1920 den Namen Technische Hochschule zu Berlin. Im Herbst 1927 wurde die Geodätische Abteilung der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin an die Technische Hochschule verlegt.
Nationalsozialismus: 1933 bis 1945
Im Rahmen der Planungen zur Reichshauptstadt Germania war während der Zeit des Nationalsozialismus in der TH Berlin der Ausbau einer neuen sogenannten Wehrtechnischen Fakultät V zu einer der größten im Deutschen Reich geplant. Dieser kam aber nach dem Suizid des designierten Leiters General Karl Becker nur ansatzweise zustande.
Während der Jahre von 1933 bis 1945 wurden zahlreiche Wissenschaftler aus ihren Instituten vertrieben. Darunter waren Persönlichkeiten wie Georg Schlesinger, Hans Jacob Reissner, Herbert Max Finlay Freundlich, Bruno Taut, Edwin Schwerin, Hans Stammreich, Gustav Hertz, Dennis Gábor und Eugene Paul Wigner.
Während der Schlacht um Berlin wurde die Technische Hochschule am 20. April 1945 geschlossen. In einem provisorischen, 15-köpfigen Arbeitsausschuss, der sich schon im Mai 1945 mit Gustav Hertz, Max Volmer, Werner Hahmann, Walter Kucharski und anderen gebildet hatte, wurden Georg Schnadel zum kommissarischen Rektor und Walter Kucharski zum kommissarischen Prorektor gewählt. Am 9. April 1946 wurde die zerstörte, nun im britischen Sektor des geteilten Berlins liegende Bildungseinrichtung als Technische Universität Berlin mit humanistischer Neuausrichtung neu gegründet. Die Humanistische Fakultät wurde 1950 gegründet.
Die Professoren Vockel und Gobrecht gründeten 1950 den Verein Studentische Darlehnskasse Berlin-Charlottenburg, der 1951 in Studentische Darlehnskasse e. V. umbenannt worden ist.
Über ein Drittel der Studierenden der TU stammte aus der DDR und Ost-Berlin, woher ein Teil täglich einpendelte, und erhielt eine öffentliche Beihilfe zum Lebensunterhalt. Häufiges Motiv der Studienortwahl war ein aus sozialen oder politischen Gründen verwehrter Hochschulzugang in der Heimat. Dies prägte die überwiegend ablehnende Haltung der Studentenschaft gegenüber der DDR und der auch in West-Berlin aktiven SED. Eine dauerhafte Änderung bewirkte ab 1961 der Bau der Berliner Mauer, der Studierende mit Ost-Erfahrungen bis 1990 von West-Berliner Hochschulen fernhielt.
1969 führte das Berliner Universitätsgesetz zur Ablösung der Ordinarien- durch die Gruppenuniversität. Im Zuge dessen wurden 1970 die bisherigen neun Fakultäten durch 21 Fachbereiche ersetzt, die – mit Ausnahme des Fachbereichs Mathematik – in Institute gegliedert waren. Der Fachbereich Mathematik organisierte sich in Arbeitsgruppen selbst. 2001 wurden die Fachbereiche wieder zugunsten von Fakultäten abgeschafft, die seitdem teilweise ihr Budget selbst verwalten.
Neben Veranstaltungsorten an der Freien Universität Berlin war das Auditorium maximum der TU ein Hauptveranstaltungsort während der Auseinandersetzungen der Studentenbewegung: Nur wenige hundert Meter vom ehemaligen Telefunken-Hochhaus entfernt liegt der Ort, an dem 1967 der Student Benno Ohnesorg erschossen wurde.
Im Berufsverbotestreik der Studenten der Berliner Universitäten, Hoch- und Fachhochschulen 1976/77 spielten die Studenten der TU eine entscheidende Rolle, als sie sich in unerwartet großer Zahl dem von der FU ausgehenden Ausstand anschlossen. Der TU-Präsident unterstützte die wesentlichen Forderungen der Studenten.
1978 waren Foyer und Audimax Mittelpunkt bei einer mehrtägigen Versammlung bundesweit aktiver, „alternativer“ Gruppen zum „Treffen in Tunix“ mit 15.000 Teilnehmern. Die bei Tunix initiierte Organisation Netzwerk Selbsthilfe wurde gegründet. 1980 wurden Teile der Pädagogischen Hochschule Berlin in die TU integriert.
Die TU Berlin wurde die zweitgrößte technische Universität Deutschlands. Der staatliche Zuschuss lag 2003 bei 285 Mio. €.
Mit dem Erwerb des Telefunken-Hochhauses 1975 und den Neubauten des Mathematikgebäudes 1983 (Straße des 17. Juni 136), des neuen Instituts der Physik 1984 (Hardenbergstr. 36) und des Produktionstechnischen Zentrums 1986 (Pascalstr. 8–9) wurde die TUB zur größten Technischen Universität der damaligen Bundesrepublik.