An diesem Tag

Tassilo Tröscher

Deutscher Politiker (SPD), MdL und Hessischer Minister für Landwirtschaft und Forsten

Anúncio

Tassilo Tröscher (* 25. Dezember 1902 in Atzenbach, Landkreis Lörrach; † 9. Juli 2003 in Wiesbaden) war ein deutscher Politiker (SPD). Er war Diplomlandwirt und von 1958 bis 1959, 1962 bis 1963 und 1966 bis 1974 Mitglied des Hessischen Landtags, von 1967 bis 1970 Minister für Landwirtschaft und Forsten. Er wirkte zudem als Kurator für Technik und Bauwesen und erhielt zahlreiche ausländische Auszeichnungen.

Tröscher wurde als Sohn von Emma Tröscher, geborener Ebner, und des Fabrikdirektors und Hofbesitzers Oskar Tröscher im badischen Atzenbach geboren. Er erlangte die Mittlere Reife und absolvierte danach eine Begabtenprüfung in Landwirtschaftlicher Praxis. Daraufhin studierte er Landwirtschaft und Agrarpolitik an der Universität Hohenheim und schloss das Studium als Diplomlandwirt ab. Nach einem Aufenthalt in den Vereinigten Staaten von Amerika in den Jahren 1926 bis 1928 wurde Tassilo Tröscher zum Beamten im Reichskuratorium für Technik in der Landwirtschaft in Berlin. Von 1928 bis 1938 war er dort Referent für Betriebswirtschaft und Abteilungsleiter. In Berlin erfolgte 1932 auch seine Promotion zum Dr. agr. an der Landwirtschaftlichen Hochschule. Von 1938 bis 1945 war Tröscher Mitglied der Geschäftsführung der Wirtschaftsgruppe Chemische Industrie; von 1946 bis 1952 war er Verbandsgeschäftsführer der Fachgruppe Tierkörperverwertung in der Wirtschaftsgruppe Chemie.

Bis 1933 gehörte Tröscher der Deutschen Demokratischen Partei an. Zum 1. März 1933 trat er in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 1.498.946). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er 1946 Mitglied in der SPD und gehörte im gleichen Jahre zu den Mitbegründern des Agrarausschusses beim Parteivorstand der SPD, als dessen Vorsitzender er zeitweise fungierte. Ein Jahr später gründete er mit Artur von Machui und anderen die Agrarsoziale Gesellschaft e. V. (ASG) in Göttingen, deren Vorsitzender er bis 1977 blieb. 1953 wurde er als Ministerialdirektor ins hessische Ministerium für Landwirtschaft und Forsten berufen, wo er 1956 Staatssekretär wurde.

Tröscher war viermals als gewählter Abgeordneter Mitglied des Hessischen Landtags: Erstmals erhielt er einen Sitz in der am 1. Dezember 1958 begonnen 4. Wahlperiode, gab sein Mandat aber bereits im folgenden Oktober auf. Für die 5. Wahlperiode (1. Dezember 1962 bis 30. November 1966) wurde er erneut ins Landesparlament gewählt, schied aber nach nur einem Monat wieder vorzeitig aus. Seine dritte Zeit als Abgeordneter erstreckte sich hingegen über die volle Länge der 6. Wahlperiode und 7. Wahlperiode, also vom 1. Dezember 1966 bis zum 30. November 1974.

Im Januar 1967 wurde er als Nachfolger von Gustav Hacker Hessischer Minister für Landwirtschaft und Forsten. Dieses Amt behielt er bis 1970. Anschließend war er bis 1974 Vorsitzender des Agrarausschusses im hessischen Landtag.

Für seine Tätigkeit wurde Tröscher mehrfach geehrt. So ernannte ihn die Landwirtschaftliche Fakultät der Justus-Liebig-Universität zu Gießen 1964 zum Ehrendoktor (Dr. agr. h. c.); 1968 erhielt er das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband und die Max-Sering-Medaille der Gesellschaft zur Förderung der inneren Kolonisation, 1971 die Alexander-von-Humboldt-Medaille der Alfred Toepfer Stiftung F. V. S. in Hamburg, 1973 die Freiherr-vom-Stein-Plakette des Landes Hessen und 1978 die Tilo-Freiherr-von-Wilmowsky-Medaille.

Im Jahr 1992 gründete er die „Stiftung Tassilo Tröscher – Für die Menschen im ländlichen Raum“.

Tassilo Tröscher war evangelisch, von 1928 bis 1965 verheiratet mit Lydia Tröscher, geborener Schäfer, und in zweiter Ehe mit Edith Tröscher, geborener Hartmann. Aus der ersten Ehe gingen fünf Kinder hervor. Er lebte in Wiesbaden, starb dort 2003 im Alter von 100 Jahren und war nach Paula Karpinski der zweite und bisher letzte Landesminister, der dieses Lebensalter erreichte.

Tassilo Tröscher: Das ganze Leben. Familie, Beruf, Politik. Schriftenreihe für ländliche Sozialfragen, 125. Agrarsoziale Gesellschaft, Göttingen 1995

Albrecht Kirschner: Abschlussbericht der Arbeitsgruppe zur Vorstudie „NS-Vergangenheit ehemaliger hessischer Landtagsabgeordneter“ der Kommission des Hessischen Landtags für das Forschungsvorhaben „Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen“. Hrsg.: Hessischer Landtag. Wiesbaden 2013, S. 15, 25, 50 (Download [PDF; 479 kB]).

Hans-Peter Klausch: Braunes Erbe. NS-Vergangenheit hessischer Landtagsabgeordneter der 1.–11. Wahlperiode (1946–1987). Die-Linke-Fraktion im Hessischen Landtag, Wiesbaden 2011 (Download [PDF; 4,2 MB]).

Jochen Lengemann: Das Hessen-Parlament 1946–1986. Biographisches Handbuch des Beratenden Landesausschusses, der Verfassungsberatenden Landesversammlung und des Hessischen Landtags (1.–11. Wahlperiode). Hrsg.: Präsident des Hessischen Landtags. Insel-Verlag, Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-458-14330-0, S. 410–411 (hessen.de [PDF; 12,4 MB]).

Tröscher, Tassilo. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1261.

Jochen Lengemann: MdL Hessen. 1808–1996. Biographischer Index (= Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen. Bd. 14 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. Bd. 48, 7). Elwert, Marburg 1996, ISBN 3-7708-1071-6, S. 384.

Sabine Schneider: Belastete Demokraten. Hessische Landtagsabgeordnete der Nachkriegszeit zwischen Nationalsozialismus und Liberalisierung. Hg. Historische Kommission für Hessen ISBN 978-3-942225-45-8 (darin Einträge zu Tröscher sowie zu 10 weiteren Personen), Vertrieb Hessisches Staatsarchiv Marburg 2019 (Reihen: Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 48, 15; & Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen, 47) (endgültiger Bericht zu einem Vorbericht von 2013)

Literatur von und über Tassilo Tröscher im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

Tröscher, Arnulf Tassilo. Hessische Biografie. (Stand: 7. Oktober 2019). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).

Webseite der Tassilo Tröscher Stiftung

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Tassilo Tröscher | World in Stories