Haydée Tamara Bunke Bíder (* 19. November 1937 in Buenos Aires, Argentinien; † 31. August 1967 in Vado del Yeso, Bolivien), auch bekannt unter ihrem Kampfnamen Tania, war eine deutsch-argentinische Guerillera, die durch ihre Teilnahme am bolivianischen Guerillakampf unter dem Kommando von Che Guevara bekannt wurde.
Tamara Bunke wurde in Argentinien als Tochter deutscher Exilanten geboren. Ihre Mutter Nadja Bunke geb. Bider (1911–2003) stammte aus einer jüdischen Familie in Odessa und arbeitete als Lehrerin. Ihr Vater Erich Bunke (1902–1994) war Sportlehrer. Die beiden hatten sich in Berlin kennengelernt und waren als überzeugte Kommunisten und Angehörige einer Widerstandsgruppe 1935 vor den Nationalsozialisten nach Argentinien geflohen. Die Eltern traten 1936 der argentinischen Kommunistischen Partei bei und wurden die Mitbegründer der Gruppe „Das andre Deutschland“. 1937 wurde der Vater Vorstandsmitglied der sozialdemokratischen Gruppierung Vorwärts. Der noch in Deutschland geborene Mathematiker Olaf Bunke war Tamaras Bruder. Die Familie Bunke kehrte 1952 in die DDR zurück und lebte in Stalinstadt, wo Erich Bunke wieder als Lehrer arbeitete. Tamara Bunke beteiligte sich als Jugendliche am regelmäßigen Schießtraining in der Gesellschaft für Sport und Technik. Sie stellte zu ihrem 18. Geburtstag einen Antrag auf Mitgliedschaft in der SED und gleichzeitig einen Antrag auf Entlassung aus der deutschen Staatsbürgerschaft und Ausreise nach Argentinien mit der Begründung, dort den Kampf für die Arbeiterklasse führen zu wollen. 1956 legte sie ihr Abitur an der Erweiterten Oberschule ab. Darauf arbeitete Tamara Bunke hauptamtlich in der Freien Deutschen Jugend als Pionierleiterin an einer Berliner Schule, bevor sie 1958 am Romanistischen Institut der Humboldt-Universität zu Berlin immatrikuliert wurde.
An der Universität gründete sie gemeinsam mit lateinamerikanischen Kommilitonen eine nach Ernst Thälmann benannte Studentengruppe zum gegenseitigen politischen und kulturellen Austausch über die DDR und Lateinamerika. Sie wurde Mitglied der SED, die Ausreise wurde ihr jedoch zunächst verweigert. Ihr Studium unterbrach Bunke häufig, wenn ihre Sprachkenntnisse ihr zu Dolmetsch-Einsätzen verhalfen, zudem schloss sie ein Studium an der FDJ-Jugendhochschule „Wilhelm Pieck“ ab. Ab 1960 wurde Bunke unter der Nummer 430/60 als Perspektivagentin der Hauptverwaltung A (HV A) des Ministeriums für Staatssicherheit geführt, des Auslandsgeheimdienstes der DDR. Der Oberleutnant der HV A Günter Männel sprach mit ihr darüber, dass sie nach der von ihr beantragten Ausreise nach Argentinien für das MfS berichten sollte. Laut einem MfS-Bericht von 1962 war sie für einen Einsatz zunächst in Argentinien und später in den USA vorgesehen.
Laut späterer Aussagen Männels hatte er Bunke explizit auf Ernesto „Che“ Guevara angesetzt. Die internationalen Ambitionen des Revolutionärs, die er unabhängig von außenpolitischen Prioritäten anderer sozialistischer Staaten verfolgte, machten genaue Informationen über ihn besonders interessant – insbesondere auch für den KGB, mit dem die DDR-Geheimdienste eng zusammenarbeiteten. Allerdings gibt es in den heute bekannten Akten keine Hinweise auf eine tatsächliche Arbeit Bunkes für die HV A oder den KGB. Im Dezember 1960 kam Guevara an der Spitze einer Wirtschaftsdelegation zu einem Besuch in die DDR. Tamara Bunke wurde in Leipzig als seine Dolmetscherin eingesetzt. Sie war fasziniert von ihrem international als Held verehrten Landsmann und der knapp zwei Jahre zuvor erfolgreichen Kubanischen Revolution, was ihre Sehnsucht nach Lateinamerika verstärkte.
Bunkes Ausreise wurde am 12. Dezember 1960 vom Zentralkomitee der SED genehmigt. Noch im selben Monat dolmetschte sie erneut für offizielle Gäste aus Kuba: Fernando und Alicia Alonso, die Direktoren des Kubanischen Nationalballetts, das sich auf Europatournee befand. Bunke berichtete den Kubanern von ihrer Begeisterung für ihr Land und von ihrem großen Wunsch, es zu besuchen. Laut einem Bericht des MfS hatte Bunke zudem ein Verhältnis zu einem Sekretär der kubanischen Botschaft in Prag. In der Folge erlangte sie eine offizielle Einladung des staatlichen kubanischen Instituts für Völkerfreundschaft (ICAP) und im Mai 1961 kurzfristig einen Platz im Flugzeug, mit dem die Delegation des Nationalballetts von Prag aus zurück nach Kuba reiste. Der Platz war freigeworden, nachdem eine Tänzerin die Europareise zur Flucht genutzt hatte. Bis zum Tag ihres Abflugs von Berlin-Schönefeld nach Prag zur Weiterreise nach Havanna hatte Bunke ihre Familie nicht darüber informiert, dass ihr bereits mehrere Wochen zuvor die beantragte Entlassung aus der deutschen Staatsangehörigkeit gewährt worden war und sie die Einladung nach Kuba besaß. MfS-Oberleutnant Männel lief wenige Wochen vor Bunkes Verlassen der DDR in den Westen über und enttarnte zahlreiche im Westen tätige Agenten. Damit endete offenbar Tamara Bunkes Kontakt zum MfS.
In Kuba studierte Tamara Bunke zunächst Journalismus und arbeitete als Übersetzerin und Dolmetscherin für verschiedene Behörden, darunter das Erziehungsministerium, den Frauenverband FMC und das ICAP. Sie schloss sich 1962 der von der Regierung aufgebauten revolutionären Volksmiliz an und trug fortan bevorzugt Uniform. Später wurde sie von Ernesto Guevara als geeignete Unterstützerin seines geplanten Exports der sozialistischen Revolution auf dem südamerikanischen Kontinent ausgewählt und erhielt ab Mai 1963 vom kubanischen Geheimdienst DGI eine militärische und geheimdienstliche Ausbildung. Sie wählte sich den Kampfnamen „Tania“ im Andenken an eine sowjetische Partisanin. Mit einem ihrer kubanischen Ausbilder, Ulises Estrada, der später das Buch Tania. Mit Che Guevara im bolivianischen Untergrund über sie verfasste, verband sie von 1963 bis 1964 ein Liebesverhältnis. Ein weiterer Ausbilder war der unter seinem Kampfnamen „Benigno“ bekannte Dariel Alarcón Ramírez, der an der Seite Guevaras bereits im kubanischen Revolutionskrieg sowie im Kongo gekämpft hatte und einer von nur fünf Überlebenden der Bolivien-Guerilla war. Nach Abschluss ihrer Ausbildung reiste Tamara Bunke zum Aufbau ihrer für die Agententätigkeit benötigten Legenden unter verschiedenen falschen Identitäten durch Europa, unter anderem nach West-Berlin.
Nach ihrer Europareise, die ein mehrmonatiges geheimdienstliches Training in der Tschechoslowakei im Frühjahr 1964 einschloss, wurde Bunke unter dem Namen „Laura Gutiérrez Bauer“ im Oktober 1964 vom kubanischen Geheimdienst als Agentin nach Bolivien geschickt. In La Paz sollte sie Kontakte zur dortigen Oberschicht suchen, was zunächst recht erfolgreich verlief. Sie gab sich als an der Volkskultur der Anden interessierte Musikethnologin aus und gab unter anderem Privatunterricht in Deutsch. So verschaffte sie sich Zugang zum Umfeld des Präsidenten René Barrientos Ortuño, den sie bald persönlich kennenlernte. Sie heiratete einen Bolivianer, um so die bolivianische Staatsangehörigkeit zu erwerben, trennte sich jedoch bald wieder von ihm. Schließlich arbeitete sie als persönliche Sekretärin des Pressesprechers des Präsidentenpalastes und hatte in dieser Position beste Möglichkeiten zur verdeckten Unterstützung der Revolutionskämpfer. Ab November 1966 war dann auch Guevara zur Vorbereitung des Guerillakampfs in Bolivien. Getarnt als Moderatorin einer Hörfunksendung für Frauen schickte Bunke den Kämpfern in den Bergen über das Radio verschlüsselte Botschaften. Für die schlecht versorgte Truppe, die unter der lokalen Bevölkerung kaum Unterstützung fand, war sie der zentrale Kontakt zur Außenwelt. Zum Jahreswechsel begab sich Bunke erstmals zu den Guerillakämpfern um Guevara am Río Ñancahuazú und erhielt dort neben weiteren Instruktionen den Befehl, nach Argentinien zu reisen, um die dortige revolutionäre Stadtguerilla zu organisieren. Sie reiste somit erstmals wieder in ihre alte Heimat, ihre Bemühungen um wirksame Unterstützung erzielten aber nicht den erhofften Erfolg. Unter Missachtung des ausdrücklichen Befehls, sich selbst von der Guerilla fernzuhalten, wartete sie im März 1967 zwei Wochen lang an Guevaras Stützpunkt in den Bergen auf den Comandante, nachdem sie die aus dem Ausland angereisten Unterstützer Régis Debray und Ciro Bustos dorthin gebracht hatte. Das bolivianische Militär fand in der Zwischenzeit ihren geparkten Geländewagen mit ihrem viele geheime Informationen enthaltenden Notizbuch, sodass ihre Tarnung aufflog. Guevara kommentierte am 27. März in seinem Kriegstagebuch, dass mit ihrer Enttarnung „zwei Jahre guter und geduldiger Arbeit verloren“ gegangen seien und die geplante Abreise seiner Besucher aus der Kampfzone nun sehr schwierig geworden sei.