Taksin der Große (thailändisch ตากสินมหาราช - ; in der thailändischen Geschichtsschreibung: Somdet Phrachao Krung Thonburi („König von Thonburi“); * 17. April 1734 in Ayutthaya; † 6. April 1782 in Thonburi), war König von Siam (Thailand) nach dem Ende des Königreichs von Ayutthaya 1767 bis zum Beginn der Chakri-Dynastie.
Wie bei hochgestellten Personen im alten Siam üblich, änderte sich der Name Taksins im Verlauf seines Lebens bei der Übernahme neuer Positionen mehrfach. Auch postum wurde er mit verschiedenen Namen und Titeln bezeichnet. Sein bürgerlicher Name war Sin, Nachnamen existierten zur damaligen Zeit in Siam nicht. Mit der Übernahme des Gouverneursposten in der Provinz Tak bekam er den Titel Phraya Tak. Unter diesem Titel wurde er bekannt und manchmal zur Unterscheidung um seinen individuellen Namen ergänzt, also Phraya Tak (Sin). In älteren westlichen Quellen, die mit den siamesischen Namenskonventionen nicht vertraut waren, wurde er später, als König, auch als Phraya/Phya/Phaya Tak bzw. Phyatak bezeichnet. Während der Wirren des Krieges, der zum Untergang von Ayutthaya führte, war er vermutlich kurzzeitig Gouverneur von Kamphaeng Phet, einige Quellen führen ihn daher auch als Phraya Kamphaengphet.
Bei seiner Thronbesteigung nahm er, wie zuvor die Könige Ayutthayas, einen sehr langen, Glück verheißenden und den Machtanspruch manifestierenden Titel an, in dem mehrere Elemente aus den Namen früherer Könige enthalten sind, um sich Kontinuität und Legitimität abzuleiten: Phra Si Sanphet Borom Thammikaratchathirat Borommachakkraphat usw. („dharmischer König der Könige“, „erhabener Weltenherrscher“). In verschiedenen siamesischen Königschroniken wird er u. a. als König Ekathotsarot oder als Borommaracha IV. bezeichnet. In aktuellen thailändischen Geschichtswerken heißt er Somdet Phrachao Krung Thonburi (สมเด็จพระเจ้ากรุงธนบุรี, „König von Thonburi“), weil er der einzige Herrscher war, der von dieser Hauptstadt aus regierte. In der Bevölkerung hat sich jedoch der Name Phrachao Taksin (พระเจ้าตากสิน) eingebürgert. Seit einem Kabinettsbeschluss von 1981 trägt er den Beinamen Maharat (มหาราช, „der Große“).
Taksin wurde als Sohn eines chinesischen Einwanderers mit Namen Hai Hong (Thai: ไหฮอง) und der Siamesin Nok-Iang (Thai: นกเอี้ยง) in Ayutthaya geboren. Hai Hong, der wahrscheinlich aus Chaozhou (Teochiu) stammte, war recht wohlhabend. Er durfte in der Hauptstadt Spielhallen betreiben, wofür er der Regierung Steuern zahlen musste, und trug den Titel Khun Phat Nai-Akon.
Taksin wurde noch als Kleinkind vom Chaophraya Chakri, dem Vorsteher des Mahatthai (Ministerium der Nordprovinzen), adoptiert. Einer Legende zufolge fiel diesem auf, dass seitdem seine finanziellen Transaktionen von besonderem Erfolg gekrönt waren. Daher nannte er den Jungen Sin (etwa: Wohlstand). Mit sieben Jahren wurde Sin der Tradition folgend Novize in einem buddhistischen Kloster. Nachdem Sin das Kloster verlassen hatte, trat er als Page in den Dienst des Königs. Im Alter von 20 ließ er sich als Mönch erneut im Kloster Wat Kosawat ordinieren. Dort studierte er volle drei Jahre lang die heiligen Schriften sowie die Pali-Sprache. Einer weiteren Legende zufolge traf er im Kloster den jungen Thong Duang (den späteren König Phra Phutthayotfa Chulalok (Rama I.). Beiden wurde von einem chinesischen Wahrsager späteres Königtum prophezeit, was beide jedoch nicht ernst nahmen. Nach den drei Jahren kehrte Sin an den Hof König Borommakots zurück, wo er Assistent im Mahatthai-Ministerium wurde.
Nach dem Tod von König Borommakot machte Sin unter der Herrschaft König Ekathats Karriere in Verwaltung und Militär. Er wurde 1760 Vizegouverneur, später Gouverneur der Provinz Tak, was ihm den Namen Taksin einbrachte, sein offizieller Titel war Phraya Tak.
Während des Siamesisch-Birmanischen Kriegs ab 1764 war er General im Heer des Königs von Ayutthaya. Er wird als fähiger und tapferer Militärführer dargestellt, aber auch als impulsiv und eigenwillig. Während der Belagerung Ayutthayas durch die Truppen des birmanischen Königs Hsinbyushin befehligte er ein befestigtes Kloster etwas außerhalb des Stadtgrabens. Dort nutzte er eine günstige Gelegenheit, eine Kanone auf den Feind abzufeuern, ohne dafür die Erlaubnis des Palasts einzuholen, wie es seine Pflicht gewesen wäre. Dafür wurde er vor Gericht gestellt und heftig gemaßregelt.
Ob aus Abscheu vor einer Führung, die hergebrachte Regeln über militärischen Nutzen stellte, oder aus der Erkenntnis, dass Ayutthaya nicht zu halten war, entzog sich Taksin mit den ihm unterstellten Truppen im November 1766 seinen Vorgesetzten und besetzte eine Festung in der Nähe der Hauptstadt. Als im Januar 1767 ein großes Feuer in Ayutthaya ausbrach, verließ er das Schlachtfeld ganz und durchbrach mit einer Truppe von etwa 1000 Mann den birmanischen Belagerungsring, um nach Südosten zu ziehen. Kurze Zeit später nahmen die Birmanen die Hauptstadt ein und zerstörten sie vollständig. Der König starb oder verschwand. Siam lag am Boden, Chaos und Anarchie herrschten im Land, Untergangsstimmung breitete sich aus.
Wie Taksin selbst war ein Großteil seiner Einheit dem Geschichtsschreiber Prinz Damrong Rajanubhab zufolge chinesischstämmig. Ihr ethnischer Hintergrund mag auch ein Grund für ihre Bewegungsrichtung gewesen sein: An der östlichen Golfküste siedelten viele Chinesen. Sie zogen nach Chon Buri und weiter nach Rayong. Dort hielt Taksin eine Versammlung ab, auf der er sich angesichts der aufgelösten Staatsordnung in Ayutthaya zum Oberhaupt (chao) aus eigenem Recht ausrufen ließ. Er vergab selbst feudale Titel an örtliche Dorfoberhäupter, ein Recht, das eigentlich dem König zukam. Im Juni 1767 eroberte Taksins Armee Chanthaburi, dessen Provinzgouverneur sich gegen ihn gestellt hatte, wahrscheinlich weil er eigene Ambitionen verfolgte. Dadurch kontrollierte er die gesamte Ostküste mit mehreren kleineren Häfen und dazugehörigen Schiffen.
Im Oktober 1767 – sechs Monate nach dem Fall Ayutthayas – stieß er mit seiner Armee nach Westen, in die damals noch birmanisch besetzte zentralthailändische Ebene vor. Er nahm die Festung Thonburi ein und ließ den von Birma eingesetzten Kommandanten hinrichten. Die Nachricht davon alarmierte das Hauptquartier der birmanischen Besatzungstruppen bei Ayutthaya. Die Hauptarmee war aber bereits nach Birma zurückgekehrt, nur wenige tausend Mann waren zur Besatzung zurückgeblieben. Den gegen ihn entsandten Truppen trat Taksin entgegen, gewann die ersten kleineren Gefechte und überrannte schließlich die birmanische Garnison. Die dieser unterstellten siamesischen Truppen liefen dabei möglicherweise zu Taksin über. Die Befreiung der alten Hauptstadt hatte mehr symbolischen Wert, verstärkte auch das Charisma, mit dem Taksin seine Ziele zu erreichen vermochte.
Taksin ließ Ayutthaya aber nicht wiederaufbauen, sondern erwählte die kleine Festungsstadt Thonburi (heute ein Teil von Bangkok) am westlichen Ufer des Mae Nam Chao Phraya (Chao-Phraya-Fluss) zur neuen Hauptstadt. Der Legende nach hatte er einen Traum, in dem ihm frühere Könige Ayutthayas erschienen und ihn aus der alten Königsstadt vertrieben. Es gab aber auch rationale Gründe: Die Stadtbefestigung von Ayutthaya war zerstört, es wäre sehr aufwändig gewesen und hätte möglicherweise zu lange gedauert, sie wiederaufzubauen, um einen potentiellen neuen Angriff Birmas abzuwehren. Auch waren die Reisfelder rund um die alte Hauptstadt während des Kriegs verwüstet oder zumindest nicht bestellt worden, was die Versorgung erschwert hätte. Die Mauern Thonburis waren hingegen intakt, es lag strategisch günstig und umgeben von Städten, die ebenfalls unter Kontrolle Taksins und seiner Verbündeter standen. Zudem war Taksin damals nur einer unter mehreren rivalisierenden Kriegsfürsten und konnte noch gar nicht wissen, dass er sich als König ganz Siams durchsetzen würde. Praktische und strategische Erwägungen mögen daher wichtiger gewesen sein als symbolische Verbindung zur Vergangenheit.
Trotz der Verlegung der Hauptstadt war er um Kontinuität mit dem alten Reich bemüht: Er ließ König Ekathat feierlich einäschern, was während der Kriegswirren unterblieben war. Außerdem heiratete Taksin vier Hofdamen des alten Königreichs, Töchter hochrangiger Aristokraten, um sich mit der alten Elite zu verbinden. Taksins Berater überzeugten ihn schließlich, dass das Volk, das Militär und die Beamtenschaft ihn als König wünschten und er ließ sich am 28. Dezember 1767 krönen.