An diesem Tag

Takeshi Kitano

Japanischer Regisseur und Schauspieler

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Takeshi Kitano (jap. 北野 武 Kitano Takeshi; * 18. Januar 1947 in Adachi, Tokio) ist ein japanischer Regisseur, Schauspieler, Dichter, Autor, TV- und Radiomoderator, Maler und populärer Comedian. In Deutschland ist er vorrangig dank der Filme Hana-Bi, Battle Royale, Zatoichi – Der blinde Samurai, Kikujiros Sommer, aber auch der Gameshow Takeshi’s Castle bekannt geworden. Seit April 2005 ist er außerdem Dozent an der Tokyo National University of Fine Arts and Music. In Japan ist er auch unter dem Pseudonym Beat Takeshi bekannt.

Geboren wurde Kitano im Januar 1947 in Adachi, einem Arbeiterviertel am Stadtrand Tokios. Er war das vierte und jüngste Kind seiner Mutter Saki († 1999) und seines Vaters Kikujiro († 1979). Zusammen mit seinen Geschwistern – Shigekazu, Yasuko und Masaru – musste Kitano eine sehr unangenehme und harte Kindheit erfahren: Sein Vater – Anstreicher von Beruf – gab sein Geld meist für Alkohol und Glücksspiel aus, sodass die Familie in Armut lebte. Wenn sein Vater schlafen wollte, wurde der junge Takeshi wohl zum Lesen unter die Straßenlaterne geschickt, um die einzige Lichtquelle im Zimmer, eine Taschenlampe, zu schonen.

Seine Mutter Saki hingegen arbeitete hart und ermöglichte all ihren Kindern eine gute Ausbildung. Dank dieser schaffte es Kitano bis auf die Meiji-Universität, welche er aber bereits nach kurzer Zeit verließ. Zur selben Zeit rannte er von zu Hause weg.

Nach verschiedenen Gelegenheitsjobs, beispielsweise als Taxifahrer oder Kellner, begab er sich nach Asakusa. Im Striplokal France-za bot man Kitano, der von nun an Komiker werden wollte, einen Job als Fahrstuhljunge an. Später bekam er eine Ausbildung von seinem Meister Fukami Senzaburo. Nach einigen holprigen Auftritten lernte er den Komiker Kaneko Kiyoshi kennen. Zusammen bildeten sie das Komikerduo „The Two Beats“, woher auch Kitanos heutiger Künstlername Beat Takeshi stammt, Kitano spielte den traditionellen „Boke“, den Dummkopf (Manzai). Schon bald wurde das Duo bekannt, denn vor allem Kitanos aggressiver und sozialkritischer Humor fand Anklang bei der Jugend. Einer seiner bekanntesten Gags ist bis heute: „Akashingo, minna de watareba kowakunai“ („Wenn alle bei Rot über die Straße gehen, ist es ungefährlich“) und sein „Comaneci“, welchen er noch heute verwendet und der nach der rumänischen Turnerin Nadia Comăneci benannt ist. Als Kiyoshi der Humor von Kitano zu provokant wurde, trennte sich das Duo und dieser machte erfolgreich als Solokünstler weiter.

1976 lernte Kitano bei einem Gastauftritt in einer Fernsehshow die Komikerin Mikiko kennen. Die beiden heirateten im Jahr 1978.

Ab 1981 hatte Kitano vor allem Erfolg mit der Show „Ore-tachi hyokinzoku“ („Wir sind eine Komikerfamilie“), in der er zusammen mit seinem Kollegen Akashiya Sanma „Takechan Man“ spielte. Akashiya stellte jeweils die Gegner Takechan Mans dar, welche mit den Jahren wechselten. Im selben Jahr startete seine wöchentliche Radioshow „All night nippon“. Die Sendung baute Kitano auf ihm zugeschickten Postkarten des Publikums auf und schuf so eine verhältnismäßig enge, beinahe schon brüderliche Beziehung zu seiner Zuhörerschaft – die zum großen Teil aus Jugendlichen bestand – auf. Die Themen reichten von Familiengeschichten bis hin zu Tipps für das Masturbieren.

Am 31. März 1981 wurde Kitanos Sohn Atsushi geboren. Am 5. Oktober 1982 kam seine Tochter Shoko zur Welt.

Das schauspielerische Talent Takeshi Kitanos wurde von dem bis heute renommierten Filmemacher Nagisa Ōshima entdeckt.

1983 durfte Kitano in einer Nebenrolle den glatzköpfigen japanischen Sergeanten „Gengo Hara“ eines Kriegsgefangenenlagers im Film Furyo – Merry Christmas, Mr. Lawrence spielen. Für ihn ein positiv besetzter und pointiert sympathischer Auftritt, da er im Finale an Heiligabend betrunken und schmunzelnd als „Weihnachtsmann“ zwei Lagerinsassen ihre Strafen erlässt. Entsprechend fand Kitano Gefallen am Kino. Zwar folgten Fernsehfilme, in denen man einen ernsten Kitano in dramatischen Rollen erlebte, jedoch wurde diese Facette erst ab Ende der 1990er wirklich akzeptiert.

1986 war ein sehr ereignisreiches Jahr für Kitano. Die Zeitschrift „Friday“ publizierte ein Foto von ihm und einer jungen Frau und behauptete, sie sei seine Geliebte. Daraufhin überfielen Kitano und seine Anhänger, die Takeshi Gundan, die Redaktion der Zeitung. Kitano wurde verhaftet. Ihm drohten sechs Monate Haft, letztlich kam er jedoch mit einer Geldstrafe davon. Daraufhin nahm er eine monatelange Pause vom Fernsehen und damit von der Öffentlichkeit, nachdem ihn dieser Skandal beinahe seine Ehe gekostet hätte, da Kitano schon des Öfteren mit jungen Damen gesehen worden war. Tatsächlich sind Kitano und Mikiko bis heute verheiratet.

1989 sollte Kitano die Hauptrolle in einem Film von Kinji Fukasaku übernehmen. Da Kitano aber nicht Fukasakus Terminplan einhalten konnte, trennte sich Letzterer von dem Projekt und Kitano drehte seinen ersten Film Violent Cop bzw. Sono otoko, kyobo ni tsuki (Vorsicht, dieser Mann ist gefährlich). Einer der nächsten Filme Kitanos, die ebenso blutige wie poetische Gangsterballade Sonatine, wurde 1993 bei den Filmfestspielen von Cannes in der Reihe „Un Certain Regard“ gezeigt. Doch auch wenn die internationale Presse ihm sehr positiv gegenüberstand, blieben Kitanos Filme außerhalb Japans wenig erfolgreich.

Karriere nach seinem Motorrollerunfall 1994

Kurz nach dem Ende der Dreharbeiten seines Filmes Minna Yatteruka – Getting any, am 2. August 1994 hatte Kitano einen schweren Unfall. Im Bezirk Shinjuku nahm Kitano mit seinem Motorroller eine Rechtskurve zu hart, prallte gegen einen Pfeiler und flog vier Meter weit, ehe er auf den Asphalt prallte. Dabei erlitt er eine schwere Kopfverletzung.

Nach zwei Tagen im Koma wachte Kitano auf, ohne sich an den Unfall erinnern zu können. Tatsächlich konnte nie geklärt werden, ob es sich um einen Unfall oder um einen Suizidversuch handelte, welchen Kitano vor dem Unfall auch in Erwägung zog. Nach langer Rehabilitation, während der er auch seine Bilder malte, die später in den Filmen Hana-Bi und Kikujiros Sommer zu sehen sein sollten, trat Kitano wieder im TV auf. Die Integration in die Fernsehwelt lief problemlos ab, obwohl Kitano seit dem Unfall in der rechten, mit einer großen Narbe gekennzeichneten Gesichtshälfte gelähmt ist. Zudem kann man bisweilen ein minimales unwillkürliches Zucken der einen Gesichtshälfte bemerken.

Nach einer Umfrage des Magazins „Spa!“ aus dem Jahr 1995 war Beat Takeshi der beliebteste Mann Japans, bei der alljährlichen Publikumsbefragung des Fernsehsenders NHK wurde er zwischen 1990 und 1995 sechs Mal in Folge zum Fernsehstar des Jahres gewählt.

1996 drehte er den Film Kids Return, der auch in Cannes gezeigt wurde und auf eine ausgezeichnete Kritik stieß. Trotzdem blieben seine Filme außerhalb Asiens kommerziell nur mäßig erfolgreich.

Unter dem Titel ここがヘンだよ日本人 Koko ga hen da yo, nihonjin (Das hat keinen Sinn, liebe Japaner) wurde eine Fernsehshow Kitanos seit 1998 bekannt. Dabei sprachen klassische Gaijin wie Christoph Neumann über Seltsamkeiten und abstruse Verhaltensweisen der Japaner und der Japanischen Kultur.

Erst 1997 kam der Durchbruch außerhalb Japans. Sein Film Hana-Bi gewann bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig 1997 den Goldenen Löwen. Von einem Tag auf den anderen war Kitano nun auch außerhalb Japans ein großer Filmstar.

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