Taipeh (chinesisch 臺北市 / 台北市, Pinyin Táiběi Shì, W.-G. T’ai-pei shih, Zhuyin ㄊㄞˊ ㄅㄟˇ ㄕˋ, Pe̍h-ōe-jī Tâi-pak-chhī – „Nordtaiwan-Stadt“, häufig in der englischen Schreibweise als Taipei wiedergegeben) ist die bedeutendste Stadt der Insel Taiwan und Hauptstadt sowie Regierungssitz der Republik China (Taiwan). Die Millionenstadt im nördlichen Teil der Insel ist die viertgrößte Stadt des Landes und bildet mit Neu-Taipeh dessen größten Ballungsraum. Das Gebiet der Stadt wird von der aus dem Landkreis Taipeh hervorgegangenen Stadt Neu-Taipeh komplett umschlossen.
Taipeh liegt in einem Becken am Zusammenfluss der Flüsse Danshui, Xindian und Jilong (Keelung). Während der Danshui-Fluss und der Xindian-Fluss die Stadt im Westen und Süden begrenzen, trennt der Jilong-Fluss das Stadtzentrum von den nördlichen Bezirken Zhongshan und Neihu.
Im Norden des Beckens erheben sich die Berge des Yangmingshan-Nationalparks mit dem Qixing Shan als höchster Erhebung (1120 m). Dort kann man geothermale Aktivitäten (heiße Quellen, Fumarolen) erleben sowie die Kirschblüte, Schmetterlinge und Graslandschaften bestaunen. Im Süden ziehen der Zoo Taipei, der Zhinan-Tempel und die Teehäuser der Maokong-Berge die Besucher an.
Kleinere Berge wie der Xiangshan reichen bis ins Stadtzentrum. Im Stadtzentrum liegt der Da’an-Park.
Das Gebiet von Taipeh gehörte ursprünglich zum Stammesgebiet taiwanischer Ureinwohner vom Stamm der Ketagalan. Zwischen 1626 und 1642 errichteten die Spanier vereinzelte Stützpunkte im Norden Taiwans, wurden jedoch von den Niederländern vertrieben. 1662 wurden die Niederländer von Zheng Chenggong (Koxinga) besiegt und mussten Taiwan verlassen. Zhengs Erben verloren die Kontrolle über Taiwan jedoch Ende des 17. Jahrhunderts an die Qing-Dynastie. Erst danach begann die Besiedlung Nordtaiwans durch Han-Einwanderer.
Schritt für Schritt zogen die Han nach Norden. Das Gebiet am Danshui-Fluss wurde das wichtigste Zentrum in Nordtaiwan. Taipehs Entwicklung begann 1709, als Chen-Lai-Zhang, eine Vereinigung von Einwanderern aus Quanzhou, Fujian, von der Regierung die Erlaubnis zur Urbarmachung des Gebietes bekam. Die erste Ansiedlung war ein am Ostufer des Danshui gelegenes Handelsdorf mit einem Hafen namens Báng-kah (taiwanische Lesung; Hochchinesisch: 艋舺, Měngjiǎ, heute Wanhua 萬華, Wànhuá), wo sich der ab 1738 errichtete Longshan-Tempel (Drachenbergtempel, 龍山寺, Lóngshān sì) befindet. Die Siedlungen Báng-kah, Dalongdong und Dadaocheng entwickelten sich zu Handelszentren und bildeten die Keimzelle Taipehs.
Anfang der 1870er Jahre begann die Entwicklung zur Großstadt. 1879 waren die Stadttore in die vier Himmelsrichtungen fertiggestellt. Bis auf das Westtor sind alle anderen heute noch erhalten. 1885 begann der Bau der Stadtmauern. Gleichzeitig wurden die Straßen mit Kopfstein gepflastert und zum Teil elektrisch beleuchtet. Im selben Jahr wurde Taipeh vom Provinzgouverneur Taiwans Liu Mingchuan zur Stadt erhoben.
Nach der Niederlage des Qing-Kaiserreichs im Ersten Japanisch-Chinesischen Krieg 1895 kam Taiwan unter japanische Herrschaft. Taipeh, japanisch Taihoku, wurde in dieser Zeit von den Japanern dreimal neu geplant und schließlich Großstadt. Der Grundriss des damaligen Gouvernementspalastes, der heute der Präsidentenpalast ist, ähnelt der Form des Schriftzeichens für Japan (日). Der größte Teil des heutigen Straßennetzes Taipehs entstand in der damaligen Zeit. Die aktuell bedeutendste Universität Taiwans, Nationaluniversität Taiwan, wurde damals gegründet.
Während des Zweiten Weltkrieges erlebte die Stadt am 31. Mai 1945 den schwersten aller amerikanischen Bombenangriffe auf Ziele in Taiwan. Der Angriff zerstörte zahlreiche Gebäude und forderte mehr als 3000 Menschenleben, mehr als alle anderen amerikanischen Luftangriffe auf Taiwan während des Krieges zusammengenommen. Während der Zeit der Kuomintang-Diktatur (1945 bis Ende der 1980er) wurde das Ereignis weitgehend totgeschwiegen, da Taiwan an guten Beziehungen zu den USA interessiert war.
Nach der Niederlage der Japaner 1945 wurde Taiwan zu einer Provinz der Republik China. Wichtige politische Ämter wurden mit Festland-Chinesen (Waishengren) besetzt. Zwischen ihnen und den Taiwanern, die eben noch japanische Staatsbürger gewesen waren, kam es zu Spannungen. Diese entluden sich 1947 in dem Zwischenfall vom 28. Februar, der in Taipeh seinen Ausgang nahm, von dort auf das ganze Land übergriff und bis in den Mai andauerte.
1949 zog sich die Kuomintang-Regierung der Republik China im Kampf gegen die chinesischen Kommunisten während der Endphase des Chinesischen Bürgerkriegs nach Taiwan zurück. Dadurch entstand ein Zustrom von Kapital (Gold- und Währungsreserven), Kunstschätzen und gut ausgebildeten Festland-Chinesen, die zur Elite der Republik China gehörten und von denen sich viele in Taipeh und Umgebung niederließen. Die Stadt wurde so zum politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum Taiwans und ist heute eine der wichtigsten Städte Asiens.
Der Stadtrat von Taipeh (台北市議會) wurde 1946 gegründet. Seine Mitglieder werden durch direkte Abstimmung gewählt. Es gibt acht Wahlbezirke, darunter zwei Ureinwohner-Wahlbezirke. Der Sprecher und Vizesprecher des Rates werden in getrennten Wahlen durch die Versammlung gewählt. Beide müssen jeweils mehr als 50 % der Stimmen erhalten. Der Rat hat die Aufgabenbereiche zivile und finanzielle Verwaltung, Wiederaufbau, Erziehung, Verkehr, Polizei, Gesundheitswesen, Öffentlichkeitsarbeit, Gesetze und Regulierungen sowie Budgetierung.
Straßen- und Ortsnamen werden in Taipeh neben den Han-Schriftzeichen auch in Hanyu Pinyin in lateinischen Buchstaben ausgeschildert. Das früher übliche Wade-Giles oder Tongyong Pinyin werden offiziell nicht mehr verwendet. Dies gilt auch für die Beschriftungen im öffentlichen Nahverkehr. Allerdings sind gebräuchliche abweichende Bezeichnungen wie Taipei weiterhin in Gebrauch.
Mit dem 12. März 1990 wurde die Zahl der Stadtbezirke von bisher 16 auf 12 reduziert. Im Juli 2025 zählte Taipeh 2.451.007 Einwohner.
Forschungsinstitute, Hochschulen und Universitäten
Taipeh ist ein Zentrum der Forschungs- und Bildungseinrichtungen. Dazu gehören Universitäten, Hochschulen und die Academia Sinica, die nationale Akademie der Wissenschaften von Taiwan.
Taipei 101 Der bis Juli 2007 höchste Wolkenkratzer der Welt ist Taipehs Wahrzeichen. Er beherbergt ein Einkaufszentrum, Büros und eine Besucherplattform, zu der man mit Expressfahrstühlen kommt.
Nationale Chiang-Kai-shek-Gedächtnishalle Hier wird des langjährigen Präsidenten der Republik China Chiang Kai-sheks gedacht. Wie kein anderer Ort in Taipeh symbolisiert sie die nationale Befindlichkeit und Identitätssuche Taiwans. Außerdem ist der Gesamtkomplex mit Gärten, Teichen, der Nationalen Konzerthalle und dem Nationalen Theater ein Ort der Erholung.