Tadschikistan [taˈd͜ʒiːkɪsta[ː]n] (tadschikisch Тоҷикистон Todschikiston, amtliche Vollform Republik Tadschikistan, tadschikisch Ҷумҳурии Тоҷикистон Dschumhurii Todschikiston) ist ein Binnenstaat in Zentralasien mit 10,8 Millionen Einwohnern. Seine Fläche beträgt 143.100 km², also etwa doppelt so viel wie die Fläche Bayerns. Mehr als zwei Drittel des Landes sind Hochgebirge, nach durchschnittlicher Höhe ist Tadschikistan das höchste Land der Welt. Tadschikistan grenzt im Norden an Kirgisistan, im Osten an China, im Süden an Afghanistan und im Westen an Usbekistan. Hauptstadt und mit rund 1,2 Millionen Einwohnern größte Stadt ist Duschanbe. Weitere wichtige Städte sind Chudschand, Kulob und Bochtar. Der Großteil der Bevölkerung sind muslimische Tadschiken.
Während des Mittelalters gehörte Tadschikistan zum Kaiserreich Persien. 1868 wurde das Land Kolonie Russlands, ab 1929 (größtenteils schon ab 1924) war Tadschikistan eine Sowjetrepublik. 1991 erklärte sich Tadschikistan zum unabhängigen Staat und die folgenden Machtkämpfe führten zum Tadschikischen Bürgerkrieg (1992–1997). Seit 1994 beherrscht Emomalij Rahmon als „Führer der Nation“ Tadschikistan autoritär. Unter seiner Regierung kommt es regelmäßig zu schwerwiegenden Verletzungen der Menschenrechte. Weltpolitisch steht Tadschikistan vor allem unter dem Einfluss von China. Mit diesem ist es bspw. über die Organisation SOZ verbündet.
Tadschikistan ist ein Hochgebirgsland, das an Usbekistan, Kirgisistan, die Volksrepublik China und Afghanistan grenzt. Mehr als zwei Drittel der Fläche sind Hochgebirge. Fast die Hälfte des Staatsgebietes liegt auf einer Höhe von 3000 m und höher. Der Osten des Landes wird vom Pamir-Gebirge und dem größten Teil des Pamir-Hochlandes geprägt. Dort befindet sich auch der höchste Berg des Landes, der 7495 m hohe Pik Ismoil Somoni (früher Pik Kommunismus). Im Norden des Landes erstreckt sich das Alaigebirge. Südlich der Serafschankette liegt im Westen das Fan-Gebirge. Nur im äußersten Norden besitzt Tadschikistan mit einem Teil des Ferghanatals Tiefland, das durch den größten Fluss des Landes, den Syrdarja, bewässert wird und intensiv ackerbaulich genutzt werden kann. Im größten Teil des Landes ist wegen der Höhenlage und des Reliefs nur extensive Tierhaltung möglich. Der größte See ist der Karakul (380 km²) im Osten des Landes; weitere große Seen sind der Saressee (≈ 80 km²) und der Zorkulsee (38,9 km²). Der größte Stausee ist der Kairakkum-Stausee (520 km²) am Syrdarja. Insgesamt verfügt Tadschikistan über mehr als 60 Prozent der zentralasiatischen Wasserressourcen in fester und flüssiger Form.
Tadschikistan befindet sich in der trockenen subtropischen Klimazone. Das Klima ist extrem kontinental mit kalten Wintern und heißen Sommern. Außer in den Tal- und Beckenländern, wo ein subtropisches feuchtes Klima herrscht, werden in den Sommermonaten Temperaturen von bis zu 45 °C erreicht. Es bestehen große Temperaturunterschiede zwischen den tiefer und den höher gelegenen Regionen des Landes. Die Jahresniederschlagsmengen sind relativ niedrig, so dass Steppenvegetation vorherrscht. Im Ferghanabecken beträgt die Niederschlagsmenge nur 140 mm im Jahr. Die Südhänge des Hissargebirges sind mit 1700 mm im Jahr dagegen sehr niederschlagsreich.
Im Jahr 2023 lebten 28 Prozent der Einwohner Tadschikistans in Städten. Die sechs größten Städte (2016):
Kulob (russisch Kuljab) 102.400 Einwohner
Istarawschan (russisch Ura-Tjube) 61.200 Einwohner
Tadschikistan hatte 2023 10,1 Millionen Einwohner. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug + 1,9 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein Geburtenüberschuss (Geburtenziffer: 26,0 pro 1000 Einwohner vs. Sterbeziffer: 4,7 pro 1000 Einwohner) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 3,1, die der Region Europa und Zentralasien betrug 1,8. Die Lebenserwartung der Einwohner Tadschikistans ab der Geburt lag 2022 bei 71,3 Jahren. Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 21,5 Jahren. Im Jahr 2023 waren 36,1 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre, während der Anteil der über 64-Jährigen 3,6 Prozent der Bevölkerung betrug. Tadschikistan hat eine der jüngsten und am schnellsten wachsenden Bevölkerungen in Asien.
Ethnische Gliederung der Bevölkerung
Der Anteil der Tadschiken an der Gesamtbevölkerung des Landes stieg von 62 % im Jahr 1989 auf fast 80 % im Jahr 2000. Mit 84,3 % Bevölkerungsanteil bildeten die Tadschiken, ein iranisches Volk, im Jahr 2010 weiterhin die Mehrheit.
Etwa 13,8 % der Bevölkerung sind Usbeken und etwa 0,8 % Kirgisen. Weitere Minderheiten sind Russen (0,5 %), Tataren, Ukrainer, Deutsche, Koreaner und andere. Nach seinem Austritt aus der Sowjetunion und im Verlauf des anschließenden Bürgerkriegs haben viele Nicht-Tadschiken das Land verlassen. Lebten 1989 noch fast 400.000 Russen in Tadschikistan, so waren es 2005 noch knapp 140.000. Viele Bucharische Juden und Aschkenasen (1989 noch etwa 15.000 Menschen) verließen das Land, sodass die Gesamtzahl der Juden Tadschikistans auf rund 1.000 fiel. Ein Teil der Auswanderer wurde 1992 in einer von der Allgemeinheit kaum beachteten so genannten Luftbrücke nach Israel ausgeflogen.
In Tadschikistan lebt auch heute noch eine kleine Minderheit von sogenannten Russlanddeutschen. Ihre Zahl ist stark zurückgegangen, insbesondere nach dem Zerfall der Sowjetunion. Sie sank von 39.000 im Jahr 1979 auf ca. 1.700 im Jahr 2006. Heute gehören Deutschstämmige zur ärmsten Bevölkerungsschicht Tadschikistans. Sie leben inzwischen weniger in eigenen Dörfern (zum Beispiel Thälmann, nach Ernst Thälmann) in der Provinz Chatlon, als vielmehr in der Hauptstadt Duschanbe. Ehemalige deutsche Siedlungen wie die in den 1940er Jahren von Deutschen in der Provinz Sughd gegründete Stadt Istiqlol werden heute von Tadschiken bewohnt. Die deutsch-tadschikische Stiftung „Wiedergeburt“ hat den Erhalt von deutschen Gotteshäusern und Friedhöfen zum Ziel. Vor einigen Jahren veranstaltete die deutsche Botschaft in Duschanbe eine Weihnachtsfeier für die deutschstämmige Bevölkerung.
Die Kultur ist islamisch geprägt. Die Einwohner Tadschikistans sind zu über 90 % Anhänger des Islam, vorwiegend Sunniten. Lediglich im Osten leben Anhänger des schiitischen Islam, vor allem Ismailiten. Daneben leben auch ungefähr 230.000 (3,1 %) Christen im Land (Russisch-Orthodoxe, Evangeliumschristen-Baptisten, Tadschikische Katholiken, Siebenten-Tags-Adventisten, Koreanische Protestanten, Tadschikische Lutheraner sowie Zeugen Jehovas). Die Siebenten-Tags-Adventisten und vor allem die Baptisten zeichnen sich durch beständige Missionierung und durch Katastrophenhilfen aus. Außerdem leben in Tadschikistan Bahais, Zoroastrier, Anhänger von Hare Krishna und Juden (0,014 %), darunter vor allem Bucharische Juden.
Dass oppositionelle Islamisten die Errichtung eines islamischen Gottesstaates anstreben, dient der Regierung seit 2007 als Vorwand, um Moscheen zu schließen. Im selben Jahr verbot das Kulturministerium die Zeugen Jehovas wegen deren Wehrdienstverweigerung (es gibt in Tadschikistan keinen zivilen Ersatzdienst) und ihrer öffentlichen Missionstätigkeit.
2009 trat ein neues restriktives Religionsgesetz in Kraft. Gemäß diesem „Gesetz über die Gewissensfreiheit und religiöse Vereinigungen“ ist jede religiöse Betätigung ohne staatliche Registrierung verboten. Alle bestehenden Religionsgemeinschaften mussten um neue Registrierung ansuchen. Mangels erfolgter Registrierung ist derzeit die Tätigkeit zahlreicher Moscheen, der einzigen Synagoge des Landes und einiger protestantischer Gruppen wie der Baptisten verboten; Gotteshäuser wurden vom Staat konfisziert.
2011 wurde ein neues Gesetz beschlossen, das Minderjährigen jegliche Teilnahme an Gottesdiensten, religiösen Veranstaltungen und Religionsunterricht nichtregistrierter Glaubensgemeinschaften verbietet. Eltern, die ihren Kindern trotzdem deren religiöse Überzeugungen zu vermitteln versuchen, droht eine mehrjährige Haftstrafe.
Vor allem in den Städten werden zwei oder mehr Sprachen gesprochen. Die primäre Amtssprache in Tadschikistan ist das Tadschikische, das als Dialekt der persischen Sprache klassifiziert wird. Die offizielle Bezeichnung lautet „Tādschīkī“ (Tadschikisch); umgangssprachlich wird auch die Bezeichnung „Fārsī“ (Persisch) verwendet. Das Tadschikische entspricht weitgehend dem in arabisch-persischer Schrift geschriebenen Dari der Tadschiken in Afghanistan. Im Unterschied zu der in Iran und Afghanistan verwendeten Standardvarietät verwendet das Tadschikische infolge der atheistisch geprägten sowjetischen Assimilationspolitik seit den 1920er Jahren die kyrillische Schrift, die die Bevölkerung von persisch-arabischen islamischen Einflüssen entfremden sollte.