Tadeusz Różewicz (* 9. Oktober 1921 in Radomsko; † 24. April 2014 in Breslau) war ein polnischer Schriftsteller.
Tadeusz Różewicz wuchs als Sohn eines Beamten in Radomsko auf. Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg war er zunächst Fabrikarbeiter. 1941 schloss er sich der Polnischen Heimatarmee (AK) an. Sein drei Jahre älterer Bruder Janusz Różewicz, ebenfalls AK-Kämpfer, wurde Ende 1944 von der Gestapo hingerichtet. Janusz, der sich seit seiner Jugend für Literatur interessierte, führte Tadeusz in die Literatur ein, gab ihm Lektürehinweise und regte ihn zum Schreiben an. 1994 veröffentlichte der 72-jährige Tadeusz Różewicz ein Buch über seinen Bruder Janusz, Nasz starszy brat, mit erhaltenen Gedichten, Prosastücken, Briefen und Tagebucheinträgen, Erinnerungen von Angehörigen und Wegbegleitern sowie dem Bruder gewidmeten Gedichten von Tadeusz Różewicz. In Krakau studierte Tadeusz Różewicz nach dem Krieg Kunstgeschichte und schrieb seine ersten Gedichte. Sein erster Gedichtband erschien 1947. Binnen eines Jahrzehnts galt er als „jüngster polnischer Klassiker“ und später – bis Wisława Szymborska im Jahre 1996 den Nobelpreis für Literatur erhielt – als „größter lebender Lyriker seiner Sprache“. In den späten 1950er Jahren wandte er sich vor allem dem Schauspiel zu. 1960 wurde in Warschau Die Kartothek uraufgeführt, 1963 sein berühmtestes Stück, Die Zeugen oder Unsere kleine Stabilisierung. In den 1980er Jahren war er in der DDR einer der meistgespielten Dramatiker; für das polnische Theater gilt dies bis heute.
Tadeusz Różewicz lebte als Lyriker, Dramatiker, Erzähler und Drehbuchautor in Breslau. Er wurde mit zahlreichen Preisen auszeichnet. Günter Grass widmete ihm ein Gedicht mit dem Titel „Jemand aus Radomsko“.
Sein Werk ist in viele Sprachen übersetzt; seine Übersetzer ins Deutsche sind Karl Dedecius, Peter Lachmann, Ilka Boll, Christa Vogel, Armin Dross, Paul Pszoniak, Alois Woldan, Henryk Bereska, Bernhard Hartmann und Roswitha Matwin-Buschmann.
Sein Bruder Stanisław Różewicz (1924–2008) war ein Filmregisseur.
Preise und Auszeichnungen (in Auswahl)
1982 Österreichischer Staatspreis für Europäische Literatur
1994 Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen
1998 Samuel-Bogumil-Linde-Preis
2007 Europäischer Preis für Literatur
2011 Aus Anlass seines 90. Geburtstages rief die Stadt Breslau das Różewicz-Jahr aus.
Werke in deutscher Übersetzung
(jeweils in der Reihenfolge des Erscheinens der deutschen Ausgabe)
Offene Gedichte, 1945–1969. Carl Hanser Verlag, München 1969. Herausgegeben und übersetzt von Karl Dedecius
Schattenspiele. Gedichte 1945–1969. Heyne, München 1979. ISBN 3-453-85007-6. Übersetzt von Karl Dedecius
Überblendungen. Gedichte. Carl Hanser Verlag, München 1987. ISBN 3-446-14483-8. Übersetzt von Peter Lachmann
Das unterbrochene Gespräch. Gedichte. Droschl, Graz 1992. ISBN 3-85420-234-2. Übersetzt von Alois Woldan
Letztendlich ist die verständliche Lyrik unverständlich. Späte und frühe Gedichte. Carl Hanser Verlag, München 1996. ISBN 3-446-18575-5. Übersetzt von Karl Dedecius.